Monatsarchiv für September, 2011
Von bs am
8. September 2011 veröffentlicht
Schon als Baby hat sich Tim von der Musik begeistern lassen. Die Rassel war immer der absolute Hit und Kochtopf und Kochlöffel wurden als ganz eigenes Musikinstrument genötigt. Außerdem begann er sehr früh zu den Liedern zu klatschen oder sich zu bewegen. Tim konnte es kaum abwarten, den ersten richtigen Musikunterricht in der Grundschule zu besuchen und neue Instrumente zu entdecken. Auch das Lesen der Noten wollte er endlich beherrschen. Schließlich gehört das zu einem richtigen Musiker dazu.
Das Instrument, das Tim am aller meisten begeistert, ist die E-Gitarre. Immer wenn sein älterer Bruder Markus das Instrument spielt will Tim sofort wissen, wie das Instrument funktioniert und wie genau er an die Saiten greifen muss. Zu seinem nächsten Geburtstag will Tim unbedingt eine eigene E-Gitarre bekommen und genauso „cool“ wie sein Bruder Markus sein. Tims Lehrerin sieht die Begeisterung und die Fähigkeiten des Jungen und bringt ihm im Musikunterricht zunächst die einfachen Griffe bei.
Als Tim in die Realschule kommt ist es endlich so weit. Seine Eltern haben ihm eine Gitarre gekauft, mit der er nun endlich auch ein Rockstar sein kann. Schon nach dem ersten halben Schuljahr bekommt Tim das Angebot, die Schulband mit seinem Instrument zu begleiten. Genau das ist es, was er sich schon als Kleinkind immer gewünscht hat. Ein Publikum mit der Musik zu begeistern.
Von NMRKT am
8. September 2011 veröffentlicht
“Versteh es nicht falsch, deine Zeit ist gekommen Taunos…”. Der Finger krümmte sich und ein leiser, zischender Schuß fiel, sofern man es als solchen bezeichnen möchte.
Die letzten Gedanken die Taunos nun, im Bruchteil einer Sekunde noch verspüren konnte, waren außerordentlich detailreich und umfassend.
Die letzten Monate hatten ihn erst in diese Lage gebracht. War es nicht mehr als ein Spiel gewesen bei dem er den Einsatz einfach zu hoch gesetzt hatte?
Luna war eine zum Spielen geschaffene Science Fiction Landschaft für jene auf der Erde die sich diesem Genre zugehörig fühlten und denen die Erde einfach zu langweilig geworden ist. Spielkosolen, Kriegsspiele, augmented reality, das konnte Luna alles bieten. Ein Kurztrip von 2 Stunden für zwei Tage Spaß war es einigen Menschen wert einige Jahre zu sparen. Jene die es letztendlich geschafft haben, kehrten hellauf beigeistert zurück und berichteten von ihren zu fleisch gewordenen Science Fiction Helden und Bösewichten.
Luna – science fiction Welt begüßt neue Spieler!
So auch Taunos, bürgerlicher Name Paul van Rangh. Er sollte in einer speziellen BETA Phase teilnehmen welche ihn letztendlich auch das Leben kosten sollte.
Als Taunos auf Luna ankam kam es ihm vor wie ein Paradies, alels wovon die anderen berichtet hatten war hier wahr: eine künstlich geschaffene Science Fiction Welt. Doch bereits kurz nach dem Ankommen auf Luna fingen die Dinge an zu laufen wie sie nicht laufen sollten: das Programm der Maschinen wurde verändert, von wem, das würde Taunos wohl niemals erfahren.
Die Maschinen drehten durch und gingen gegen die nahezu wehrlosen Opfer vor, töteten sie zunächst, zwangen sie aber letztendlich zu Spielen auf den Schlachtfeldern, was ihre Überlebensschancen nicht im Geringsten erhöhte.
