Monatsarchiv für Oktober, 2011
Von norman am
20. Oktober 2011 veröffentlicht
“Das darf doch wohl nicht wahr sein! Weißt du denn wie spät es ist?” Sein Ton klang weniger vorwurfsvoll, als vielmehr besorgt. Zerstreut schaute sie zur großen Digitaluhr, die gleichgültig über der modernen Komode ihre Neonzahlen preisgab.
“Oh, schon 3:00Uhr! Ich habe gar nicht bemerkt, dass es schon so spät ist.” gab Jennifer zurück. “Aber ich bin einer wirklich heißen Story auf der Spur… Wusstest du, dass der chinesische Kaiserhof für die Schönheit seiner Frauen berühmt war?” Tom zuckte nur mit den Achseln. Wie sollte sowas einen Mann interessieren?
“Warte!” sagte Jennifer “Es heißt, dass diese Frauen so schön waren, weil ihre Salben und Parfume nach uralten, geheimen Rezepten hergestellt wurden.” “Und weiter?” fragte Tom. “Na” sagte Jennifer aufgeregt “diese Rezepte wurden wieder entdeckt und…”
“Ja?” Tom wurde nun doch etwas interessierter. “… und diese Kosmetik gibt es heute wieder!!!” “Naja, bestimmt nur ein langweiliges Plagiat.” sagte Tom. “Nein” erwiderte Jennifer energisch. “Es handelt sich um exklusive, absolut hochwertige Kosmetik nach dem gleichen Herstellungsprinzip wie es früher die Alchemisten über viele Tage zubereitet haben.” “Waren das nicht die, die Blei in Gold verwandelt haben?” fragte Tom leicht ironisch.
Jennifer ging gar nicht auf den spöttischen Ton ein: “Interessant, dass du das erwähnst. Master Lin, der diese Kosmetik wieder entdeckt hat, um mal einen Namen zu nennen, verwendet tatsächlich 999er Feingold in seinen Salben und Ölen!”
“Was soll das bringen?” Eigentlich wollte Tom wieder ins Bett, aber nun wurde er doch hellhörig. “Damit werden die körpereigenen Meridiane aktiviert, von denen die Traditionelle Chinesische Medizin schon lange Kenntnis hat. Gold funktioniert wie ein Supraleiter, der bei Energieblockaden die Stelle überbrückt und dadurch zum Beispiel Schmerzen reduziert und ganz auslöscht!” Nun konnte sich Jennifer doch ein Lächeln nicht verkneifen, immerhin hatte sie Tom mit den hypermodernen Begriffen aus der Reserve gelockt.
Er meinte “Dieser Master Lin scheint ja echt zu wissen, was er tut. Wer ist das eigentlich?” Jennifer antwortete: “Ein buddhistischer Mönch, der lange Jahre bei seinem Lehrer im Kloster gelebt hat und sich mit der Wirkung auf Körper, Geist und Seele auskennt. Ein Beispiel? Er hat erkannt, dass wenn jemand synthetische Duftstoffe (wie sie bei der meisten Kosmetik eingesetzt wird) riecht, dass dann der Atemprozess stoppt. Hingegen ist die Einatmung bei natürlichen Düften vertieft. Er sagt, dass sich im Duft der Pflanze ihre Seele offenbart und mit der des Menschen verbindet.”
“So gehts mir mit den Zimsternen zu Weihnachten… aber mal Spass beiseite. Du siehst aus, als wäre das noch nicht alles.”
“Richtig – du Spaßvogel – die Master Lin Goldkosmetik kann sogar noch mehr, als gut riechen und Meridiane stimulieren. Er hat sogar viele Kräuter und Heilmittel aus der Traditionellen Chinesischen Medizin verwendet, die sich wohltuend auf den Energiefluss, das Chi im Körper auswirken und dadurch das perfekte Yin-Yang-Gleichgewicht herstellen.”
