Short Story

Kurzgeschichten mit Links

Monatsarchiv für Juli, 2011

Ein Friseurbesuch

Von martita am 21. Juli 2011 veröffentlicht

Es begab sich dieser Tage, dass diverse Indizien dafür sprachen, dass es wieder einmal Zeit wurde den Friseur aufzusuchen. Mit Indizien meine ich die irritierende Frage wer um Gottes Willen einen da morgens im Bad die ganze Zeit anstarrt, oder auch der langsam offenkundig werdende Versuch der Bekanntschaften, in der Öffentlichkeit irgendwie den Eindruck zu erwecken, dass man mich nicht kennen würde. Ich ging also zum Friseur. Ein Akt, der mich stets ein wenig an den Gang zum Zahnarzt erinnert. Wer behauptet der Friseurbesuch täte nicht weh, weil man in den Haaren ja keine Nervenenden hätte, unterschlägt den Schmerz in der Seele, wenn die paar Haare die man als etwas in die Jahre gekommener Herr noch hat auch noch gestutzt werden.

Da ich in die hiesige Stadt erst vor kurzem eingekehrt war, musste ich wohl oder übel einen neuen Friseur ausfindig machen. Bei dieser Suche stößt man auf mitunter amüsante, wenn auch wenig vertrauenserweckende Namen von Anbieter. Mein persönliches Highlight ist der „Hair Killer“, der mit diesem Namen sicher nie auf meiner Kandidatenliste landen wird.

Meine Wahl fiel also auf einen geographisch vorteilhaft liegenden Salon. Ich betrat diesen demzufolge ohne einen Schimmer, was mich hinter der Tür des Salons erwarten würde. Es starrte mich beim Betreten ein offenbar männliches Wesen an, dass von einer Schicht aus Piercings und Tätowierungen begraben war, wobei ich mit meinem doch eher konservativen Erscheinungsbild definitiv besser in diesen Salon mit seinen bequem erscheinenden Friseurstühlen passte als jenes Wesen. Ich ging also, trotz dieser Gestalt, die mich tatsächlich frisieren wollte davon aus das es sich um einen halbwegs normalen Salon handelte.

Mitnichten – Aber wir wollen nicht vorgreifen.

Ich nahm nach einer Aufforderung Platz auf einem der Waschstühle und genoss die angenehme Überraschung, dass es bei diesem Stuhl kein Martyrium war, seinen Kopf in die dafür vorgesehene Kuhle zu legen. In Erwartung des Wasser, dessen Temperatur im Gegensatz zu der Befürchtung der meisten Friseure eigentlich stets angenehm ist, lag ich hier also gänzlich schutzlos dem tätowierten Wesen ausgeliefert. Der Waschvorgang verlief normal, das heißt bis auf die Tatsache, dass ich noch nie ein Haarwaschmittel mit schwarzem Schaum gesehen hatte, was mich sehr faszinierte.

Nach dem Waschen nahm ich Platz auf einem Friseurstuhl und starrte ungewohnter Weise nicht auf mein Spiegelbild, wie man dies sonst bei Friseuren tut, sondern auf eine Art Gemälde, dass aus einer relativ sterile Fläche aus Metallkugeln bestand, die Wenn überhaupt nur stark verzerrt mein Antlitz wiedergaben. Das tätowierte Wesen begann derweil mit seinem Werk. Unfähig ihn dabei zu beobachten, ließ ich mich von der Magie des Bildes einfangen, dessen Komplexität aus verzerrten Spiegelungen eine Wirkung hatte, die man als fast schon hypnotisierend bezeichnen kann. Dies war auch bitter nötig, denn was immer er da tat fühlte sich an, als seien meinen Haaren am Ende doch noch Nervenenden gewachsen. Es tat nicht weh, es war, so absurd dies auch klingt, eher ein angenehmes Kribbeln in den Haarspitzen. Ich weiß nicht, wie viel Zeit verging, aber genug damit ich das Gefühl hatte, die spiegelnden Kugeln würden sich mitunter kurzzeitig in leicht und angenehm pulsierende Objekte verwandeln, die meine Augen durch eine Art Aura sanft massierten und die Anstrengungen des Tages entweichen ließen.

