Short Story

Kurzgeschichten mit Links

Monatsarchiv für September, 2010

Messer

Von kolossaler knabe am 29. September 2010 veröffentlicht

Silbern glänzt die Klinge. Ein langsames Ausholen. Eine schnelle Bewegung. Ein Schrei. „Was ist denn das? Die Erdnussbutter ist ja total ranzig. Wir müssen neue kaufen“, meinte er und nahm das Glas in die Hand. Er begutachtete das Etikett. Vor zwei Jahren abgelaufen. Er verschloss das Glas und warf es seiner Frau ins Gesicht. Sie schaute ihn verwundert an. Er ging zu ihr, bückte sich und las die Scherben auf. Dann ging er in die Küche, während sie die Erdnussbutter mit ihrer Hand vom Teppich abstreifte. Dann ging auch sie in die Küche. Er stand am Mülleimer und entsorgte die Scherben. Sie kam von hinten langsam an ihn ran und bat ihn dann freundlich, zur Seite zu treten, damit sie sich die Hände waschen konnte. Als sie fertig war, setzte sie sich zu ihm ins Wohnzimmer und die beiden planten ihren nächsten Urlaub. Als auf einmal die Decke einstürzte, befreite er sich aus den Trümmern, griff zum Telefon und buchte gleich für die nächste Nacht ein Hotel.

Cinderella 2010 (Teil 1)

Von MJ am 29. September 2010 veröffentlicht

“Estelle, bitte komm mal in die Küche”, ruft Sabine Weiland durch die kleine Wohnung am Stadtrand von Berlin. “Ich muss mal mit dir sprechen.” Das dies nichts Gutes zu bedeuten hat, ist Estelle sofort klar. Nur selten sucht ihre Mutter ein klärendes Gespräch, wenn etwa Geldprobleme der Familie zu schaffen machen oder Estelles Vater, der nicht mehr bei der Familie lebt, nicht mit den Unterhaltszahlungen nachkommt. “Ich komme”, ruft Estelle hastig und zieht eilig ihren Lidstrich nach bevor sie sich auf den Weg in die kleine Wohnküche macht. Dort sitzt Ihre Mutter alleine am Tisch. Michel, ihr kleiner Bruder, darf heute bei einem Freund übernachten und daher will die Mutter – das weiß Estelle – die Chance nutzen, um mit ihrer Tochter zu sprechen. “Schatz, dein Vater macht mal wieder Probleme. Er hat für die letzten beiden Monate keinen Unterhalt überwiesen. Ich muss leider ab nächster Woche wieder mehr arbeiten gehen. Das heißt für dich, dass du jetzt zwei Mal in der Woche auf deinen Bruder aufpassen musst.” “Kein Problem”, antwortet Estelle wie aus der Pistole geschossen. “Ich muss aber jetzt los, Cynthia wartet schon.” Sie springt sofort auf, drückt ihrer Mutter einen Schmatzer auf die Stirn und zieht ihre neuen Schuhe, ein Paar Vans, das sie sich mühsam vom Taschengeld angespart hatte, aus dem Schuhschrank. “Ich bin um zwei wieder zuhause” ist das letzte, was die Mutter in der Küche hört. Denn im gleichen Moment verschwindet Estelle ohne auf eine Antwort zu warten in den dunklen Gang des großen Mehrfamilienhauses.

Cynthia, mit der sie gemeinsam die 12. Klasse des Gymnasiums besucht, wartet bereits ungeduldig mit Zigarette in der Hand vor dem Haus auf einer Bank. “Mensch, du brauchst echt immer ewig bis du fertig bist”, sagt sie bei der obligatorischen Umarmung mit leicht vorwurfsvollem Ton. “Ich musste noch mit meiner Mutter sprechen”, versucht Estelle als Erklärung zu erwidern, doch diese will Cynthia wohl nicht hören, denn sie zieht ihre Freundin im gleichen Moment am Arm in Richtung S-Bahnhof. Dort angekommen schaffen die beiden Freundinnen es noch gerade in den letzten Wagen der Bahn zu springen, bevor sich die Türen schließen. Nach rund zwanzig Minuten Fahrt erreichen beide den Stadtteil Friedrichshain. Dort sind sie mit zwei weiteren Freundinnen in einer Bar verabredet. Da heute alle vier Mädchen früher zuhause sein müssen, steht statt Tanzen ein nettes Bargespräch auf dem Programm. Die angesagte Bar in der Nähe der Warschauer Straße ist schon brechend voll. Estelle und Cynthia sehen erst nach einigen Minuten ihre beiden Freundinnen, die einen Tisch in der Ecke ergattern konnten.