Nun musste sich Tom geschlagen geben, aber doch nicht ganz kampflos… “Okay, ich bin überzeugt, aber bestimmt ist dir das doch nicht alles heute nacht eingefallen!?” “Nein” entgegnete Jennifer “Ich hatte tatsächlich Hilfe. Diese Infos habe ich im Beautyshop ‘Keep Young and Beautiful’ erhalten. Die kennen sich echt mit Naturkosmetik aus. Ich glaube, dass wird mein neuer Lieblingsshop. – Und…” “Was und?” fragte Tom. “Naja, für deine kleinen Frechheiten solltest du mir mal eine kleine Aufmerksamkeit schenken – ich sage nur Master Lin … ach und übrigens, die Adresse lautet: http://keep-young-and-beautiful.com”

“Na wie kann ich dir da was abschlagen… aber…”
“Ja mein Liebling?” schnurrte Jennifer.
“Komm endlich ins Bett….”
Von fantastixx am
20. Oktober 2011 veröffentlicht
Die Sonne ging gerade auf an der Küste. Das Rauschen von den Wellen war ruhig und sanft. Am Strand rollten die Wellen über den marmorfarbigen Sand und der weiße Schaum löste sich am Ufer auf. In Porto Cristo machten sich die ersten Händler daran, ihr Tagewerk zu beginnen. Die Fischer hatten in der Nacht reiche Beute gemacht und fuhren nun langsam in den Hafen ein. Hinter ihnen flog eine kreischende Schar von Möwen her. Ihre Schreie konnte man schon von weitem am Festland sehen. Wenn die weißen Vögel so tief über dem Wasser flogen und kreisten, war es ein gutes Zeichen für die Bewohner der kleinen Hafenstadt. Das Schiff hatte nicht den Meeresgrund in der Nacht berührt und die Männer würden hoffentlich mit einer guten Ausbeute zurück kehren. Kurz bevor das Schiff den Hafen von Porto Cristo erreichte, stürzten sich einige der Möwen senkrecht ins Meer. Während sie ins Wasser eintauchten, wie Pfeile, fischten sie nach dem was die Fischer über Bord warfen. Eine dieser Möwen sah, wie einem der Seeleute ein Fisch mit seinen letzten Zuckungen versuchte, zurück ins Wasser zu gelangen. Mit einem letzten Flossenschlag hüpfte er tatsächlich über Bord. Pfeilschnell, wie ein Torpedo legte die Möwe die Flügel an, um sich die Beute nicht entgehen zu lassen. Der Aufschlag bremste sie, doch bevor der noch benommene Fisch entwischen konnte, packte sie mit dem Schnabel zu. Sie tauchte aus dem aufgepeitschten Wasser auf und verschlang ihn gierig, ehe eine ihrer Artgenossen ihr den Fisch entreißen konnte. Dann drückte sie sich mit aller Kraft vom Wasser ab und erhob sich zurück in die Luft. Sie kreiste noch ein paar Mal über das Boot, aber erkannte, dass es heute nicht mehr allzu viel geben würde.
Von den Winden gestützt, begann sie an der Küste entlang zu segeln. Unter ihr türmte sich das Meer und die weißen Wogen sahen für einen Normalsterblichen gefährlich aus. Die Möwe kümmerte sich nicht weiter darum und segelte an der Insel entlang. Der Berge im Inneren der Insel waren von einigen Bäumen bewachsen, aber auch felsige Steinwände waren zu sehen. Die Insel, die so beliebt war bei den Menschen und doch so unterschiedliche Eindrücke hinterließ. Mallorca, wurde sie genannt, sie war so vielseitig wie ein Smaragd, der je nach Lichteinfall anders erstrahlte. Unter der Möwe eröffneten sich Sandstrände, die den Teil der Insel säumten, wie einen Streifen. Bald erschien unter ihr eine weitere Hafenstadt: Cala Ratjada, die Rochenbucht. Umsäumt von grünen Hügeln lag die Stadt direkt am Meer und die letzten Fischerboote brachten gerade ihre Ladung herein. Am frühen Morgen war es hier angenehm. Die meisten Besucher der Stadt schliefen noch. Die weiß getünchten Häuser leuchteten in der Morgensonne und der Hafen strahlte eine Ruhe aus. Hier hatte die Möwe manchmal des Nachts auf einem Masten der Schiffe geschlafen und den klaren Himmel und den Mond betrachtet. Tagsüber war hier zu viel Rummel, um Fische zu fangen. Menschen fuhren mit ihren Segelbooten hinaus, Schiffsverkehr herrschte. Manchmal, wenn die Möwe es wollte, flog sie an den Kai herunter, wo Touristen sie mit Brot fütterten.