Irgendwie erhob ich mich nach getanem Werk vom Friseurstuhl, bezahlte und verließ den Salon, wobei mein Kopf sich geringfügig aber angenehm schwerer als früher anfühlte.

Zuhause angekommen hatte ich so viel Haar, wie das letzte Mal im Alter von 18 auf dem Kopf.

Die Kranwaage eine Tragödie

Von martita am 21. Juli 2011 veröffentlicht

Es begab sich vor einigen Jahren, dass in einem nicht näher zu nennenden Hafen eine Kranwaage im Einsatz war. Diese musste rund um die Uhr die horrenden Lasten des täglichen Logistikbetriebes stemmen, was bei Containergewichten von etlichen Tonnen eine maßgebliche Leistung abverlangte, die zudem auch noch von möglichst genauen Gewichtsmessungen begleitet wurde.

Diese Waage hatte ein Problem, denn trotz täglicher Belastung wurde ihr eines nie zuteil, so sehr es nach langem Einsatz auch notwendig wurde. Eine Prüfung oder gar Wartung. Dies begründete sich in der folgenden Konstruktion. Da war zum einen der Kransachverständig, der bei Maßgabe seines Zuständigkeitsbereichs zu dem Schluss gelangte, dass die Kranwaage nicht zum Kran gehörig sei und somit eine Prüfung nicht durch ihn erfolgen müsse. Zum anderen gab es den Anschlagsmittelsachkundigen, der bei Maßgabe seines Zuständigkeitsbereiches Seinerseits zu dem Schluss gelangte, dass die Kranwaage kein Anschlagsmittel sei und demzufolge von ihm nicht geprüft werden müsse.

So fristete die Kranwaage ein ungeprüftes Dasein über Jahre hinweg und verrichtete der Ignoranz zum Trotz zuverlässig ihren Dienst, bis zu jenem Tag, als Ihre Kraft, wie das bei Altgedienten ab und an der Fall ist, nachließ und zwar in Form eines Risses im Hakenrücken, der, wie sollte es anders sein, auf absehbare Zeit zum unvermeidlichen Bruch des Hakens führte.

Die Folge war ein tonnenschwerer Container, der unfreiwillig den Sturz in die Tiefe antrat und dabei nicht nur selbst maßgeblichen Schaden erlitt, sondern auch, wie das bei herabstürzenden Schiffscontainern so ist, maßgeblichen Schaden verursachte.

Der Kranwaage indes sei verziehen, dass Sie nach Jahre langer Ignoranz eines Tages Ihren Abschied nahm.

Die Blondine

Von MrVienna am 9. Juli 2011 veröffentlicht

‘Danke’, hauchte die zierliche Blondine zu seiner Linken und nippte an der Sektflöte. Paul hatte ihr das Glas lässig über die polierte Oberfläche der Theke zugeschoben. Es lag auch in seiner Absicht, sie mit schmelzender Stimme dazu einzuladen. Aber darauf hatte sie nicht gewartet, offensichtlich war ihr seine mündliche Einladung nicht wichtig genug. Wozu auch diese Umstände? Und sie würdigte ihn keines Blickes. Was Paul leicht frustrierte.

Er grübelte: Wenigstens ein freundliches Lächeln hätte er jetzt verdient. Stattdessen trank sie seinen sündteuren Sekt, als wäre das eine längst ausgemachte Sache. Und ihn, den Spender, strafte sie mit egoistischer Nichtbeachtung. Reagiert man so auf eine Einladung? Nun, vielleicht haben seine Worte: ‘Ein Glas Sekt für die Dame neben mir’, welche er dem eigenartig feixenden Barkeeper hingeworfen hatte, etwas überheblich geklungen. War es das?

