Short Story

Kurzgeschichten mit Links

Monatsarchiv für Januar, 2012

Peter und die Buchführung

Von anna am 9. Januar 2012 veröffentlicht

Peter hat sich für das neue Jahr einiges vorgenommen. Seit einigen Jahren bereits ist Peter selbstständig und hat ein kleines Blumengeschäft in der Stadtmitte. Von seinem Geschäft kann er ganz gut leben, allerdings macht er seine Buchführung immer noch mit der Hand, was sehr viel Zeit in Anspruch nimmt. Sogar einige Säumniszuschläge musste er bereits an das Finanzamt zahlen, da er nach seinem verdienten Urlaub letztes Jahr einfach keine Zeit hatte sich um die Buchführung zu kümmern. Alle Pflanzen im Geschäft mussten verständlicherweise erst einmal mit frischem Wasser versorgt werden und brauchten frischen Dünger und Pflege.

Damit ihm das nicht wieder passiert hat er sich gleich nach Neujahr aufgemacht und ein schickes grünes Laptop gekauft, dass farblich natürlich perfekt zur Ladentheke passt. “In Zukunft mache ich meine Buchführung wie ein Profi” denkt sich Peter und ist sich sicher das er nun viel Zeit sparen wird. Doch nach einigen versuchen die Software für die Buchführung zu installieren war der Gedanke schon wieder verflogen und es machte sich Verzweiflung breit. Zum Glück kam auch gerade eine sehr gute Kundin in sein Geschäft die ihn etwas ablenkte und später ermutigte es vielleicht doch weiter zu probieren. Am Abend darauf stand für Peter auch schon wieder die Buchführung auf seiner todo Liste und es gab kein entrinnen.

Mit einem unguten Gefühlt schaltete er das neue Laptop an und nahm sich vor es noch einmal zu versuchen. Bis tief in die Nacht brannte die kleine Schreibtischlampe an der Ladentheke des Blumenladens und am nächsten Morgen, an dem die Sonne durch das Ladenfenster auf die Theke schien lag da tatsächlich die erste Rechnung die Peter selbst mit dem Computer geschrieben hatte. Auch wenn ihm die vergangene Nacht noch im Gesicht anzusehen war, war er am kommenden Tag sehr glücklich. Er hat gefallen gefunden die Buchführung am neuen Laptop zu machen. Nachdem alles eingerichtet war ging es viel schneller als früher und genauso wie er sich das vorgestellt hatte.

Die schwarzen Spinnen

Von MrVienna am 9. Januar 2012 veröffentlicht

Alles begann mit rasenden Kopfschmerzen. Es hämmerte, stach und drückte so heftig, dass ich fürchtete, mein Kopf müsste jeden Moment explodieren. Ich schluckte Unmengen von schmerzstillenden Tabletten, spülte mit Bier oder Schnaps nach, aber die höllischen Qualen wurden um keinen Deut schwächer.
In meiner Todesangst ging ich sogar zum Arzt. Doch auch der konnte mir nicht helfen. Er meinte nur, ich sollte aufhören zu trinken, ich sei noch ein junger Mann und sollte mein Leben nicht wegwerfen. Der Unwissende! Er hatte keine Ahnung, wie öde und trostlos die Welt ohne Alkohol sein konnte. Er verschrieb mir Medikamente. Er schrieb soviel auf,  bis das Rezept aussah, wie eine lange Einkaufsliste. Als ob mir das helfen könnte. Sobald ich die Ordination verlassen hatte, zerknüllte ich das Papier und warf es ihm vor die Tür.

