Monatsarchiv für Januar, 2011
Von SonOfAGun am
28. Januar 2011 veröffentlicht
von Andre Jürgens
Rotzikus war ein Mann, dem immer die Nase lief. Er konnte machen was er wollte: Er nahm sämtliche apothekenpflichtige Erkältungsmittel, ließ sich Antibiotika verschreiben, versuchte Homöopathie, Phytotherapie, Telepathie, Autopsie… zwecklos. Die Nase lief weiter.
Wenn sonst nix lief, lief immerhin Rotzikus’ Nase. Darauf war Verlass!
Die laufende Nase war so ungefähr die einzige Konstante in Rotzikus’ Leben, alles andere war ständigen Veränderungen unterworfen. Das traf auf seine Arbeit, seine Beziehungen, seinen Wohnort und auf den Rest seines bedeutungslosen Daseins zu. Wenn Rotzikus abends schniefend und schnoddernd vor seinem Bier saß, war er oft sehr traurig. Mit steigendem Pegel besserte sich dies zwar und manchmal stellte sogar seine Nase für ein paar Stunden das Tropfen ein, aber der nächste Tag war dafür umso grausamer. Dann holte die Nase innerhalb kürzester Zeit alles nach, wozu sie am Vorabend nicht mehr gekommen war. Eine regelrechte Temposchlacht war das dann!
Eigentlich hieß Rotzikus Jakob Fischer, aber so nannte man ihn nur auf dem Amt. Seine Familie sowie alle übrigen Bekanntschaften in seinem Leben nannten ihn Rotzikus- so hatte man ihn schon als kleinen Jungen gerufen, denn seine Nase lief ihm schon seit dem Tag seiner Geburt. Noch bevor er den aufrechten Gang erlernte wusste Rotzikus schon, in welchen Geschäften es die günstigsten Taschentücher zu kaufen gibt und wie sich die Papierqualität der einzelnen Marken voneinander unterschieden. Wer schon einmal eine wundgeschnaubte Nase hatte, wird verstehen, warum das so war.
So schniefte und schnaubte sich Rotzikus durch sein Leben, allzeit bewaffnet mit einem kleinen Rucksack, in dem Wund-und-Heilsalbe sowie ein Jahresvorrat Taschentücher griffbereit lagen, als er eines Tages unfreiwillig Zeuge einer verstörenden Begebenheit wurde:
Er ging an einem Schrebergarten vorbei, in welchem vier super coole, laut grölende Jugendliche in einem aufblasbaren Minipool badeten. Sie tranken Bier aus Dosen, und als sie Rotzikus, der sich ängstlich um Unauffälligkeit bemühte, entdeckten, fingen sie lautstark an, sich über ihn lustig zu machen. Wetter und Alkohol hatten die Jungs angestachelt, denn es war heiß und die Sonne gab sich alle Mühe, sämtliche Lebewesen auf der Erde mindestens „Medium“ durchzubraten. Rotzikus flüchtete in solchen Situationen gerne und regelmäßig in Tagträume oder Erinnerungen. Diesmal dachte er an seine eigene Jugend – nicht unbedingt eine angenehme Erinnerung. Er hatte andere Kinder immer gemieden, und zwar in erster Linie deswegen, weil man ihn mied. Den Eltern der meisten Kinder war seine ewig laufende Nase nicht geheuer und irgendwann griff das Gerücht um sich, dass Rotzikus an einer gefährlichen, sicher unheilbaren Krankheit leide. Heute konnte Rotzikus die Mütter auf gewisse Weise sogar verstehen, was den Schmerz über die verpasste Jugend natürlich nicht schmälerte. Insgeheim gab er diesen Leuten die Schuld daran, noch heute ein einsamer Mensch mit nur wenigen sozialen Kontakten zu sein. Freunde kannte Rotzikus nur aus der Theorie und aus Büchern, denn er las viel und gerne. Lesen war ein Hobby, welches keine Gesellschaft voraussetzte, und ohne Bücher wäre Rotzikus als Kind wohl zu Hause eingegangen wie eine welke Blume. Unterdes schritt er zügigen Schrittes an den planschenden Schreihälsen vorbei, doch leider war er nicht zügig genug: In der nächsten Sekunde traf ihn, völlig unverhofft, eine halbleere Bierdose am Kopf. Rotzikus quiekte gekränkt auf – doch ihm blieb der Schrei im Halse stecken. Ein seltsames, pfeifendes Geräusch durchschnitt ganz plötzlich die schwülwarme Luft, welches gleichzeitig eine sonderbare, unheilbringende Vorahnung mit sich brachte. Selbst die Jugendlichen verstummen augenblicklich. Einer der Quarkköpfe fragte dann noch: „Ey Alda, ischwöa wasn das fürn Piepn mann?!“, als es im nächsten Moment auch schon fürchterlich krachte! Das Wasser des Beckens spritzte zu allen Seiten davon, und Rotzikus faltete seinen Körper postwendend vor Schreck in Fötusstellung zusammen.