Etwas ratlos entließ er leise seufzend seiner Lunge die überschüssige Luft, welche für die nun nicht gesprochenen Worte reserviert waren und bereitete die nächste Aktion vor. Er zog unauffällig seinen Ärmel hoch und präsentierte seine brandneue Rolex-Uhr. Das Prachtstück blitzte auch sogleich herausfordernd von seinem solariumgebräunten Handgelenk, als hätte es die längste Zeit auf diesen Auftritt gewartet. Die Blondine daneben nahm davon keine Notiz.

Seine Stimmung sank. Er sah sich um. Sie waren die letzten Gäste in der Bar. Niemand war zu sehen, nur die aufreizende, aber gefühlskalte Blondine neben ihm. Im Hintergrund verschwammen im Halbdunkel die roten plüschgepolsterten Bänke mit den abgenutzten Ecken. Die Tische waren bereits sauber abgeräumt, auch die Bedienung war schon verschwunden. Nur der Tabakrauch, vermengt mit dem Dunst der alkoholischen Getränke, war zurückgeblieben, floss erkaltet und feindlich durch den Raum und kratzte in der Kehle.

Paul wandte sich wieder der Blondine zu. Interessiert studierte er ihre langen Wimpern. Ihr eng sitzendes Kleid, welches, dezent und dunkelblau schimmernd, einen betörenden Frauenkörper umspannte. Paul schluckte. Seine Betrachtung verleitete ihn zu aufregenden Tagträumen.

Und dann kam Bewegung in das Wunderwesen. Sie öffnete ihre Handtasche, worauf Pauls Spannungszustand explosionsartig expandierte. Ihre schlanken Finger, an den Spitzen geschmückt mit sorgfältig geformten und rot lackierten Fingernägeln, versanken im Inneren der Tasche und brachten anschließend eine Zigarettenpackung an das gedämpfte Licht. Während sie eine Zigarette mit ihren roten Lippen festhielt, verschwanden ihre Finger erneut in der Handtasche. Offensichtlich suchte sie jetzt ihr Feuerzeug. Sie suchte, suchte, während Paul aufmerksam ihrem Tun zusah. Solange, bis ihm ein Gedankenblitz zuflüsterte, er dürfe diese Gelegenheit nicht ungenutzt vorbeigehen lassen. Natürlich nicht. Das liegt doch auf der Hand. Ob er ihr Feuer geben dürfe, ratterte es schlagartig aus ihm heraus und sie neigte bejahend ihren schönen blond glänzenden Kopf.

Geschafft. Der Anfang wäre gemacht. Jetzt nicht locker lassen, nicht den Faden verlieren. Nur eine Hürde wäre noch zu überwinden: Er war Asthmatiker, daher Nichtraucher und unwissend womit er ihr jetzt eine Zigarette anzünden könnte.

Aber der Gedankenblitz kam zurück. Er ließ ihn nicht in Stich. Und auf seine Ideen war Paul berechtigterweise stolz. Wozu sonst hat ein Mann ein Gehirn? Neu motiviert drehte er langsam seinen alkoholgefüllten Kopf, fokussierte seinen verschwommenen Blick auf die Umrisse des Barkeepers, der unentwegt Gläser wischte. Es fiel ihm auf, dass dieser Kerl sein Gesicht zu einem schmutzigen Grinsen verzog, während er mit einem Auge pausenlos zu ihnen herüber glotzte. Paul hob herablassend seinen linken Arm, ließ die Rolex aufblitzen und der grinsende Mensch begriff sofort. Mit der Wendigkeit eines Taschenspielers zauberte er ein Feuerzeug aus dem Ärmel und während auf seinem linken Arm das Glas und das Tuch pausierten, bot er routiniert mit der Rechten Feuer an.

‘Danke’, hauchte die Blondine wieder – in Richtung Barkeeper. Paul bekam keinen Blick.

