Von Fabio Del Bianco am
22. August 2011 veröffentlicht
Es war einmal ein Jemand, der glaubte journalistische Fähigkeiten zu besitzen. Nennen wir diesen Jemand von nun an den Journalisten. Ob er es wahrhaftig war, ist oder jemals werden wird, dass überlassen wir euch werte Leserschaft.
Nun, dieser „Journalist“ wollte so schreiben, wie ihm die Seele gewachsen war.
Irgendwann später, als er planlos im Internet „surfte”, ergoss sich eine “Welle“, in Form einer Internetseite, über ihn hernieder. Neugierig, weil es eine Fussball-Seite war, öffnete er diese. „Coole Front Page“ dachte sich der Journalist. „Vielleicht haben die einen Arbeitsplatz anzubieten?“ kursierte es in seinem Kopf. Wahrhaftig! Die suchten einen Journalisten. (Schwerpunkt Fussball) Das Anforderungsprofil entsprach präzise dem, was er bieten konnte.
Euphorie durchströmte seinen Körper. Das Schicksal schien ihm diese Pforte zu öffnen. Noch in derselben Minute bewarb sich der Journalist für die ausgeschriebene Stelle.
Einen halben Tag später erhielt er Antwort (per E-Mail): „Ich bin in den Ferien, doch nach meiner Rückkehr können wir uns gerne treffen. Danke für Ihre kurze Bewerbung.“
„Dies ist doch mal eine hoffnungsvolle Antwort“ ratterte es durch des Journalisten Schädel.
Dieser begann gleich weitere Texte zu verfassen. Alsdann eröffnete er auch gleich einen Blog, um seine Geschichten augenblicklich zu publizieren.
Es soll erwähnt sein, dass die Art und Weise wie unser Journalist zu schreiben pflegte, sonderbar und unüblich war. Darin sah er aber auch seine Möglichkeit sich aus der schreibenden Masse hervorzuheben.
Die Tage vergingen. Die Ferien des Jobanbieters waren mittlerweile zu Ende.
Dann endlich, traraa, die E-Mail war da.
Eine Antwort. Der Journalist öffnete seinen Posteingang und begann zu lesen:
„Danke vielmals…blabla.., sie schreiben sehr originell…blabla.., ABER…blabla…, LEIDER…
Um es kurz zu machen, unser Journalist macht zu viele Rechtschreibefehler (vor allem Kommasetzung) und es wurden ihm seine „ungewohnten Floskeln“ zur Last gelegt.
Endlose Schwärze, kein Boden unter den Füssen. Der Journalist der jetzt doch keiner war, wähnte sich in einem dunklen Loch.
Gefangen in seinen Emotionen, schrieb er zurück und bettelte. Man möge ihm doch den Job trotzdem geben. „Gebt dem schrägen Vogel eine Chance, biitteee!“ Es half nichts. Deren Entscheidung stand unauslöschlich.
Eine Woche lang brachte der „Versager-Journalist“( so nannte er sich zwischenzeitlich) weder eine Zeile noch ein Wort zu Papier. Alles war weg. Keine Inspiration, keine Motivation und schlussendlich auch keine Freude mehr.
Aber wie es halt so ist, heilt die Zeit alle Wunden.
Der freie Journalist, so nannte er sich jetzt, schöpfte wieder neuen Mut.
Er setzte sich vor seinen PC und begann wieder zu schreiben.
„Es war einmal ein Jemand, der glaubte…
Fabio Del Bianco 19. August 2011
Von Fabio Del Bianco am
3. August 2011 veröffentlicht
FC Basel –Lausanne Sports irgendwann in der Saison 1977/78
Als Fan des damals amtierenden Schweizer Meister, hatte man natürlich Ansprüche. Diese mussten natürlich erfüllt werden. Selbstredend, klar! Zu jener Zeit war ich 14 Jahre alt. Die Samstage gehörten dem FCB; ganz klar! Lausanne Sports war zu Gast im Joggeli. Ob es ein Sieg werden würde stand nicht zur Debatte. Wie hoch der FC Basel gewinnen würde, darüber wurde „gewerweist“. Lausanne war nun wirklich kein Gegner in unseren Augen. Soweit ich mich erinnere regnete es an diesem Abend. Die ersten Minuten in Verbindung mit dem Sch….. Wetter erzeugten bei einigen Fans eine etwas gereizte Stimmung. Lausanne hielt dagegen. Nein, um bei der Wahrheit zu bleiben, die spielten sogar besser als der FCB.
