Archiv der Kategorie ‘Alltag’
Von engel am
4. Juli 2010 veröffentlicht
Kurzgeschichte Christliche Partnersuche
Ich war ungefähr 2 Jahre Single und habe mich immer mehr nach einem neuen Partner gesehnt. Ich mich auf christliche Partnersuche begeben, da ich der Meinung bin, dass die Religionszugehörigkeit in einer Beziehung eine große Rolle spielt.
Mit meinem Ex – Partner habe ich schlechte Erfahrungen gemacht, ganze 3 Jahre waren wir zusammen, aber es gab häufig Streit. Ich selbst bin deutsche und christlich erzogen wurden, bereits mit 2 Jahren wurde ich getauft. Später folgte dann der Konfirmandenunterricht u regelmäßige Kirchengänge am Sonntag. Als ich meinen damaligen Freund kennenlernte, verbrachten wir sehr wir Zeit miteinander, sodass ich meine religiösen Pflichten vernachlässigte. Hinzukommt das er türkischer Herkunft war und demnach dem moslemischen Glauben angehörte. Am Anfang haben wir gar keine Probleme damit gehabt, doch umso länger wir zusammen waren, umso mehr standen wir mit den verschiedenen Wertevorstellungen in einem Konflikt. Häufig fingen wir an zu streiten, weil jeder eine andere Vorstellung von den gemeinsamen Lebensweisen und auch von einer Partnerschaft hatte. Es fing schon an mit der Kleidung, seiner Meinung nach kleidete ich mich zu freizügig.
In der Partnerschaft mussten wir viele Kompromisse eingehen, damit jeder auf seine Art wenigstens relativ zufrieden mit dem Anderen ist. Da wir beide vollzeitig berufstätig waren hatten wir nur am Wochenende Zeit für uns. Doch eigentlich nie wirklich ein ganzes Wochenende für uns alleine. Jeden Freitag besuchte er die Moschee und ich am Sonntag die Kirche, der einzige freie Tag, war der Samstag. Die mangelnde Zeit, die uns dann noch blieb, nutzen wir natürlich zum Streiten, meistens über religiöse Themen. Es vorabzusehen nach kurzem folgte die Trennung. Es war eine sehr schmerzhafte Zeit für mich, denn trotz allem liebte ich ihn noch. Doch fest stand, dass wir getrennt bleiben müssen! Die ethnische Herkunft und die damit verbundenen kulturellen Hintergründe waren einfach zu verschieden und sorgten häufig für Probleme.
Nachdem ich die Trennung vorüber war, habe ich mir eine genaue Vorstellung von meinem Partner gemacht. Da es mir sehr wichtig ist, dass wir die gemeinsamen Interessen und Wertevorstellungen teilen, sollte mein neuer Partner Christ sein. Eine christliche Partnerschaft, das ist das was ich wollte. Gemeinsame Feste feiern, in die Kirche gehen und gemeinsam über die Religion sprechen zu können und das alles ohne davor streiten zu müssen, wäre fantastisch! Also begann ich mit meiner christlichen Partnersuche, doch wo ich anfangen sollte, war mit nicht ganz klar. In meiner Gemeinde waren bereits alle vergeben oder sogar verheiratet und eine andere Möglichkeit ist mir nicht eingefallen. Bis zu dem Tag als ich im Fernsehen eine Werbung über eine christliche Partnervermittlung sah. Ich setze mich an den Computer und meldete mich sofort da an. Eine gewisse Skepsis war schon vorhanden, aber nur so lange bis mir ein attraktiver Mann schrieb. Ein christlicher Single aus meiner Nähe und er war einfach etwas Besonderes. Nach einigen Online Dates haben wir ein Treffen vereinbart, ich war total aufgeregt! Schon bei dem ersten Date wusste ich, dass Gott mir ein Engel geschickt hat! Wir trafen uns immer öfter und so entwickelte sich eine liebevolle Partnerschaft. Inzwischen ist das über ein Jahr und ich bin sehr glücklich mit meinem neuen Partner.
Endlich habe ich jemanden gefunden, der mit mir zusammen, nach den christlichen Werten lebt und mit mir die Liebe zur Religion teilt.
Von shorty am
27. Juni 2010 veröffentlicht
Es ist schon finster draußen und das Museum hat längst geschlossen. Nur im Innern des Ehrensaals strahlen noch die goldenen Kronleuchter. Samtene Vorhänge verdecken die Fenster. Etwa 300 Menschen sitzen dicht gedrängt im Ehrensaal des Museums und warten auf den Vortrag von Dr. Eisenmann. Unruhig quasseln, plaudern und diskutieren sie, alles unter den weisen Augen längst verstorbener Naturwissenschaftler: Büsten von Wilhelm Conrad Rönthgen, Albert Einstein und Marie Curie zieren die mit Granitpanelen dekorierten Wände.