Ein Erholungsklick…

Mein Zuhause hatte sich verändert. Auf meinem Bett tummelten sich bunte Eidechsen, sie rannten wie irr durcheinander, verschwanden aber sofort in den Falten des Leintuches, wenn ich näherkam. Ich überlegte, wen ich anrufen könnte, aber mein Telefon verwandelte sich in ein krötenähnliches Tier, das immer wieder hochsprang.
Diese Dinge ermüdeten mich, es war Abend und ich wollte nur noch schlafen. Vor den Eidechsen ekelte es mich, deswegen wählte ich den Fußboden als Nachtquartier. Zuvor öffnete ich den Kleiderschrank, warf alle Wäschestücke zu Boden, um weicher liegen zu können. Und obwohl die Schmerzen wie Bleikugeln in meinem Kopf herumrollten, schlief ich nach kurzer Zeit ein.
Die Einbahn
Am nächsten Morgen waren die Kopfschmerzen verschwunden. Etwas Unerklärliches war mit mir geschehen: Eine besondere Klarheit umgab mich, die es mir sogar erlaubte, durch Dinge hindurchzusehen. Alles um mich herum wurde gläsern und ich begriff: Auch die Menschen sind für mich zu Glas geworden. Ich kann in sie hineinsehen und ihre Gedanken wie Buchstaben aus einem Buch herauslesen.
Es klopfte an der Tür und das kam mir wie gerufen. Denn der Rhythmus des Klopfens verriet meine Nachbarin. Die Witwe, deren Mann voriges Jahr, an einem Sonntagmorgen nicht mehr aufgewacht war, und die mir öfters Essen herüberbrachte. Mir war nicht klar, warum sie das tat, aber ich vermutete eine Täuschungsabsicht dahinter. Doch heute werde ich ihre wahren Absichten herausfinden. Deshalb war ich auch ein wenig aufgeregt, als ich die Tür öffnete. Sie hielt mir lächelnd ein Stück Kuchen entgegen und ich sah sofort, dass mir Gefahr drohte. Denn ihr Gesicht veränderte sich für den Bruchteil einer Sekunde zu einer scheußlichen Fratze, um anschließend gleich wieder in das hinterhältige, harmlose Lächeln zurückzufallen. Dieser Anblick war teuflisch. Ich blickte durch ihre gläserne Stirn und erschrak: Nur Dunkles und Böses starrte mir entgegen. Gleich Gewitterwolken türmten sich hässliche Gedanken in ihrem Gehirn, drängten gegen die Knochenwände, verformten sich langsam in fette schwarze Spinnen, die, nach einem Ausweg suchend, durch Augen und  Ohren aus dem Kopf herausdrängten. Die haarigen Biester stelzten dann langsam über ihre Schultern und Arme, krabbelten über den Kuchen, den ich bereits in der Hand hielt und kratzten mit ihren hässlichen, borstigen Körpern an meiner Haut. Mit einem Aufschrei schleuderte ich den Kuchen von mir und schlug die Tür zu.