Tatsächlich wagten die es sogar noch in Führung zu gehen. Die Torabfolge weiss ich nicht mehr genau, ist auch nicht so wichtig. Tatsache war, dass irgendwann lang in der zweiten Halbzeit, unser FC Basel mit sage und schreibe 1-4 hinten lag. Was für eine Demütigung. Ich zumindest kannte solche Szenarien nicht. Praktisch immer wurden Heimspiele gewonnen. Zu meiner äussersten Befriedung wurden die Auswärtigen mit Packungen nach Hause geschickt. Die Protagonisten trugen ROT-BLAU. Das war einfach so. Der Gegner stand zwar auch auf dem Platz, doch dieser spielte den Part des Statisten.
Was auch immer an diesem Tag schief lief, es lief gründlich schief. Das was dann aber ab der achtzigsten Minute im „FCB-Egge“ ablief, hab ich weder vorher, noch Gott sei Dank nachher wieder erleben müssen. Nun, wie es bei meinen „Mit-Fans“ in ihrem Inneren aussah, kann ich nicht genau sagen. Ich auf jeden Fall, war auf das Maximum genervt und enttäuscht. Ein Blick, ein Wort, dann mehrere gegenseitige Blicke und eins oder zwei nicht druckreife Sätze. Die Eigendynamik nahm ihren Lauf. Der erste, ich war es zu meiner Entschuldigung nicht, begann zu schreien: „Allez Lausanne, allez Lausanne“ Wir Basler neigen eben zu einer gewissen Selbstironie. Der ganze Fan-Block begann inbrünstig, aber auch mit einem verschmitzten Lachen, zu skandieren: „Aaallleeee Looosaaann“
Fürwahr, wir waren in diesem Moment wirkliche Egoisten. Die Mannschaft hatte gefälligst zu gewinnen. Die sollten uns bei guter Laune halten. Die hatten die verdammte Pflicht unseren Selbstwert zu stärken. Für was denn sonst ins Stadion gehen? Wir hatten einfach keine Übung im Verlieren von Heimspielen.
Der Fan des FC Basel sollte später aber noch Übung bekommen. Gut wussten wir das in jenen Tagen nicht. Wir wären wohl vollends zum Gegner übergelaufen!
Nein, natürlich nicht. Im Herzen waren, sind und werden wir auf Gedeih und Verderb FCBeeeler bleiben.
Ihr fragt mich, ob ich mich dafür schäme, dass ich für 10 Minuten ein Überläufer wurde? Sag ich nicht. Bleibt mein Geheimnis.
Nur soviel; ich habs` ja jetzt gebeichtet. Danke habt ihr zu ge(lesen). Jetzt muss ich aber aufhören. Muss zur Strafe noch zehn „AVE FC BASEL“ aufsagen.
So sei es!