Cynthia läuft zielstrebig auf die anderen zu, während Estelle noch in ihrer Tasche nach dem Handy kramt. Als sie wieder aufblickt hat sich die Lücke vor ihr geschlossen. Sie sieht nur ein breites Kreuz eines Mannes, der sie um einen halben Kopf überragt. “Entschuldigung, darf ich mal durch”, ruft sie laut, um gegen die laute Musik anzukommen. Doch vergeblich. Der junge Mann dreht sich nicht um. Erst als sie ihren Finger auf seine Schulter tippt dreht sich der große Dunkelhaarige um und blickt ihr in die Augen. Estelle starrt wie gebannt in die braunen Augen eines hübschen Mannes. So scheint sich wohl Liebe auf den ersten Blick anzufühlen, schießt es ihr durch den Kopf. Auch der junge Mann mit kurzem Haar und lässigem Dreitagebart scheint Gefallen an der Situation zu finden, denn auch er erwidert den Blick mit einem Lächeln. “Sorry, aber ich will durch”, ist das einzige, was Estelle ohne den Blick abzuwenden sagen kann. Der geheimnisvolle und doch auf sie so anziehend wirkende Fremde bewegt sich aber keinen Millimeter und bleibt mit einem unverschämten Lächeln vor ihr stehen. Plötzlich beugt er sich zu ihrem Ohr vor und flüstert mit einem deutlich erkennbaren französischen Akzent ins Ohr: “Bleib noch ein wenig stehen.”

Während der Franzose mit säuselndem Ton eine Annäherung wagt, versucht Estelle, die trotz französisch klingendem Namen weder etwas mit dem Land zu tun hat, noch die Sprache beherrscht, den Fremden zu begutachten. Sie erblickt ein Shirt von Lacoste, eine feine Jeans und edle Markenschuhe. Eigentlich nur Äußerlichkeiten, jedoch wird ihr schnell klar, dass sie es hier nicht mit einem armen Schlucker zu tun hat. “Ich bin Pierre und bin Austauschstudent”, sagt der großgewachsene Franzose ohne dabei sein Lächeln aufzugeben. Estelle fehlen immer noch die Worte. Sie kann lediglich mit dem Kopf nicken und versucht sich an ihrem Gegenüber vorbei zu drängeln. “Bleib doch noch hier”, ruft er hier hinterher. Doch vergeblich: Estelle läuft wortlos zum Tisch ihrer Freundinnen, die sie mit großem Hallo begrüßen. Von dem attraktiven Unbekannten erzählt sie jedoch nichts. Nach einer Stunde muss Cynthia zur Toilette. Auch Estelle nutzt die Gelegenheit und begleitet ihre beste Freundin. Nach fünf Minuten versuchen Sie sich erneut zu ihren Freundinnen durchzudrängen. Diese schauen entgeistert auf einen Zettel. “Mädels, was ist los”, fragt Cynthia. “Die Karte ist für Estelle”, entgegnet ihr Nadine, die noch immer mit großen Augen auf den Zettel starrt. Verwirrt schaut Estelle auf das Stück Papier, das sich als edle Visitenkarte entpuppt, und kann nur mit Mühe einen Schrei vor Glück unterdrücken. Der Zettel stammt von Pierre und neben seiner Telefonnummer steht mit Tinte ein “Bitte ruf mich an!” … Fortsetzung folgt.

Die mysteriöse Frau

Von norman am 29. September 2010 veröffentlicht

Sie kam zur Tür herein und war sich ihrer Erscheinung durchaus bewusst. „Sind Sie Herr xxx?“, fragte sie mit dem Lächeln einer Frau, die es gewohnt war, zu bekommen, was sie wollte.