Unzufriedenheit machte sich breit. Schließlich war es seiner Initiative zu verdanken, murrte Paul innerlich, dass sie nun an ihrer Zigarette saugen und die Luft verpesten konnte. Was er mit seinem Asthma ertragen musste. Und sie bedankt sich dafür bei diesem gläserwischenden Sack, dessen Gehirn nicht weiter reicht, als sich über sein stupides Glaspolieren zu amüsieren. Noch dazu, wo Paul genau wusste, was er von sich selbst zu halten hatte. Nämlich dass er ein Weltmann war, ein Frauenversteher. Mit einem Wort: Ein toller Typ. Wenn sie das noch nicht bemerkt hat, so ist das bedauerlich. Für sie natürlich. Und wenn das so weitergeht, wird sie auch bald auf seine Nachbarschaft verzichteten müssen.

Die Blondine senkte jetzt ihre getuschten Wimpern und formte die Lippen, als wollte sie gleich ‘o’ sagen. Dann entlockte sie ihrem Schmollmund einen Rauchring, trieb ihn mit einem kurzen Luftstoß vor sich her und sah gedankenverloren zu, wie dessen durchscheinende Konturen langsam zerflossen, bis sie sich in der dumpfen Luft gänzlich auflösten. Dann hustete sie heftig. Paul hustete ebenfalls. Nicht aus Solidarität. Das hätte sie nicht verdient. Sondern weil sich der Tabakrauch boshaft in seinem Hals festkrallte. Als erste Hilfe leerte Paul sein Glas mit einem Zug. Der Husten zog sich zurück, der Kopf wurde schwerer. ‘Schön’, sagte er. Was Besseres fiel ihm nicht ein. Was hätte er sonst sagen sollen? Die Blondine hustete wieder. Nicht so heftig wie vorher. Mehr ein Hüsteln. Sollte er das als Antwort werten?

Der tuchbewaffnete Typ hinter der Bar, dessen einziger Lebenszweck darin bestand, ständig etwas abzuwischen, drehte am Knopf eines Musikgerätes. Sogleich schleppten sich müde Bässe durch den Raum, wanden sich um die beiden Sitzenden. Die Blondine wippte mit der Sohle auf dem Fußraster des Barhockers, während sie einen zweiten Rauchring ausstieß. Er gelang nicht so schön, wie beim erstenmal. Es war nur ein ausgefranstes Rauchgebilde. Dann fiel polternd ihr rechter Hight-Heel zu Boden.

Paul überlegte. Immerhin betrachtete er interessiert den hochhackigen Damenschuh, der fast nur aus Bändern bestand, und nun, seitlich gekippt, auf dem dunklen Parkettboden, neben den Metallbeinen des Barhockers lag. Ein neuerlicher Hustenanfall störte seine Beobachtung. Diese verdammten Rauchringe. Wann hört sie endlich damit auf. Dann fiel ihm ein, dass nun wichtigere Dingen anstehen. In seiner Vorstellung ließ er sich lässig vom Barhocker gleiten, ihr den Schuh wie ein kostbares Geschenk überreichen und seinen Blick unwiderstehlich in ihre schwarzgeränderten Augen versenken.

Oder wäre es eindrucksvoller, männliche Würde zu bewahren und den Barkeeper die Aufgabe zu übertragen? Noch in seinen Spekulationen versunken, zog er langsam die Ellbogen von der Theke und straffte mühsam seinen Oberkörper. Nicht anders, als quälte er sich jetzt an der Kraft- und Foltermaschine in seinem Fitnessclub.

Ungeachtet dessen starrte die Blondine gebannt auf ihre Zigarettenspitze, von der jeden Moment ein großes Stück Asche abfallen und zu Boden kippen musste.

‘Danke’, kam es dann unerwartet und leicht rauchig aus ihr heraus. ‘Aber so ist es bequemer’.

Paul ließ seinen Oberkörper wieder in sich zusammensinken, lehnte sich erschöpft gegen die Theke. Eigentlich konnte er zufrieden sein. Sie hatte ihm einen ganzen Satz gewidmet. Ohne dass im das viel Mühe gekostet hätte. Und sie hatte ihr Glas ausgetrunken. Er wird jetzt noch ein Getränk spendieren. Und nun wird es funktionieren. Sie werden sich unterhalten, er wird ihr vorschlagen, woanders hinzugehen, und dann…

‘Sperrstunde’, sagte der ekelhafte Typ von einem Barkeeper. Er brachte brutal die apathischen Seufzer des Musikgeräts zum Schweigen, löschte einige Lichter, wechselte sein Sacco und schlüpfte durch eine Klappe der Theke. Paul ächzte mit der Seele und drückte ihm einen Geldschein in die Hand. Er verzichtete auf das Wechselgeld, obwohl es dieser Kerl nicht im Geringsten verdient hatte.