Als er seine Augen wieder öffnete, wollte er sie direkt wieder schließen- denn er war nicht sicher, ob er ihnen trauen konnte: Genau an der Stelle, wo gerade noch ein Planschbecken voller Halbwüchsiger gestanden hatte, befand sich nun ein rauchendes, großes, weißes Etwas mit rotem Schriftzug. Die Jugendlichen und der Pool waren verschwunden – zerquetscht… von einer, dessen war sich Rotzikus nach dem zweiten Blick sicher, großen Turbine. ‘Ein Flugzeug muss sie verloren haben’ schlussfolgerte er, während er den roten Schriftzug las und mit zittrigen Händen einen Schluck aus der Bierdose nahm, die sein Kopf abgefangen hatte. „Edelweiß… so so…“ sagte er laut, als wäre damit alles geklärt. Sein Herz raste noch immer. Er schaute verängstigt nach oben in den Himmel, um das zur Turbine passende Flugzeug auszumachen- doch da war nichts. Kein Kondensstreifen, keine aufgrund eines verlorenen Triebwerks trudelnde Flugmaschine- nichts. ‘Obwohl…’ überlegte Rotzikus, während er sich schnäuzte, ‘hinterlassen normale Flugzeuge überhaupt Kondensstreifen am Himmel – waren das nicht doch Düsenjets… oder Raketen? Oder malen beide einen solchen Kondensstreifen in den Himmel?!’
Er grübelte noch eine Weile vor sich hin, bevor er einsah, dass dies wohl grad’ der völlig falsche Zeitpunkt war, sich über Kondensstreifen Gedanken zu machen. Trotzdem nahm er sich vor, zu einem geeigneteren Zeitpunkt mal bei Google sein Wissen in Bezug auf Kondensstreifen aufzufrischen. Man konnte nie wissen, ob man es nicht doch mal brauchen würde. Sicher würde ihn die Polizei bei seiner Zeugenaussage fragen, ob er nicht einen Kondensstreifen am Himmel gesehen hätte… sofern das normale Standardflugzeug überhaupt solche Kondensstreifen produzierte… ‘Hmmm…’ machte Rotzikus, denn ein gebrummtes ‘Hm’ beruhigte ihn immer. Kondensstreifen… Kondensierte Milch… Hatte das nicht auch was mit einem Kondensator zu tun? ‘Verflixt, ich tu’s schon wieder…!“ maßregelte er sich nun streng, ‘Jetzt ist aber Schluss- ich muss die Herren Polizisten rufen!’ Obwohl… waren die für so was überhaupt zuständig? Rotzikus war sich da nicht ganz sicher. Wie doof würde er denn nur dastehen, wenn er jetzt bei der Polizei anriefe und die ihm, natürlich unter schallendem Gelächter, erzählen würden, dass sie für derartige Triebwerksunfälle gar nicht zuständig waren? Rotzikus hasste es zutiefst, ausgelacht zu werden. Niemand kannte dieses Gefühl besser als er; man hatte ihm bereits ausreichend Gelegenheit gegeben, davon zu kosten. Damals, auf seiner Konfirmation zum Beispiel- mitten in der Kirche, vor allen Leuten und, noch um einiges schlimmer: vor seinen Eltern und den Großeltern- entglitt ihm ein ca. 30 cm langer, grün-gelber Schnodderfaden, der mit einem durch die akustischen Bedingungen der Kirche gut vernehmbaren „Pflatsch!“ zielsicher auf den Schuhen des Pastors landete. Die halbe Gemeinde lachte damals über diese ekelige Situation, und Rotzikus hätte viel Geld (das er damals schon nicht hatte) dafür gegeben, sich auf der Stelle in Luft aufzulösen.