„Ich glaube, das lässt sich nicht verbergen.“ erwiderte ich und wies auf das Türschild.

„Dachte ich es mir doch“ lächelte dieses Prachtweib kokett. „Ich habe gehört, Sie sind der Beste?“

„Nun“ entgegnete ich „dann wird es wohl stimmen, oder?“ „Was führt Sie zu mir Lady?“

„Ach“, seufzte sie „die Männer wollen bei mir nur das Eine.“ „Kann ich mir gar nicht vorstellen“ bemerkte ich mit einer gekonnten Spur von Ironie und wies auf ihr üppiges, einladendes Dekollté. „Sehen Sie, genau das ist mein Problem!“ presste sie durch ihren Schmollmund.

„Na, meiner Meinung nach sind es eher zwei Probleme, oder?“ konnte ich mir eine Bemerkung nicht verkneifen. „Ist das schon immer so gewesen?“

„Naja, zumindest seit ich zur Frau gereift bin – aber es wird immer extremer. Keiner sieht mich, wie ich wirklich bin.“

Die nächste Frage, die ich stellte, war naheliegend und doch musste ich sie fragen: „Sie wissen schon, dass ich keine Partnervermittlung bin?“ „Ja“ seufzte sie, „Die konnten mir auch nicht weiterhelfen. Was soll ich den nur tun?!“

„Wenn Sie wollen, helfe ich Ihnen.“ sagte ich zögernd. „Ja”, erwiderte sie. “Ich mache alles, was Sie wollen.“ „Wirklich?“ „Ja, wirklich“ klang es auf einmal ganz verzweifelt aus ihr heraus.

„Okay“ erwiderte ich „Machen Sie sich auf etwas gefasst.“…

„Wir beginnen damit, dass… „ Ich ließ eine Kunstpause.

„Wir beginnen damit, dass Sie mir einmal erzählen, wie Sie wirklich sein wollen.“ Immerhin ist das ja der Grund warum Sie hier zum Coaching gekommen sind…

Nanos Regenschirm

Von Nanotechniker am 29. September 2010 veröffentlicht

Unter den kleinen Wesen die sich im selben Wald befanden,
konnte man auch jemanden wiedererkennen, der sich seit langer Zeit nur als Geruch in den Märchen aufhielt.
In diesem Wald jedoch nahm er Gestalt an. Kurz wurde ihm der Name Nano gegeben,
und er lebte unter kleinsten Dächern und ging durch schmälste Wände. Als man ihm aber die Frage stellte,
wie lange das Wasser auf Erden noch reichen würde, das von Menschenhand seit Jahrhunderten verschwendet wird,
nahm Nano seinen Regenschirm und ging in die Wälder zurück. Was ist Nanotechnologie? Was ist Wasser?
Was von beiden braucht der Mensch wirklich?

Tolle Reise nach Kambodscha

Von ghostwriter am 27. September 2010 veröffentlicht

Kambodscha? Was kann ich denn in Kambodscha schon sehen? – fragte ich meinen Kumpel, der mich dazu drängte, ihn auf seiner Kambodscha-Reise zu begleiten. “Angkor Wat, zum Beispiel!”, antwortete er und konnte mich nach einer langen Unterredung dann doch überzeugen, mit ihm nach Kambodscha zu fliegen. Vor dem Abenteuerurlaub in Kambodscha war ich skeptisch, danach wollte ich sofort einen neuen Flug dorthin buchen. Denn unsere Kambodscha-Reise war so faszinierend, dass mir heute noch ganz warm ums Herz wird, wenn ich daran denke. Den ganzen Beitrag lesen »

Abenteuerurlaub auf den Philippinen

Von ghostwriter am 27. September 2010 veröffentlicht

Vor eineinhalb Jahren habe ich mit vier Freunden einen wunderschönen Road Trip entlang der Ostküste der philippinischen Insel Mindanao gemacht. Unterwegs waren wir mit einem roten Jeep. Da die Ostküste von Mindanao alles andere als touristisch gut erschlossen ist, übernachteten wir meist in unseren mitgebrachten Zelten oder in offenen Bambushütten. So waren wir oft ein “gefundenes Fressen” für viele umherschwirrende philippinische Mücken. Den ganzen Beitrag lesen »