Thomas schwirrt um die einzigen Personen, die vor dem Podium noch stehen – den Fotoapparat fest in die Hände gekrallt. Und dann klack, klack und das Blitzlicht zuckt hervor, immer wieder, Foto um Foto. Gern macht er diese „Gesellschaftsfotografie“ nicht, aber wenn es sein muss, dann muss es sein. „Das ist immer so gespielt und aufgesetzt“, sagt Thomas. Ganz vorn am Podium fällt er schon rein äußerlich auf: Turnschuhe, Jeans und Joggingjacke neben Anzug und Kostüm des Vortragenden und seiner Begleitung. Nach jedem Foto blickt er hastig auf das Rückteil der Kamera, drückt eilig ein paar Tasten, macht einen Schritt zur Seite und setzt erneut zum Foto an. Ein Auge schaut durch den Sucher der Kamera, das andere ist zugekniffen. Klack, klack und immer wieder der prüfende Blick auf das Display. Thomas zieht die Augenbrauen hoch.
Stille kehrt im Saal ein, die Beleuchtung wird gedimmt, Dr. Eisenmann steigt auf das Podium und erstrahlt im Spotlicht. Thomas springt ein letztes Mal nach vorn, klack, klack macht die Kamera – jetzt in der andächtigen Stille ist der Auslöser der Kamera noch deutlicher zu hören. Ein letztes Mal zuckt das Blitzlicht. Der Vortrag beginnt und Thomas verschwindet in der Dunkelheit des Saals. Seine Arbeit als Fotograf im Museum ist für heute getan, wieder sind es Überstunden geworden.
Am nächsten Morgen steht Thomas vor dem Haupteingang des Museums. Er nimmt noch einen Zug von seiner Zigarette. Zeit, um noch einmal inne zu halten. „Damals“, fängt er an zu erzählen, ging er nach der Ausbildung als Fotograf als Portraitfotograf in eine Kleinstadt. Dort hielt er es aber nicht lange aus. „Nach Berlin wollte ich“, sagt er und drückt die Zigarette am Aschenbecher aus. Ihn erfüllte das Portraitieren nicht mehr. Hier im Museum sei er beruflich glücklich geworden, gibt er zu, atmet tief ein und aus und schmunzelt. Die Arbeit als freier Fotograf bei Tageszeitungen kann er sich dagegen überhaupt nicht vorstellen. Es sei ihm ein Graus, Veranstaltungen zu fotografieren. Falten legen sich auf seine Stirn und dann fährt er fort: „Die Leute sind so aufgesetzt“ und das gefällt ihm nicht. Am liebsten nimmt er sich viel Zeit und Ruhe zum Fotografieren. Und die Ausstellungsstücke hier im Museum laufen ja auch nicht weg.
Mit dem Einzug der digitalen Bildtechnik vor ungefähr 9 Jahren hatte Thomas keine Probleme und Angst davor schon gar nicht. Auch wenn er die Digitalisierung nicht begrüßt, so findet er sich mit ihr doch ab. Computer ersetzen das Schwarz/Weiß-Labor, das die Fotografen nur noch selten nutzen. Thomas bricht lieber eine Lanze für die analoge Fotografie mit Film, Dunkelkammer, Chemikalien und Fotopapier. Mit 15 Jahren bekam er seine erste Spiegelreflexkamera. Der Vater war schuld: „er führte mich in die Fotografie ein“, berichtet er stolz und mit leuchtenden Augen. Und dann ist er dabei geblieben. Bis zum Beginn der Digitalisierung reproduzierte das Museum alles noch im Schwarz/Weiß-Labor. Das hat sich geändert: Analog ist heute nur noch der Aufnahmeprozess; das Dia oder Negativ wird eingescannt und nur noch digital weiterverarbeitet. „Heutzutage“, beschwert er sich, lernen die Fotoschüler nur noch die „Maus über den Bildschirm“ zu bewegen. Dabei stiert er auf die zwei vor ihm stehenden Bildschirme und bearbeitet die Fotos des Vortrags am Vorabend nach. Klick, klick, digitale Farbregler hier, Weichzeichner da. Im Labor wäre es nicht so schnell gegangen, gibt er zu, rümpft aber gleichzeitig die Nase. Bevor er Feierabend macht, will er noch alle Fotos fertig haben. Die Bildstelle im Museum bekommt von ihm eine gebrannte CD mit allen Bildern und dazu noch einen Kontaktabzug, der Übersicht wegen. Aber die Gestaltung eines Einlegers für die CD-Hülle lässt er sich nicht nehmen, wenngleich diese nicht gefordert ist. Für ihn ist sie eine Hommage an die alte analoge Zeit, wenn er schon keine echten Fotos weitergeben kann, sondern nur eine gebrannte CD. Denn „Fotos sind keine Heringe. Die wickelt man nicht in Zeitung, die verpackt man richtig“.
Von kleineSchwester am
21. Juni 2010 veröffentlicht
Seit ein paar Wochen wohne ich nun dort. Ein ruhiger Stadtteil in einer kleinen Großstadt, in der die Menschen wenig seltsam sind. Vorbei an einem Bettler mit Hund, einem Gemüsestand und einem in einem fort plappernden Fotoautomaten gehe ich jeden Tag zur Arbeit. Der Gegenwind in der Unterführung zur U-Bahn kann schon mal unangenehm sein, aber nicht seltsam.
