Monatsarchiv für August, 2010
Von Robin_7 am
28. August 2010 veröffentlicht
Es war eine kalte Samstagnacht. Halb 12, die Oper war zu
Ende. Endlich, wenn es nach Jessica Brayden ging. Die 32-jährige, sehr gut
aussehende, blonde Frau ging mit ihrem Begleiter für diesen Abend, John
Christofersen durch eine der unzähligen Seitenstraßen in New York City. Er war
dabei sie nach Hause zu geleiten, nachdem sie ihn nett lächelnd darum gebeten
hatte. Sie lachten miteinander und flirteten, was mindestens gleichermaßen oft
von ihr aus ging, wie von ihm. Dabei war er eigentlich überhaupt nicht ihr Typ.
Ihre Verflossenen bestanden allesamt aus demselben Muster: Meist um die 1,90
Meter hoch, muskulös, dunkelhaarig und mit einem leicht südländischen Touch
versehen. Doch dieses mal war alles anders. John sah zwar ganz nett aus, doch
er wirkte auf Jessica einfach eher wie ein Kumpeltyp. Nicht wie jemand den sie
aufforderte Sie nach Hause zu bringen, um danach mit ihm ins Bett zu steigen.
Er war, wenn überhaupt, großzügige 1,75 Meter groß, käse-weiß, und wirkte des
Weiteren nicht gerade sportlich. Doch er brachte sie heute Nacht nach Hause.
Auf einmal wurden beide aus ihrer kleinen Konversation herausgerissen, als etwa
3 Meter vor ihnen zwei prallgefüllte Mülleimer umkippten. Jessica blickte zu
John herüber und konnte den Schrecken sehen, welcher ihn gerade heimgejagt
hatte. “Alles in Ordnung bei dir? “, fragte sie ihn schließlich. Er
riss sich zusammen und antwortete in einer noch etwas hohen Tonlage:” Ja,
selbstverständlich! ” Seine Erleichterung war für sie deutlich spürbar,
während sie neben ihm stand, als sie sahen, dass eine streunende Katze zwischen den Mülleimern hervorkam. Jessica
dachte sich in diesem Augenblick nur eines, und zwar wie ein so riesiger
Angsthase und ein so großer Depp, wie John einer war nur so viel Geld machen
konnte, wie er es tat.
Sie wollten sich gerade wieder in Bewegung setzen, als es
hinter ihnen plötzlich unüberhörbar „Klick“ machte. Etwas irritiert drehten
sich die beiden um 180 Grad herum und blickten einem gänzlich vermummten Mann in die Augen, der aufgeregt mit einem
Revolver auf sie zielte.
„Oh mein Gott, bitte erschießen Sie mich nicht. Ich schwöre
ihnen ich gebe ihnen alles was sie wollen“, begann John mitleidswürdig zu
stammeln.
„Halt deine scheiß Klappe“ war die bellende Antwort des
Straßendiebes.
„Lass sofort dein Portemonnaie rüber wachsen“.
John reagierte sofort und warf ihm seine immer prallgefüllte
Brieftasche zu.
„Und deine Uhr will ich auch. Na wird’s bald“
Nachdem John all seine Wertsachen überreicht hatte, machte
sich die vermummte Gestalt schnellstmöglich aus dem Staub. Im Gegensatz zu
ihrem Begleiter war Jessica während der gesamten Situation vollkommen ruhig und
gelassen geblieben. Komischerweise hatte der Dieb auch nicht nach ihrer
Brieftasche verlangt. Doch daran konnte der innerlich und emotional völlig
aufgewühlte John in diesem Moment keinen Gedanken verschwenden. Er wollte den
Fall umgehend der Polizei melden, weshalb er sich bei Jessica, immer noch
leicht zitternd entschuldigte und sich auf dem Weg nach Hause machte, da er
seines Handys ebenfalls entledigt worden war. Endlich froh diesen Tollpatsch
los zu sein schlenderte Jessica durch New Yorks Straßen zu ihrer Wohnung
zurück. An ihrem Haus angekommen stieg sie in den Fahrstuhl, um zu ihrer
Wohnung im 16. Stock zu gelangen. Vor ihrer Haustür angekommen hörte sie dass
der Fernseher im Inneren der Wohnung lief und sich dort jemand bewegte. In
völliger Ruhe schloss sie die Tür auf und trat ein. Nachdem sie die Tür hinter
sich geschlossen hatte, sah sie sich dem Mann gegenüber, welcher ihren
Begleiter vor etwa 15 Minuten noch ausgeraubt hatte. Er trug keine Skimaske
mehr um sein Gesicht zu vermummen.