Er war ein Kämpfer

Von Prestin am 22. September 2010 veröffentlicht

Ich weiß noch genau den Tag wie er zu uns kam, es war der 11.11.2008 abends um 20,30 Uhr.  Er war klein und drahtig, kam, sah und siegte. Ich habe ihn sofort ins Herz geschlossen. Und er verewigte sich erst mal im Wohnzimmer- unser Schlingel ein kleiner schwarzer Scotch-Terrier ca. 13- 14 Jahre alt. Immer schon träumte ich davon wieder ein Tier bzw einen Hund im Hause zu haben. Aber mein Mann meinte immer: Nein, ein Tier kommt mir nicht mehr ins Haus!” Wie es so manchmal der Zufall will sind wir dann doch auf den Hund gekommen. Und dass war so:  Mein Mann musst mit seiner großen Tochter nach Hamburg, weil seine ehemalige Frau verstorben ist und die große Tochter musste sich um die Beerdigungsangelegenheiten kümmern und bat ihren Vater als Hilfe mit zu kommen.  Dazu haben sie sich mit der Freundin am Friedhof getroffen und den Schlingel mitgebracht. Der Mann von der Freundin sagte daraufhin gleich:

“Den Hund, den will ich nicht, den müsst Ihr mitnehmen!.” Daraufhin fragte mein Mann nach dem Tierheim. Der andere Mann wusste nicht wo das Tierheim in Hamburg ist.  Jetzt sagte mein Mann: ” Gut, dann nehmen wir den Hund mit, ins Tierheim kann ich ihn auch in Frankfurt tun!”

So kam er zu uns. Unterwegs riefen beide an und sagten nur: “Wir bringen einen Hund fürs Tierheim mit!”. Ich sagte gut, überlegte aber zwischenzeitlich ob sie auch was zu Essen hatten. Darauf rief ich noch mal an und sie verneinten. Ich besorgte noch was zu Essen. Nun war er da, nach 3 Tagen sagte mein Mann:”Wir behalten ihn mit allen Konsequenzen!” Schlingel war schon 13 Jahre alt. Wir gingen zum Tierarzt, der dann einen Herzklappenfehler feststellte. Im 2.Winter kam noch das Cushing-Syndrom dazu- ein Fehler der Nebennierenproduktion Cortisol. Im Juni diesen Jahres bekam er während ich in Kur war, dann noch epiletptische Anfälle  und mein Mann musste ihn einschläfern lassen.  Die Tierärztin sagte nach der 1. Spritze, er brauch eine 2. Spritze, denn er ist ein großer Kämpfer- er wollte nicht sterben. Nach der 2. Spritze ist er dann endlich friedlich eingeschlafen.

Er war unser treuer Begleiter für 1 1/2 Jahre. Er war ein, ein ganz lieber Hund und sehr verschmust, seinen Garten liebte er sehr. Wir werden ihn nie vergessen.

Der Herr Der Ringe

Von coelho am 17. September 2010 veröffentlicht

Mittelerde. Das Land der Elben und der Zauberer sieht sich nach vielen Jahren plötzlich vor einer finsteren Bedrohung. Sauron, der grausame Herrscher von Mordor, ist zurückgekehrt und er sucht nach einem alten magischen Ring. Mit dessen Macht will er Mittelerde ins Dunkel stürzen. Er ahnt nicht, dass ein kleiner Halbling bereits den langen Weg auf sich genommen hat, diesen Plan zu durchkreuzen.

Schon im Kino hat die über neunstündige, oscarprämierte Filmtrilogie „Der Herr Der Ringe“ Fantasy- und Filmfans in höchste Euphorie versetzt. Unglaubliche Bilder, sagenhafte Schlachten und große Geschichten über uralte Elbenvölker und verfeindete Königreiche; Damit allein gelang Regisseur Peter Jackson („King Kong“) eine einzigartige Hommage an J.R.R. Tollkien, dem Erfinder dieser sagenhaften Welt.