‘Vielleicht sollte ich sicherheitshalber erstmal im Internet nachgucken, welche Behörde sich um lockere oder abstürzende Flugzeugteile kümmert… Ach was, so ein Unsinn – so eine Behörde gibt es gar nicht!’ Die ganze Situation war Rotzikus nicht geheuer, sie verwirrte ihn zusehends. Er fühlte sich überfordert und kurz meldete sich ein Gedanke in ihm, dass er auch gerade bei „Verstehen Sie Spaß?“ zum Narren gehalten werden könnte. Aber das wäre dann wohl doch zu makaber für die öffentlich Rechtlichen, also verwarf er das auch. Vielleicht musste ja auch erstmal der Poolhersteller benachrichtigt und zur Verantwortung gezogen werden… Ob der TÜV oder die Leute vom GS-Siegel bei den vorgeschriebenen Sicherheitsüberprüfungen auch abstürzende Flugzeugteile berücksichtigt hatten? War für Poolunfälle nicht der ortsansässige Bademeister zuständig?! Aber woher sollte man nun die Telefonnummer dieses Mannes nehmen? ‘Ich sollte vielleicht einfach nach Hause gehen, mich schön aufs Sofa setzen und in Ruhe eine Doppelfolge „Gilmore Girls“ gucken’ sprach er mit sich selbst. Ja, so würde er es machen! Offenbar hatte ja auch niemand sonst diesen Unfall mitbekommen, denn bisher war kein einziger Gaffer herbeigeeilt. Aber wenn er jetzt einfach ging, war er dann nicht sowas wie ein Fahrerflüchtiger? Und was war mit unterlassener Hilfeleistung?! Und wenn das Ganze gar kein Unfall gewesen war…? Vielleicht war es ja Mord?! Nun bekam es Rotzikus mit der Angst zu tun. Sicher waren das genau die gleichen Leute, die damals die Flugzeuge in das World Trade Center gelenkt hatten! Was, wenn die gesehen hatten, dass er Zeuge dieses feigen Poolanschlags war? Rotzikus wurde Angst und Bange. In solche Sachen konnte er sich immer gut hineinsteigern.
Eine Schweißperle rann über sein Gesicht, und die nun folgenden Geschehnisse passierten in einer Art Kettenreaktion, der er sich machtlos ausgeliefert fühlte. Offenbar brannte gerade die letzte, noch einigermaßen funktionierende Sicherung in Rotzikus’ Kopf durch. Mit einer durch Mark und Bein gehenden, hysterischen und viel zu hohen Quietschstimme schrie er laut „Hngtzihualabft!!“
Genau das schrie er, und es war ihm bitterernst damit. Und dann schrie er noch: „Oh mein Gott! Terroristeeeeen!!“ Anschließend rannte er Haken schlagend in nackter Todesangst los, so als wäre der Teufel hinter ihm her.
Rotzikus war außer Kontrolle. Eine amoklaufende, sekretschleudernde Tropfnase, die über sämtliche Schrebergärten hinwegpflügte wie ein Traktor auf Kerosin, unablässig „Terroristen!!! Rette sich, wer kann!“ krakeelend. Als er schließlich an der Hauptverkehrsstraße der Stadt ankam und diese ungebremst im Schweinsgalopp zu überqueren versuchte, machte ein Omnibus dem Wahnsinn ein Ende.
Noch Tage später lachte das Pflegepersonal der städtischen Kliniken über den „zermatschten Irren, der halb bewusstlos in den letzten Minuten seines Lebens unaufhörlich von Terroristen phantasierte, die ihn mit Flugzeugteilen zerquetschen wollten“. Derart pietätlos machte man sich noch nach seinem Tod über den Mann mit der chronischen Erkältung lustig, wobei keinem dieser Menschen bewusst war, dass ihr überlegenes Gelächter nur eine unbequeme Wahrheit vertuschte: Ihr gedankenloses Verbrechen an einem unschuldigen Mann.
Es waren Menschen wie diese, die aus dem sensiblen, kränklichen Jungen eine verunsicherte, ängstliche Witzfigur gemacht haben, welche sich am Ende nur ihrer Rolle entsprechend verhielt. Eine Rolle, die Jakob Fischer niemals spielen wollte, die man ihm aufgebürdet hatte. Was hätte aus diesem Mann alles werden können, hätte man ihn mit dem gleichen Respekt behandelt, den er seinen Mitmenschen entgegenbrachte?
Die Turbine blieb natürlich nicht lange unentdeckt. Allerdings ist bis heute ungeklärt, welches Flugzeug sie verlor. Die Jugendlichen wurden in mühevoller Arbeit sorgfältig von dem Bauteil abgekratzt – auf der Trauerfeier wurde dann allerdings (aus nachvollziehbaren Gründen) auf einen offenen Sarg verzichtet.
ENDE
Weitere Geschichten, Gedichte und Hörbücher gibts unter: www.andre-juergens.de.ki
Von Jeratsch am
25. Januar 2011 veröffentlicht
Wir wollte uns neue Gardinenstangen kaufen, mein Mann und ich. Richtig schicke, wenn`s sein muss auch teure, Hauptsache schön sollten sie sein. Zwei Jahre lang hatten wir an unserer neuen Wohnung gefeilt, nun war endlich alles fertig, oder sagen wir fast alles. Nur noch eines fehlte zum unserem Glück, die neuen Gardinenstangen.