Jessica lächelte ihn an. Der Mann war 1,90 groß, muskulös, hatte dunkle Haare und
einen leicht südländischen Touch…
Von Lyra81 am
25. August 2010 veröffentlicht
Wenn Max die Welt erklärt
Da saß er nun, der 5 Jährige Max im Auto auf der langen Fahrt zur Oma und sagte voller Überzeugung „Mama, weißt du was, die Indianer essen manchmal ihre Töpfe mit“ – mit einem Fragezeichen im Gesicht sah ich ihn an und erwiderte skeptisch „wie kommst du den da drauf?“ – „ na Mensch Mama die machen ihre Töpfe aus Bissonhaut, und die kann man dann mit essen wenn das essen darin warm ist, – „woher weißt du das den?“ frage ich verblüfft. „Na von meinen ‚Was ist Was’ -Geschichten“.
Danach bekam ich eine Schulung zum Thema Universum; jetzt weiß ich wie Sterne sterben,das die Milchstraße immer größer wird und wie die Planeten heißen-beeindruckt stelle ich fest das er ganz schön Allgemeinwissen anhäuft. Schon peinlich wenn sich Mama vom Sohnemann was erklären lassen muss, doch irgendwie erfüllt es mich mit stolz.
Inzwischen ist er Sieben Jahre alt- seit fast einem Jahr in der Schule- und ließt alles was Buchstaben hat. Folglich darf ich keine Bücher oder Zeitschriften mehr unbedacht herum liegen lassen, die nicht für Kinderaugen gedacht sind. Ich glaube nicht dass sich die Lehrerin davon beeindrucken lässt wenn er voller Inbrunst allen Gleichaltrigen erklärt wie Frauen ticken. Das hätte zur Folge dass ich mich dafür rechtfertigen müsste ihm zu ermöglichen solch verwerfliches Zeug zu lesen, und dabei fühl ich mich dann als wäre ich selbst noch Schüler- ein demütigendes Gefühl. Daher liegen die Zeitschriften schön verstaut auf einem Stapel der für ihn zu uninteressant aussieht, als das man da ein Blick rein wirft.
Schon seit er redet, versetzt er mich ständig in Erstaunen.
Sein drittes Wort teilte er uns eindrucksvoll in der Kirche mit – seine Taufe- ein feierlicher Anlass. Er war gerade 1 Jahr und 3 Monate alt. Der Pfarrer schwang seine etwas ermüdende Predig und lies den Satz „ Die Kinder sind das Spiegelbild der Eltern“ verlauten als Max in voller Inbrunst und sehr laut in das Kirchenschiff „Scheiße“ rief. Vor Scham glich mein Kopf einer Tomate und ich wäre am liebsten im Boden versunken. Langsam rutsche ich immer weiter Richtung Schuhheizung (ja so was gibt es in unserer Kirche, obwohl es wohl er dafür gedacht ist kalte Füße zu vermeiden, hat aber den nicht so ganz angenehmen Nebeneffekt das
die Kirche oft nach angekokeltem Gummi riecht) und versuchte Max durch leises
verstohlenes ‚Psssttt’ zum schweigen zu bringen. Er fand es allerdings weniger
Erstrebenswert auf mich zu hören. Daher blieb mir nichts weiter übrig als für alle gut Sichtbar durch den Mittelgang zurück in den Vorraum der Kirche zu gehen, Max grinsend auf meinem Arm. Ich versuchte die Blicke zu ignorieren – erfolglos.