Jeden Tag wenn ich auf die Rolltreppe zu gehe, kommt mir ein alter Mann entgegen. Ich habe keine bestimmten Zeiten, zu denen ich zur Arbeit gehe. Er kommt mir immer entgegen. In Gedanken versunken schlurft er die Treppen hoch, gesenkter Kopf mit schütterem Haar. Aber gleichmäßig ist sein Schritt und bestimmt. Jeden Morgen.
Jeden Morgen steht er auf. Lässt die Beine aus dem Bett baumeln und blinzelt dem feinen Sonnenstrahl entgegen, der durch die Vorhänge fällt. Seine Füße gleiten in die Filzpantoffeln, die er seit Jahren immer an der gleichen Stelle vor seinem Bett abstellt. Dass die rechte Seite seines Doppelbetts leer bleiben wird, ist ihm nicht bewusst. Ein Geräusch reißt ihn aus seinen Gedanken. Ein Schlüssel dreht sich im Schloss und die Haustür öffnet sich. Eine junge Frau kommt herein. Jeden Morgen. Er ist sich nicht ganz sicher, wer sie ist und zögert. Als sie aber bestimmt und selbstverständlich in seine Wohnung tritt, kann er dem nichts entgegen setzen. Ein wenig ängstlich schaut er sie an. Sie erklärt, ihm sie sei doch die Marie und käme jeden Morgen. Sie würden sich doch schon gut kennen. Er versucht sie zu umarmen, aber sie löst sich sofort aus seiner Umarmung und schiebt ihn ins Schlafzimmer. Als er auf der Bettkante sitzt, noch etwas irritiert, beginnt sie seinen Schlafanzug aufzuknöpfen. Sie hilft ihm vorsichtig aus dem Oberteil und hält ihn fest, als er mit zittrigen Knien versucht sich die Hose auszuziehen. Hinter den Vorhängen verbirgt sich immer noch der neue Tag. Im Sonnenstrahl, der hindurch fällt tummeln sich die Staubpartikel und glitzern wie kleine Sterne. Als sie fertig sind und er in der feinen Bundfaltenhose und dem guten Hemd sich auf den Weg in die Küche macht, ist sie schon dort und gießt heißes Wasser auf das Kaffeepulver. Ein angenehm er Duft nach Sonntagsfrühstück macht sich breit und lässt in ihm ein wohliges Gefühl aufkommen. Gedanken an seine Frau kommen auf. Wie die Zwei geheiratet haben und in bescheidenen Verhältnissen zusammen mit der Familie und Freunden ein Fest gefeiert. Damals in ihrem Wohnzimmer in der kleinen Wohnung an Ende der Stadt. Es gab Erdbeerkuchen mit den eigenen Erdbeeren aus dem Garten seiner Mutter und seit Tagen hatten sie keinen Kaffee mehr getrunken, um genügend Kaffeepulver für ihre Hochzeitsgäste zu haben.
Sanft streicht die junge Frau ihm über den Arm und fragt ihn, ob er lieber Marmelade oder Käse auf sein Brötchen möchte. Er kann sich nicht entscheiden und möchte einfach nur Butter. Langsam kaut er und schaut die junge Frau immer wieder verwundert aus den Augenwinkeln an. Gut sieht sie aus, aber noch so jung. Könnte seine Enkelin sein. Warum isst sie nur nicht mit? Die jungen Dinger sind aber auch immer auf Diät. Sie greift nach seiner Hand. Warm ist ihre und ganz zart. Sie öffnet seine faltige Hand und lässt drei Pillen hinein fallen. Was das nun wieder soll? Fragend schaut er sie an und sie sagt, die hat der Doktor verschrieben. Warum? Er sei doch nicht krank. Aber fürs Herz und die Durchblutung hat der Doktor gesagt. Jeden Tag führt sie diese Diskussion mit ihm. Mit plötzlicher Kraft schmeißt er die Tabletten zu Boden und schaut sie wütend an. Mit seinem Herzen sei alles in Ordnung. Sie wolle ihn vergiften. Wer sei sie überhaupt, dass sie sich hier so aufführt. Die junge Frau atmet tief durch. Er benötige diese Medikamente dringend und hier, wenn er wolle, könne er das Rezept von Dr. Clemens sehen. Sie hält ihm eine Liste unter die Nase, auf der für jeden Tag zu sehen ist, welche Medikamente er genommen hat. Mit einem dicken Haken dahinter. Gestern, vorgestern und die Tage davor. Jeden Tag. Sie bückt sich und sammelt geduldig die Tabletten vom Boden auf und reicht sie ihm. Sein Widerstand scheint gebrochen. Gedankenverloren schaut er durch sie hindurch und schluckt die Medizin.