Ein Klick zwischendurch…

Nun war es sonnenklar: Die Witwe wollte mir Böses antun, sie wollte mich ermorden. Aber das werde ich nicht zulassen, ich musste ihr zuvorkommen. Und die wunderbare Klarheit ließ auch gleich den richtigen Plan vor meinen Augen entstehen.
Sofort begann ich, die nötigen Sachen für mein Vorhaben zusammenzusuchen. Ich war aufgeregt und die Angst quälte mich. Ich sah auf die Uhr: Ich hatte noch 45 Minuten. Aber das reichte, denn bald hatte ich alles gefunden, was ich brauchte und legte die Sachen sorgfältig vor der Tür ab. Zuerst den Hammer, den Mauerhaken, dahinter die Drahtrolle. Mir fiel ein, dass ich auch noch eine Zange brauchen könnte und legte auch diese dazu.
Erneut sah ich auf die Uhr: Noch 30 Minuten! Dann wird sie die Küchenabfälle hinunter tragen, so wie jeden Abend. Und diese Gewohnheit werde ich nützen, ich werde ihr das Leben nehmen, bevor sie mich tötet! Denn meine wunderbare Klarheit gab mir die Gewissheit, dass dies der einzige Ausweg war.
Aber die Zeit drängte, ich durfte mich um nichts in der Welt verspäten. Vorsichtig öffnete ich die Tür und spähte durch den Spalt. Im Flur war es dunkel und ruhig, keine Seele war zu sehen. Ich schlich mich leise, mit Hammer und Mauerhaken, zur Treppe. Glücklicherweise drang schwaches Straßenlicht durch die Fensterscheiben, sodass ich ausreichend sehen konnte. Ich wählte eine Mauerstelle neben der dritten Stufe, in einer Höhe von ungefähr zwanzig Zentimeter. Dort setzte ich den Mauerhaken schräg an und wartete, bis draußen die Schnellbahn mit ihrem üblichen Gekreische und Gepolter vorüberjagte. Als es soweit war und der Höllenlärm losging, trieb ich mit drei kräftigen Hammerschlägen den Haken in die Mauer.
Leise zog ich mich wieder in meine Wohnung zurück, um jetzt die Drahtrolle und die Zange zu holen. Ich befestigte ein Ende des Drahtes mit Hilfe der Zange an dem Mauerhaken. Das andere Ende machte ich auf der gegenüberliegenden Seite, an dem Gusseiserner Steher fest, der den Handlauf stützte. Ich spannte den Draht so gut ich konnte und kontrollierte sorgfältig beide Enden. Es war getan. Probeweise zupfte ich daran: es klang wie die Saite einer Gitarre. Stolz erfüllte mich: In kurzer Zeit hatte ich eine perfekte Stolperfalle gebaut.
Als ich auf Zehenspitzen zu meiner Wohnung zurückhastete flammte plötzlich das Drei-Minuten-Licht durch das Stiegenhaus. Eilig zog ich mich in meine Wohnung zurück und legte das Ohr an die Tür. Schritte hallten aus dem oberen Stockwerk. Es durchfuhr mich glühend heiß. Wenn jetzt jemand anderer in meine Falle geriet? Und dabei meine Falle beschädigt und soviel Lärm verursacht, dass die Mörderin hinter der Nebentür gewarnt war? Ich überlegte fieberhaft, was ich tun könnte. Sollte ich zu diesem Menschen sagen: Wenn Sie jetzt weiter gehen, werden Sie in den Tod stürzen. Hier gibt es eine Stolperfalle, aber die ist nicht für sie gedacht.
Die Schritte bewegten sich jetzt vor meiner Tür vorbei. Ich hielt den Atem an. Dann hörte ich einen kurzen Schrei, gefolgt von einem mehrmaligen dumpfen Poltern. Ich war erstarrt. Kein Laut war zu vernehmen.
Die Einbahn
Mit klopfendem Herzen schlich ich leise die Tür hinaus. Von meiner Nachbarin war nichts zu sehen, auch nichts zu hören und ich sagte zu mir: Wenn es einen Gott gibt, so danke ich ihm dafür, dass er ihr Gehör nicht besser ausgerüstet hatte.
Ich pirschte mich an die Treppe. Die Falle war unbeschädigt, mir fiel ein Stein vom Herzen. Wieder war ich von Stolz erfüllt, ich hatte wirklich eine solide Arbeit geleistet.
Aber unten, am Fuße der Treppe, da lag jemand. Natürlich der Idiot, der sich keinen besseren Zeitpunkt aussuchen konnte, die Stiegen hinunterzugehen. Egal, die Person musste weg, sie würde mich verraten. Auf Zehenspitzen eilte ich die Stufen hinunter.
Eine Frau, von einem dunklen, faltigen Mantel umhüllt, lag seltsam verrenkt am Boden. Ihr Gesicht zeigte nach unten, daher konnte ich sie nicht erkennen. Aber das war sowieso unwichtig, denn ich hasste diese Person. weil sie versucht hat, meine Pläne zu durchkreuzen. Deswegen wurde  ich so zornig, dass ich sie am liebsten beschimpft oder geschlagen hätte. Ich stupste mit der Fußspitze gegen ihre Hüfte und sie reagierte nicht, anscheinend war sie tot. Nun, sie hatte es auch verdient, beinahe hätte sie mir alles verdorben.
Dann hörte ich oben das Vorhängeschloss meiner Nachbarin klappern. Ich sah auf die Armbanduhr: Zweiundzwanzig Uhr! Es ist soweit, jetzt bringt sie den Müll in den Hof. Oder hat sie alles bemerkt und kommt jetzt, um mich zu töten? Wie auch immer, ich musste mir ein Versteck suchen. Und die Leiche konnte ich auch nicht hier liegen lassen. Deswegen packte ich die tote Frau an den Fußknöcheln und zerrte sie bis zum nächsten Stiegenabsatz, von wo ich sie einige Stufen hinunter schleifte. Ihr Kopf schlug dumpf auf jede Stufe auf, aber ich wusste nicht, wie ich jetzt Geräusche zu vermeiden könnte, schließlich ging es um mein Leben, denn die Schritte der Mörderin hallten mir von oben immer lauter entgegen. Zitternd vor Aufregung setzte ich mich auf eine Stufe und wartete.
Es vergingen nur wenige Sekunden dann wiederholten sich die gleichen Laute wie vorhin: Ein kurzer Schrei, gefolgt von einer Serie dumpfer Erschütterungen. Ich spürte den Triumph von den Fingern bis in die Zehenspitzen. Es hatte funktioniert, ich hatte den Kampf auf Leben und Tod gewonnen!