Vielleicht hatte ich meine Hoffnung einfach zu hoch gesetzt, vielleicht hätte ich auch einfach besser nachdenken sollen, über die unterschiedlichen Geschmäcker der Geschlechter und die Schwierigkeiten, die ein gemeinsamer Einkauf so mit sich bringen kann, selbst wenn es „bloß“ um Gardinenstangen geht. Als wir los fuhren Richtung Innenstadt wusste ich jedenfalls noch nicht wie der Tag einmal enden würde.
Die Auswahl an Gardinenstangen war immens, bunt vielfältig und aufregend. Während ich ausgelassen die Regalwände entlang schlich wurde die Laune meines Mannes zunehmend schlechter. Als ich nach einer knappen Stunde schließlich alle durch hatte war von Laune überhaupt nicht mehr zu sprechen. „Wie wär`s wir nehmen diese Gardinenstangen?“ schlug es mir in mürrischem Tonfall entgegen während er mir die hässlichsten und schlichtesten Gardinenstangen vor die Augen hielt, die ich jemals gesehen habe. „Das ist nicht dein Ernst!“ „Die oder keine“ kam es zurück und meine gesamte Enttäuschung entlud sich in hysterischem Gezeter. „Dann mach doch deinen scheiß in Zukunft alleine, hol dir deine Traum Gardinenstangen allerdings ohne mich“ sprachs und war schon aus dem Laden geschossen.
Da saß ich nun am Abend mit den edelsten und schönsten Gardinenstangen in der Hand, dem I-Tüpfelchen meiner Begierde, das unsere Wohnung harmonisch abrunden sollte. Bloß war keiner mehr da, der sie aufhängte, keiner der mit mir auf die Vollendung des Projekts anstieß. Jetzt hatte ich zwar wunderschöne Gardinenstangen, allerdings keinen Mann mehr…
Von Jeratsch am
19. Januar 2011 veröffentlicht
Ferienhäuser Dänemark zu verkaufen! stand in großen schwarzen Buchstaben auf dem Schild vor dem Reisebüro. Der Mann wusste sofort was er zu tun hatte. Er hatte sein Leben lang davon geträumt Ferienhäuser Dänemark zu besitzen und jetzt war sein Traum zum Greifen nah geworden. Er hatte geerbt, ein Menge geerbt und auch wenn der Umstand eher traurig war entstand in seinem Gesicht ein freudig seliges Lächeln, wie das eines Kindes vorm Weihnachtsbaum und er betrat den Laden.
„Entschuldigung, ich interessiere mich für ihr Angebot, die Ferienhäuser Dänemark, sie wissen schon..“ stammelte der Mann. Die Frau hinter der Theke schaute ihn mit kritischem Blick an. „Sie interessieren sich für die Ferienhäuser Dänemark?“ schlug es ihm in abweisendem Tonfall entgegen. „Ja..“ antwortete der Mann zögernd, wenns recht ist?“ Er überlegt fieberhaft was er falsch gemacht hatte, lag es an seinem leicht heruntergekommenen Äußeren oder war er nicht freundlich genug gewesen?. Er war sich keiner wirklichen Schuld bewusst. Er nahm all seinen Mut zusammen. „ich würde sie gerne kaufen, äh, die Ferienhäuser Dänemark, meine ich“.
Die Frau zuppelte ihre Kleidung zurecht und atmete tief ein, schon wieder so ein Spinner dachte sie bei sich, der behauptet etwas kaufen zu wollen und keinen müden Cent besitzt, Und was meint er überhaupt mit sie? „Alle Ferienhäuser Dänemark?“ begann sie nun in noch kritischerem Tonfall, sie wollen sie alle kaufen?“
„Ja“,entgegnete der Mann mit nun vorgeschobener Brust, „alle!“ Die Frau runzelte die Stirn und versank wieder in Gedanken. Er hatte noch nicht einmal gefragt um wie viele Ferienhäuser Dänemark es sich handelt, wo die Häuser liegen, geschweige denn wie sie aussehen. Aber er wollte sie kaufen, alle Ferienhäuser Dänemark. Das konnte nicht sein, er musste verrückt sein, aus der Anstalt ausgebrochen oder er wollte sie auf den Arm nehmen. Während sie noch so vor sich hin sinnierte hatte der Mann einen Koffer auf den Tisch gelegt und ihn geöffnet. Die Frau traute ihren Augen nicht. Der Koffer war randvoll mit Geld gefüllt.