Unweit von Mallorca, lag die kleinere Insel, der Ort, an dem die Möwe einst geschlüpft war. Menorca war so anders als die große Insel. Weniger Menschen strömten zu ihr, mehr Ruhe wahr hier. Die Insel war von einem grünen Teppich aus Bäumen überzogen. Nur im Norden der Insel ragten schroffe und steile Küstenhänge aus dem Wasser. Hier donnerte die Brandung gegen den Fels und hinterließ ein lautes Echo, dass nicht einmal die Möwe mehr etwas hören konnte. Wenn die Möwe über die Insel flog lagen unter ihr alte Bauernhöfe oder weite Wiesen und die Insel war ein Ort der Ruhe. Während die Möwe ihre Runde über Cala Ratjada drehte, dachte sie an diesen Ort. Als der Wind sich drehte, drehte auch sie ab, weg von der Rochenbucht, fort von Mallorca. Unter ihr lag nur das tiefe Blau des Meeres. Ein paar kleine Schiffe fuhren zwischen den Inseln herum. Die Sonne war mittlerweile hoch am Himmel und das Wasser glitzerte und spiegelte ihre Strahlen. Begleitet vom Rauschen des Meeres und des warmen Südwindes flog die Möwe zurück zu ihrer Heimat.
Von Koppensteiner am
20. Oktober 2011 veröffentlicht
Die kleine Susi war doch erst neun Jahre alt, fühlte sich aber so, als müsse sie nicht mehr mit Puppen und sonstigem Spielzeug spielen. Das kleine Mädchen wurde schon längst auf die Vorzüge von Konsolen- und PC-Spielen aufmerksam, mit ihrem jungen Alter fehlte es Susi aber an Argumenten, um ihren Vater Rüdiger vom Kauf eines solchen Spiels zu überzeugen.
Doch an jenem Tag sollte sich das Leben dieses Mädchens drastisch ändern, als Rüdiger plötzlich mit einer in einem schmuddeligen Karton verpackten Box nach Hause kam. “Das ist unsere neue hochmoderene Internet-Box”, meinte er voller Stolz. Als Rüdiger wieder auf die Arbeit musste, setzte sich die kleine Susi vor den Computer und surfte mit dem neu erworbenen Internetzugang. Schnell stieß sie über eine Suchmaschine, wo sie direkt nach Alternativen zu herkömmlichen PC- und Konsolen-Games suchte.
Das Mädchen war gewitzt, denn schon kurze Zeit später fand sie einige Webseiten mit Möglichkeiten, kostenlose Spiele direkt online zu spielen, ohne auch nur einen Cent dafür bezahlen zu müssen. Nun war es endgültig aus mit dem Spielen von Puppen und Susi war nun vollkommen von der modernen Welt angetan. Seither schlich sie sich jeden Tag in Rüdigers Arbeitszimmer, wenn dieser wieder einen Einsatz hatte, und spielte jeden Tag ein neues Onlinespiel.