Ein neuer Klick zu Ihrer Erholung…

Schnell sprang ich auf, eilte nach oben und weidete mich an dem Anblick der Mörderin: Sie lag reglos auf dem Boden. Kurz fiel mir eine alte Fotografie ein, auf der ein Großwildjäger hinter einem erlegten Löwen stand und seinen Fuß auf dessen mächtigen Körper aufstützte. Es hätte mir viel bedeutet, könnte ich jetzt ein ähnliches Foto mit mir und der Mörderin machen. Doch ich musste jetzt die Stolperfalle entfernen. Schnell holte ich die Zange aus der Hosentasche, löste die Drahtschlingen, zerrte an dem Haken, musste ihn aber zurücklassen, weil er zu fest in der Mauer saß.
Zwischendurch warf ich einen Seitenblick auf meine besiegte Feindin und war gleich darauf wie vom Blitz getroffen: Sie hatte sich bewegt! Ihr Kopf rollte langsam herum und ihre bösen Augen bohrten sich wie glühende Lanzen in mein Gesicht.
Ich näherte mich ihr vorsichtig, obwohl ich vor Angst schlotterte. Ihre Stirn war noch gläsern, daher konnte ich sehen, wie sich in ihrem Gehirn erneut böse Gedankenwolken zusammenballten. Und ich wusste, sie werden sich jeden Moment in schwarze Spinnen verformen, sich aus Augen und aus Ohren herauszwängen und mich verfolgen. Die Mörderin hat immer noch nicht aufgegeben.
Für Überlegungen war jetzt keine Zeit. In meinen Händen hielt ich noch den Draht der Stolperfalle. Hastig schlang ich diesen um ihren dürren Hals und drehte mit der Zange die beiden Enden zusammen, sodass sich die Schlinge immer mehr verengte. Dabei vermied ich es, sie anzusehen, denn möglicherweise hätte sie mir die schwarzen Spinnen geschickt, die mich mit Giftstacheln töten könnten. Dann ließen ein leises Röcheln und ein Aufbäumen des Körpers erkennen, dass ich nun endgültig von meiner Feindin befreit war.
Jetzt musste ich den Leichnam verstecken, denn es erschien mir schwierig, jemanden meine Notlage zu erklären. Meine Wohnung war als Versteck am besten geeignet,  also zerrte ich die Leiche die Stufen hinauf. Aus dem Körper war Blut ausgeflossen, ich wusste nicht woher, aber es breitete sich als grellrote Bahn, wie ein Empfangsteppich, über die Stufen aus.

Esoterik…

Ich schleifte sie ins Vorzimmer und lehnte ihren Oberkörper gegen die Innenseite der Tür. So sparte ich Platz. Ihr böser Blick saugte sich immer noch an mir fest, deswegen verhüllte ich ihr Gesicht mit einem Handtuch.
Dann erinnerte ich mich an die zweite tote Frau, unten im Treppenhaus. Obwohl die Müdigkeit schon übermächtig war und auch mein Hemd schweißnass am Körper klebte, hatte ich keine andere Wahl, als auch noch den zweiten toten Körper in meine Wohnung zu bringen. Das war schwierig, denn die Blutlachen auf den Stufen ließen mich oft ausgleiten. Anscheinend gab es auch bei dieser Leiche eine offene Verletzung, noch nie hatte ich soviel Blut auf einem Fleck gesehen.
Als ich eben den zweiten toten Körper in meiner Wohnung ablegte, vernahm ich einen leisen Schrei hinter mir. Ich fuhr erschrocken herum und erblickte eine Frau, die mit vorgeneigtem Oberkörper, beide Arme weit von sich gestreckt, aus aufgerissenen Augen auf die beiden toten Frauen starrte.