Jetzt würde er gerne seine Runde drehen, sagt er und geht in Richtung Flur, wo seine Schuhe und seine Jacke am Haken hängen. Die junge Frau hilft ihm in die Jacke und bindet ihm die Schuhe. Seine knochigen Finger kommen mit dem Binden der Schleife nicht mehr zu recht. Gemeinsam verlassen sie die Wohnung. Sie fragt, ob er den Schlüssel habe und seinen Geldbeutel mit seinem Ausweis. Dann steigen sie gemeinsam in ihren Kleinwagen. Sie muss sich beeilen. In zehn Minuten muss sie beim nächsten Patienten sein und ihm helfen, seinen Tag zu beginnen. Nach kurzer Fahrt stoppt sie und lässt ihren Beifahrer zur Tür hinaus. „Passen Sie auf sich auf. Ich komme morgen Früh wieder. Wie jeden Tag.“ Er nickt und lässt die Tür zu fallen. Er weiß genau, wo er hin möchte. Er muss gar nicht mehr viel darüber nachdenken. Vorbei am Bettler mit dem Hund, dem Gemüsestand und dem plappernden Fotoautomaten geht er zum U-Bahnstation und direkt zur Rolltreppe. Erfährt sie runter und ihm fällt ein, dass er seine Fahrkarte nicht gestempelt hat. Er geht die Treppe wieder hoch, in diese Richtung gibt es keine Rolltreppe, er muss gehen, aber wie von einer unsichtbaren Hand gezogen, geht er gleichmäßig und mit festem Schritt nach oben. Oben angekommen, wundert er sich, er wollte doch mit der U-Bahn ins Krankenhaus zu seiner Frau fahren. Er fährt wieder abwärts und bemerkt, er hat seinen Fahrschein vergessen zu stempeln. Die U-Bahn fährt ein. Seine Frau wird sich schon wundern, wo er bleibt. Aber es nützt nichts, er muss seinen Fahrschein stempeln. Also geht er wieder hoch. Warum er in die falsche Richtung gegangen ist, kann er sich nicht erklären. Nun aber schnell wieder runter, die nächste U-Bahn kommt gleich.
Nach ein paar Wochen habe ich mich auf die Bank in der U-Bahnstation gesetzt und ihm zu geschaut. Eine Stunde lang ging er auf und ab, ganz regelmäßig, nur unterbrochen von einem kurzen Wundern. Das hat er vergessen. Wie jeden Tag. Auf und Ab. Jeden Tag. Auf und Ab. Diesen Tag vergessen.
Von Pudelwohl am
4. Juni 2010 veröffentlicht
Vor zwei Wochen war ich das erste Mal in New York City. Nach einem knapp achtstündigen Flug landeten mein Bruder Kevin und ich auf dem John F. Kennedy International Airport. Wir waren beiden ziemlich aufgeregt, denn es war unsere erste Reise außerhalb Europas. Angekommen in Amerika wollten wir schnell unsere Koffer schnappen und uns ins Abenteuer stürzen. Aber so schnell wollte man uns gar nicht aus dem Flughafen lassen. Nachdem wir die Maschine verlassen hatten und durch kilometerlange Gänge spaziert waren, erreichten wir endlich die Zollabfertigung. Dort warteten bereits hunderte Reisende brav in einer Schlange stehend auf den Einlass in die Vereinigten Staaten. Ich traute meinen Augen nicht und auch Kevin gab ein nüchternes “Oh Mann!” von sich. Der Wunsch schnell in die Stadt zu kommen, war erstmal dahin. Wir stellten uns also genervt hinten an und hofften, dass es rasch vorwärts ging. Unseren Unmut haben wir allerdings nicht laut ausgesprochen, denn in der Abfertigungshalle standen alle paar Meter Sicherheitsbeamte mit großen, automatischen Pistolen. Wir wollten einfach keinen Ärger machen. Die Wartezeit ging schließlich doch schneller um als gedacht. Die Vorfreude auf New York und der spannende Reiseführer heiterten unser Stimmung wieder auf. Vor dem Schalter wurden Kevin und ich getrennt. Jeder musst Grund und Dauer des Aufenthalts angeben. Zudem wurden von uns beiden Fingerabdrücke und Fotos gemacht. So strenge Kontrollen gibt es in Deutschland nicht. Seit dem Anschlag auf das World Trade Center im September 2001 nehmen die Amerikaner Sicherheitsbestimmungen am Flughafen sehr ernst. Nach der Zollkontrolle startete das eigentliche Abenteuer. Wir zogen unsere Koffer vom Band und versuchten uns in dem riesigen Flughafen zu orientieren. Wir liefen kreuz und queer, bis wir irgendwann draußen vor dem Hauptgebäude standen. Kevin schaute mich an und sein Blick verriet mir, dass wir keinen Plan hatten, wie wir vom Flughafen in die Innenstadt kommen sollten. “You wanna drive with Limo?” riß es uns aus der Hilflosigkeit. Eine freundlich lächelnde Frau mittleren Alters stand plötzlich vor uns. Sie hatte eine Uniform an und erklärte uns, dass wir mit einer Limousine für 150 Dollar vom Flughafen zur Innenstadt kommen könnten. “Eine Limousine!”, dachte ich mir. Das hätte doch was. Allerdings waren 150 Dollar viel Geld und Kevin machte mir und der Dame im schwarzen Outfit sofort klar, dass die 150 Dollar anderweitig ausgegeben werden. Wir winkten also ab und schlendeten planlos auf dem Gelände hin und her. Auf einmal erblickte ich ein Schild mit der Aufschrift “Public Busses”. Von da an ging alles sehr