Short Story

Kurzgeschichten mit Links

Archiv der Kategorie ‘Fantasy’

Dragomir der Held

Von martita am 20. Oktober 2011 veröffentlicht

Es war einmal ein kleiner Held, der vor nichts Angst hatte und der jedem helfen wollte. Sein Name war Dragomir. Er war unsterblich und lebte über Generationen hinweg. Er war viel stärker als seine Kameraden, somit hat er sich von allen anderen unterschieden und er wurde in seiner Stadt durch verschiedene Rettungsaktionen berühmt. Als es zu Unfällen kam oder auch kleineren Einsätzen, war er immer bereit und zur Stelle. Ob eine Katze vom Baum zu retten, oder jemanden vom brennenden Haus zu retten, war für ihn kein Problem.

Doch mit der Zeit ging alles voran und mit der Entwicklung von verschiedenster Technik waren die Rettungsaktionen nicht mehr so einfach wie früher. Es gab jetzt Autos und andere Maschinen, die ein viel größeres Ausmaß an Schäden und Verletzungen mit sich gebracht haben. Dragomir war jetzt auch an die neueste Technik angewiesen und obwohl er unsterblich gewesen ist, musste er auf sie zurückgreifen. Dies hat ihm viel erleichtert, somit har er zum Beispiel bei einem Feuer einen feuerfesten Anzug getragen, eine Leiter oder ein Feuerwehrauto benutzt. Bei Autounfällen war die modernste Technik ebenfalls von Vorteil, denn ein Plasmaschneider konnte die Karosserie aufschneiden und den Verletzten schneller aus dem Auto zu bringen. Die Jahre verliefen und Dragomir war ein Held der Menschen noch über lange, lange Zeit bis etwas passierte, was niemand sich erdenken konnte. Bei einem Brandeinsatz wurde Dragomir natürlich gerufen und es sollte ein Tag wie immer sein. Der Held der Menschheit lief in das brennende Haus hinein um eine ältere Dame herauszuholen. Die Frau konnte er noch herausbringen, doch unerklärlicherweise ist Dragomir zurück in das Gebäude gerannt und kam nie wieder aus dem brennenden Haus heraus.

Niemand kann sich erklären was der Grund dafür war, und Dragomir wurde auch nie gefunden. Es scheint so, als ob er verschwunden wäre, doch man kann es nicht erklären. Es war der letzte Tag, an dem Dragomir gesehen wurde. Nichtsdestotrotz wird Dragomir in unseren Köpfen als der Held der gesamten Bevölkerung bleiben, weil er ein großes Herz über hunderte von Jahren hatte.

Der Sonnenfisch

Von Sharif am 24. Februar 2011 veröffentlicht

Daniel der Delphin trifft auf seiner Suche nach der perfekten Welle einen kleinen Fisch, der seinen Kopf aus dem Wasser heraus der Sonne entgegen streckt.„Wer bist Du? Hast Du Lust eine Tasse Rooibos Tee mit mir zu trinken? fragte Daniel, den hab ich in einem Teeshop gekauft.  Man nennt mich den Sonnenfisch erwiderte der Fisch. Was für ein lustiger Name, dachte Daniel. Was tust Du, Sonnenfisch? Nachts schlafe ich, und am Tage folge ich der Sonne. Seit ich lebe, versuche ich Tag für Tag, sie zu berühren, bisher leider ohne Erfolg. Aber ich weiß, dass ich es eines Tages schaffen werde. Ist das Dein Traum? fragte Daniel. Ja, sagte der Sonnenfisch. Ich habe immer davon geträumt zu erfahren, wie warm die Sonne wohl ist, wenn sie die ganze Welt am Leben erhält.Ich glaube nicht, dass es dir jemals gelingen wird, die Sonne zu berühren, sagte Daniel. Du bist dazu geboren im Meer zu leben, und wenn du es verlässt, wirst du bestimmt sterben. Jeden Morgen geht die Sonne am Horizont auf, ganz gleich, was ich tue, sagte der Sonnenfisch. Ich spüre ihre Wärme, und diese Wärme erinnert mich an meinen Traum. Was würdest du denn in meiner Lage tun? Würdest du deinen Traum aufgeben, oder würdest du weiter versuchen die Sonne zu berühren?Daniel konnte dieses wunderbare Geschöpf einfach nicht anlügen. Ich würde weiter versuchen die Sonne zu berühren, sagte er.Dann werde ich sterben, während ich versuche, meinen Traum zu verwirklichen, erwiderte der Sonnenfisch. – Das ist immer noch besser als zu sterben, ohne es überhaupt versucht zu haben.“