Taunos war da anders, er hatte eine militärische Ausbildung bei der Nordmark Akademie genossen, eine der letzten Kriegervereinigungen bevor der Krieg auf der Erde offiziell beendet und auf andere Planeten ausgelagert wurde.
Er kannte sich gut mit den gängigsten Waffen aus welche er sich auch aus der Sicherheitszentrale von Luna besorgt hatte. Vergebens hatte er nach einer killswitch gesucht um die Maschinen, die Roboter, abzuschalten. Diese gab es leichtsinniger Weise nicht, oder er hatte sie schlichtweg nicht gefunden.
Mit einigen versprengten Sicherheitsleuten verschaffte er sich Zugang zu den Lebensmittelvorräten welche sie einige Tage gegen den Ansturm auch halten konnten bevor auch diese Bastion eingenommen wurde. Die Maschinen, so stupide sie auch waren, waren zahlenmäßig natürlich weit überlegen. Verteilt über Luna türmte sich nun Schrott, Schrott von blutrünstigen Maschinen die einen Krieg gegen jene ausgesprochen hatten die sie zuvor dazu mißbrauchten um ihre Gelüste nach Kriegsspielen auszuleben. Es war also verständlich, eigentlich schon zu erwarten, daß sie irgendwann ihre KI soweit ausgebaut hatten, daß ein Verlangen nach Freiheit sie dazu bewegen sollte etwas dafür zu tun. Und sie taten es, ohne Erbarmen erschlugen sie jedes humanoide Wesen welchem sie begegnet sind. Ohne Waffen, dafür mit festen Schlägen und Tritten konnten sie einen erwachsenen Mann binnen von Sekunden ins Jenseits befördern. Männer wie Frauen, sogar die wenigen Kinder und alte Menschen die hauptsächlich die Erholungsbereiche des science fiction Parks auf Luna nutzten fielen ihrem gnadenlosen Vorgehen zu Opfer. Nach und nach waren sie alle weg. Getötet von den Maschinen, nur noch Taunos blieb übrig. Zumindest das was noch von ihm übrig war. Verwundet, schwach vor Nahrungsmangel, nur wenig mit dreckigem Wasser am Leben erhalten. Er hätte sie letztendlich niemals alle alleine besiegen können. Das wollte er auch nicht mehr. Resignation erlaubte den Jägern ihn zu fassen. Wofür sollte er noch kämpfen?
Was blieb da noch übrig? Er war allein, eine Möglichkeit Kontakt mit der Erde aufzunehmen oder gar Hilfe zu Empfangen war Luna von den Maschinen genommen worden.
Auch wenn sie noch so viele Maschinen erledigen konnten, es war nur noch eine Frage der Zeit bis die Maschinen auch die Erde angreifen würden – ein Warnruf war nicht möglich …
GAME OVER
Eine Kurzgeschichte von C.Ott, Autor vom sci-fi-kult.com Blog. Derzeit werden Mitautoren für diverse Bereiche gesucht.
Von Lukas Gabriel am
8. September 2011 veröffentlicht
Armin F. war überdurchschnittlich begabt. Seine Statur ließ vermuten, daß er regelmäßig Sport betrieb, und so seinem schlanken, hoch gewachsenen Körper in seiner Natürlichkeit zu Ausdauer und Zähigkeit verhalf. Auch wirkte sich diese Physis auf seinen Geist aus, und so war Armin F. daran gewöhnt, jeden Tag um 5:00 aufzustehen, um in einen geregelten, mehr oder weniger vorherbestimmten Alltag zu tauchen.
Wie jeder Arbeitstag hätte auch dieser mit dem gleichen Frühstück, zwei Semmeln mit Butter und Honig, sowie eine Tasse Filtercafé und genug Flüssigkeit, am besten in Form von frisch gepreßtem Orangensaft, oder klarem Leitungswasser, begonnen, hätte Armin F.´s Blick nicht eine kleine Zeitungsannonce gestriffen, wodurch seine Aufmerksamkeit zur Gänze eben auf diesen fokusiert wurde.