schnell. Wir machten die Bushaltestelle aus, stiegen in den nächsten Bus und verließen den Flughafen. Die Außenfassade New Yorks kam in unser Blickfeld. Hochhäuser, die Freiheitsstatue, das Empire State Builduing … ein Tunnel! Die Fahrt unter der Erde wollte gar nicht mehr enden, bis Kevin und ich endlich wieder Tageslicht sahen. Wir schauten vorsichtig nach draußen, um noch vorsichtiger nach oben zu schauen. Beim Anblick der Hochhäuserfronten blieb mir der Atem stocken. So etwas Beeindruckendes sieht man nicht alle Tage. Die Aussicht war überwältigend. Der Bus parkte dann im Port Authority. Das ist ein großer Busbahnhof für Nah- und Fernbusse. Von dort aus fragten wir uns zum Hotel durch. Nach dem wir unser Zimmer bezogen hatten, wollten wir etwas Essen gehen. Da Kevin und ich sehr erschöpft waren, entschieden wir uns im Hotelrestaurant zu speisen. Aber anstatt ins Lokal zu gehen, platzten wir in den Baalsaal des Hotels. Dort fand gerade ein großes Pokerturnier statt. Kevin und ich stolperten zwischen den vielen Tischen umher und blickten uns ratlos um. Ein stämmiger Mann im weißen Anzug fragte uns höflich, ob wir mitspielen wollten. Kevin sagte: “No thanks, we’re just looking for the restaurant.” Der Herr im weißen Samt musste kichern und erwiderte: “Go back to the Lobby, then turn left and you will find “Big Apple” the Hotelrestaurant.” Auf dem Weg fragte ich, ob Kevin Pokern könne. “Poker lernen ist nicht schwer.”, führte er aus. Im Internet und auch im Stadtclub hätte er schon ein paar Erfahrungen gemacht, aber seine Kenntnisse würden ganz sicher nicht für die Pokertische hier im Hotel ausreichen. Wir lachten herzlich und erreichten ohne weitere Schwierigkeiten das Restaurant. Nach Cola, Steak mit Pommes und einem leckeren Eis, fielen wir aufs Bett. “Sollen wir Mutter anrufen?”, fragte ich Kevin? “Was? Die schläft doch jetzt längst! Schau mal auf die Uhr.” Kevin hatte Recht, es war sehr spät geworden. Aber eines hatte er nicht bedacht. “Es ist in New York jetzt Nacht, in Deutschland aber ist es jetzt früh morgens. Sie wird vermutlich schon auf sein, Lena und Henning Frühstück zu machen.”, antworte ich. Mutter freute sich sehr unsere Stimme zu hören. Wie ich es vermutete, war sie eben erst aufgestanden und kochte Kaffee. Wir versprachen ihr, auf uns aufzupassen und der Familie schöne Souvenirs mit zu bringen. Erschöpft, aber glücklich vielen wir ins Bett. In Gedanken an den morgigen Tag und die vielen kommenden Abenteuer in New York schlief ich ein. Im Traum verarbeitete ich noch einmal die Erlebnisse der letzten Stunden. Das Abenteuer New York hatte begonnen und am nächsten Tag sollte es fortgesetzt werden…
Von Blank am
21. November 2009 veröffentlicht
Ein Hund wird krank oder von einem Auto angefahren – eine Horrorvorstellung für jeden den Hundebesitzer ist es dann, wenn er nicht genügend finanzielle Reserven hat für seinen Hund zu sorgen, sprich dafür zu sorgen, dass dieser eine optimale ärztliche Versorgung beim Tierarzt oder in einer Tierklinik erhält. So in etwa denke ich jetzt auch, seitdem Snogie und ich eines Tages einfach nur spazieren gehen wollten. Ich wollte am Sonntag mit dem kleinen Vierbeiner einfach mal in den Wald und dort entspannen. Als sich Snogie einige Meter entfernte und nicht zurückkam, machte ich mir tierische Sorgen. Ich suchte den ganzen Wald ab und fand ihn schließlich wimmernd in ein kleines Loch. Glück im Unglück war nur sein Bein gebrochen. Die Arztkosten waren jedoch weit über 400,00 Euro nicht gerade günstig. Mein Arzt machte mich über einen Hundekrankenversichergsvergleich aufmerksam, denn man einfach und bequem im Internet ausführen kann. Hätte ich das vorher gewusst, wäre ich nun einige hundert Euro reicher. Aber wichtiger ist, dass es Snogie gut geht!
Von bahnbilder am
3. November 2009 veröffentlicht
Es begab sich heute, dass ich mit der Eisenbahn in die Stadt fahren wollte. Zunächst musste ich dafür den Bahnhof erreichen, um eine Fahrkarte zu erwerben. Erschreckt stellte ich fest, dass es keinen klassischen Fahrkartenverkäufer, sondern nur noch einen Automaten gibt. Da ich allerdings in elektrischen Dingen sehr bewandert bin, ging ich frohen Mutes zum Automaten, um meine Bestellung aufzugeben. Zunächst schien alles einfach zu gehen, doch meine belgische 1-Euro-Münze wollte der Automat nicht haben. Da half alles zetern nicht, ich probierte und probierte es immer wieder. Schon bildete sich eine Schlange hinter mir, vor lauter Nervosität fing ich an zu zittern. “Wir müssen doch unseren Zug kriegen”, hieß es aus der Menge. Das war zu viel des Guten. Ich nahm all meine Münzen, schmiss sie wütend weg und rannte davon. Das nächste Mal zahle ich mit EC-Karte.