Leseprobe Illusionen der Macht

Von Stefan Lamboury am 2. Februar 2011 veröffentlicht

Cover

Leseprobe:

Im Tal der Chimären

 

Chain ritt weiter  Richtung Osten, vorbei an Bergen und Tälern, irgendjemand schien ihn zu beobachten, wie aus weiter Ferne. Aber wer war es? War es Zentusar? Chain glaubte nicht, dass es Zentusar war, weil das Gefühl ein anderes war, nicht wie das welches er bei Kaemrock gehabt hatte, es war zwar ein ähnliches Gefühl, aber trotzdem irgendwie anders. Er konnte es sich nicht erklären, aber irgendetwas war anders. Hatte jemand anderes das Auge des Bösen in seinen Besitz gebracht? Vielleicht sogar Alexa? Der Gedanke, dass sich die Herrin der Finsternis eventuell die magische Kugel geholt hatte, gefiel ihm nicht, denn mit Hilfe der Kugel, wäre es für sie ein leichtes herauszufinden, was er vor hatte. Und sie würde mit Sicherheit nicht einfach nur tatenlos zusehen, wie er sich die Ringe aneignete. Gegen Abend erreichte Chain das Tal der Chimären, die Berge sahen in der Tat so aus, als wären sie mit Schnee bedeckt. Die Vegetation in diesem Gebirge war wesentlich besser als im Tal der Drachen, es gab verschiedene Gräser, Pflanzen und Sträucher, auch Moos schoss zwischen einigen Felsspalten hervor. Als die Dunkelheit ihre Schwingen über das Land ausbreitete, erreichte Chain eine Höhle, die aussah als wäre sie direkt in den Fels gehauen worden. Das musste der Eingang sein, den Kaemrock bei ihrem Gespräch erwähnt hatte. Eine Augenblick überlegte Chain ob er bis zum nächsten Morgen warten sollte. Die Dunkelheit hätte den Vorteil, dass er für das Wesen, welches in dieser Höhle hauste nicht so leicht zu erkennen war, oder waren die Augen der Chimäre bei Dunkelheit genauso scharf wie bei Tageslicht? Vielleicht sogar noch schärfer? Chain entschied sich dafür, die Nacht hier in der Nähe zu verbringen und bei Tagesanbruch zu zuschlagen, da waren die Chancen wahrscheinlich ein wenig ausgeglichener. Nachdem er einen geeigneten Platz gefunden hatte, nahm er noch einen Schluck Wasser aus seiner Wasserflasche, gab seinem Hengst noch einen Schluck , reichte ihm ein paar Datteln und begab sich zur Ruhe. Am nächsten Morgen wurde Chain durch Vogelgezwitscher geweckt. Noch etwas verschlafen rieb er sich die Augen streckte seine Glieder und begab sich zu Shi. Chain nahm die letzten Datteln aus der Satteltasche und reichte sie ihm. Anschließend stieg er in den Sattel und begab sich langsam ins Innere der Höhle. Chain zog sein Schwert hervor, denn es war besser vorbereitet zu sein, falls es der Chimäre gelingen sollte sie zu überraschen. In der Höhle war es so finster, dass Chain nicht mal die Hand vor Augen sehen konnte. Shi begann zu schnaufen, ihm war die Höhle eben sowenig geheuer wie seinem Herrn. Vorsichtig drangen sie tiefer in die Höhle vor. Chain vernahm ein unheilvolles Knacken, es hörte sich an wie Knochen, die unter ihrem Gewicht zermalmt wurden. Plötzlich machte sich ein schauderhafte Gedanke in seinem Kopf breit. Handelte es sich dabei um menschliche Knochen? Vielleicht von Leuten die auf der Durchreise gewesen waren und der Höhle Schutz gesucht hatten? Hatte das Wesen welches hier hauste die Leute getötet? Oder waren es nur Knochen von Tieren? Plötzlich zerschnitt ein unheilvolles Brüllen die Stille, welches dem Krieger durch Mark und Bein fuhr. Irgendwo vor ihnen musste das Wesen sein, welches sie suchten. Das Herz schlug ihm bis zum Halse, wie lange würde es wohl dauern, bis sie dem Ungeheuer gegenüberstanden? Chain hatte den Gedanken gerade zu Ende gesponnen, da erklang erneut dieses Brüllen und es schien dieses Mal deutlich näher zu sein als noch vor ein paar Sekunden. Chain drang weiter ins Innere der Höhle, als er erneut das Fauchen dieses Wesens vernahm, es musste sich jetzt fast unmittelbar vor ihnen befinden. Es konnte nur noch eine Frage der Zeit sein, bis es vor ihren Augen auftauchen würde. Plötzlich kamen wie aus dem Nichts sechs leuchtende Augen in der Dunkelheit zum Vorschein.