Fabio Del Bianco
Von martita am
3. August 2011 veröffentlicht
Es fing an, wie alles anfängt – völlig unauffällig. B. stand morgens auf und stellte fest, dass irgendetwas anders war, ohne zunächst sagen zu können, was. Eine Art schwere Atmosphäre füllte den Raum. Beim Gang ins Bad schien es, als müsste er durch einen unsichtbaren Nebel kämpfen, der seine Bewegungen schwerfällig und langsam werden ließ. Als B. anschließend die Wohnung verlassen wollte, konnte er es nicht. Er konnte nicht genau bestimmen, was der Grund hierfür war. Es war schlicht so, dass er nicht hinaus gehen konnte. Er blickte sich in seiner Wohnung hilflos um und dann sah er es, ein WIG-Schweißgerät, das mitten im Raum platziert worden war. Es war ein großer klobiger feuerroter Kasten, an dem ein schwarzer Schlauch angeschlossen worden war. B. würde die Tür also nicht mehr öffnen, nicht heute und nicht morgen. Er würde die Wohnung nicht mehr verlassen, nie mehr die frische sonnige Luft der Welt da draußen genießen. Er würde die Welt nur noch sehnsüchtig durch seine Fenster sehen, bis eines Tages das Ende kommen würde. Wie hatte es ausgerechnet ihn treffen können. Erfolg im Beruf, Erfolg im Leben, Erfolg bei den Frauen, alles zerschellt in einem Augenblick. Alles was blieb, war dieses WIG-Schweißgerät, das ein Symbol, ein feuerrotes Fanal für seine Schuld war. Das Urteil war gesprochen worden. B. ging zu dem feuerroten WIG-Schweißgerät und betrachtete es eingehend. Betrachtete eingehend seine Schuld, die er nicht zu fassen vermochte, obwohl sie vor ihm stand. Er konnte versuchen, sich zu verteidigen, konnte Referenzen einholen, seine Unschuld beweisen, aber es war zwecklos, das wusste er, denn seine Schuld war beschlossen, sie stand vor ihm, klobig, feuerrot und unübersehbar mitten im Raum. Er fasste das WIG-Schweißgerät. Es wog schwer in seinen schwitzigen Händen, als hätte man die Schuld, welche man ihm vorwarf, irgendwie in das Gerät eingebaut. Er ging mit dem Gerät zu seiner Haustür, die durch eine metallene, massive, neblig grau glänzende ersetzt worden war, während er geschlafen hatte. Er erinnerte sich an die Zeit vor diesem Tag, als er unschuldig gewesen war, als seine Haustür noch als Holz bestanden hatte und das feuerrote WIG-Schweißgerät irgendwo anders gewesen war. Diese Zeit war vergangen. Er schaltete das Gerät ein. Der Ton, der erklang, war fast sonor, fast angenehm. Er klang nach Sühne. B. begann den Rand der Tür festzuschweißen und verließ die Wohnung, seine Wohnung nie wieder.
Von MrVienna am
3. August 2011 veröffentlicht
Die blonde Kurzhaarfrisur ließ die Frau blutjung erscheinen. Fast wie eine Schülerin. Ihre Bewegungen waren katzenartig und aus ihren grünen Augen blitzten mehrdeutige Versprechungen. Sie saugte an einem Strohhalm, schloss kurz die Augen, um den süßen Dessertcoktail zu genießen, beugte dann ihren wohlgeformten Oberkörper geschmeidig über den Tisch, und ließ ihre Finger spielerisch über den Handrücken des gegenüber sitzenden Mannes gleiten. Taktik? Jagdritual? Vielleicht aber nur kindliche Unbekümmertheit. Manche Frauen klammern sich eben bis zum Lebensende an ihre Kindheit.
Alfons käme auch nicht auf die Idee, sich als Opfer zu fühlen. Vielmehr als Eroberer. Als routinierter Verführer. Denn er wusste, wo es lang ging. Und er wusste, was im Leben zählte, was wirklich wertvoll war. Bekanntlich Geld, Luxus und Frauen. Alles andere war ziemlich sinnlos, eigentlich keinen Gedanken wert. Und jeder, der das nicht kapierte, den konnte man im besten Fall nur bedauern.
„Was machst du so“, hauchte das katzenhafte Wesen jetzt, ohne den Strohalm aus ihren Mund zu entlassen. „Übrigens: Silvia“. Die letzten Worte unterstrich sie, indem sie mit ihrem Zeigefinger auf ihre üppige Oberweite einstach.
Und Alfons verstand sofort. Er dachte zwar nicht daran, sich ebenfalls vorzustellen, aber er startet augenblicklich und ohne Anlauf, wie ein Schnellläufer, seinen Bericht. Diesen Bericht musste jede Frau, über sich ergehen lassen, die es zuließ: Nämlich dass er Firmenchef sei, mit einem glänzenden Einkommen. Dass Geld in solchen Mengen auf sein Bankkonto strömt, wie es sich niemand vorstellen kann. Und alles, ohne dass er auch nur einen Finger dafür krumm machen muss. Natürlich kann er einer Frau jeden Wunsch erfüllen. Eigentlich könne sich eine Frau garnicht soviel wünschen, was er imstande wäre, ihr zu geben.