Von gauer am
2. November 2009 veröffentlicht
Es ist Donnerstagabend. Erschöpft komme ich nach Hause. Der lange Arbeitstag fordert seinen Tribut. Schon seit Tagen denke ich an den Match des Stadtclubs, der an diesem Abend stattfindet. Es geht um den Verbleib in der obersten Spielklasse.
Ich mache mich also auf den Weg zum Ort des Geschehens. Bin spät dran. Der letzte Matchbesuch liegt bereits ein Jahr zurück und so weiss ich nichts mehr von einer Sektoreneiteilung. Also laufe ich zum Haupteingang, schnappe mir ein Ticket, und begebe mich zur Fantribüne längs des Spielfeldes. Securitas stehen gelangweilt vor einer Gittertür. Als ich die Hand an den Griff lege, werde ich angesprochen. Sofort zücke ich mein Ticket. Es ist in diesem Augenblick meine Legitimation gegen die Türwächter. Das sei der falsche Sektor, und hier dürfe ich nicht rein, bekomme ich zur Antwort. Mir dämmerts! Sektoreneinteilung als präventive Massnahme gegen Fans, die nicht nur den Sprechgesang in der Kehle haben, sondern auch das destruktive Mittel in der Hand. Schlussendlich lassen sie mich rein. Habe also doch nicht den Schein eines Hooligan.
Ich mach mich zuerst zum Bier- und Wurststand auf. Stadiongemäss verpflegt begebe ich mich zur Tribüne. Die Heimmannschaft ist prächtig in Form und spielt den Gegner schwindlig. Am Schluss stehts 6:1. Als ich da so sitze, betrachte ich meine Umgebung.
Fussballfeste haben so ihre eigenen Regeln. Es ist nicht erkennbar, welcher Zuschauer welchem Beruf angehört. Auch an der Körpersprache lässt sich nichts zur Schubladisierung erkennen. Eine bestimmte Verhaltensweise fiel mir jedoch auf. Man guckt
verhalten um sich und wirft dann den Abfall kunstgerecht dorthin wo ein Spalt klafft, zwischen die Stufen und somit auf den Boden. Jetzt sieht man den Abfall nicht mehr, er ist im grössten Kübel entsorgt.
Oder ich muss an jenen Mann denken, der in unserem Fansektor zuerst die gute Leistung des Gegners mit einem leisen Räuspern quittiert, dann seine Mannschaft verhalten anfeuert und schliesslich in unerhörten Jubel ausbricht. Er wird von mir klar aufgefordert, gefälligst in seinen Sektor zu gehen. Worauf ich umgehend von Dritten rechts über mir in die Schranken gewiesen werde. Es gilt also auch hier die Regel, trotz Sektoreneinteilung darf jeder dorthin stehen, wo es ihm beliebt. Das einzige Hindernis sind die Securitas. Aber die drücken ja auch mal ein
Auge zu, wie man gesehen hat. Meine Seele ist befriedigt. Ich habe das bekommen was ich suchte. Ein gutes Spiel, ein Bier und eine Wurst und jede Menge interessanter Leute.
j.home
Von Miss-BH am
17. September 2009 veröffentlicht
Meine kleine Kurzgeschichte beginnt an einem sonnigen Samstagmorgen. Ich bin noch am frühstücken und meine Freundin klingelt gerade an der Tür. „So früh?“ rief ich ihr zu und öffnete dabei die Tür. Sie grinste mich an und kam herein. Sie setzte sich noch kurz zu mir an den Frühstückstisch. Als ich fertig war ging ich mich schnell umziehen. Einfach schnell den auf dem Boden liegenden Passionata Dessous angezogen, Madonna top, Jeans, Socken und los geht’s.
Wir machten unsere monatliche Shopping-Tour durch die Stadt. Wir klapperten alle große Geschäfte der Stadt ab. In dem einen gab es so viele tolle BHs. Die Hälfte unserer Einkäufe waren BHs, Dessous, also allgemein gesagt Unterwäsche.
Es hat tierischen Spaß gemacht mit ihr. Leider habe ich erst die Wochen danach bemerkt, dass die BHs die wir gekauft haben mir gar nicht richtig passen. Fast alle BHs drückten oder zwickten irgendwo oder waren zu groß oder zu klein
Wir waren wohl so in Shopping-Extase, dass uns das beim Anprobieren gar nicht aufgefallen ist… Naja aber zum Glück ist eine Freundin von uns Schneiderin. Sie hat uns dann zumindestens ein paar BHs retten können und sie uns zurechtgeschneidert. Es hat uns zwar im Endeffekt ein bisschen geärgert, aber ein lustiges Erlebnis war es trotzdem.