Sicherlich habe ich mir das selbst zuzuschreiben, hab ich doch bis dato nicht wirklich darauf geachtet, was mir beim Autofahren über vor mir dahin kriechende Autofahrer so über die Lippen rutscht.
Vor zwei Wochen stellte ich geschockt fest dass mein Sohn sich auf meinem Auto verewigt hat. Völlig begeistert von seinem neuen ‚Papa’ hat er für alle Welt sichtbar auf der Motorhaube eine Gravur hinterlassen – wie wir früher in der Schule auf jedem Tisch und jedem Schulheft. Mein Gesicht zeigte eine lachende und weinende Seite, den die Geste an sich war super schön – aber das die Mama die Hände über dem Kopf zusammen schlägt und schockiert an die Kosten der Bereinigung des ‚Tattoos’ denkt war ihm wohl nicht klar.
Kleinlaut gab er zu das dass keine gute Aktion war, und er sowas nie wieder tut. Sogar die Strafe wurde ohne murren akzeptiert. Hier hab ich jetzt ein gemischtes Gefühl von Stolz und Enttäuschung.
Aber vor kurzem gab es wieder einer dieser Glanzmomente in denen ich vor Stolz fasst überlief wie eine Randvolle Gießkanne; Spät Abends, wir saßen auf dem Sofa, eigentlich sollte er schon schlafen, die Zimmertüre ging, es klopfte zaghaft an der Tür, er lugte herein, und sagte ganz stolz „Mama weißt du was? ich hab gerade eine ganze Geschichte Pickeldy und Frederrick gelesen“ 3 Seiten, und er habe alles verstanden. Genial – da fand ich ihn unglaublich toll!
Von Fabio Del Bianco am
11. August 2010 veröffentlicht
Wir schreiben das Jahr 1974 n. Chr., die ganze Welt ist vom WM-Fieber infiziert, die ganze Welt…? Ja, sogar das kleine deutsche Dorf…! Sie glauben es nicht? Dann lassen Sie mich Ihnen eine Geschichte erzählen.
Basel/Weil am Rhein(Dreiländereck) 14. Juni 1974
Für gewöhnlich sprach mein Opa nicht, und in Ausnahmefällen schwieg er sogar! Ich, damals zehn Jahre alt, dagegen war das was man einen „Schnurri“ nannte. Als meine Mutter und ich bei meinen Grosseltern ankamen, verschwand mein mittlerweile seliger Opa augenblicklich in sein „Refugium“. Um ihn in die Küche zu locken, wo meine geschwätzigen Tanten bei Kaffee und Kuchen inne hielten, bediente ich mich eines Tricks. Ein stinkendes Etwas mit Namen „Münsterkäse“ musste dafür herhalten. Schlurfende Schritte, ein scharfer Blick, das Käsemesser in Reichweite. Opa nahm den Käse aus meiner Hand lächelte und fragte: „Willst Du auch ein Stück?“ Natürlich wollte ich.
Man sollte wissen, Gefühlsregungen dieser Art waren nahezu inexistent bei ihm.
Seine Handbewegung befahl mir ihm zu folgen. Im Wohnzimmer schaltete er den Fernseher ein.
Fussball-WM; Deutschland gegen Chile.
Opa`s Zeigefinger bewegte sich unendlich langsam zu seiner rissigen Lippe, um mir anzuzeigen dass ich zwar zusehen durfte, aber schweigen sollte. Ehrfürchtig und ohne einen Ton zu sagen, setzte ich mich hin und sah mein allererstes WM-Spiel.
Das Geschehen plätschere so vor sich hin. Selbst für fussballverrückte Schreihälse kein Grund für Emotionen. Die 18. Minute, Paul Breitner der bayrische Querdenker schnappt sich den Ball und zieht aus rund 22 Meter ab. Die Kugel nistet sich im Lattendreieck ein. 1-0 für Deutschland.