Aber jetzt wurde Paul nervös. Schnelles Handeln war angesagt, die Zeit wird knapp. Er drehte sich sitzend um seine Achse und holte tief Luft, um der Blondine endlich die entscheidenden Worte ins Ohr zu raunen.

‘Na also’, flötete diese, noch bevor der erste Ton seine Lippen verließ. ‚Das hat heute endlos gedauert.’ Eigentlich klang ihr Flöten mehr nach einer Bassflöte.

Pauls Zustand schwankte zwischen Euphorie und Verunsicherung. Ihre Worte mischten seine alkoholverhangenen Gedanken auf, setzten ein kleines Hormongewitter in Gang und zeichnete den Beginn eines Siegerlächelns auf seine Lippen.

Allerdings nur kurz. Die Wirklichkeit war grausam: Die Worte der Blondine galten nicht ihm, sondern diesem elenden Versager, der eben von seiner Theke hervorgekrochen war und sich jetzt neben ihm breit machte. Der so unverschämt grinste, die Blondine auf die Wange küsste und ihm die Tür öffnete.

Die kühle Nachtluft half Paul über das Schlimmste hinweg. Sie reinigte seine Gedanken, löste die Fantasien und brachte ihn auf die Erde zurück. Er atmete tief durch, holte aus seiner Hosentasche den Ehering, kämpfte gegen ein Schuldgefühl und kaufte einem entgegenkommenden Blumenverkäufer zehn rote Rosen ab. Diese wird er seiner Frau schenken. Und die Abende künftig zuhause verbringen.

 

Alte und neue Kinderlieder

Von thefly am 9. Juli 2011 veröffentlicht

Als Mutter von zwei kleinen Kindern kommt in unserem Haushalt keine Langeweile auf. Tim ist fünf Jahre alt, seine Schwester Marie drei und beide lieben über alles Kinderlieder. Da wir ein musikalisches Haus sind, selbst unsere Oma singt im Chor, wird natürlich den ganzen Tag über geträllert, wobei in erster Linie Lieder für Kinder zu Gehör kommen. Man kann sich gar nicht vorstellen, wie munter meine beiden Zwerge dabei werden. Musik ist einfach Balsam für die Seele und wenn die beiden bekannte kinderlieder wie etwa „Häslein in der Grube“ oder „Auf unsrer Wiese gehet was…“ schmettern, scheint die Sonne noch mal so schön.

Dabei muss ich eingestehen, dass mir selbst viele Lieder für Kinder gar nicht mehr so recht geläufig sind. So ist das nun bei Erwachsenen, kaum sind sie den Kinderschuhen entwachsen, haben sie viele liebens- und bewahrenswerte Dinge einfach vergessen. Nichts desto trotz: mit Tim und Marie werde ich gerne wieder selbst zum Kind und habe deshalb neulich ein tolles Liederbuch mit vielen schönen, bekannten aber auch unbekannten Kinderlieder erstanden. Das blättern wir immer gerne durch und probieren die schönsten Lieder für Kinder aus, wobei uns unser Papa dann oft auf der Gitarre begleitet. Das ist eine wunderschöne harmonische Atmosphäre, die wir alle genießen. Selbst unsere Oma kommt immer wieder gerne dazu und unterstützt uns mit ihrem Gesang. Sie besitzt übrigens noch ganz alte Liederbücher aus ihrer Kinderzeit, die wir uns immer gerne anschauen.