Von martita am
20. Oktober 2011 veröffentlicht
Es war einmal ein kleiner Held, der vor nichts Angst hatte und der jedem helfen wollte. Sein Name war Dragomir. Er war unsterblich und lebte über Generationen hinweg. Er war viel stärker als seine Kameraden, somit hat er sich von allen anderen unterschieden und er wurde in seiner Stadt durch verschiedene Rettungsaktionen berühmt. Als es zu Unfällen kam oder auch kleineren Einsätzen, war er immer bereit und zur Stelle. Ob eine Katze vom Baum zu retten, oder jemanden vom brennenden Haus zu retten, war für ihn kein Problem.
Doch mit der Zeit ging alles voran und mit der Entwicklung von verschiedenster Technik waren die Rettungsaktionen nicht mehr so einfach wie früher. Es gab jetzt Autos und andere Maschinen, die ein viel größeres Ausmaß an Schäden und Verletzungen mit sich gebracht haben. Dragomir war jetzt auch an die neueste Technik angewiesen und obwohl er unsterblich gewesen ist, musste er auf sie zurückgreifen. Dies hat ihm viel erleichtert, somit har er zum Beispiel bei einem Feuer einen feuerfesten Anzug getragen, eine Leiter oder ein Feuerwehrauto benutzt. Bei Autounfällen war die modernste Technik ebenfalls von Vorteil, denn ein Plasmaschneider konnte die Karosserie aufschneiden und den Verletzten schneller aus dem Auto zu bringen. Die Jahre verliefen und Dragomir war ein Held der Menschen noch über lange, lange Zeit bis etwas passierte, was niemand sich erdenken konnte. Bei einem Brandeinsatz wurde Dragomir natürlich gerufen und es sollte ein Tag wie immer sein. Der Held der Menschheit lief in das brennende Haus hinein um eine ältere Dame herauszuholen. Die Frau konnte er noch herausbringen, doch unerklärlicherweise ist Dragomir zurück in das Gebäude gerannt und kam nie wieder aus dem brennenden Haus heraus.
Niemand kann sich erklären was der Grund dafür war, und Dragomir wurde auch nie gefunden. Es scheint so, als ob er verschwunden wäre, doch man kann es nicht erklären. Es war der letzte Tag, an dem Dragomir gesehen wurde. Nichtsdestotrotz wird Dragomir in unseren Köpfen als der Held der gesamten Bevölkerung bleiben, weil er ein großes Herz über hunderte von Jahren hatte.
Von AdrianeFranz am
20. Oktober 2011 veröffentlicht
Der Herr sei gepriese, jubelte es in ihm. Er war extra nach Tirol gefahren, um den berühmten amerikenischen Evangelisten zu hören. Für eine Woche tauchte er ein in den Heiligen Geist, der sein Werk offenbaren wollte in Heilungen und massenhaften, neuen Bekehrungen. Der Evangelist hatte schon tausende weltweit bewegt, in ganzen Gruppen fielen sie beim heftigen Bewegen seiner Arme nach hinten um und fingen an zu weinen, weil Gott ihre Herzen berührte. Und waren nicht Krüppel aus ihren Rollstühlen aufgestanden oder hatten ihre Krücken weggeworfen? Hatten nicht etliche wieder sehen können oder hören?
Der mitgebrachte Chor versetzte die grosse Halle in wohlige Stimmung. Ein grosser Projektor zeigte die einzelnen Strophen an einer grossen, weissen Wand, die alle vorn sehen konnten Unglaublich bewegend auch die Predigt des Evangelisten. Der Teufel brüllt wie ein Löwe, auf dass er etliche verschlinge, und das besonders heute, drang es tief in die Köpfe ein, und lauter Beifall erfüllte die Halle und ein vielstimmiges und buntes Halleluja. Ja, Christus hat den Teufel besiegt durch sein Blut am Kreuz, aber, so der Evangelist, seid auf der Hut, der Böse liege in den letzten Zügen und sei heute besonders aggressiv, hungrig und bösartig.