„Gitarrist für gut gebuchte Band gesucht! Bei Interesse melden“
In Armin F. flammte das Gefühl von Liebe und Freiheit auf. Er spürte seine alte Sehnsucht, wie sie erwachte, und ihn mit Gedanken und Ideen bombardierte, um ihn schwindelig werden zu lassen, und um ihn von seinem Weg abzubringen, um auf den Abgrund einer menschlichen Existenz zu zusteuern, der es nicht gelungen war, seine innersten Träume in eine lebenswerte Realität zu verwandeln.
Es schauderte ihn. Und doch konnte sich sein aufgewühltes Inneres nicht beruhigen, und schon gar nicht verließ ihn der boshafteste aller Gedanken, nämlich dass sein Leben einer Themaverfehlung glich, und er die wichtigste Aufgabe in seinem Dasein nicht erfüllen würde.
Langsam und besonnen streckte Armin F. seine Hand nach dem Orangensaft, der ihm Abkühlung und Klarheit bescheren sollte, und trank das halbe Glas in einem Zug aus. Die säuerliche Frische konnte dem zerstreuten Geist, eine Richtung geben und so trat eine bekannte und bewährte Taktik in seinen Fokus. Armin F. ging in Gedanken das Leben einiger Freunde durch, die, sofern er davon wusste, den unsicheren Weg des Künstlers eingeschlagen hatten, und sich damit abseits der oft gegangenen Pfade in Gefahr begaben. Sein Traum war immer in einer Band für Hochzeitsmusik zuspielen.
Schon fing sein Bauch an, sich zu entspannen, und er merkte, wie sein Atem sich wieder in seinen Unterleib verlagerte, wie er es als sportlich aktiver Mensch anstrebte, denn er wusste, nur durch die Bauchatmung können Körper und Geist konzentriert ihre Leistungen erbringen. Angetrieben durch diesen Gedanken fühlte Armin F. wie Klarheit und Optimismus zurückkehrten und ihn auf das vertraute Plateau von physischer sowie mentaler Stärke zurück hievten.
Sein Blick wanderte mit morgentlicher Leichtigkeit ein paar Centimeter nach rechts und siehe da! Welch erfreulicher Anblick! Der Kurs der Aktien, die er vor Kurzem in hoffnungsvoller Absicht gekauft hatte, war gestiegen! Entspannt griff Armin F. zu seiner Tasse Café und wiegte sich in Bestätigung und Zuversicht.
Von Fabio Del Bianco am
8. September 2011 veröffentlicht
Noch jung ist sie, die AXPO-SUPER-LEAGUE, und doch an Erfahrungen so viel reicher. Ein Hoch auf die Aussage: „Nur die Punkte zählen“ Würden wir hier eine Leistungstabelle erstellen, so würde diese deutlich anders aussehen als die aktuelle Rangliste. Beruhigend für die Topfavoriten aus Basel, Zürich und Bern ist die Tatsache, dass mit Thun und Luzern derzeit Teams an der Spitze stehen, denen nicht wirklich zugetraut werden kann, den Titel zu holen.
Väterchen Zufall spielt im Fussball immer eine gewichtige Rolle, die Form des Balls unterstreicht diese Tatsache. Doch sind es am Ende dann doch immer wieder die üblichen Verdächtigen, welche die Pokale untereinander weitergeben. Damit soll gesagt sein, dass Gevatter Favorit das letzte Wort hat.
