Short Story

Kurzgeschichten mit Links

Monatsarchiv für Dezember, 2010

Dianes goldener Bilderrahmen

Von Jodokus am 29. Dezember 2010 veröffentlicht

Jodokus ist ein kleiner Entenerpel der in einem Baumhäuschen wohnt. Er hat sich seine Wohnung schon sehr schön eingerichtet mit einem flauschigen Bett aus Entenfedern, einem Holztisch, ein paar Stühlen und einem Ofen, der ihn schön wärmt, wenn es im Winter klirrend kalt ist. Wenn ihm einmal langweilig ist, dann lädt er seine Freunde zu sich ein um zu spielen oder um gemeinsam auf der Baumterasse Träumen nachzuhängen. Die Baumterrasse hat er mit vielen kleinen golden Spiegelrahmen ausgestattet, die das Sonnenlicht in den grünen Blättern des Eichenbaumes spiegeln lassen.

Doch manchmal wird Jodokus traurig dabei, denn er vermisst seine Diane, eine schöne Entendame, die schon lange über den großen Teich nach Entenstetten geschwommen ist, wo sie mit ihren Eltern eine moderne Stadtraumwohnung bezogen hat. Jodokus zieht das einfache Leben auf dem Land vor, mit seinen Freunden, der guten Luft und den vielen Erlebnissen am Fluss, im Wald oder den tiefen Gedanken eines Entenerpels auf seiner Baumterrasse. Aber im nächsten Sommer möchte Jodokus Diane unbedingt besuchen, denn er vermisst sie doch so sehr. Zuviele schöne Erinnerungen verbinden ihn mit Diane, wie sie unten am Fluss gemeinsam dem Sonnuntergang entgegengeschwommen sind, oder Fliegenfischern mit ihrem Gesangesgequake den letzten Fisch verjagt haben. Er möchte sie auch überreden, zu ihm in sein Baumhaus zu ziehen, das er doch so schön eingerichtet hat. Dabei wird er ihr auch erzählen, das er ihr Bild über dem Kamin aufgehängt hat, in einem wunderschönen, wertvollen Bilderrahmen, den er selbst gemacht hat, mit echtem Gold belegt, dass er selbst im Fluss mit seinen eigenen Federn gesiebt, dann geschmolzen und zu Blattgold verarbeitet hat. Jodokus ist nämlich auch ein sehr begabter Handwerker und hat bei Vergolder Antikus, dem Bieber und Holzbaumeister, gelernt, wie man Blattgold herstellt. Jodokus denkt sich, es wäre doch gelacht, wenn er, der Gold zum Schmelzen bringt, nicht auch das Herz von Diane zum Schmelzen bringen könnte. Und er kann ihr dann auch erzählen, das viele andere Bewohner im Wald und auf dem Land seine Bilderrahmen mögen, und er diese sicher auch in der Stadt verkaufen kann. Und so verfliegt die Traurigkeit wieder aus Jodokus´ Entenerpelgesicht. Ob Jodokus bald Diane in seine goldenen Erpelflügel nehmen darf?

Tanzende Klingen

Von E- sarinah am 18. Dezember 2010 veröffentlicht

Tanzende Klingen

Es ist dunkel doch der Mond, wirft ein gespenstisches Licht, auf die Szenerie wo zwei Menschen einander gegenüber stehen. Beide umkreisen sich mit erhobenen Klingen.Plötzlich stößt das Mädchen vor und ihr Degen pfeift durch die kühle Nachtluft. Erschrocken weicht er zurück, lauernd wartet er auf einen erneuten Angriff, der aber nicht kommt. Der Mann ergreift die Initiative und beschreibt mit seiner Waffe einen Bogen. Doch sein Angriff schlägt fehl, denn sie wirft den Kopf zurück und entgeht so seiner Klinge.