Voller Freude erfüllt, machte er sich auf, zurüch in sein Hotel. Auf dem Weg nach oben wollte er des Teufels List überprüfen und fand zu seiner Überraschung, dass es die Zimmernummer 13 im Hotel nicht gab. Wusste ich es doch, sprach er zu sich selbst und fuhr auf zum letzten Gang. Und er fing an zu überlegen:
Hm, 265 Zimmer hat das Tirol Hotel, und 85 Busse fahren für bei Wien Städtereisen. 10 Finger sind an meinen Händen und 10 Zehen an meinen Füssen. Und Satan hat 5 Buchstaben. Herr, hilf mir! Alle Zahlen haben mit 5 zu tun! Der Teufel ist hier, der brüllende Löwe hat mich in diese Herberge gelockt!
Und aus lauter Unwohlsein zog er aus am nächsten Tag und erachtete es als Gottes Werk, in einer kleinen Pension unterzukommen und so gerettet zu werden von der List des Teufels. So rettet Jesus offensichtlich auch in letzter Minute, war er überzeugt. Die 5 ist überall zu finden, und er hatte es sehen dürfen! Und erst die schreckliche 13!
Drei Jahre später hat er seinen Verstand wiedergefunden, und der Evangelist war offenbar geworden als Steuerhinterzieher und sexsüchtiger Bordellbesucher. Offensichtlich war des Teufels List so richtig nach hinten losgegangen.
Von AdrianeFranz am
20. Oktober 2011 veröffentlicht
Die Leserschaft von Ciacomo Casanova wird bestätigen, dass der Stoff des klugen und verrückten Mannes aus dem 18. Jahrhundert mehr ist als nur vielerlei Beschreibungen erotischen Vergnügens. Casanova ist ein genauer Besobachter seiner Zeit, war gebildet, reiste viel, sah hinter die Kulissen und kannte wichtige Persönlichkeiten. Sein Werk ist eine Art Sittengemälde seiner Epoche jenseits simpler und platter Amouren eines genitalgesteuerten Subjektes, wiewohl erotische Ergüsse sicherlich nicht zu kurz kommen. Die Art und Weise vermag auch sicherlich manchem heutigen Leser die Schamesröte ins Gesicht treiben. Jedoch, die Weite des Spasses, welchem sich ein Leser aussetzt, ist in der Tat unermesslich.
Nun geschah vor einiger Zeit folgendes. In einem edlen Hause in Österreich mit Namen Hotel Tirol hatte sich eine illustere Gesellschaft eingefunden, allesamt Söhne von nicht unvermögenden Leuten. Nun ist das Tirol Hotel nicht irgendwie dafür bekannt, ein Ort besonders seltsamer und eigenartiger Vorkommnisse zu sein, aber es ist ein gern besuchter Platz von sorglosen und durchaus den Luxus nicht ablehnenden Induvidien aus aller Herren Länder. Hier trifft man sich ungezwungen, geniesst einen feinen Lebensstil und vor allen Dingen Entspannung und eine inspirierende Kulisse.
Die eben genannte illusterse Gesellschaft bestand durchweg aus kultivierten und gut gebildeten jungen Männern, deren Lebensfreude sie – vielleicht auch ihres noch jungen Alters wegen – zuweilen gar zu verrückten Dingen nachgehen liess. Hier mag der gesetzte Mensch sogar zu lächeln beginnen, aber sehen wir weiter. Die Jungen verehrten in nicht geringem Masse Casanova, und der wahre Grund ihres Treffens an dem schönen Ort war ein Wettbewerb der besonderen Art. Casanova erzählte einst von einem koitalen Marathon, den er mit einem jungen Mann bestritt. Sie wollten sehen, wer von beiden die grössere Manneskraft besitzen würde. Dabei berichtet Casanova, dass er sich vorbereitete mit einer Mixtur aus Wein und viel Eigelb.
Unsere jungen Männer hatten sich bereitwillige Damen bestellt und in Casanovas Weise den Vorsatz gehabt, es diesem gleich zu tun.