amazon

Supermann und Laura Kent

Von Linus am 14. Januar 2011 veröffentlicht

Kennen Sie Supermann? Das ist der Mann mit den Superfähigkeiten. Sein bürgerlicher Name ist Clark Kent und er versteckt seine Identität hinter einer Brille! Bei dieser Tarnung überrascht es auch nicht, dass immer mehr Details aus seinem Privatleben durch die Klatschpresse an die Öffentlichkeit dringen.

Mit Aktionen, wie der Rettung der Welt vor Naturkatastrophen biblischen Ausmaßes, der Bändigung übermächtiger Bösewichter und der Abwehr außerirdischer Invasionen, hat er doch eine gewisse Berühmtheit erlangt. Daraufhin entstand natürlich eine gewisses mediales Interesse, aber auch Kunstschaffende und die Mode wurde auf den Helden aufmerksam.

Leider beginnt damit auch der Klatsch und Tratsch in sein Leben Einzug zu halten. Es wird jetzt gemutmaßt, dass seine langjährige Beziehung zu Lois Lane in die Brüche gegangen ist. Dies dürfte einige Anhänger von Supermann durchaus erschüttern. Die Gerüchte gehen sogar soweit, dass er mit seiner neuen Partnerin bereits fest liiert sein soll. Schnell Eheschließungen sind in Promikreisen ja durchaus Mode. Der Name der Neuen lautet Laura Kent.

Clark lernte seine zukünfte Laura Kent in einem Laden für Mode und Schmuck kennen. Das Modegeschäft wurde überfallen und es kam zu einer Geiselnahme. Laura musste ihm bei seiner Rettungsaktion aufgefallen sein. Vielleicht hat sie besonders laut geschrien oder sich besonders artig bedankt? Aber das ist eine andere Geschichte.

Der Elefant im Porzellanladen

Von Linus am 11. Januar 2011 veröffentlicht

Es war einmal ein kleiner weißer Elefant. Er war noch jung und hatte wenig Freunde. Die anderen Elefantenjungen wollten nicht mit ihm spielen. Sie waren es nicht gewohnt, dass er weiße Haut hatte. Oft hänselten sie, weil sie angst vor ihm hatten. Er war unglücklich.

Eines Tages, als er wiedermal alleine durch die Straßen wanderte ohne festes Ziel, nur mit der Absicht den anderen Elefantenjungen zu entfliehen und mit der stillen Hoffnung jemanden zu finden in dem er sich wiederfinden konnte, machte er eine neue Entdeckung. Während er gedankenverloren durch die Straßen trampelte, musste er wohl von seinen bekannten Pfaden abgekommen sein, denn er stand auf einmal in einer Straße in der er bisher noch nie gewesen war. Es eine kleine Nebenstraße und der Trubel der Hauptstraßen lässt sich hier nur noch durch ein dumpfes Hallen erahnen. Eigentlich recht unspektakulär wäre da nicht dieser eine Laden gewesen. Der kleine Elefant konnte gar nicht glauben was er dort erblickte. Am Eingang des kleinen Ladens hing ein Schild und auf diesem war ein kleiner weißer Elefant abgebildet.

Ungläubig staunend näherte er sich Schritt für Schritt dem Schaufenster, um herauszufinden was das denn für ein Laden sei, der einen weißen Elefanten auf dem Schild hat. Er richtete sich auf, so das er auf seinen Hinterläufen stand, und drückte seinen Rüssel gegen die Scheibe. Wow, dachte sich der kleine weiße Elefant. In dem Schaufenster erblickte er feinstes Porzellan. Teller, Tassen, Schüsseln – einfach alles was man sich vorstellen konnte. Alles war wunderschön verziert und strahlte im Licht der Scheinwerfer. Doch ein Schmuckstück überragte alles andere. Es war die Figur eines kleinen weißen Elefanten, welche so fein gearbeitet war, dass der kleine Elefant gar nicht glauben konnte, dass sich jemand soviel Mühe machte – nur wegen einem kleinen weißen Elefanten.