Ein kaltes lächeln erscheint auf ihren Lippen und er kann das Eis, dass wie silbernes funkeln wirkt, deutlich in ihren dunklen Augen lesen. Sie hebt abermals das Schwert, was aber sacht zittert, ob aus Kampflust oder Kälte kann er nicht erkennen. Ihr Atem geht schnell und sie musste zugeben, dass sie überrascht war, denn er hätte sie fast getroffen. Nebel lässt die unheimliche Umgebung noch dunkler erscheinen. Doch die Frau nutzt für sich und zieht sich zurück, denn sie wartet auf den richtigen Augenblick. Wenn er doch nur endlich angreifen würde und ihre Geduld nicht auf die probe stellen würde. Der Angriff kam so überraschend, dass sie der Klinge nicht mehr entgehen konnte. Sie schnitt in ihren Arm, durch ihr Fleisch bis auf den Knochen hinab, vor Verblüffung nimmt sie weder das Blut was ihren Arm hinunter läuft, noch den pochenden Schmerz war. Verwundert über seinen Treffer zieht er sich ans Ende der Arena zurück, aber die Klinge zu senken. Der Nebel wird dichter, und nimmt ihnen auch noch das letzte bisschen Sicht. Vom Nebel umgeben wartet und lauscht er auf ihre Schritte, auf die Klinge. Aber sie ist verletzt, denn er hat ihren wunden Punkt erwischt. Das schwarze T-Shirt klebt auf der Wunde, die sie sich durch ihre eigene Unachtsamkeit zugezogen hatte.

Sie musste sich auf die Lippe beißen und sich ganz auf ihren Gegner konzentrieren, denn sonst würde sie vor Schmerz nach Luft schnappen. Jäh durchdringt seine Stimme den Nebel:“ worauf wartest du? auf schönes Wetter.“ Er ist mehr als nur verblüfft, als ein leises lachen erklingt. Sie atmet noch mal tief durch und bewegt sich Schritt für Schritt vorwärts bis sie in der Mitte der Arena angekommen war. Er weis nicht, warum er plötzlich ihre Anwesenheit so stark wahrnimmt und er weis auch nicht woher die plötzliche Faszienation für ihr Wesen kommt.  Im Zickzackkurs bewegen sich beide durch den Dunst, ohne einander zu berühren, oder auch nur nahe zukommen. Jedenfalls sah es so aus, bis er plötzlich hinter ihr steht. Wie von unsichtbaren Fäden gezogen, legt er seine Hand genau auf ihre Wunde, scharf zieht sie die Luft ein und dreht sich um. Doch statt ihn anzugreifen, sieht sie nur in seine Bernstein Augen. Sie ist verwirrt von ihren Gefühlen und weicht zurück.

Der Mann folgt ihr aus dem Nebel, der fast ganz verschwunden ist und das Mondlicht wieder sichtbar werden lässt.  Das Schwert fällt zu Boden versinkt im Sand. Nun trennen sie nur noch weinige Schritte. Die schnell überbrückt werden, als sie sich im Kuss vereinen.

Briefmarken

Von t.s.z am 14. Dezember 2010 veröffentlicht

Das graue, kleinbürgerliche Haus mit der Nummer 42 stand, umsäumt von anderen kleinbürgerlichen Häusern, in der Nähe eines kleinen Baches, der ein paar Hundert Meter weiter in den Fluss mündete, der dieses Tal geschaffen hatte. Die Familie Rheinemann war erst vor kurzem von Oberhausen in dieses verschlafene Nest am Rande der Eifel gezogen. Die Eltern und ihre zwei Kinder, ein Junge und ein Mädchen, hatten sich bereits gut eingelebt. Der Vater arbeitete als Schmied in der einzigen Schmiede des Städtchens. Eine äusserst glückliche Fügung, sorgte sie doch für das tägliche Brot. Frau Rheinemann arbeitete als Schneiderin von zuhause aus. Leute aus dem ganzen Städtchen kamen vorbei, um ihre Dienste in Anspruch zu nehmen. Die Kinder gingen in die Schule und waren fleissig. Alles war wunderbar.

