Short Story

Kurzgeschichten mit Links

Monatsarchiv für April, 2011

Paul segelt gen Himmel

Von Hobby-Autor am 29. April 2011 veröffentlicht

Paul lebte in Hannover in einer bescheidenen Wohnung direkt am Hauptbahnhof. Er hatte wenige bis keine Freunde und war seit ca. drei Jahren ohne Job. Seine Familie hatte ihn schon früher verlassen. Er sah weder seine Frau noch seine beiden Töchter je wieder.

Alles in allem hatte Paul ein ziemlich verkorkstes Leben ohne jegliche Perspektive, die Besserung versprechen könnte. Hinzu kam, dass er dem Alkohol – und gerade dem Wein – nicht abgeneigt war, was sich auch in seiner stattlichen Figur widerspiegelte. Er wog mittlerweile etwa 130 Kg. Trotz aller Widrigkeiten und der scheinbar unüberwindbaren Perspektivlosigkeit dachte Paul keineswegs ans Aufgeben, denn er hatte sich eine Sache, ein Hobby bewahrt, das ihn stets über Wasser halten würde – sein kleines Segelboot, welches am Maschsee direkt in Hannover ankerte. Dort konnte er sich zurückziehen, ungestört einen Wein trinken und vor sich hin treiben. Und da es das letzte war, was ihm blieb, war er nahezu täglich auf dem Wasser. Auch wenn er sonst nichts hatte, seine Segelausrüstung und -bekleidung war stets einwandfrei. So trug er an Deck immer Segelschuhe und bestes Ölzeug zum Schutz vor plötzlich eintretenden Gewittern und Unwettern.

Wenn Paul auf seinem Boot war, war alles perfekt. Anders erging es ihm im übrigen Leben. Es gab eine Miete zu zahlen, Lebensmittel zu kaufen und verschiedene Behördengänge zu erledigen. Bei seinem letzten Besuch bei seiner Sachbearbeiterin im Jobcenter erfasste das, was Frau Schmidt ihm zu sagen hatte, Paul mit einem Schlag. Er müsse sein Segelboot verkaufen, sonst würden sämtliche Zahlungen an ihn Ende des Monats eingestellt. Er nahm diese Information an diesem 25. Juli wortlos zur Kenntnis. Einen Tag später trieb ein Segelboot auf dem Maschsee umher. Die Polizei fand Paul leblos an Deck. Er war bei seinem letzten Segeltörn gestürzt und war mit der Schläfe gegen die Reling geschlagen. Die Polizei befand, dass er sofort tot gewesen sein muss. Außerdem fiel den Ermittlern auf, dass er keine speziellen Segelschuhe, sondern nur gewöhnliche Schlappen trug. Frau Schmidt hörte nie wieder von Paul. Das einzige, was sie Wochen später erreichte, war ein Totenschein, ausgestellt auf den 25.07.2000.

Eine (wahre) Geschichte rund ums Abnehmen

Von Valentino am 15. April 2011 veröffentlicht

Es waren einmal zwei gute Freundinnen. Die eine groß, schlank und äußerst attraktiv anzusehen und die andere dick und unästhetisch. Die Dicke unterließ es zu keinem Zeitpunkt, immer wieder zu betonen, dass sie ja mit sich und der Welt, ihrem Körper und allem drum herum zufrieden und glücklich ist. Trotzdem musste sich die Schlanke bei jeder Gelegenheit immer wieder kleine Sticheleien ihrer dicken Freundin anhören

„Du hast es gut!“ sagte die Dicke oft. „Kannst essen und trinken was und so viel du willst und wirst dabei nicht dick!“