„Wenn das so ist!“ Ohne weiter zu zögern und mit einem breiten Grinsen übergab sie ihm zehn Schlüssel für die zehn Ferienhäuser Dänemark“. Der Mann nahm die Schlüssel mit einem ebenso breitem Lachen an sich und verließ ohne ein weiteres Wort zu sagen den Laden. Die Frau trat vor die Tür nahm einen schwarzen Stift und kritzelte auf das Schild. Ferienhäuser Dänemark nicht mehr zu verkaufen war von nun an für jeden vorbegehenden dort zu lesen .Der Laden jedoch blieb für immer geschlossen, denn die Verkäuferin hatte ausgesorgt und erfüllte sich von dem Geld ihren Alterstraum,sie kaufte sich Ferienhäuser Dänemark und zog für immer nach Skandinavien!
Von Jeratsch am
19. Januar 2011 veröffentlicht
„Aus welchem Stoff sind deine Geschichten?“ fragte mich das kleine Mädchen mit den großen neugierigen Augen. Ich schaute sie verdutzt an. Das Mädchen war vielleicht gerade Mal vier Jahre alt, woher kannte sie eine solche Sprache. Seit einiger Zeit kam sie regelmäßig in meinen Laden, immer um die gleiche Zeit und immer hatte sie jede Menge Fragen dabei. „Du willst wissen aus welchem Stoff meine Geschichten sind?“ fragte ich sie nun und atmete tief ein. „Ich werde es dir erzählen, nachts wenn es dunkel ist und ich in meinem Bett liege, besuchen mich zahlreiche märchenhafte Gestalten. Sie kommen aus einem fernen Land, in dem es ganz anders ist als bei uns. Diese Figuren, die geben mir den Stoff für meine Geschichten, sie inspirieren mich und erzählen mir allerlei von ihrem Leben, den Besonderheiten ihres Staats und was sie so erleben. Das Mädchen schaute mich mit ernsthaftem Gesichtsausdruck an. Ob sie das wohl meinte, als sie nach dem Stoff meiner Geschichten fragte überlegte ich fieberhaft bei mir. Ich wollte ihr ihre Illusionen nicht rauben und den Glauben ans Fantastische nicht nehmen, an den Stoff, der nur für Kinder noch wirklich real ist, da die Grenzen zwischen Fiktion und Wirklichkeit bei ihnen noch ineinander übergehen. Ich wollte das sie mir glaubt, was ich ihr erzähle und das die Figuren vor ihren Augen lebendig werden, dass sie sehen kann wie sie nachts zu meinem Fenster hineingeschwebt kommen und am Stoff meiner Bettdecke ziehen. Das kleine Mädchen hatte mir die ganze Zeit über aufmerksam zugehört. Als ich fertig war schaute sie mir fest in die Augen und sagte mit einem verschmitztem Lächeln: „Deine Fantasie, dass ist der Stoff aus dem deine Geschichten sind!“
Von Jeratsch am
19. Januar 2011 veröffentlicht
„Wo bitte finde ich Optische Kabel junger Mann?“ Die alte Dame fuchtelte mit ihrem Stock vor Martins Gesicht rum, der mit aller Macht versuchte seinen verdatterten Gesichtsausdruck zu verbergen. Seit Martin in dem Kabelgeschäft arbeitete, hatte er eine Menge dazugelernt. Jetzt jedoch war er schlicht und einfach überfragt. „Optische Kabel suchen sie“?, fragt er noch einmal nach um Zeit zu gewinnen. Was kann die denn mit so etwas Modernem wollen, dachte er grinsend bei sich. Mit etwas wovon er selbst noch nie etwas gehört hatte. „Sag ich doch“, schnauzte die Dame ihn nun ungeduldig an. „Oder führen sie etwa Optische Kabel nicht?“ „Doch. Äh, sicher, folgen sie mir.“ Auf dem Weg quer durch den Laden überlegte Martin fieberhaft um was es sich dabei handeln könnte. Er kam schließlich zu dem Entschluss ihr ein stinknormales USB-Kabel als Optische Kabel auszugeben. Die kennt den Unterschied ohnehin nicht, dachte er mit einem schelmisch boshaftem Grinsen. In der Abteilung angekommen zeigt er auf eine Gruppe schwarzer schlichter Kabel und sagte mit betont freundlicher Stimme „bitteschön die Dame!“ Hier finden sie gestärkte Optische Kabel für interaktive Zwecke, sie werden nicht enttäuscht sein. Die Dame musterte erst die Kabel und dann den Verkäufer eingehend. „Damit, werter Herr, lässt sich garantiert keine Verbindung zwischen meinem I- Phone und dem Notebook C2300 herstellen!“ sprach sie nun und lachte dabei fast mütterlich, „aber lassen sie mal junger Mann, ich hole mir das Optische Kabel selbst“, sprachs, marschierte eine Regalwand weiter und zog mit sicherem Griff das Optische Kabel aus dem vierten Fach von oben. Peinlich berührt kassierte Martin ab. Ich werde von nun an alles über Optische Kabel lernen, was es zu wissen gibt, nahm er sich fest vor und das tat er auch. Vor allem jedoch, ist er seither immer ehrlich und aufrichtig älteren Menschen gegenüber aufgetreten, denen er im Laden oder sonst wo begegnete.