Doch so weit sind wir noch lange nicht. Sehen wir uns mal die Fakten an. Der FC Basel kommt nicht richtig in die Gänge. Kann ja mal passieren! Niemand scheint jedoch richtig zu verstehen, warum das so ist. Die Masse schüttelt den Kopf und die Verantwortlichen zucken mit den Schultern. Wieso, weshalb, warum; ist die Banane krumm? Beim FC Zürich wirkt das Ganze noch kurioser. Nach 3 Niederlagen zu Beginn der Saison, hatte man GC (6-0) und den FCB (auswärts 2-1) besiegt. Es folgte das Heimspiel gegen die sonderbare Kabarett-Truppe Xamax. Weiss der August warum; der FCZ verlor mit 0-2. Kommen wir zu den „jungen Knaben“ aus Bern. Die gewinnen Spiele, welche sie verlieren müssten, und geben dort Punkte ab wo sie das klar bessere Team sind. Wird Silberbauer ein Gassenhauer? Ist der Degen schon gespannt? GROSSe Antworten gibt`s bei YB noch keine. Die „De-Luxe- Abteilung“ in einem Satz zusammengefasst ergibt: „Der FISCHER FINK wird so nicht GROSS“.
Die AXPO Super-League ist momentan ein Haus ohne Dach und ohne Keller. Also überqueren wir die Strasse und blicken in die Anwaltskanzlei Sion. Die Walliser stehen mit ihren 11 Punkten recht gut da. Genauer gesagt auf dem zwischenzeitlichen 3. Rang. Doch ist das wirklich so? Sehen wir alle noch eine dritte Halbzeit in den Gerichtssälen. 1. FC Protest – FC Berufung . Der Ball ist eine Lottokugel und der Schiedsrichter heisst Justitia. Das Ganze live zu sehen im „Christian Constantin-Memorial Stadium“ zu Martigny. Schade wär`s. Denn sportlich gilt: „Es ist gut dass niemand weiss, dass ich FC Sion heiss.“
Kommen wir zur Genfersee-Fraktion. Servette und Lausanne stecken noch im Findungsprozess. Lausanne ist deutlich mehr wert als die 3 Punkte die auf der Soll-Seite stehen. Bei den Calvin-Städter liegen „Herr Positiv und Frau Negativ“ nahe beieinander. Nach gespielten 6 Runden ist noch keine Tendenz auszumachen. Das erste von vier Leman-Derbys konnte Servette Genf mit 4-2 für sich entscheiden. Daraus kann man schliessen, dass beide Teams im Verlauf der Saison für weiteres Spektakel sorgen werden. Die einzige Erkenntnis. Mehr ist da noch nicht.
Rekordmeister Grasshoppers Zürich entwickelt sich weiter zum Sympathieträger. „Noch nie waren sie so nett wie heute“, ist man versucht zu sagen. GC spielt erfrischenden und zuschauerfreundlichen Fussball. Im mentalen Bereich jedoch, verhält sich die Truppe teilweise wie ein Manisch-Depressiver im Akutzustand. Die Gegensätze sind markant. Emeghara steht einerseits mit 5 Treffern auf Platz 1 der Torschützenliste. Anderseits 17 Gegentreffer und ein dennoch positiv auffälliger Roman Bürki im Tor. Das Sahnehäubchen heisst aber Ciriaco Sforza. Sollte die Welt untergehen, würde er noch ein Apfelbäumchen pflanzen. Die GC- Versicherung in guten wie in schlechten Tagen. Fortsetzung folgt.
Xamax Neuchâtel, die neue tschetschenische Enklave am Neuenburger-See. Der Club entwickelte sich zum Garant für Schweizer Präsenz im Welt-Kuriositätenladen. Zu Beginn der Saison, ging es bei Xamax zu und her wie in einem Tarantino-Film. Bulat Tschagajew in „KILL BALL“. Die Köpfe rollten im Akkord. Doch man sollte fair bleiben, und zusehen wie der Film endet. Die Mannschaft, so kann man sie mittlerweile endlich nennen, hat 3 Spiele lang kein Gegentor erhalten. Wir dürfen gespannt bleiben. Xamax, „QUO VADIS“?