„Toll“, flüsterte Silvia. Ihre Augen rundeten sich. So weit, bis ihre Pupillen das Aussehen von grün schimmernden Euromünzen annahmen. Den Dessertcoktail hatte sie inzwischen ausgetrunken, was aber der Aufmerksamkeit Alfons entging. Und dann flüsterte sie noch einmal: „Super.“
Die Dinge entwickelten sich ohne Störung, genauso wie von Alfons geplant. Man kam zu der Einsicht, dass es hier zu laut sei und man einen ruhigeren Ort aufsuchen solle, wo man sich ungestört unterhalten könne. Die Wohnung Alfons lehnte Silvia mit dem Hinweis ab, sie würde sich in ihrer Wohnung sicherer fühlen. Der Absicht Alfons tat dies keinen Abbruch und so verlor er keine Zeit, seine Eroberung aus dem Lokal zu schleusen, der am Straßenrand parkenden und kurz zuvor geleasten Luxuslimousine entgegen, die ihn nun möglichst rasch zu einem amourösen Abenteuer bringen sollte.
Die Tür knarrte und der Boden knarrte auch, als sie die Wohnung Silvias betraten. Das Vorzimmer war schlecht beleuchtet, was Alfons nur begrüßen konnte. Silvia ging mit schaukelndem Hinterteil voran und öffnete eine Zimmertür. Und Alfons hing inzwischen mit hungrigen Blicken an ihrem Körper, verfolgte die schlangenartige Bewegung ihres Arms zum Lichtschalter. Seine Sinne summten, als wäre eine Hochspannungsleitung durch seinen Kopf gelegt. Die Spannung vibrierte durch den Körper, endete erst in den Fingerspitzen. Das aufzuckende Licht des Zimmers warf einen trüben Schein über ihn. Es war noch dürftiger, als jenes im Vorzimmer. Umso besser. Alles nach Plan. Besser konnte es gar nicht laufen.
Alfons betrat den düsteren Raum und sogleich entglitt ihm seine schwüle Zuversicht, wie ein loses Handtuch. Die Stube war gähnend leer! Kein Stuhl, kein Tisch und was ihm am meisten ernüchterte: Auch kein Bett. Und dann knallte auch noch die Tür hinter ihm zu, als wäre eine Granate explodiert. Und als er sich umdrehte stand er zwei Muskelmännern gegenüber.
Alfons wechselte seine Gemütsverfassung wie ein Chamäleon die Farbe. Aus dem vorangegangenen Unverständnis formte sich ein glühend heißer Schreck. Seine Augen flatterten, er suchte Silvia. Sie stand beim Fenster und blickte gelangweilt durch verstaubtes Glas zu den Straßenlaternen hinunter. Als wäre außer ihr niemand im Zimmer. Ein Adrenalinausstoß jagte Alfons durch die Unterarme. Er trat zwei Schritte zurück.
Einer der beiden Gorillas wandte sich lässig Silvia zu. „Gut gemacht, Baby. Boris wird es dir danken. Du kannst jetzt abhauen.“
Silvia bewegte sich nicht. „Ich bleibe“, sagte sie dann. Der Klang ihrer Stimme erinnerte an ein scharfes Messer, „ich muss Boris berichten, ob ihr euer Geld auch wert seid.“
Der Gorilla wirkte ungläubig. „Das hat er gesagt?“
Silvia antwortete nicht und Alfons musste eine weitere Schockwelle überstehen. Boris. Ja Boris. Langsam schraubte sich wieder sein Verstand hoch und setzte Stück für Stück eine Erklärung zusammen.
Alfons war ursprünglich ein Lastwagenfahrer. Bis zu dem Zeitpunkt, wo er es nicht mehr mit seiner Ehre in Einklang brachte, ständig kostbare Ware zu Kunden zu bringen und nebenbei zuzusehen wie das Geld dafür jemand anderer einsackt. So eine Ungerechtigkeit hatte er nicht verdient. Deswegen beschloss er, sich selbständig zu machen und gründete eine Handelsagentur. Natürlich in einem klimatisierten holzvertäfelten Büro mit teuren Mobiliar aus Eichenholz, echtem Leder und riesigen Fenster, die einen erhabenen Ausblick über die Stadt mit seinen kleingeistigen Bürgern freigaben.