Genau in diesem Moment öffnete sich die Ladentür und ein älterer Herr mit flauschigem Bart trat aus der Tür. Der Mann war genauso erschrocken wie der kleine weiße Elefant. Beide sahen sich für sekunden worteringend an bis der Mann kurzerhand fragte, ob der kleine weiße Elefant denn ein echter weißer Elefant sei. Erstaunt über diese Frage zögerte der kleine Elefant kurz mit der Antwort, aber nickte dann umso heftiger. Der Mann bekam ein glückliches Lächeln ins Gesicht. Er streichelte den kleinen Elefanten und erzählte ihm davon wie besonders doch weiße Elefanten sind und für wie schön er diese seltenen Tiere hält. Deshalb hatte er auch diese wunderschöne Figur eines weißen Elefantens angefertigt.

Die beiden merkten schnell, dass der jeweils andere wohl der Freund war auf den jeder so lange gewartet hatte. Der Porzellanverkäufer bat den kleinen Elefanten in sein Versandhaus, um mit ihm bei einer Tasse Tee und Zuckergebäck über seine Karriere als Porzellanmodell zu sprechen.

Tanzende Klingen

Von E- sarinah am 18. Dezember 2010 veröffentlicht

Tanzende Klingen

Es ist dunkel doch der Mond, wirft ein gespenstisches Licht, auf die Szenerie wo zwei Menschen einander gegenüber stehen. Beide umkreisen sich mit erhobenen Klingen.Plötzlich stößt das Mädchen vor und ihr Degen pfeift durch die kühle Nachtluft. Erschrocken weicht er zurück, lauernd wartet er auf einen erneuten Angriff, der aber nicht kommt. Der Mann ergreift die Initiative und beschreibt mit seiner Waffe einen Bogen. Doch sein Angriff schlägt fehl, denn sie wirft den Kopf zurück und entgeht so seiner Klinge.

Ein kaltes lächeln erscheint auf ihren Lippen und er kann das Eis, dass wie silbernes funkeln wirkt, deutlich in ihren dunklen Augen lesen. Sie hebt abermals das Schwert, was aber sacht zittert, ob aus Kampflust oder Kälte kann er nicht erkennen. Ihr Atem geht schnell und sie musste zugeben, dass sie überrascht war, denn er hätte sie fast getroffen. Nebel lässt die unheimliche Umgebung noch dunkler erscheinen. Doch die Frau nutzt für sich und zieht sich zurück, denn sie wartet auf den richtigen Augenblick. Wenn er doch nur endlich angreifen würde und ihre Geduld nicht auf die probe stellen würde. Der Angriff kam so überraschend, dass sie der Klinge nicht mehr entgehen konnte. Sie schnitt in ihren Arm, durch ihr Fleisch bis auf den Knochen hinab, vor Verblüffung nimmt sie weder das Blut was ihren Arm hinunter läuft, noch den pochenden Schmerz war. Verwundert über seinen Treffer zieht er sich ans Ende der Arena zurück, aber die Klinge zu senken. Der Nebel wird dichter, und nimmt ihnen auch noch das letzte bisschen Sicht. Vom Nebel umgeben wartet und lauscht er auf ihre Schritte, auf die Klinge. Aber sie ist verletzt, denn er hat ihren wunden Punkt erwischt. Das schwarze T-Shirt klebt auf der Wunde, die sie sich durch ihre eigene Unachtsamkeit zugezogen hatte.

Sie musste sich auf die Lippe beißen und sich ganz auf ihren Gegner konzentrieren, denn sonst würde sie vor Schmerz nach Luft schnappen. Jäh durchdringt seine Stimme den Nebel:“ worauf wartest du? auf schönes Wetter.“ Er ist mehr als nur verblüfft, als ein leises lachen erklingt. Sie atmet noch mal tief durch und bewegt sich Schritt für Schritt vorwärts bis sie in der Mitte der Arena angekommen war. Er weis nicht, warum er plötzlich ihre Anwesenheit so stark wahrnimmt und er weis auch nicht woher die plötzliche Faszienation für ihr Wesen kommt.  Im Zickzackkurs bewegen sich beide durch den Dunst, ohne einander zu berühren, oder auch nur nahe zukommen. Jedenfalls sah es so aus, bis er plötzlich hinter ihr steht. Wie von unsichtbaren Fäden gezogen, legt er seine Hand genau auf ihre Wunde, scharf zieht sie die Luft ein und dreht sich um. Doch statt ihn anzugreifen, sieht sie nur in seine Bernstein Augen. Sie ist verwirrt von ihren Gefühlen und weicht zurück.