Am Morgen des nächsten Tages, die Sonne war noch nicht aufgegangen, war der medizinische Notdienst Gast auf dem Hotelgelände. Drei der jungen Männer kamen mit massiven Kreislaufproblemen ins Krankenhaus. Wie sich herausstellte, hatten die jungen Casanovaliebhaber nicht mit offenen Karten gespielt, sondern übermässig Viagra zu sich genommen und damit in ernste Lebensgefahr gebracht. Unglaublich, wozu literarische Phantasie in der Lage ist!
Von AdrianeFranz am
20. Oktober 2011 veröffentlicht
Hermann war alt geworden. Letztes Jahr hatte er die siebzig überschritten und mit seiner Familie und Freunden eine schöne Feier gahabt.
Nie hätte er gedacht, dass sein Leben so schnell vorbeiziehen würde, während es Spuren auf und in ihm eingegraben hatte.
Er stsnd immer in vorderer Reihe. Beliebt war er gewesen, weil er fleissig und pünktlich war und sich selbst am allerwenigsten schonte. Ja, sie liebten ihn alle. Nur seine Kinder – drei an der Zahl – hatten Schwierigkeiten mit ihm, weil sie anders tickten als er. Und mit den Jahren waren sie alle geschieden. Das hat Hermann nie verstehen können.
Hermann hatte eine Schwester, mit der er nie recht warm wurde. Sie litt an Depressionen und zeigte ihre Seele. Hermann wollte immer hart und standhaft erscheinen.
Im achtundzwanzigsten Jahr seiner Ehe verstarb sien Frau an Krebs, und Hermann regelte tapfer seine Pflichten.
Drei Jahre später ging seine Mutter, dann sein Vater, zuletzt die Schwester. Zu der Zeit hatte er eine Freundin gefunden, die ihm gut tat. Sie las und forderte ihn heraus. Und seine Kinder lebten zerstreut und wunderten sich über solch einen Vater. Nicht aus Zorn, aber aus Traurigkeit, weil er so unglücklich – geradlinig war und kaum Gefühle zugab.
Tirol Hotel bei Wien Städtereisen, las Hermann eines Tages am Fenster eines Reisebüros und beschloss die Reise. In den Bergen traf er einen Philosophen.
Hermann fragte ihn, was Ewigkeit sei. Da habe der Philosoph ein wenig geschwiegen und dann gesagt:
Siehst du die Berge vor dir? Einmal in hundert Jahren kommt ein Vogel und reibt seinen Schnabel an einem der Felsen. Nun hör gut zu. Dann, wenn die ganzen Alpen durch dieses Reiben verschwunden sein werden, dann ist die erste Sekunde der Ewigkeit vorbei!
Und Hermann hat nachdenklich zum Horizont geblickt und diese Geschichte nie mehr vergessen. Wir sind so klein, hatte er noch gemurmelt.
Von Jeratsch am
20. Oktober 2011 veröffentlicht
Das kleine Einrad lebte war in einem Varieté Theater angestellt und beglückte jedem Abend das Publikum mit sagenhaften Kunststücken und Tricks. Sein Besitzer Herr Apel war jedoch ein griesgrämiger Mann, der nur auf seinen Profit aus war und behandelte das Einrad gar nicht gut.
Eines schönen Tages beschloss unser Einrad, dass es genug hatte von dem immer gleichen Leben im Varieté Theater, zwar mochte es den Beifall des Publikums, stetig den Launen des Herrn Apel ausgesetzt zu sein, dass konnte es jedoch einfach nicht länger ertragen. Kurzerhand packte das Einrad seine sieben Sachen und verließ beim ersten Morgenkrähen die Stadt. Frohen Mutes und überaus Stolz über seine Entscheidung machte es sich auf in die große weite Welt um Abenteuer zu erleben und auf Gleichgesinnte zu treffen. Noch nie in seinem Leben hatte unser Einrad ein anderes seiner Art getroffen und zweifelte allmählich ob es außer ihm überhaupt noch Einräder gab.