Das ließ die Schlanke so nicht im Raum stehen und ärgerte sich. Natürlich aß sie Dinge, die ihr schmeckten, auch Eis und Schokolade. Manchmal und auch nur ab und zu. Und wenn, dann nur kleinere Portionen davon. Außerdem betrieb die Schlanke Fitness und Sport! Nicht dass sie zu den Leistungssportlern zählte, aber auf drei bis vier Mal eine halbe bis eine Stunde Fitness – Training in der Woche kam sie schon. Manchmal, wenn sie mit ihrer Gruppe aus dem Sportverein unterwegs war, kamen auch mal zwei Stunden flottes Nordic Walking zusammen. Außerdem achtete die Schlanke auf Ihre Ernährung und aß überwiegend natur belassene Kost. Limo, Cola und andere gezuckerte oder kalorienreiche Getränke mochte die Schlanke zwar genauso gerne wie alle anderen Leute auch, sie wusste aber, dass das Zeug nicht gesund ist und dick macht. Also trank sie davon eben weniger und löschte den Durst mehr mit Mineralwasser. Die Leckereien bildeten stets eine – wenngleich höchst willkommene – Ausnahme.

Als sich die beiden wieder einmal getroffen hatten und die Dicke es nicht lassen konnte, den berühmten Satz „Du kannst ja essen, was du willst…“ loszulassen, ärgerte sich die Schlanke so sehr, dass sie ihrer dicken Freundin Kontra gab und sie an die vielen gemeinsamen Besuch in einem Eiscafé erinnerte.

„Falls du dich daran erinnerst, habe ich bei unseren Treffen  immer nur einen Espresso und zwei Kugeln Eis ohne Sahne bestellt! Du hingegen musst ja jedes Mal den großen Becher nach Art des Haus verdrücken. Mit sieben Kugeln Eis und extra viel Sahne! Weißt du, meine Liebe, von Nix kommt auch Nix!“

Das war der Wahrheit doch zu viel und die Dicke war stink sauer! Was bildete sich diese durchgestylte, eingebildete Kuh bloß ein? Ihr vorzuwerfen, dass sie einen großen Eisbecher gegessen hat. Schließlich will man doch was von seinem Leben haben und es genießen! Es kann doch nicht jeder bloß von Sprossen, Mineralwasser und Müsli leben! Da kann man sich doch gleich „die Kugel geben“! Was ist denn ein Leben noch wert, wenn man sich nichts mehr gönnen darf? Und überhaupt: Auf die Freundschaft mit dieser aufgedonnerten Minirock-Tussi konnte die Dicke doch eh verzichten. Was die Dicke verdrängte war die Tatsache, dass die Schlanke ihre letzte gute Freundin aus der Schulzeit war. Alle anderen hatten sich bereits von ihr abgewandt. Mit der „fetten, undisziplinierten Tonne“ wollten sich viele nicht in der Öffentlichkeit sehen lassen.

Just in diesem Augenblick erschien eine gute Fee und sagte zu den beiden: “Es wäre doch schade, wenn eure wertvolle Freundschaft wegen so einer Lapallie zerbrechen würde! Ich mache euch einen Vorschlag…“

Die Fee schlug vor, dass die beiden Freundinnen für ein Jahr Körper tauschen sollten! Keine schlechte Idee, dachten die beiden und stimmten zu. Die Fee zückte ihren Zauberstab und es gab unter kleinen Sternenfunkeln einen hellen Klang. Die Dicke wurde schlank, sportlich und attraktiv, die Schlanke verwandelte sich in einen unansehnlichen Moppel.

„Eine Bedingung habe ich noch!“ sagte die Fee abschließend. „Ihr dürft euch das ganze Jahr über nicht treffen und am Ende des Jahres komme ich wieder und mache den Tausch rückgängig!“

Die beiden Freundinnen stimmten zu und gingen auseinander.