Der Mann folgt ihr aus dem Nebel, der fast ganz verschwunden ist und das Mondlicht wieder sichtbar werden lässt.  Das Schwert fällt zu Boden versinkt im Sand. Nun trennen sie nur noch weinige Schritte. Die schnell überbrückt werden, als sie sich im Kuss vereinen.

Die Shoppingfee

Von MJ am 4. November 2010 veröffentlicht

Rote Zahlen wohin das Auge blickt. An diesen Anblick hat sich Estelle schon lange gewöhnt. Sie kann sich kaum daran erinnern, ihren Kontostand einmal im Plus gesehen zu haben. Zu verführerisch die Verlockungen der Innenstadt, zu anziehend die Angebote der Internetshops. Kein Trend geht an Ihr vorüber, egal ob nun angesagte Clogs, teure Jeans oder ein schimmerndes Schmuckstück – Estelle kann ohne nicht leben. Doch als Studentin und ohne festes, geregeltes Einkommen ist es nicht einfach, mit dieser Shoppingsucht zu leben. Fast schon verzweifelt liegt die 23-Jährige daher auf der Couch und kontrolliert Kontoauszüge, Rechnungen und Belege. Aber egal wie man das Blatt auch wendet: So kann es nicht weiter gehen. Gefesselt von den vielen Zahlen überhört Estelle auch beinahe die Türglocke. Im letzten Moment erreicht sie daher erst den Postboten, der schon die erste Treppenstufe nach unten nehmen will. „Frau Moser, ein Paket für Sie“, trällert der stets gut gelaunte Postbote ihr Entgegen. Estelle unterschreibt schnell das elektronische Formular und legt das Päckchen zunächst bei Seite und widmet sich weiter ihrem Papierchaos, das Sie bis zum Abend beheben will. Schließlich haben sich ein paar Freunde zum Besuch angekündigt und die wollen höchst ungerne auf alten Rechnungen Platz nehmen.

In diesem Durcheinander vergisst Estelle daher auch zunächst das kleine Päckchen, das neben der Couch beinahe unter einem großen Haufen an Papier und Zetteln verschwindet. Erst ein Anruf ihrer Mutter ruft Estelle wieder die Postsendung vor Augen. Was hat ihre Mutter am Telefon gesagt? Ein Erbstück von Tante Josephine, der Verwandten, die Estelle nur einmal vor 15 Jahren begegnet ist und die danach zu einer Weltreise aufgebrochen ist, aus der sie nie wieder zurückkehrte? Hastig öffnet Estelle daher das Paket und hält schließlich ganz erstaunt eine Karaffe aus dunklem Glas in Händen, an der ein Zettel befestigt ist. „Nur im Notfall öffnen“ steht auf dem kleinen Stück Papier. „Na wenn das kein Notfall ist“, denkt sich Estelle und zieht den Verschluss aus der Karaffe. Ein Plopp und…..nichts! Vorsichtig blickt sie mit einem Auge ins Innere und erkennt dort….nichts. Immerhin was für die Fensterbank, denkt sich Estelle und lässt so verträumt beinahe die Karaffe aus der Hand fallen, als ein unerklärlicher Nebel aus der Öffnung empor steigt. Ein Flaschengeist erscheint aus diesem Dampf und lässt Estelle das Blut in den Adern gefrieren. Bevor Sie aber um Hilfe schreien kann, öffnet der Geist seinen Mund und spricht in einer hellen Frauenstimme. „Hallo Estelle, deine Großtante hat mir schon von dir erzählt. Ich bin eine Shoppingfee und kann deine Träume war werden lassen.“ „Ich sollte früher zu Bett gehen“, sagt Estelle leise zu sich selbst und reibt sich verwundert die Augen.