Dafür hatte er seine Ersparnisse investiert und als dann die laufenden Kosten auftauchten, da konnte er nicht anders und erzählte dem Bankdirektor von großen Aufträgen, die sich bereits im Lieferstadium befänden. Damit erreichte er einen Kredit, der ihn eine Weile über Wasser hielt. Als aber der Kreditrahmen überzogen war und immer noch keine Einnahmen eintrafen, drohte die Bank mit Exekution.
Aber da erschien – gerade rechtzeitig und auch glücklicherweise – der rettende Engel. Besser gesagt, ein Schrank von einem Mann, in einen Nadelstreifanzug gezwängt, mit offenen Hemdkragen und einer gestylten Frisur auf seinem breiten Schädel. Dazu hatte er viel Gold um seinem Hals, um seine Handgelenke und auch einzeln an seinen Fingern stecken. Dieser Typ bot Alfons ein tolles Geschäft an, wofür er nichts weiter tun braucht, als bloß den Mund zu halten. Er stellte sich dann als Boris vor und erklärte, dass für dieses Geschäft keine Verträge nötig seien. Bis jetzt hätte sich noch jeder an die Vereinbarung gehalten, zumindest jeder, der noch am Leben ist.
Alfons dämmerte, dass der letzte Satz irgendwie mit diesen beiden Gorillas in einem Zusammenhang steht. Aber damals war ihm klar: Dieses Angebot kann kein vernünftiger Mensch abschlagen. Und das Geschäft lief auch gleich in den nächsten Tagen an. Alfons bekam einen Riesenbetrag auf sein Konto gutgeschrieben. Für einen Auftrag, den er nie ausgeführt hatte. Dann bekam er eine Rechnung über eine Ware, die er ebenfalls nie erhalten hatte. Und wenn er die Rechnung mit dem vorher eingegangenen Geld beglich, so blieb noch eine hübsche Summe übrig, die für ein bequemes Leben reichte. Das ging so eine ziemliche Weile.
Alfons hatte viel Freizeit und dafür benötigt man logischerweise auch genauso viel Geld. Da gab es das elegante Spielkasino. Und viele Bars, wo man schöne Frauen kennenlernen konnte. Und um sich das alles leisten zu können, verzichtete Alfons in der letzten Zeit auf die Bezahlung der eintreffenden Rechnungen. Eigentlich nicht zu Unrecht. Er hatte ja dafür auch keine Ware erhalten. Aber nun stehen diese beiden Riesenaffen vor ihm und machen deswegen Schwierigkeiten.
„Boris hat gesagt, du schuldest ihm hundertzwanzig tausend “, knurrte einer der beiden Gorillas und riss Alfons von seinen Überlegungen fort. „Und er hat gesagt: Bringt mir die hundertzwanzig Kilo oder bringt mir seinen Kopf“.
Alfons suchte nach einem Halt. Nachdem dafür keine Möbel zur Verfügung standen, musste er bis zur Wand zurückgehen, um sich abzustützen.
Der Gorilla knurrte erneut: “Und? Was jetzt? Kohle, oder du bist dran“.
Wenn es Alfons im Moment auch schwer fiel, einen klaren Gedanken zu fassen, so wusste er eines ganz sicher: Das Geld war weg. Es war im Spielkasino geblieben. Auch in Nobelbars. Weiters hat es sich in Geschenke an schöne Frauen umgewandelt. Er konnte diesen beiden großen Affen beim besten Willen kein Geld anbieten. Also war er dran.
Der Gorilla seufzte. Der zweite, der die ganze Zeit wie eingefroren dagestanden war, zog mit einer Mine, als litte er unter chronischer Bewegungsunlust, eine Pistole aus der Achselhöhle. Dazu ein langes, schwarzglänzendes Metallrohr, welches er sorgsam auf den Lauf der Waffe schraubte.