Klick-Erholungspause…

Ich überlegte, wie ich ihr am besten meine Zwangslage erklären könnte. Aber als ich zufällig einen Blick hinter ihre gläserne Stirn warf, änderte ich schnell meine Meinung: Denn ich konnte deutlich herauslesen, dass auch sie mich töten wollte. Und deswegen musste ich ihr zuvorkommen.
Fieberhaft dachte ich nach, wie ich es am besten anstellen könnte. Die Drahtschlinge war noch fest um den Hals meiner Nachbarin geschlungen, es würde zu lange dauern, sie wieder aufzuwinden. Also musste ich improvisieren. Blitzschnell packte ich die Frau bei den Oberarmen, drängte sie zur Treppe und versetzte ihr einen kräftigen Stoss. Sie stürzte schreiend in die Tiefe, überschlug sich, rollte seitlich weiter, versuchte immer wieder, mit den Händen ihr Gesicht zu schützen, und blieb schließlich am Ende der Treppe bewegungslos liegen.
Der Gedanke ekelte mich an, nun wieder eine Leiche in meine Wohnung schleppen zu müssen. Deswegen stieg ich widerwillig langsam die Stufen hinunter. Doch nach wenigen Schritten hob die Frau den Oberkörper und starrte mir mit aufgerissenen Augen ins Gesicht. Mein Ekel und meine Angst steigerten sich, ich beschleunigte meine Schritte. Sie stemmte sich hoch und versuchte, auf den Knien davonzukriechen. Nun musste ich die Stufen hinunterlaufen. Sie schrie, rappelte sich auf, stützte sich mit den Händen an der Mauer ab, und flüchtete, hinkend und stolpernd, den nächsten Treppenabsatz hinunter.
Meine Kräfte waren am Ende, ich konnte einfach nicht mehr. Die Geschehnisse der vergangenen Stunden hatten mich total überfordert. Langsam und müde kehrte ich um. Bei jedem Schritt klammerte sich Blut an meine Sohlen und peinigte mich mit einem klatschenden Laut. Es waren hässliche Geräusche. Und auch der Anblick des Blutes war hässlich. Es glotzte mich aus allen Richtungen an: Vom Boden, von den Wänden, von meinen Händen. Ich konnte es nicht mehr sehen, es musste sofort verschwinden.

Letzte Pause…

Ich holte aus meiner Wohnung einen Eimer voll mit Wasser, griff mir ein Handtuch, kniete auf mich den Steinboden, und begann das Blut von den Stiegen zu waschen. Doch das Blut wehrte sich gegen meinen Reinigungsversuch. Es sog gierig das Wasser auf, breitete sich noch mehr aus, schwoll an, strömte um mich herum und drohte, mich einzuschließen.
Dann standen plötzlich Polizisten, mit Helmen und kurzen Gewehren, um mich herum. Und ich war froh darüber, denn ich konnte wirklich Hilfe gebrauchen. Ich erzählte, welch schreckliche Erlebnisse ich erdulden musste und wie knapp ich dem Tode entronnen war.
Natürlich war ich aber auch stolz auf meine Leistungen. Ich führte sie hinauf, in meine Wohnung, und zeigte ihnen die beiden toten Frauen, nicht ohne sie vorher davor zu warnen, die Handtücher von den Köpfen zu nehmen. Sie machten erschrockene Gesichter und ich spürte ihr Mitgefühl zu mir.
Dann brachten sie mich in einen kleinen Raum. Der ist eng, aber sauber, und es gibt regelmäßig Mahlzeiten. Auch darüber bin ich froh, denn nun bin ich beschützt und brauche mir auch keine Gedanken mehr darüber zu machen, wie ich die beiden Leichen versorgen soll. Manchmal sehen mich die Männer böse an. Aber ich weiß, dass sie sich nur verstellen. Sie meinen es gut mit mir. Denn ich kann in ihre Gehirne sehen und dort gibt es keine schwarzen Spinnen.

Das Erlebnis beginnt

Von barb am 4. Januar 2012 veröffentlicht

Der sehnlich herbei gewünschte Tag des ersten Treffens, der Infoabend, rückt immer näher und mit jedem Tag stieg die Spannung. Was würde mich erwarten? Was kommt da auf mich zu? Ich bemerkte nur, dass diese Anziehungskraft sehr stark war. Vielleicht hatte ich jetzt doch etwas gefunden, das meinem Leben eine Wendung geben konnte.

Die letzten Tage hatte ich mich im Internet unter Shiatsu Fortbildung bei shendo.de so schlau wie möglich gemacht. Alles, was ich dort lesen konnte, beflügelte mich noch mehr.