Von emmanuel am
10. September 2009 veröffentlicht
Ich wache auf, mir schmerzt der Kopf, ich greife mir auf den selbigen, spüre eine Beule, ich rolle aus dem Bett, schleppe mich ins Bad, stecke den Kopf ins Waschbecken.
Ich blicke in den Spiegel, ein unglücklicher armer Tropf schaut mich an, ich habe Mitleid mit ihm, hasse mich dafür was ich ihm antue.
Gestern ist nicht mehr, war gestern überhaupt? Ich weiß es nicht, meine Erinnerung daran ist verloren.
Ich kotze in die Toilette, der Anblick läßt mich erneut erbrechen, welches Arschloch hat mir das angetan, das war ICH.
Mein Kopf bleibt am Rand der Kloschüssel liegen, ich denke nach, ich denke an Erbrochenes, Schmerz, Leid und den Tod.
ICH WILL NICHT MEHR! ICH KANN NICHT MEHR! WARUM? FUCK! ICH HABS SATT! WAS SOLL DAS
ALLES!?!
Am liebsten würde ich so liegen bleiben, es ist nicht angenehm aber der Gedanke an körperliche Anstrengung läßt mich verharren.
Es wird erträglicher, angenehm, ich schlafe ein, Wolken, Sahne und Erdbeertraum.
Es knallt, ich reiße den Kopf in die Höhe, blicke mitten ins Klo und kotze.
Das Leben ist Dreck, nicht wert gelebt zu werden, mein Leben ist Dreck, mein Leben ist nicht wert gelebt zu werden. ICH HASSE ES; ich hasse alles,
ICH HASSE, dieses Bad, die mit Kotze verschmierte Kloschüssel, meinen gottverdammten Kopf der mir diese höllischen Schmerzen zufügt.
Ein glückliches EEEEEMMMMAAAANNNUUUEEEELLLL reißt mich aus meiner Untergangsstimmung, mein Name, gepaart mit diesem verdammten glücklichen Unterton bringt mich erneut zum kotzen.
Die Badezimmertür geht auf, ich erwarte das schlimmste, meine Ex-Freundin steht bekleidet mit meiner Boxershorts in der Tür, eigentlich sollte ich kotzen, doch leider ist mein Magen mittlerweile leer und nur noch Galle läuft mir übers Kinn.
Sie gibt mir einen Kuß, ich ekel mich an ihrer Stelle vor mir.
Mit angsterfüllter Stimme frage ich sie ob ich sie gefickt habe, bzw. ob wir liebe gemacht haben, sie lächelt mich an, ich hasse dieses Lächeln, nein geschlafen haben wir nicht miteinander, aber du hast mir gesagt wie sehr du mich liebst.
Mein Kopf schreit, ich blicke nur blöd,
Verhurte Drogen, verdammte Glückshormone…..
Ich bitte sie darum mir Badewasser einzulassen, frohlockend hüpfelt sie durchs Bad, öffnet den Hahn, gibt Badeschaum dazu und verläßt tänzelnden Schrittes das Bad und verspricht mir ein Frühstück, tolle Frau, ich hasse sie.
Ich schaffe es meinen Kopf von der Kloschüssel zu manövrieren, jedoch nur mit dem Erfolg das dieser auf den Badezimmerboden aufschlägt.
Ich schwimme in einem See, um mich herum wachsen tropische
Früchte, ein klarer Wasserfall ergießt sich über meinem Kopf.
Ich schnappe nach Luft, das heiße Badewasser plätschert auf mich ein, der Schaum brennt in meinen Augen, ich raffe mich auf, bekomme den Hahn zu fassen.
Ich verliere das Gleichgewicht, stürze in die Wanne, tauche kopfüber ein, meine Beine hängen aus der Wanne.
Nun, das war’s, in einer Badewanne mit rosa Schaum, nach Himbeeren duftend, den Kopf unter Wasser, den Arsch in der Höhe, so verrecke ich nun also.
Heilige Maria Mutter Gottes, Jesus Christus, Vater im Himmel, heiliger Geist und Weihnachtsmann, vergebt mir meine Sünden!
Gottverdammter Scheißfuck, mir sind meine Sünden egal, Himmel gibt es keinen und in der Hölle war ich schon.
Ich nehme einen tiefen Schluck Himbeerschaumwasser, und blicke heroisch, mit dem Arsch in der Luft dem Tod entgegen.
Auf einmal spüre ich einen Zug an meinen Füssen, meine Freundin, Exfreundin, zieht mich an den Beinen aus der Wanne heraus, ich klatsche wie ein toter Fisch auf den nassen Boden, sie weint.
ich liebe sie,
ICH HASSE MICH.