Eines Tages kam ein junger Student der Theologie in die kleine Stadt. Der Student war ein grossgewachsener, goldblonder Mann mit braunen Augen, die beständig von einem grünen Schimmer verhüllt waren. Er hatte Semesterferien und reiste quer durch Mitteleuropa, um seinen Geist abzulenken und seiner Leidenschaft zu frönen. Dem Sammeln von Briefmarken.

Er führte ein in Leder gebundenes Buch mit sich. In diesem Buch prangten auf jeder Seite die herrlichsten und buntesten Briefmarken aus aller Herren Länder. Das Merkwürdige an dieser Sammlung waren die weissen Briefmarken. Ohne jeglichen Nennwert und Bild schienen sie keinen rechten Zweck zu erfüllen. Wenn man ihn fragte, was es mit den weissen Marken für eine Bewandtnis hatte, so antwortete er stets: „Es ist ein offenes Geheimnis.“

Wie es der Zufall wollte, stieg der junge Student bei der Familie Rheinemann ab. Es verhielt sich nämlich so, dass die Rheinemanns ein Extraschlafzimmer für ein allfälliges drittes Kind besassen. Im Moment jedoch benötigten sie die Mieteinnahmen dringender. Herr und Frau Rheinemann waren zudem tief religiös und hegten dementsprechend Sympathien für den angehenden Theologen.

Der Vorfall, von dem noch Jahrzehnte später die alten Frauen raunen sollten, ereignete sich am vierten Tage nach der Ankunft des Studenten. Es war ein regnerischer Donnerstag. Der Wind blies heftig durch das Tal. Regentropfen prasselten, Kugeln eines Maschinengewehrs gleich, gegen die Fenster. Herr Rheinemann war dessen ungeachtet bei der Arbeit. Frau Rheinemann kämpfte sich durch den Regen in die von einer mittelalterlichen Mauer umringte Altstadt. Sie musste neue Fäden besorgen. Durch den immensen Zulauf, den sie erhielt, verbrauchte sie die Fäden schneller, als dass sie neue kaufen konnte. So kam es, dass der Student und die Kinder der Rheinemanns allein zuhause waren.

Wie alle umsichtigen Eltern hatten die Rheinemanns ihren Kindern eingebläut bei Fremden immer wachsam zu bleiben. Doch die Kinder dachten sich nichts dabei, mit dem Studenten zu sprechen. Immerhin studierte er Theologie und war somit in den Augen der Kinder ein gottesfürchtiger und somit vertrauenswürdiger Mann. So sprachen sie ihn an, als er in seinem Zimmer seine Briefmarkensammlung betrachtete.

-Guten Tag, mein Herr. Dürften ich und mein Bruder einen Blick in Ihre Sammlung werfen? Es kommt nicht oft vor, dass wir jemandem begegnen, der so etwas sammelt.

Der Student nickte wohlwollend und bedeutete den Kindern mit seiner rechten Hand näher zu kommen. Die Kinder leisteten ihm Folge und setzten sich neben den Studenten auf den Boden. Vor ihnen lag das ausgebreitete Sammelalbum des Studenten. Mit offenen Mündern begutachteten die Geschwister voller Staunen die Ansammlung der verschiedenen Marken. Obwohl…als sie die Marken genauer in Augenschein nahmen, merkten sie, dass die Briefmarken sich gar nicht so sehr voneinander unterschieden. Auf jeder einzelnen war ein Gesicht abgebildet. Gesichter von Männern, Frauen und Kindern in allen Altersstufen waren vertreten. Die Nennwerte der Marken unterschieden sich so sehr wie die Gesichter. Sie reichten von acht über dreiundzwanzig Cent  hin zu siebenundachtzig Cent. Dem Mädchen fiel ausserdem auf, dass die Werte der Marken mit dem von ihr vermuteten Alter der Gesichter übereinstimmten.

-Herr Student, wieso sind auf den Briefmarken so viele verschiedene Gesichter und Zahlen abgebildet?

-Weil diese Marken aus vielen verschiedenen Jahren stammen und im Laufe der Zeit viele verschiedene Personen auf Briefmarken verewigt werden. Für die vielen verschiedenen Wert ist ebenfalls die Zeit verantwortlich.