Den ganzen Beitrag lesen »

Die Guanchen und die kanarischen Inseln

Von Guanche am 3. Januar 2012 veröffentlicht

Marias Füße baumeln im kristallklaren Salzwasser, ihr Blick ist auf den blassblauen Horizont gerichtet. Nach der zweiten Woche ihres Teneriffaurlaubs ist ihre Haut braun gebrannt, das dünne weiße Leinenhemd, welches sie sich von Caspar geborgt hat, umspielt ihre Taille und flattert leicht in der sanften Brise. Neben ihr liegt ein zerfledderter Reiseführer mit dem Titel “Kanarische Inseln”, der bereits mehrfach notdürftig mit Klebeband zusammengeflickt wurde, wenige Meter entfernt sonnt sich eine große, grüne Eidechse.

Die Strandpromenade Candelarias ist um die Mittagszeit nahezu menschenleer, wie die meisten Strandpromenaden und Strände um diese Zeit, weshalb sich Maria auch sofort umdreht, als endlich Caspars Schritte auf den Steinplatten ertönen.

“Wo warst du denn? Ich warte schon seit einer halben Stunde!”, ruft sie ihm entgegen, während sie sich gleichzeitig mit einer gereizten Handbewegung eine kastanienbraune Haarsträhne aus der Stirn streicht.

Caspar schüttelt nur leicht den Kopf und beißt in einen Apfel. “Mietwagen abholen”, murmelt er und lässt sich neben Maria nieder. “Ja dann los! Wir haben nicht den ganzen Tag Zeit. Ich will heute noch am Pico del Teide ankommen!”.

Wenige Minuten später fahren die beiden in dem kleinen geliehenen VW-Polo Richtung Innenland. Caspar hat die Fenster heruntergelassen und sitzt summend am Steuer, Maria zitiert aus dem abgegriffenen Reiseführer:

“Die Guanchen waren die prähispanischen Ureinwohner der kanarischen Inseln. Sie begannen bereits 3000 vor Christus, das Gebiet der Kanaren zu bevölkern. Einige Legenden besagen, dass Gran Canaria einst das versunkene Reich Atlantis war, diese Theorien sind jedoch nicht nachgewiesen. Viel wahrscheinlicher handelte es sich bei den ersten Siedlern um Bewohner der Wüste Sahara, die mit ihren kleinen Binsenbooten auf die fruchtbare Inselgruppe übersetzten.

Die Hellhäutigkeit der Kanarier und archäologische Funde weisen darauf hin, das zu einem späteren Zeitpunkt auch aus Europa stammende Volksstämme auf die Inselgruppe der Kanaren übergesetzt haben. Geheimnisvolle Zeichen, die in Felsen und Höhlen geritzt wurden, zeugen heute noch von ihrer Geschichte.

Die meisten Ureinwohner lebten mit ihrer Familie in schattigen Berghöhlen und strohgedeckten Steinhäusern. Sie ernährten sich von Viehzucht und Ackerbau. Archäologische Funde, zeugen davon, dass sie Gefäße aus Ton und steinerne Messer fertigten, Möglichkeiten zur Waffenherstellung aus Metall waren ihnen jedoch unbekannt. Auf Teneriffa wurde zudem der sogenannte Banot, ein aus Holz gefertigter Wurfspeer verwendet. Als Schmuck dienten Muscheln, Knochen und Tonkugeln, Kleidung und Schuhe bestanden aus Tierfellen.”

„Ist ja spannend. Aber warum liest du mir das jetzt alles vor?“ Caspars schlanke Finger trommeln im Rhythmus seines Pfeifens auf dem schwarzen Lenkrad, mit der anderen Hand bedient er geschickt die Gangschaltung. „Ich finde das alles wahnsinnig aufregend“, erklärt Marie. “Seit ich diesen Reiseführer als kleines Kind auf den Flohmarkt bekommen habe, wollte ich schon immer mehr über die Sagen Teneriffas erfahren. Und jetzt wo wir endlich hier sind…” “Na dann bin ich ja mal gespannt”, lächelt Caspar und streicht Marie sanft über die Wange. “In einer halben Stunde sind wir da.”