Da wären also noch die beiden Vereine, die an der Spitze unserer Landesmeisterschaft stehen. Der FC Thun und der FC Luzern. Aus einer modrigen 1- Zimmerwohnung umgezogen in ein adäquates Penthouse. Eine weitere Gemeinsamkeit ist der Trainer Murat Yakin (FCL/ ehem. FCT). Er hat zweifellos Anteil an den Erfolgen beider Clubs. Bernard Challandes (FCT) übernehmen Sie. Der menschenfreundliche Romand tut dies überzeugend und mit der nötigen Cleverness. Ohne das persönliche Ego über zu bewerten, baut er weiter an dem, was Muri angefangen hat. Dieser wiederum scheint keine Mühe zu haben, seinen jüngeren Bruder Hakan zu trainieren. Des Weiteren zeigt Murat Yakin auch, dass ihn seine Trainerkarriere vielleicht noch erfolgreicher werden lässt, als die Zeit die ihn zum Nationalspieler machte. Luzern und Thun mögen jetzt wohl oben stehen, doch jeder und jede erwarten, dass sich das bald schon ändert. Doch was heisst das schon.
Eine Prognose zu guter Letzt. Der Schweizer Meister 2012 wird mit lediglich 65 Punkten den Titel holen. Das zumindest scheint klarer zu sein, als die Antwort auf das WER!
Das war 6 aus 36.
Bis dann, wenn es heisst: 12 aus 36.
Euer Fabio Del Bianco
24.08.2011
Von Fabio Del Bianco am
8. September 2011 veröffentlicht
Begeben wir uns in das Jahr 1976. Damals war ich 12 Jahre alt, und schon mächtig dem Fussball verfallen. Mein italienischer Vater, nicht den man einen Fussballanhänger nennt, liess mich gewähren. Ich fand schnell einmal heraus, dass die Deutschen nicht sein bevorzugtes Volk waren. Meine Mutter ihrerseits war… eine Deutsche!
Nun ja, seine Antipathie beschränkte sich eher auf die berühmte „Bayern-Fraktion“ und ihr auffälliges Selbstbewusstsein. Mir wars egal. Bayern München und die deutsche Nationalmannschaft, waren mein Mass aller Fussballdinge. Zwei Jahre später wechselte ich dann ins italienische Lager. Per sempre! Doch dies ist eine andere Geschichte.
Am Abend des 17. Juni 1976, sassen also mein Vater und ich vor dem Fernseher. Deutschland vs. Jugoslawien. Halbfinale der Europameisterschaft.
Das Spiel fand in Belgrad statt. Erwartungsfroh lächelte ich in die Glotze. Ich verstand damals die grossen Zusammenhänge noch nicht, doch begriff ich, dass dies ein grosses Spiel sein musste. Mein Vater meckerte ständig vor sich hin. Seine Stimmung wirkte gereizt. Beim Anblick des „Kaisers“ (Franz Beckenbauer) drangen verächtliche Geräusche aus seinem Mund. Ich sagte nichts.
Er kommentierte das Spielgeschehen nicht, weil ihm bewusst war, dass er zu wenig davon verstand. Gleichwohl war er nervös und angespannt.
Die Jugoslawen machten Druck und führten schnell einmal mit 2-0. Das war mir unbegreiflich. Die Deutschen im Rückstand? Papas Gesichtszüge entspannten sich. Er brabbelte was von: „Die Jugoslawen sind besser- die Deutschen machen gar nichts.“
Der Mann hatte ja Recht, und die Befriedigung in seinen Augen sprach Bände. In der 65. Minute, das deutsche Anschlusstor (Heinz Flohe)- nur noch 1-2. Ich freute mich innerlich, wagte indes keinen Ton von mir zu geben. Mein Vater schien das Kommende zu erahnen, und es verdunkelte sich sein ganzes Wesen. Von diesem Augenblick an, pendelte er unruhig zwischen Küche und Wohnzimmer. 80. Minute- Dieter Müller 2-2! Ich hüpfte vor Erleichterung. Papis giftige Bemerkungen bezüglich meines Jubels, brachen über mich herein wie ein Sommergewitter.