Neulich war Marie zum Geburtstag ihrer Freundin Lara eingeladen und was bot sich als ideales Geschenk an? Natürlich ein besonders schönes Liederbuch für die Kleinsten. Zum Glück gibt es eine gute Auswahl und man kann unter allen Liederbüchern immer das Passende fürs Kind aussuchen. Das Geschenk kam super an und die Gäste versuchten sich zunächst als kleine Nachtigallen, indem sie einige Lieder ausprobierten.

„Nur die Schmetterlinge im Bauch haben überlebt“ Teil 2

Von Biggi42 am 9. Juli 2011 veröffentlicht

Als wir uns physisch näher kamen, verschwanden seine zwei Freunde heimlich und wir standen allein an der Bar.

Mir machte es auch gar nichts mehr aus, dass meine Freundin bis jetzt noch nicht aufgetaucht war. Hatte ich doch einen wunderbaren, amüsanten und intelligenten Gesprächspartner an meiner Seite! Den Umstand, dass er verheiratet war, verschwieg er. Er trug auch keinen Ehering am Finger. Doch er roch förmlich nach Trauschein! Außerdem hatte er das passende Alter, um schon Ehemann und Vater zu sein. Geschieden ist er sicher nicht, welche Frau lässt schon so einen Mann freiwillig laufen, dachte ich mir.

Man könnte meinen, ich hätte mit Mitte Dreißig auch schon das Alter gehabt, mein Dasein als Ehefrau zu fristen. Aber ich hatte mich immer davor gedrückt. Irgendwie konnte ich es mir kaum vorstellen, ein Leben lang nur mit einem Mann zusammen zu sein. Mir genügten schon meine verflossenen Lebensabschnittspartner. Diese Abschnitte beliefen sich immer auf ungefähr fünf Jahre. Dann hatte ich die Nase voll. Ich wollte nicht immer nur die perfekte Hausfrau sein. Das war ja nicht alles, was die Männer verlangten. Nein, ich musste ja neben Haushalt und Job die verständnisvolle Geliebte spielen. Also, was zuviel ist, ist zuviel. Irgendwo musste man Abstriche machen. Die Konsequenz daraus war, dass ich die Rolle als Geliebte einfach weg ließ. Was wiederum nicht gerade auf Verständnis des männlichen Gegenübers stieß. Aber mein Bedürfnis nach Sex schlief nach dem leidigen Alltagsstress einfach ein. Das Ergebnis war die Trennung. Dieser letzte Schritt tat mir nie besonders weh, da ich mich im Laufe der Jahre „entliebt“ hatte. Die kleinen Unarten der Männer, die im anfänglichen Liebestaumel als liebenswürdige persönliche Eigenheit ausgelegt wurden, entpuppten sich während der Jahre als nervenaufreibende Alltagstorturen. Ich sage ja gar nichts mehr von der klassischen offenen Zahnpastatube. Aber auf diese Biertrinkenden, Füße auf den Tisch lümmelnden, zwischendurch an den Genitalien kratzenden Ungeheuer, die mir nächtens schnarchend den Schlaf raubten, konnte ich verzichten. So gesehen war ich eine glückliche Single-Mama, die plötzlich unverhofft auf ihren Traumprinzen stieß.

Die Stunden mit Peter vergingen wie im Flug. Da meine Freundin Nina sicher irgendwo mit ihren Arbeitskollegen versumpft war, wechselten er und ich das Lokal. In einer Bar mit intimer Atmosphäre verdrückten wir uns in einen Winkel. Da wir uns schon sehr viel erzählt hatten, kamen wir nun zum wesentlichen. Der Körperkontakt wurde zunehmend inniger. Plötzlich streichelte er an meinen Armen entlang, seine Finger berührten meinen Hals und wanderten weiter zu meinem Kinn. Er hob es sanft in die Höhe, schaute mir in die Augen und fing an mich zu küssen. Ich ließ mich einfach fallen und genoss seine innigen Küsse. Diese Intensität elektrisierte mich, seine Berührungen raubten mir den Verstand. Sein Körper war der pure Luxus! Ich konnte nicht genug davon bekommen, seine muskulösen Oberarme und seinen Waschbrettbauch zu streicheln. Ist dieser Mann eigentlich echt, fragte ich mich. So ein gut aussehendes, intelligentes, witziges und erfolgreiches Exemplar war mir bisher noch nie über den Weg gelaufen.