Von Tina Wagner am
18. Januar 2011 veröffentlicht
m letzten Jahr habe ich das erste Mal Urlaub auf einer Nordseeinsel gemacht und meine Leidenschaft fürs Kitesurfen entdeckt. Wer nach meiner verrückten Geschichte feststellt, dass das auch mal eine Reise wert ist, sollte dringend vorher eine Unfallversicherung abschließen. Denn der Trip stellte sich als nicht ganz ungefährlich heraus.
Bereist die Anreise gestaltete sich abenteuerlich. Meine Freundin und ich sind, natürlich wie immer, erst so spät angereist, dass nur noch eine Fähre vom Festland auf die Insel übersetzt hat. Das bedeutete, eine Hinfahrt ohne Rückfahrschein. Diese Tatsache allein hätte uns auch nicht weiter beunruhigt, wenn wir bereist eine Unterkunft gebucht hätten. Da wir aber beide immer besonders spontan sein wollen, wollten wir uns auch dieses Mal überraschen lassen. Am Bestimmungsort angekommen, hatte sodann auch nicht einmal mehr die Kurverwaltung geöffnet. Zufällig trafen wir ein paar Einheimische, die uns ungläubig ansahen als wir ihnen mitteilten, dass wir auf der Suche nach einer Unterkunft seien. Dazu muss man wissen, es waren gerade Schulferien und die Ferienwohnung, Hotels und sonstige Möglichkeiten restlos ausgelastet. Glücklicherweise nahmen sie uns mit zu sich nach Hause, um von dort das örtlich Telefonbuch abzutelefonieren und so doch noch eine Übernachtungsmöglichkeit finden zu können. Es ergab sich tatsächlich noch eine Möglichkeit, die uns beiden aber einen gehörigen Schrecken einjagte. Ein Hotel auf der Insel hatte noch eine Suite frei, die uns allerdings unser gesamtes Reisegeld von 350 Euro gekostet hätte. Als Studentinnen war es uns beim besten Willen nicht möglich dieses Angebot anzunehmen. Entschlossen, die netten Leute nicht länger zu belästigen, begaben wir uns auf eigene Faust auf die Suche. Allerdings war die Insel nicht besonders groß und es wurde bereits dunkel, zusätzlich regnete es auch noch in Strömen, sodass wir in eine Tanzbar einkehrten und uns dort mit einem Grog aufwärmten. Es blieb dann auch nicht bei einem Grog, sondern die Anzahl der Getränke mehrte sich. Als ich am nächsten Tag erwachte befand ich mich noch immer in besagter Tanzbar, allerdings zugedeckt auf einer Bank. Nachdem wir uns bei einem Frühstück gestärkt hatten, machten wir uns auf den Weg zur inzwischen geöffneten Kurverwaltung, die uns dann tatsächlich auch noch eine Ferienwohnung vermitteln konnte.
Nachdem wir dort angekommen waren, ausgepackt und geduscht hatten, wollten wir uns auch sogleich unserem neuen Hobby widmen, dem Kitesurfen. Das stelle sich Anfangs recht schwierig dar, da die Lenkseile heillos durcheinander waren und wir fürs Entwirren bereits einen halben Tag benötigte. Nachdem dies getan und der Drachen aufgebaut war, war es dann wiederum schwierig ihn die Luft zu bekommen. Aber ich habe es geschafft: Im ersten Moment befand ich mich in einem Hoch der Gefühle, welches dann fast augenblicklich in pures Entsetzen umschlug. So muss man wissen, dass die Windstärken auf einer Nordseeinsel schon enorm werden können, dies hatte ich etwas unterschätzt. Jedenfalls riss mich der Drachen vom Boden hoch und flog mit mir Richtung Meer. Ehrlich gesagt, weiß ich nicht mehr, wie ich wieder den Boden unter meinen Füßen erreichte, jedenfalls war der Aufprall recht heftig, sodass ich mir sofort den Knöchel verstauchte. Der Schmerz war schon enorm aber sobald ich Wochen später wieder genesen war, habe ich mein Training wieder aufgenommen.
Tina Wagner
Von WPoser am
14. Januar 2011 veröffentlicht
Vor kurzer Zeit plante ich eine Städtereise mit meinem Freund. Er meinte, ich solle mir die Stadt raussuchen, ihm sei egal, wohin wir fahren. Hauptsache einmal raus aus dem Alltag.