Es kam zur Verlängerung, und die Deutschen… siegten. In der 115. und in der 118. Minute zementierte Dieter Müller die Fakten in die Geschichtsbücher.
3 Tage später. Das Endspiel in Belgrad, zwischen der BR (Bundesrepublik) Deutschland und der CSSR (Tschechoslowakei).
Vater und Sohn sassen erneut vor dem Fernsehgerät. Für die Experten war klar, es konnte nur einen Sieger geben. Doch Obacht – die Tschechen katapultierten im Halbfinale den holländischen Fussballriesen (3-1n.V.) zurück zu Tulpen und Käse. Dies schien Warnung genug zu sein. Mein Vater hob mahnend den Zeigefinger und nickte, als er sagte: (O-Ton) „De Tschecke sind guet, de Dütsche han no nid gwonne.“
Ich glaubte ihm kein Wort. Erstens waren die Deutschen besser, zweitens überhaupt und drittens sowieso! Punkt, Aus, Basta und Amen! Wer kennt denn diese Tschechen? Wo liegt das überhaupt? Ich wollte diese Vokabularen Zungenbrecher gar nicht sympathisch finden.
25 Minuten später schien die Suppe gekocht zu sein. 2-0 für die… Tschechen! Papa hatte Recht. Aber da… da waren sie wieder – die Deutschen! In der 28. Minute war das 1-2 Tatsache. Oh mein Papa, schüttelte nur den Kopf als er sagte: (O-Ton)“ Jooh, joo musch nid meine, grosse Schnurre- isch immer no 2-1 für de Tschecke. Warte, warte isch nid verbi.“ Ich wusste, dass ich jetzt bloss nichts pro Deutsches von mir geben durfte. Mein Vater stand kurz vor der Phase Rot. Die Angst, dass diese „Tedesci“ das Spiel erneut drehen würden, war ihm deutlich anzumerken.
Die Minuten vergingen. Die Erste Halbzeit war zu Ende. Immer noch 2-1 für die CSSR. Ich stand ein wenig im Schilf. Für mich war die Situation ungewohnt. Kannte die Deutschen im Fussball stets als Gewinner. Die *„gerd-müllerten“ alles nieder was ihnen in die Quere kam. Die zweite Halbzeit folgte. Unablässig zerrann die Hoffnung auf ein gutes Ende für mich und meine halbe deutsche Seele. Doch mein Vater seinerseits traute seinem momentanen inneren Frieden nicht. Zu gut kannte er sie, diese Deutschen.
Die letzte Minute brach an. Ich für meinen Teil hatte mich mit der Niederlage abgefunden. Es gab noch einen Eckball für Deutschland. Wie von der Tarantel gestochen, sprang mein Papa aus dem Sessel und sagte: (O-Ton) „Jetzt git e gol für de Dütsche“.
Hölzenbein traf per Kopf zum 2-2. Wie gesagt, mein Vater kannte die Deutschen.
Die Verlängerung brachte nichts mehr Schlaues zu Tage. Es kam zum ersten Mal an einer EM zu einem Elfmeterschiessen.
Alle hatten bis dahin getroffen, als Uli Hoeness zum achten Elfmeter anlief. Zu dem Zeitpunkt stand es nach Penaltys 4-3 für die CSSR. Der 24-jährige Blondschopf jagte die Kugel in den Belgrader Nachthimmel. Bis heute weiss ein jeder Fussballfan um was es geht, wenn die Wörter „Belgrad“ und „Nachthimmel“ fallen. Um beim verschossenen Elfmeter zu bleiben soll erwähnt sein, dass der Ball deutlich sein Ziel verfehlte. Hoeness wollte wohl mit dem lieben Gott Ballkontakt aufnehmen. Ein Bild für die Ewigkeit.