Inzwischen hatte der Bruder des Mädchens die merkwürdigen, weissen Marken entdeckt.

-Herr Student, auf diesen Marken hat es ja gar keine Gesichter!

-Noch nicht…

Herr und Frau Rheinemann kehrten gemeinsam heim. Der Regen hatte urplötzlich aufgehört und nun schien die Sonne freudenstrahlend vom Himmel herab. Erschöpft durch den langen Arbeitstag begaben sie sich in die Küche. Frau Rheinemann bereitete belegte Butterbrote vor. Herr Rheinemann genehmigte sich ein Bier.

-Könntest du bitte den Kindern und dem Herrn … Bescheid geben, dass belegte Butterbrote auf sie warten?

Herr Rheinemann grummelte etwas in seinen nicht vorhandenen Bart hinein, was wahrscheinlich ja hiess. Denn im nächsten Moment erhob er sich, ging zur Treppe und rief mit seiner tiefen Bassstimme die Nachricht empor. Da er keine Antwort erhielt, stieg er mit behäbigen Schritten die Treppe hinauf. Zuerst sah er in den Zimmern der Kinder nach, dann im elterlichen Schlafzimmer. Schliesslich ging er in den obersten Stock, in Erwartung seine Kinder dort anzutreffen, wie sie mit dem Studenten ein religiöses Gespräch führten.

Der Student und dessen Briefmarkensammlung waren vom Erdboden verschluckt. Einzig und allein die Körper der Kinder lagen leblos auf dem hölzernen Boden. Als Herr Rheinemann vom Schock übermannt zu seinen Kindern stürzte, und sie umdrehte, packte ihn das kalte Grauen. Dort, wo eigentlich die Gesichter seiner Kinder sein müssten, befand sich nichts ausser reiner Haut. Weder Augenbrauen und Augen, noch Nase und Mund waren da. Stattdessen überzog eine porenreine, straffe Hautschicht die kindlichen Schädel.

So kam ich günstig nach London

Von handymaster am 8. Dezember 2010 veröffentlicht

Im Sommer dieses Jahres wollte ich meiner Freundin ein ganz besonderes Geschenk zum Geburtstag machen: Ich hatte vor ihr einen London-Urlaub zu schenken! Geplant war ein schönes Wochenende zu zweit in einem Hotel in der Londoner Innenstadt.

Diesbezüglich stellte ich also eine Anfrage bei einem Reisebüro. Natürlich teilte ich Diesem auch mit, dass ich nicht all zu viel Geld für den Urlaub ausgeben wollte. Darauf hin empfahl man mit, vielleicht ein Hotel etwas außerhalb von London zu nehmen, da die Übernachtungsmöglichkeiten hier deutlich preiswerter wären. Dass wollte ich jedoch nicht. Schließlich würden wir ja nur zwei Tage Zeit haben die Stadt unsicher zu machen – und diese Zeit möchte ich nicht unbedingt in öffentlichen Verkehrsmitteln verbringen.

Allerdings erschreckte mich der Preis des Reisebüros schon etwas: 650 Euro sollte der Spaß kosten! Und das Ganze für lediglich ein Wochenende mit Hotel und Flug. Die Kosten für Verpflegung waren hier noch nicht einmal mit eingerechnet.

Da machte ich mich dann doch lieber mal im Internet auf die Suche. Siehe da, ich fand auch gleich etwas passendes. Zwar musste ich im Netz den Flug und das Hotel einzeln buchen, doch dadurch dass wir einfach einen Billigflieger auswählen und für die Unterkunft einen passenden Gutschein unter hotelgutschein.org auffinden konnten, drückten wir die Reisekosten auf sage und schreibe 300 Euro – ein Preis der für ein solch schönes Wochenende zu zweit absolut in Ordnung geht, wie ich finde.

Tatsächlich wurde es auch einer der schönsten Urlaube den wir zusammen hatten! Auf alle Fälle war es ein gelungenes Geburtstagsgeschenk.