Da ich noch zu tun hatte und er vor dem Computer saß, bat ich ihn, ein Bielefeld Hotel zu suchen.
Er nickte gedankenverloren vor sich hin und begann mit der Suche. Da ich wusste, dass er gerne recherchierte, ließ ich ihn in Ruhe werkeln und erledigte liegengebliebene Arbeiten, schließlich wollte ich entspannt in den Urlaub aufbrechen.
Er hatte auch schnell etwas gefunden, wollte mir aber die Seite nicht zeigen, damit die Einrichtung noch eine Überraschung für mich bliebe. Alles klar, meine Vorfreude steigerte sich nur noch weiter und wenige Tage später ging es auch schon los.
Er saß am Steuer und ich träumte vor mich hin:
Als ich hochschaute, war ich verwirrt. Ich wäre eine andere Strecke gefahren. Aber ich sagte erstmal nichts und dachte mir, er wird schon wissen, was er tut. Vielleicht gibt es eine Baustelle oder das hier ist eine Abkürzung.
Doch mit der Zeit fand ich es immer seltsamer und fragte schließlich:
„Du weißt, was du tust?“
„Ja ,ja,“, strahlte er mich fröhlich an, „ich kenn den Weg, entspann dich nur“.
Nun ja, ich lehnte mich also wieder zurück und döste vor mich hin.
Kurz darauf hatten wir unser Ziel erreicht. Beziehungsweise er hatte sein Ziel erreicht –wir passierten das Ortschild von Bochum. Ich starrte ihn entgeistert an: „Wo zum Teufel sind wir hier?!“ Er blickte mich verwirrt an: „Na, in Bochum, wo denn sonst?“
Es stellte sich heraus, der Gute statt nach Hotels Bielefeld nach Hotels Bochum gesucht hatte! Nach einem kurzem Moment, in dem ich diese Neuigkeit erst einmal verdauen musste, brachen wir beide in schallendes Gelächter aus. Ich weiß zwar bis heute nicht, wie man diese zwei Ortsnamen verwechseln kann… Aber immerhin, das ausgesuchte Hotel war wirklich sehr schön und so wurde der Urlaub doch noch ein voller Erfolg!
Von Linus am
14. Januar 2011 veröffentlicht
Kennen Sie Supermann? Das ist der Mann mit den Superfähigkeiten. Sein bürgerlicher Name ist Clark Kent und er versteckt seine Identität hinter einer Brille! Bei dieser Tarnung überrascht es auch nicht, dass immer mehr Details aus seinem Privatleben durch die Klatschpresse an die Öffentlichkeit dringen.
Mit Aktionen, wie der Rettung der Welt vor Naturkatastrophen biblischen Ausmaßes, der Bändigung übermächtiger Bösewichter und der Abwehr außerirdischer Invasionen, hat er doch eine gewisse Berühmtheit erlangt. Daraufhin entstand natürlich eine gewisses mediales Interesse, aber auch Kunstschaffende und die Mode wurde auf den Helden aufmerksam.
Leider beginnt damit auch der Klatsch und Tratsch in sein Leben Einzug zu halten. Es wird jetzt gemutmaßt, dass seine langjährige Beziehung zu Lois Lane in die Brüche gegangen ist. Dies dürfte einige Anhänger von Supermann durchaus erschüttern. Die Gerüchte gehen sogar soweit, dass er mit seiner neuen Partnerin bereits fest liiert sein soll. Schnell Eheschließungen sind in Promikreisen ja durchaus Mode. Der Name der Neuen lautet Laura Kent.
Clark lernte seine zukünfte Laura Kent in einem Laden für Mode und Schmuck kennen. Das Modegeschäft wurde überfallen und es kam zu einer Geiselnahme. Laura musste ihm bei seiner Rettungsaktion aufgefallen sein. Vielleicht hat sie besonders laut geschrien oder sich besonders artig bedankt? Aber das ist eine andere Geschichte.
Von Ronja am
13. Januar 2011 veröffentlicht
Schweden ist ja grundsätzlich bekannt für seine außerordentlichen Kriminalautoren, aber dass der Urlaub im Ferienhaus Schweden sich als ein einziger Krimi entpuppen würde, das konnte nun wirklich keiner ahnen, als es vollgetankt und mit Sack und Pack im alten VW-Käfer Richtung Norden ging. Bereits beim ersten Stopp noch vor der Grenze und noch Tausende von Kilometern vom Ferienhaus Schweden entfernt geriet die Stimmung ins Wanken, als ein bärtiger Alter auf unser Auto zugerannt kam und mit einem Löffel auf die Scheiben einschlug.
