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Abenteuer Spontan-Urlaub: Drachenfliegen auf einer Nordseeinsel

Von Tina Wagner am 18. Januar 2011 veröffentlicht
Thema: Sonstiges

m letzten Jahr habe ich das erste Mal Urlaub auf einer Nordseeinsel gemacht und meine Leidenschaft fürs Kitesurfen entdeckt. Wer nach meiner verrückten Geschichte feststellt, dass das auch mal eine Reise wert ist, sollte dringend vorher eine Unfallversicherung abschließen. Denn der Trip stellte sich als nicht ganz ungefährlich heraus.

Bereist die Anreise gestaltete sich abenteuerlich. Meine Freundin und ich sind, natürlich wie immer, erst so spät angereist, dass nur noch eine Fähre vom Festland auf die Insel übersetzt hat. Das bedeutete, eine Hinfahrt ohne Rückfahrschein. Diese Tatsache allein hätte uns auch nicht weiter beunruhigt, wenn wir bereist eine Unterkunft gebucht hätten. Da wir aber beide immer besonders spontan sein wollen, wollten wir uns auch dieses Mal überraschen lassen. Am Bestimmungsort angekommen, hatte sodann auch nicht einmal mehr die Kurverwaltung geöffnet. Zufällig trafen wir ein paar Einheimische, die uns ungläubig ansahen als wir ihnen mitteilten, dass wir auf der Suche nach einer Unterkunft seien. Dazu muss man wissen, es waren gerade Schulferien und die Ferienwohnung, Hotels und sonstige Möglichkeiten restlos ausgelastet. Glücklicherweise nahmen sie uns mit zu sich nach Hause, um von dort das örtlich Telefonbuch abzutelefonieren und so doch noch eine Übernachtungsmöglichkeit finden zu können. Es ergab sich tatsächlich noch eine Möglichkeit, die uns beiden aber einen gehörigen Schrecken einjagte. Ein Hotel auf der Insel hatte noch eine Suite frei, die uns allerdings unser gesamtes Reisegeld von 350 Euro gekostet hätte. Als Studentinnen war es uns beim besten Willen nicht möglich dieses Angebot anzunehmen. Entschlossen, die netten Leute nicht länger zu belästigen, begaben wir uns auf eigene Faust auf die Suche. Allerdings war die Insel nicht besonders groß und es wurde bereits dunkel, zusätzlich regnete es auch noch in Strömen, sodass wir in eine Tanzbar einkehrten und uns dort mit einem Grog aufwärmten. Es blieb dann auch nicht bei einem Grog, sondern die Anzahl der Getränke mehrte sich. Als ich am nächsten Tag erwachte befand ich mich noch immer in besagter Tanzbar, allerdings zugedeckt auf einer Bank. Nachdem wir uns bei einem Frühstück gestärkt hatten, machten wir uns auf den Weg zur inzwischen geöffneten Kurverwaltung, die uns dann tatsächlich auch noch eine Ferienwohnung vermitteln konnte.

Nachdem wir dort angekommen waren, ausgepackt und geduscht hatten, wollten wir uns auch sogleich unserem neuen Hobby widmen, dem Kitesurfen. Das stelle sich Anfangs recht schwierig dar, da die Lenkseile heillos durcheinander waren und wir fürs Entwirren bereits einen halben Tag benötigte. Nachdem dies getan und der Drachen aufgebaut war, war es dann wiederum schwierig ihn die Luft zu bekommen. Aber ich habe es geschafft: Im ersten Moment befand ich mich in einem Hoch der Gefühle, welches dann fast augenblicklich in pures Entsetzen umschlug. So muss man wissen, dass die Windstärken auf einer Nordseeinsel schon enorm werden können, dies hatte ich etwas unterschätzt. Jedenfalls riss mich der Drachen vom Boden hoch und flog mit mir Richtung Meer. Ehrlich gesagt, weiß ich nicht mehr, wie ich wieder den Boden unter meinen Füßen erreichte, jedenfalls war der Aufprall recht heftig, sodass ich mir sofort den Knöchel verstauchte. Der Schmerz war schon enorm aber sobald ich Wochen später wieder genesen war, habe ich mein Training wieder aufgenommen.

Tina Wagner