Als es eine Weile gefahren war entdeckte das Einrad ein großes buntes Zelt, das in der Sonne leuchtete und schimmerte wie ein Diamant. Neugierig lief es auf sein Ziel zu und geriet dabei inmitten ein buntes Treiben. Hier gab es unzählige Menschen und Tiere, Kinderlachen und Wohnwagen, alle waren fröhlich und alles war voller Leben, ganz anders als es das kleine Einrad von zu Hause kannte. „He, bist du der neue?“ kam ihm plötzlich eine Stimme entgegen und als sich unser Einrad umdrehte traute es seinen Augen nicht. Hinter ihm standen fünf Einräder, große und kleine, bunte und einfarbige und schauten ihn erwartungsvoll an.“Äh, ja?“ sprach das Einrad und ehe es sich versah befand es sich auch schon in der Zirkusmanege und flitzte fröhlich mit den anderen Einrädern um die Wette.
Seit jenem Tag lebt unser Einrad glücklich und zufrieden bei dem fröhlichen Wanderzirkus, schläft und isst mit Gleichgesinnten und erlebt Tag für Tag spannende neue Abenteuer! Und wenn es nicht gestorben ist dann zieht es noch heute mit dem Zirkus um die Welt und zaubert täglich ein Lächeln auf die Gesichter seines begeisterten Publikums.
Von Jeratsch am
20. Oktober 2011 veröffentlicht
Ein weiser alter Mann hat mir eine Geschichte erzählt, eine Geschichte von Lampen und Leuchten wie aus 1001 Nacht und diese möchte ich euch gerne weiter geben.
Es war kalt an jenem Tag im April als er zum ersten Mal auf die Lampen und Leuchten stieß, die sein Leben verändern sollten, so kalt, wie es noch nie war mitten im Frühling wenn sonst der Schnee längst geschmolzen ist und das satte Grün der Natur zum Vorschein kommt.
Der alte Mann war alleine unterwegs auf einer langen Wanderung und hatte schon viele Kilometer hinter sich gebracht als es plötzlich am Fuße eines hohen Berges wie verrückt zu schneien begann. Halb erfroren und völlig außer Kraft dachte er bereits ans Aufgeben als er in einer Höhle plötzlich das helle licht von zwei Lampen und Leuchten aufblitzen sah. Wie ferngesteuert zogen sie ihn magisch dorthin. Hell und klar funkelten die Beleuchtungskörper und erhellten die schmuddelige Höhle mit ihrem schönen Schein. Als der alte Mann langsam auf die Lampen und Leuchten zuging und seinen Rucksack fallen ließ passierte das Wunder. Wie von Zauberhand begann der Schnee zu schmelzen und eine laue Frühlingsluft breitete sich aus. Blumen begannen zu sprießen und das Gezwitscher von Vögeln erfüllte die Luft. Als der Mann seine halb erfrorenen Hände wieder spürte und einigermaßen zu Atem gekommen war betrachtete er die Lampen und Leuchten noch einmal näher und siehe da, genauso selbstverständlich wie sie dort noch eben gestanden und geleuchtet hatten, lösten sie sich plötzlich in Luft auf. Ein schwarzer Rauch wie das Abklingen eines Feuers war alles was noch auf die Lampen und Leuchten hinwies und der einzige Beweis für den Helden unserer Geschichte, dass es sie tatsächlich gegeben hatte.
Als er sein Ziel nach langer langer Zeit des Wandern endlich erreicht hatte kaufte er sich sofort zwei prachtvolle Lampen und Leuchten. Sie schmücken bis heute seine Wohnung und erinnern ihn tagtäglich an jenen wundervollen Moment, in denen ausgerechnet zwei Lampen und Leuchten ihm das Leben gerettet haben.