„Keine Sorge“, lacht die Shoppingfee. „Ich werde dir kein Leid zufügen.“ Du hast ab heute jeden Tag einen Einkaufswunsch frei. Du sagst mir, was du gerne möchtest und ich zaubere es dir herbei.“ Estelle glaubt nicht das, was sie da hört. Jeden Tag ein Wunsch? Jeden Tag ein paar neue Tops? Eine neue Tasche oder gar ein neues Auto? „Also, was ist dein erster Wunsch?“ „Wie wäre es mit einer neuen Winterjacke? Es ist schon kalt draußen.“ „Dein Wunsch sei mir Befehlt“, entgegnet die Fee und zaubert aus dem nichts einen wunderschönen Mantel hervor, der Estelle auf Anhieb passt. Ist das die Lösung für die Probleme der jungen Studentin?

Fortsetzung folgt…

Der Herr Der Ringe

Von coelho am 17. September 2010 veröffentlicht

Mittelerde. Das Land der Elben und der Zauberer sieht sich nach vielen Jahren plötzlich vor einer finsteren Bedrohung. Sauron, der grausame Herrscher von Mordor, ist zurückgekehrt und er sucht nach einem alten magischen Ring. Mit dessen Macht will er Mittelerde ins Dunkel stürzen. Er ahnt nicht, dass ein kleiner Halbling bereits den langen Weg auf sich genommen hat, diesen Plan zu durchkreuzen.

Schon im Kino hat die über neunstündige, oscarprämierte Filmtrilogie „Der Herr Der Ringe“ Fantasy- und Filmfans in höchste Euphorie versetzt. Unglaubliche Bilder, sagenhafte Schlachten und große Geschichten über uralte Elbenvölker und verfeindete Königreiche; Damit allein gelang Regisseur Peter Jackson („King Kong“) eine einzigartige Hommage an J.R.R. Tollkien, dem Erfinder dieser sagenhaften Welt.

Die Geschichte erzählt von fremdartigen Wesen und gigantischen Schlachten. Aber sie erzählt auch von der Treue wahrer Freunde und von schicksalsgeschlagenen Figuren. So erfährt man von der unmöglichen Liebe der Elbenfrau Arwen (Lif Tyler) und des innerlich zerrissenen Königssohns Aragorn (Viggo Mortensen), der am Ende höchsten Heldenmut beweist und endlich die verlorene Würde seines Vaters wiederherstellt. Obwohl der Film immer die Wichtigkeit von Hoffnung und Courage suggeriert, sackt er niemals in platte „Alles wird gut“-Attitüden ab. Nicht alle gutwilligen Charaktere bestehen auch die Feuerprobe oder erleben den Ausgang der Geschichte. Eben das macht, neben der hervorragenden Schauspielleistung, „Der Herr Der Ringe“ so tiefschürfend. Da verzeiht man ihm gerne auch die Überlänge. Eine Eins Plus mit Stern!

Weitere gute Fantasy Filme auf mojoba.de

Die Rune des Todes

Von runenleger am 21. Juli 2010 veröffentlicht

Es war vor vielen Hundert Jahren, als ein Krieger auszog, um seinen Stamm zu beschützen. Der Krieger war noch jung, doch in ihm brannte das Feuer des Kampfes schon eine Weile.
Sein gesamtes Leben hat er darauf gewartet, endlich in diese Schlacht ziehen zu dürfen. Es war ein Grollen, das ihn antrieb und das er ab dem Moment empfand, als vor mehr als zehn Jahren die leblosen Körper seines Vaters und seines Bruders von ihren Gefährten zurück ins Dorf gebracht wurden. Sie fielen einem feigen Hinterhalt der Wolfsmenschen zum Opfer.

Rune Eiwaz

Diese Überfälle gab es seit Geburt des jungen Kriegers. Sein Vater dachte einst, er könnte dem ein Ende bereiten. Die Runen hatten ihm diese Möglichkeit eröffnet und so zog das Familienoberhaupt gemeinsam mit anderen Waffengefährten durch die Wildnis, stets auf der Jagd nach kleineren Rudeln Wolfsmenschen. Eine kleine Zahl von ihnen waren für geübte Kämpfer mit richtigen Waffen und Rüstungen keine große Herausforderung. Doch diese klugen Tiere gingen allmählich zu einer neuen Taktik über. Anscheinend hatten sie erkannt, dass sie als Großrudel viel gefährlicher waren.
Es kostete die Nordkrieger viele Männer, bevor sie einsehen mussten, dass sie der Überzahl der Wolfsmenschen vorerst unterlegen waren. Sie zäunten sich ein und zogen sich zurück, verzichteten darauf, große Teile der Felder zu bewirtschaften. Es dauerte einige Jahre, bis sie sich wieder sammeln und ausrüsten konnten und der Nachwuchs ausreichend trainiert hatte, um eine Chance gegen diese Bestien zu haben. Der junge Krieger gehörte zur älteren Riege dieses Nachwuchses.