Tatsächlich erreichen die beiden nach einer weiteren halben Stunde das Besucherzentrum des Nationalparks „Parque Nacional de las Cañadas del Teide”, El Portillo. Umgeben von grünen Wäldern erhebt sich hier der schneebedeckte Vulkan aus schroffem grauem Felsgestein. „El Pico del Teide – der schneebedeckte Gipfel“, flüstert Maria ehrfürchtig. „Die Angehörigen der Guanche nannten ihn auch ‚Echeyde‘.“

Mit warmen Fleecejacken und Sonnenbrillen im Gepäck steigen Maria und Caspar in die Seilbahn el Teleférico, die sie bis zur Spitze des 3550 Meter hohen Vulkanberges bringt. Unter ihnen erstreckt sich das schroffe, kaum bewachsene Kraterlandschaft, mit ihrem ganz eigenen rauen Charme. Lässt man den Blick schweifen, hat man eine herrliche Aussicht über die Landschaft Teneriffas und bei guter Sicht kann man sogar die Küste Afrikas erspähen.

Nach einem atemberaubenden Rundgang kehren Sie zurück zur Seilbahnplattform und wollen gerade in die nächste Gondel steigen, als Maria einen alten Mann erblickt, der bettelnd in der Ecke sitzt. Sein Gesicht ist tiefbraun vom Wetter gegerbt, seine Kleidung abgetragen und fadenscheinig, vor ihm liegt ein schlichter grauer Hut, der ein paar wenige Münzen enthält. Seine Augen sind von einem dichten Fältchennetz umgeben und wirken resigniert und müde. „Warte mal“, flüstert Maria Caspar zu. Seine Hand loslassend, eilt Sie zielstrebig auf den alten Mann zu und drückt ihm einen Geldschein in die Hand. „Wissen Sie etwas über die Legende der Guanche?“, fragt sie in gebrochenem Spanisch. Die Augen des Alten beginnen zu leuchten. Er lässt den Geldschein schnell in seiner Tasche verschwinden und leckt sich über die aufgesprungenen Lippen.
“¡Sí, sí, claro que si!”, verkündet er eifrig nickend und zieht Marie zu sich herab auf den staubigen Boden.

„Einst vor langer Zeit, als die Guanche noch auf der Insel lebten…“ hebt er mit raunender Stimme an „…bewohnte der grausame Dämon ‚Guayota‘ diesen Berg und rächte die schlechten Taten der Menschen mit Vulkanausbrüchen. Er versetzte den ganzen Stamm in Angst und Schrecken. Zusätzlich hielt er in seinem Vulkan, hier im Echeyde, den Sonnengott ‚Magec‘ gefangen, weshalb die Insel in Finsternis getaucht war. Die Ureinwohner hatten schreckliche Angst vor der Dunkelheit und flehten ihren höchsten Gott ‚Achamán‘ um Hilfe an. Schließlich erhörte dieser ihre Gebete und befreite Achamán aus den grausamen Fängen des Dämons Guayota. Er verjagte diesen von der Insel und verschloss den Vulkan mit einem Stopfen aus Zuckerbrot, dem Pan de Azúcar. Von da an ward der böse Dämon nicht mehr gesehen und das Guanchenvolk lebte in Ruhe und Frieden auf der Insel.“
Über seine Lippen huscht ein verstohlenes Lächeln. “Manche Stimmen behaupten, der Dämon sei zurückgekehrt und der Vulkan würde bald wieder ausbrechen. Die Menschen sind böse, es geschieht so viel Schlechtes auf der Welt.” Er packt Marias Arm und flüstert: “Nehmen Sie sich in Acht señorita, nehmen Sie sich in Acht.” Sein warmer Atem riecht stark nach Tabak und er krallt seine gelblichen Fingernägel in Marias Arm: “Die Welt ist ein gefährlicher Ort, ein gefährlicher Ort…”

Unangenehm berührt von seiner Eindringlichkeit macht Maria sich los und drückt dem Alten noch einen Geldschein in die Hand. “Gracias señor! Muchas gracias!”, ruft sie hastig und läuft mit schnellen Schritten zu der Gondel wo Caspar bereits auf sie wartet. Nach der düsteren Botschaft des Alten erscheint ihr der warme Sommertag plötzlich surreal, die vom Himmel brennende Sonne lässt sie schwindeln.

Vor ihren Augen dreht sich alles und als sie wieder erwacht, liegt sie auf den warmen Steinplatten der Strandpromenade. Neben ihr sonnt sich eine grüne Eidechse und Caspar steht breitbeinig über ihr und wedelt mit dem zerfledderten Reiseführer: “Wolltest du nicht sofort nach El Pico del Teide fahren? Ich habe den Mietwagen schon vor einen halben Stunde geholt!”