Die Monate vergingen. Die Dicke, die nun mit einem schlanken Körper lebte, freute sich, dass sie endlich auch einmal all das Glück der vom Schicksal so bevorzugten Schlanken auskosten und schlemmen durfte, was das Zeug hielt. Denn wir kennen ja die von den Dicken aufgestellte Weisheit, wer rank und schlank ist, kann essen, was er will und wird nicht dicker! Und so futterte die Dicke genauso weiter, wie die ganzen Jahre vorher in ihrem fetten Körper. Dazu vermeid sie jegliche körperliche Anstrengung, wo es nur ging. War ja auch kein Problem, mit den Vorzügen eines „Dünnen“ ausgestattet! Wie erging es der Schlanken in ihrem jetzt dicken, unförmigen Körper? Nun, sie ging die Sache ziemlich ruhig an und gönnte ihrer Freundin das Leben im neuen Körper. Die Schlanke – jetzt Dicke – änderte ihren Lebensstil nicht, sie betrieb weiter ihre Fitness – aktivitäten und ernährte sich wie eh und je.

Als ein Jahr vergangen war, trafen sich die Freundinnen wieder am selben Ort und warteten auf die Fee. Doch die kam nicht! Allerdings hatte sie den beiden einen kleinen Zettel zukommen lassen, auf dem stand: „Es ist nicht nötig, dass ich den Tausch rückgängig mache! Schaut euch gegenseitig nur mal an!“ Das taten die beiden Freundinnen und staunten Bauklötze! Die Dicke, die vor einem Jahr den schlanken Körper bekam war genauso dick geworden, wie sie es vor dem Tausch war. Und die Schlanke in dem dicken Körper? Sie war ebenfalls wieder genauso schlank, sportlich und attraktiv wie vor einem Jahr! An dieser Stelle endet das Märchen, das von zwei Freundinnen erzählt. Genauso gut könnten das auch zwei Freunde sein, denn in puncto Übergewicht unterscheiden sich die Geschlechter so gut wie nicht! Die Moral von der Geschicht: Ohne Sport und Fitness funktioniert das Abnehmen nicht!

Wie gut, dass es den Fernseher gibt

Von Sharif am 15. April 2011 veröffentlicht

Oma Trudi war mittlerweile stolze 82 Jahre alt und lebte immer noch in ihren eigenen 4-Wänden. Zwar war die alte Dame nicht mehr gut zu Fuß und dreimal am Tag kam ein Pflegedienst, aber ansonsten hatte das Leben es doch recht gut mit ihr gemeint. So verbrachte sie ihre Zeit damit entweder die Nachbarn vom Küchenfenster aus zu beobachten oder aber sie guckte sich ihre Lieblingssendungen im Kabelfernsehen an. Letzteres war wirklich eine tolle Erfindung, fand sie. Denn ohne Fernsehen wäre so ein Tag doch schon extrem lang. Doch eines Abends ging plötzlich gar nichts mehr. Oma Trudi schaltete die Flimmerkiste an, aber trotzdem blieb das Bild schwarz. Immer und immer wieder versuchte sie es, aber nichts passierte. Im ersten Augenblick dachte sie noch sie hätte vergessen den Kabelanbieter zu bezahlen, aber eigentlich hatte sie für diesen doch einen Dauerauftrag eingerichtet. Somit musste wohl der Fernsehapparat den Geist aufgegeben haben. Heute Abend konnte Oma Trudi daran allerdings leider nichts mehr ändern und ging frustriert zu Bett. Unausgeschlafen stand sie am nächsten Morgen auf und beauftragte ihren Sohn erst Mal ihr einen neuen Apparat zu beschaffen, denn ohne Fernsehen wollte sie nicht lange bleiben. Dies wusste aber ihr Sohn anscheinend auch, denn es dauerte keine 20 Minuten und der Sohnemann stand mit einem riesigen Flachbildschirm vor der Tür. Als Oma Trudi dieses Gerät sah war sie hin und weg, dass es solche großen Apparate gab, hatte sie ja gar nicht gewusst. Ruck zuck war der neue Fernseher dann auch angeschlossen und Oma Trudi staunte dann nicht schlecht, jetzt hatte sie doch glatt ihr eigenes Kino im Wohnzimmer. Hätte die alte Dame noch gekonnt, hätte sie jetzt wohl einen Freudensprung gemacht. So grinste sie ihren Sohn aber nur frech an und dieser freute sich, dass seine Mama so schnell glücklich zu machen war.