Die Geschichte erzählt von fremdartigen Wesen und gigantischen Schlachten. Aber sie erzählt auch von der Treue wahrer Freunde und von schicksalsgeschlagenen Figuren. So erfährt man von der unmöglichen Liebe der Elbenfrau Arwen (Lif Tyler) und des innerlich zerrissenen Königssohns Aragorn (Viggo Mortensen), der am Ende höchsten Heldenmut beweist und endlich die verlorene Würde seines Vaters wiederherstellt. Obwohl der Film immer die Wichtigkeit von Hoffnung und Courage suggeriert, sackt er niemals in platte „Alles wird gut“-Attitüden ab. Nicht alle gutwilligen Charaktere bestehen auch die Feuerprobe oder erleben den Ausgang der Geschichte. Eben das macht, neben der hervorragenden Schauspielleistung, „Der Herr Der Ringe“ so tiefschürfend. Da verzeiht man ihm gerne auch die Überlänge. Eine Eins Plus mit Stern!

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Spanischer Traum zwischen Flamenco und Realität

Von bigboy am 16. September 2010 veröffentlicht

Zwischen Kastilien-La Mancha und der Extremadura liegt Andalusien und lockte mich mit den rhythmischen Klängen des Flamenco, in andalusischen Hinterhöfen, charmanten spanischen Gärten und tanzenden Schönheiten, die mit ihrem langen rotschwarzen Kleidern ihre Reize betonen und einem nackten Rücken entzücken. War es einst das Klang der vielen Kulturen, der Flamenco und heute als spanische Musik weltweit bekannt, der sich in Spanien fand und mein Interesse weckte, mündete ich in einem billigen stummen Hotel, einer spartanisch-modernen Mainstream-Ausstattung ohne spanischen Flair. Die Zimmer waren klein, dunkel und stickig. Erwartete ich doch, dass in Sevilla das Klima heiß und trocken ist, drückte das Zimmer doch meine Stimmung. Es fühlte sich an wie Liebeskummer, ein Stechen im Körper wenn die Liebe nicht erwidert wird, wenn Wünsche und Hoffnungen nicht erfüllt werden. Noch am gleichen Abend der Ankunft versuchte ich mich nach dem langen Flug auf dem harten Bett des blaugelben Möbelausstatters zu entspannen und meine Gefühle über die Enttäuschung des ersten Eindrucks einzudämmen, als klappernde Kastagnetten meine Aufmerksamkeit weckten.

Als die akustische Gitarre anfing den Hinterhof des Hotels zu beschallen und eine schöne weibliche Stimme die die Gassen beschallte, zog es mich aus meinem Zimmer. Selbst durch die kleinsten Gänge, alten Treppenhäuser und hölzerne Türen geschmückt mit echten Rosen, schallte der Flamenco mir den Weg zu den Wurzeln des spanischen Lebens. Der Mentalität und des Traums, dem man sich hingibt, wenn spanische Gitarre ihre Töne durch die Luft schwingt und längst nicht nur im Gehör mündet, sondern die Eroberung des Herzen als Ziel halt. Mag es ein romantischer Moment gewesen sein, da ich nicht erwartet hätte dass eine Unterkunft in Sevilla dieser Qualität die historischen Türen mit echten Rosen beschmückt. Wohl war es der Duft der Rosen, der meine Nase erreichte und plötzlich mein Empfinden veränderte. Als die weibliche Stimme in mein Herz schallte, bestürmte mich ein Gefühl, das ich nicht beschreiben konnte. Einen Sangria wollte ich mir erst im Laufe des Abends gönnen, doch die Gitarrenklänge und der schnelle Takt der Kastagnetten lösten ein Gefühl der Euphorie aus, die Stimme der Flamencosängerin ein Gefühl der Verliebtheit und die Rosen eine Stimmung der Sorglosigkeit. Kurz in Gedanken verlaufen, öffnete ich die mit Rosen beschmückte Tür, um die spanischen Musiker auch mit meinen Augen zu sehen und was ich sah, war mein Nachttisch.

Doch das Gefühl der Leidenschaft und Begeisterung war nicht vergangen, so machte ich mich auf aus dem Zimmer in die Gassen Sevillas. Weit müsste ich nicht gehen, lange dürfte es nicht dauern, um eine spanische Flamencogruppe anzutreffen und meinen Traum wahr zu machen.