Die Nacht ging rasend schnell zu Ende. Peter begleitete mich noch zu meinem Auto. Der Abschied fiel sehr emotional aus, eigentlich hemmungslos. Ich spürte seine Erregung. Ich will mehr von dir, hier und jetzt, hauchte ich ihm in sein Ohr. Plötzlich hielt er inne. Heute nicht mehr, es ist schon spät, ich muss nach Hause, erklärte er mir. Er wünschte mir noch ein schönes Wochenende und weg war er. Ich stand da wie paralysiert. Starker Auftritt, niveauloser Abgang, dachte ich mir. Ich hatte nicht mal seine Telefonnummer.

Auf dem Nachhauseweg ließ ich diese Nacht Revue passieren. Ich glaube, ich hab mich in den Typen verknallt, schoss es mir durch den Kopf. Und das am ersten Tag, das so was mir passiert! Aber meine Erfahrung mit vergangenen Affären ließ mich hoffen, dass dieses Gefühl genauso schnell wieder verschwinden würde. Liebe auf den ersten Blick ist beim zweiten Blick gleich wieder Vergangenheit, erinnerte ich mich. Vielleicht war es auch nur ein schöner Traum, eine Nacht mit dem Cola Light Man verbracht zu haben, redete ich mir ein.

Die folgenden Tage erlebte ich wie in einer anderen Welt. Eine Welle kam auf mich zu und überschüttete mich mit Gefühlen, die ich bisher noch nie erlebt hatte. Die Begegnung mit Peter hatte mich ungemein beflügelt und schlug sich auch positiv in meiner Umgebung nieder. Ich schmunzelte in den Tag hinein und war energiegeladen wie schon lange nicht mehr. Die Wochentage waren ausgefüllt mit viel Arbeit, die Abende verbrachte ich mit meinem Sohn.

Natürlich hatte ich Nina schon von Peter erzählt. Sie wollte dieses Prachtexemplar auch so bald als möglich kennen lernen. Nina war das komplette Gegenteil von mir, äußerlich wie auch emotional. Wahrscheinlich waren wir deshalb so gute Freundinnen. Wir verabredeten uns wieder in unserem Stammlokal. Nina sah sehr gut aus mit ihren rot gefärbten Haaren, die kurz geschnitten doch den gewissen weiblichen Touch nicht verloren hatten. Außerdem besaß sie eine Traumfigur mit vielen Rundungen an den Stellen, die die Männer so lieben. Sie verstand es auch, sich vorteilhaft zu kleiden und ihren Busen perfekt in Szene zu setzen. Daneben sah ich ziemlich flachbrüstig aus. Aber zu mir passte es irgendwie, da ich allgemein ein zierlicher Typ war. Nina war zwei Jahre älter als ich, seit einigen Jahren geschieden und noch nicht wieder vergeben. Dabei sehnte sie sich so nach einem Mann, den sie umsorgen konnte. Wie gesagt, das komplette Gegenteil von mir.

Wir saßen wie immer an der Bar und ließen unsere Arbeitswoche Revue passieren. Einige Bekannte gesellten sich zu uns um Neuigkeiten auszutauschen. Doch mein Traumtyp tauchte nicht auf, auch seine Freunde konnte ich nicht finden. Irgendwie hatte sich dieser Freitag für mich erledigt. Insgeheim hoffte ich darauf, dass er doch noch kommen würde. Aber es war schon sehr spät und meine Hoffnung schwand dahin. Die Männer, die uns an diesem Tag über den Weg liefen, waren keine intensivere Auseinandersetzung wert. Größtenteils schöne Fassade, aber nicht mehr dahinter. Im Klartext: kaum machten sie den Mund auf, verging es mir, die Konversation aufrecht zu halten. Dementsprechend früh war ich daheim und schlief mit den Gedanken an Peter ein.

Fortsetzung folgt!