Alfons dachte an Flucht. Vor der Tür standen die beiden Killer. Vor dem einen Fenster stand Silvia, die immer noch so tat, als ginge sie alles nichts an. Das zweite Fenster wäre frei, aber es war verschlossen, eng und mit einem stabilen Fensterkreuz versehen. Und er befand sich im dritten Stock.
Der Killer hatte den Schallschutz jetzt festgeschraubt und richtete den Lauf der Waffe auf Alfons. Dann nahm er die Schusswaffe nocheinmal zurück und prüfte, ob der Schallschutz auch wirklich fest saß. Als nächstes zielt er blitzschnell auf den Kopf von Alfons.
Alfons schloss die Augen. ‘Schade’, dachte er, ‘schade um die schönen Frauen, um das schöne Leben und schade überhaupt um alles.’
Und dann knallte es und Alfons taumelte an der Wand entlang. Es knallte ein zweites Mal und Alfons rutschte langsam die Wand hinunter.
‘So ist es also’, kroch es durch sein Gehirn. ‘So ist es, wenn man stirbt. Man ist nicht mehr da, aber man kann noch denken. Und fühlen?’
Alfons griff um sich, spürte den weichen Teppichboden, die Tapeten an der Wand. Dann versuchte er vorsichtig seine Augen zu öffnen.
Vor ihm, auf dem Fussboden, lagen – seltsam verrenkt – die beiden Gorillas. Der eine hatte noch seine Finger um die Pistole mit dem Schalldämpfer gekrallt. Beide bewegten sich nicht. Wer war jetzt tot? Ich oder die beiden. Und dann erblickte er Silvia, die einen kleinen Revolver in der Hand hielt und ihm einen geringschätzigen Blick herüberwarf.
In Alfons Gehirn trug sich eine kleine Eruption zu. Die Eruption brachte ihm auch die Erkenntnis, dass er lebte und dieses Engelswesen ihn gerettet hat! Er sprang vom Boden auf, breitete seine Arme aus und schwankte Silvia entgegen.
„Halt“, schrie sie und Alfons war, als hätte sie ihn jetzt mit einem Messer in den Bauch gestochen. „Stehen bleiben, umdrehen und Hände auf den Rücken“. Der Revolver vor seinem Gesicht ließ ihn wissen, dass sie es ernst meinte. Und außerdem blinkte aus ihrer zweiten Hand schadenfroh eine Polizeimarke.
Verdattert drehte sich Alfons um und fühlte gleich darauf den kalten Stahl von Handschellen um seine Handgelenke.
‘Was nun’, schlich sich ein Gedanke heran. ‘Getötet, gefangen. Was hat das Leben noch mit mir vor?’
Dann flog mit einem splitternden Krachen die Tür auf und Polizisten in gepanzerten Anzügen und mit Waffen im Anschlag stürmten herein. Ein grauhaariger Zivilist tauchte aus dem Hintergrund auf, untersuchte die beiden liegenden Killer und sah dann zu Silvia auf.
„Schöne Bescherung. Die zwei sind mausetot. Wer soll uns jetzt sagen, wo wir Boris finden.“
Alfons hörte Silvia hinter seinem Rücken: „Was sollte ich machen? Vielleicht ruhig einem Mord zusehen? Wo seid ihr denn geblieben? Ihr habt doch alles mitgehört.“
„Schon gut“, lenkte der Grauhaarige ein. „Wir hatten Probleme mit dem Funk. Ist das der Geldwäscher?“ Er blickte auf Alfons.
‘Sag nein, du falsche Schlange’, hoffte Alfons vergeblich und spürte augenblicklich an beiden Seiten kräftige Polizistenhände, die ihn resolut zur Tür zerrten. Er warf noch einen Blick zurück. Der Grauhaarige machte ein ernstes Gesicht. Silvia wirkte entspannt, sie lockerte ihre Arme, wie nach einer Turnübung.
„Du hast Glück“, rief sie ihm nach. „Wo du jetzt hinkommst, bist du sicher vor Boris. Und vielleicht kriegen wir ihn, noch bevor du wieder rauskommst. Hoffe es mit uns.“