Mein Opa springt auf als hätte er sich den Allerwertesten Gotts jämmerlich verbrannt und schreit aus Leibeskräften: „Tor..Tooor..Jaaa..Toor endlich!“ Ich höre ihn heute noch, 36 Jahre später, vor Freude schreien. Mit offenem Mund und schwer verwirrt starre ich meinen Grossvater an. Wer ist diese Person? In diesem Moment verwandelte die Macht des Fussballs diesen stummen alten Mann in ein schreiendes „Ich weiss nicht was“. Dreissig Sekunden später, sass mein Grossvater ruhig und keine Mine verziehend wieder in seinem Sessel.
In jenen Junitagen, wurde ich infiziert vom leidenschaftlichen und unerklärlichen Fussballvirus. Der Überträger war mein Opa, dafür bin ich ihm auf ewig dankbar. Heilung ausgeschlossen.
Fabio Del Bianco
ANNO DOMINI 2010
Von Fabio Del Bianco am
11. August 2010 veröffentlicht
Cup Viertelfinal 1989 Basel vs. Aarau.
In jenen Tagen bewegten wir Basler uns im Elend der Nationalliga B.
Die Tristesse hatte an diesem Tag mal Pause. Erwartungsfrohe Fans bewölkerten das Joggeli. Chris und ich gehörten auch dazu. Um die Spannung gleich mal raus zu nehmen, Basel verlor mit 0-2.
Ein Ex Basler versetzte die Massen in Rage. Adrian Knup wurde an diesem Abend zum unwiderruflichen Judas. Er hatte doch tatsächlich den Magen beide Tore gegen unseren FCB zu schiessen. Dieser Verräter freute sich sogar noch. Die Basler Volksseele kochte.
Vorallem meine tat`s. Was für ein trauriger Mist, wieder nichts mit Freude und feiern. Die Vergangenheit wurde an diesem Abend wieder einmal von der Realität eingeholt. Der Stich in mein Basler-Fussball-Herz war tief und bitter.
Dieser Judas MUSSTE bezahlen, wir wollten ihn alle beim Ausgang abfangen. Wir stampften zu unserem finalen Ziel.
Jetzt begann ich sogar noch zu singen, ich schrie eher. “Aarau muss brennen, Aarau muss brennen”. Mein Freund Chris schaute mit einem belustigten Blick zu mir und schrie mit. In dem Moment wussten wir beide, was für ein hirnlosen Schrott wir da von uns gaben. Aber es gefiel uns so primitiv zu sein. Es befreite uns vom Frust der Niederlage
Die Anderen die mit uns stampften, schauten voller Einvernehmlichkeit zu mir, und schrien noch lauter: “Aaarauuu musss brennnen”!!
Die meinten es wohl Ernst, na ja wohl ernster als ich und Chris.
Als dann Adrian Knup rauskam und zum Mannschaftsbus des FC Aarau lief, er tat dies etwas schneller als gewöhnlich, schrien wir uns die Lunge aus dem Leib. “Judas, Judas” hörte ich mich brüllen.
Im Endeffekt kratzte ihn und den FC Aarau das Gekrätze wenig bis gar nicht. Die Stadt Aarau wurde auch nicht abgefackelt, sie steht unversehrt dort wo sie stehen sollte.
Viel heisse Luft um den unsäglichen Frust zu bewältigen, Chris und ich fanden es lustig. Doch eigentlich war diese Art von Nachspielzeit nicht mein Ding. Es war jedoch interessant mich selbst dabei zu beobachten, wie ich scheinbar die Kontrolle über mich verlor.
Als wir letztendlich von Dannen zogen, sah ich meinen Cousin an einer Hauswand stehen. Arme und Beine gespreitzt und von der Polizei etwas intensiver begutachtet. Ich grüsste ihn, “Andi, alles klar wie geht`s?” “Gut Danke und Dir?”
“Scheiss Spiel” hörte ich mich noch sagen.
Fabio Del Bianco