Endlich angekommen nahmen wir mit Schrecken wahr, dass unser Ferienhaus Schweden mutterseelenallein in einem Wald stand und nicht wie angekündigt in einer Gruppe von Häuschen am Dorfrand. Wir erholten uns von dem Schreck und beschlossen das Beste aus der Situation zu machen. Der Plan war ein standesgemäßer Gruselabend, mit Kerzenschein, fiesen Geschichten und Gläserrücken, denn für ein solches Ambiente schien das Ferienhaus Schweden geradezu wie geschaffen und wir dachten es wäre sinnvoller produktiv mit unserer Angst umzugehen anstatt uns in die Hose zu machen und aufzugeben.
Die Sonne ging unter und unser Ferienhaus Schweden versank in Dunkelheit. Wir packten die Utensilien aus und breiteten das Spiel vor. Als es ganz still wurde und wir bei dem Punkt waren, an dem sich die Geister unserer Vergangenheit im Raum ausbreiten sollten, öffnete sich mit einem Mal wie von selbst die Tür vom Ferienhaus Schweden und ein schwarzer Schatten trat ein….
Auch wenn sich der Schatten nicht als Meuchelmörder, sondern als armer einsamer Elch auf der Suche nach Futter herauskristallisierte, war es mit der entspannten Atmosphäre im Ferienhaus Schweden von da an endgültig vorbei!
Von Linus am
11. Januar 2011 veröffentlicht
Es war einmal ein kleiner weißer Elefant. Er war noch jung und hatte wenig Freunde. Die anderen Elefantenjungen wollten nicht mit ihm spielen. Sie waren es nicht gewohnt, dass er weiße Haut hatte. Oft hänselten sie, weil sie angst vor ihm hatten. Er war unglücklich.
Eines Tages, als er wiedermal alleine durch die Straßen wanderte ohne festes Ziel, nur mit der Absicht den anderen Elefantenjungen zu entfliehen und mit der stillen Hoffnung jemanden zu finden in dem er sich wiederfinden konnte, machte er eine neue Entdeckung. Während er gedankenverloren durch die Straßen trampelte, musste er wohl von seinen bekannten Pfaden abgekommen sein, denn er stand auf einmal in einer Straße in der er bisher noch nie gewesen war. Es eine kleine Nebenstraße und der Trubel der Hauptstraßen lässt sich hier nur noch durch ein dumpfes Hallen erahnen. Eigentlich recht unspektakulär wäre da nicht dieser eine Laden gewesen. Der kleine Elefant konnte gar nicht glauben was er dort erblickte. Am Eingang des kleinen Ladens hing ein Schild und auf diesem war ein kleiner weißer Elefant abgebildet.
Ungläubig staunend näherte er sich Schritt für Schritt dem Schaufenster, um herauszufinden was das denn für ein Laden sei, der einen weißen Elefanten auf dem Schild hat. Er richtete sich auf, so das er auf seinen Hinterläufen stand, und drückte seinen Rüssel gegen die Scheibe. Wow, dachte sich der kleine weiße Elefant. In dem Schaufenster erblickte er feinstes Porzellan. Teller, Tassen, Schüsseln – einfach alles was man sich vorstellen konnte. Alles war wunderschön verziert und strahlte im Licht der Scheinwerfer. Doch ein Schmuckstück überragte alles andere. Es war die Figur eines kleinen weißen Elefanten, welche so fein gearbeitet war, dass der kleine Elefant gar nicht glauben konnte, dass sich jemand soviel Mühe machte – nur wegen einem kleinen weißen Elefanten.
Genau in diesem Moment öffnete sich die Ladentür und ein älterer Herr mit flauschigem Bart trat aus der Tür. Der Mann war genauso erschrocken wie der kleine weiße Elefant. Beide sahen sich für sekunden worteringend an bis der Mann kurzerhand fragte, ob der kleine weiße Elefant denn ein echter weißer Elefant sei. Erstaunt über diese Frage zögerte der kleine Elefant kurz mit der Antwort, aber nickte dann umso heftiger. Der Mann bekam ein glückliches Lächeln ins Gesicht. Er streichelte den kleinen Elefanten und erzählte ihm davon wie besonders doch weiße Elefanten sind und für wie schön er diese seltenen Tiere hält. Deshalb hatte er auch diese wunderschöne Figur eines weißen Elefantens angefertigt.
Die beiden merkten schnell, dass der jeweils andere wohl der Freund war auf den jeder so lange gewartet hatte. Der Porzellanverkäufer bat den kleinen Elefanten in sein Versandhaus, um mit ihm bei einer Tasse Tee und Zuckergebäck über seine Karriere als Porzellanmodell zu sprechen.