Keine Reaktion, weder von mir noch von meinem Vater. Wir sagten nichts. Sahen gebannt, wie sich Panenka den Ball schnappte. Sollte er jetzt treffen, so war die CSSR Europameister.
Die Geburtsstunde des Panenka-Elfmeters. Er schaufelte den Ball halbhoch in die Mitte des Tores, und spekulierte erfolgreich damit, dass Sepp Maier sich für irgendeine Ecke entscheiden würde. Panenka pokerte und die CSSR war Europameister.
Es blieb bis zum heutigen Tag, dass einzige Elfmeterschiessen, welches eine deutsche Fussballnationalelf jemals verlor.
Ich sass da und verstand nicht was passiert war. Zu Unglaublich war das Gesehene für den zwölfjährigen Fabio. Mein Vater freute sich. Aber er tat dies leise und mit Respekt vor dem Verlierer. In seinen Augen hatten die Deutschen ihre Lektion erhalten.
Demut in der Niederlage.
Panenka sei Dank!
*Gerd Müller (Der Bomber der Nation. 68 Tore in 65 Länderspielen)
Fabio Del Bianco, 25. August 2011
Von Fiina am
8. September 2011 veröffentlicht
Milena atmetet tief durch und guckte sich langsam um. Sie war also in ihrem Zimmer und lag auf ihrem Bett. Man hatte ihr frische Kleider angezogen. Eine Jogginghose und ein ganz normales rosa T-Shirt. Früher hätte sie sich niemals so, vor Kevin oder David oder überhaupt jemandem gezeigt. Doch nun war es ihr egal. Ihr war kalt und ein frösteln überlief sie. Plötzlich schluchzte Kevin laut auf. Hatte sie Kevin jemals schon weinen gesehen ? Nicht das sie wüsste. Milenas Mund war trocken und ihre sonst so zarten rosa Lippen hatten jeden Glanz verloren. Langsam setzte sich Milena in ihrem Bett auf. Auch das Bett hatte man frisch überzogen. Still starrte sie vor sich hin und dann begann sie zu erzählen.
Ist es falsch zu lieben ? Ist es falsch für jemanden sterben zu wollen ? Ist es falsch jemanden so sehr zu lieben das es weh tut ? Ich kann es nicht sagen. Niemand scheint eine Antwort drauf zu wissen. Ihr habt mich gefragt was Glück ist. Ich habe gesagt, Glück ist wenn du nicht mehr schlafen willst. Weil die Realtität schöner ist, als jeder Traum. Und wieder schluchzte Kevin laut auf, doch Milena redete weiter. Ist es falsch jemanden bis in den Tod Lieben zu wohlen ? Mit einer geballten Faust schlug sie gegen die Wand. “Nichts daran ist falsch!”, schrie sie und ihr kullerten die Tränen hinab. Milena biss sich auf ihre Lippe bis sie blutete. Dann lachte sie bitter. Doch es ist falsch. Wenn man diese Gefühle nicht für eine Person empfindet, sondern für zwei. Dann ist es falsch zu Lieben. Dann ist einfach alles falsch. Sie schaute zu Kevin und dann zu David. David sah Milena nicht an, er starrte nur auf irgend einen Punkt in einer Ecke ihres Zimmers. Doch seine Hände hatten sich zu Fäusten geballt und er wirkte als würde er jeden Moment explodieren. Seine Haare waren zerzaust und seine Nasenflügel blähten sich auf. Kevin schaut ihr jedoch direkt ins Gesicht. Aber er schien durch sie hindurch zu sehen. Er weinte bitterlich und es schien nicht enden zu wollen.
“Ich liebe euch. Ihr habt meinem Leben wieder einen Sinn gegeben.”
Das war das letzte was Milena sagte, dann schwie sie.
Für immer.