Von admin am
9. September 2009 veröffentlicht
Autor: Alex Koob
Veröffentlicht: workablogic.de
Diese Kurzgeschichte ist Teil einer Serie:
- Wenn der Postmann 2x klingelt
- Messer, Gabel, Schere, Licht, ist für diese Frisöse nicht
“Pfui Taxi, pfui!” Mein Hund hat irgendwie die Angewohnheit am liebsten gegen die Mauer unseres Nachbarwohnhauses zu machen. Es ist ja verständlich dass er den Druck sofort mal abbauen will sobald wir bei uns aus dem Haus sind aber muss es denn immer direkt an der nächstbesten Wohnhausmauer sein? Wie sieht das denn aus? Dann wird doch wieder sofort getuschelt: “Ah hier, die Frau Soundso, die läßt Ihren Hund wieder überall seine Geschäfte verrichten.” Es wäre ja nicht zum ersten Mal wo ich von einem Nachbarn bei der Gemeinde angeschwärzt werden würde. Jetzt kommt auch noch der Briefträger um die Ecke gefahren. “Taxi, komm weiter, komm…” und ich zwinker ganz verrucht meinem Lieblingspostboten entgegen. Ich wette ich komme gut bei dem an.
Voller Selbstbewusstsein stolziere ich also weiter den Bürgersteig entlang und sehe am Kirchenturm dass es bereits 8:27 ist. Bald muss ich also wieder zur Wohnung umkehren damit ich auch pünktlich um 9Uhr im Frisörladen stehe. Nicht dass es wieder einen Rüffel von der Chefin gibt.
Och man, Chefin… was wäre ich gerne selbst meine eigene Chefin, hätte meinen eigenen Frisörsalon und könnte den mal so richtig peppig einrichten wie es mir gerade gefällt. Nicht alles so grau in grau und langweilig wie es bei meiner Chefin der Fall ist. Aber nun gut… mein eigener Frisörsalon ist vermutlich noch Lichtjahre entfernt, 9Uhr allerdings rückt immer näher und somit heißt es bald wieder: Schnipp, Schnapp!
Auf der Arbeit angekommen bin ich zuerstmal froh dass es noch recht ruhig ist. Nicht nur von den Kunden her, sondern auch die anderen Frisösen sind noch nicht vollzählig erschienen und somit ist es um einiges ruhiger als wenn 4 Tratschweiber auf einem Haufen sind. Ich habe natürlich nichts gegen eine solche Kaffeekränzchen-Atmosphäre aber morgens früh kann es gerne etwas ruhiger zugehen.
Die ersten Kunden sind bereits überstanden. Einer Hausfrau aus der Gegend habe ich eine Dauerwelle verpasst, einem dicklichen Taxifahrer sein graues Haar mit neuer Farbe vertuscht und ich durfte sogar einem Piloten die Haare stutzen. Aufregend, aufregend. Nicht was sie jetzt denken, sondern seine Arbeit. Was muss es toll sein über den Wolken zu schweben…
Meine Chefin ruft mich mit ihrer schrillen Stimme allerdings wieder schnell auf den Boden der Tatsachen zurück, der nächste Kunde steht an. Oder besser, die nächste Kundin. Eine liebenswerte Omi, auf den ersten Blick.
Hier die Haare gestutzt, dort wieder ein bisschen Farbe in die Haare gebracht und zack unter die Haube. Während die alte Dame also nun gemütlich Zeitung liest und die Haube ihre Arbeit verrichtet, kümmere ich mich um einen Jungen im Teenager Alter, der mir das Leben sehr einfach macht. “Einmal bitte rundum auf 10mm gestutzt” sagte der kleine Mann. Wow, sogar ein Bitte habe ich gerade bekommen. Da soll mal einer sagen die Jugend von heute wäre nicht mehr das was sie mal war?!
Ich habe also mal alles mit der Schere schon etwas ausgedünnt und kurzgeschnitten ehe ich die Haarschneidemaschine ansetze, alles bis auf 10mm abrasiert habe und vor lauter Rasieren habe ich doch glatt unsere liebe Omi vergessen, die mittlerweile fast unter der Haube dahin geschmolzen wäre, wäre sie nicht so tief in Ihre Zeitschriften versunken. Es roch sogar schon etwas komisch aus ihrer Gegend, ob es aber nun der Apparat oder doch schon ihre Haare sind, sei mal lieber dahin gestellt. Nur gut dass die älteren Mitmenschen wohl nicht mehr den besten Riecher haben und gottseidank fiel der guten Dame mein Malheur auch nicht auf und als die geschätzte 80jährige den Salon verlassen hatte, musste ich erst einmal gut durchpusten. Uffh, nichts passiert.
Ordentliches Trinkgeld bekam ich ebenfalls von ihr – danke gnädige Frau. Bestimmt war sie froh dass ich ihr mehr als genügend Zeit gegeben hatte um die Klatsch&Tratsch Zeitschriften in Ruhe fertig zu lesen.
Nun ging es auch schon zielsicher in Richtung Feierabend und dort wartet mein kleiner Vierbeiner auch sicherlich schon auf seine nächste Portion im Fressnapf. Vielleicht lache ich mir ja auch mal endlich wieder einen Zweibeiner an, doch vom Letzten ist halt nur der kleine Taxi geblieben. Meinem Ex selbst, dem waren seine Tüfteleien und sein Tuning an seinem Manta halt wichtiger als ich und somit war dieser Lebensabschnitt auch wieder schnell beendet.