Sie spähten das Wolfsmenschenrudel seit Tagen aus und legten ihm einen Hinterhalt in einer Schlucht. Trotz ihrer Überzahl und der Unerfahrenheit vieler Nordkrieger gelang es den Wolfsmenschen nicht, sich zur Wehr zu setzen. Sie wurden von den Wurfpfeilen einfach aufgespießt oder von Armbrustbolzen hingerichtet, ohne dass sie ihre Zähne auch nur in einen Gegner reißen konnten. Die gut gezielten Speere und Bolzen schossen von oberhalb der Schlucht auf sie hinunter, was den meisten ein schnelles Ende bereitete. Die Überlebenden bekamen es mit den Äxten eines Trupps zu tun, zu denen auch der junge Krieger gehörte. Halb Mensch halb reißende Bestie, setzten sie sich bis zum Ende erbittert zur Wehr, obwohl sie keine Chance mehr hatten. In ihrem letzten verzweifelten Gejaule gab es weder Hoffnung mehr, noch Aufbegehren gegen das Schicksal. Der Sieg der Nordkrieger schien leicht, doch er war Ergebnis jahrelanger Übung. Disziplin gepaart mit geschulter Waffenkunst kamen bei vielen Kriegern zum ersten Mal zum Einsatz. Die Vorbereitungen waren erfolgreich, wie der Runenpriester es vorhergesagt hatte.

Der junge Krieger freute sich schon auf die Bewunderung seiner Verlobten. Er musste ihr versprechen in ganzen Stücken wieder zurückzukehren, doch mit einem derartigen Sieg kehrte es sich viel leichter Heim, anstatt als unterlegener und zerstreuter Haufen. Sie konnte stolz auf ihn sein. Sein persönliches Orakel, das sich der junge Krieger gerne mit den alten Runen seines Vaters legte, schien sich zu erfüllen. Dieses zeigte die Rune Othala, die Heimkehr, als er nach dem Ausgang der Schlacht fragte.
Hinter der Bergkuppe musste das Dorf erscheinen. Die Krieger vor ihm begannen auf einmal aufzustöhnen und zu laufen. Auf einen Schlag verwandelte sich die Siegesstimmung in Entsetzen. Schuld war das heimatliche Dorf. Auf den ersten Blick war zu erkennen, dass die Wolfsmenschen die Siedlung überfallen hatten. Die meisten Krieger waren nicht da, sondern stellten dem Feind eine Falle in der Schlucht. Sie wollten als größerer Trupp die nördliche Gegend endlich entscheidend säubern. Nun waren sie es, die in eine Falle dieser Bestien gelaufen sind. Sie haben ihre Siedlung ungeschützt gelassen und geglaubt, die Lage mit ihren Spähern unter Kontrolle zu haben.

Es folgten Tage der Trauer. Der junge Krieger wollte nicht einsehen, warum er Bruder, Vater und nun auch noch seine Verlobte an die Monster verloren haben sollte. Diesmal nicht. Er hatte vor, das Geschehene rückgängig zu machen und fragte den Runenpriester um Rat. Er wollte die Toten zurückholen.

Der Magier baute daraufhin eine Todesrune. Die Rune Eiwaz war darauf abgebildet. Er prophezeite dem Krieger, mit ihrer Hilfe ein Tor zwischen dem Jenseits und dem Diesseits zu reißen, wie einst Odin, der tagelang an dem Weltenbaum hin.
Der Krieger, ebenfalls in der Runenkunst und der Magie ein wenig bewandert, glaubte zu verstehen. Er kannte das Ritual, brauchte nur noch ein paar jener roter Beeren, die auf den Eiben wachsen. Wie das Schicksal es wollte, wurde seine Geliebte unter einer solchen Eibe vor wenigen Stunden begraben.

Unter dem Einfluss der Eibenfrüchte wartete der trauernde Krieger bis Mitternacht. Dann begann er mit dem Höhepunkt des Rituals. Er hatte vor seine Geliebte zurück ins Leben zu holen. Dazu musste er nur noch die Todesrune auf das Grab legen und sein Blut darauf tropfen lassen.
Es dauerte nicht lange, bis sie erschien. Sie stieg regelrecht aus der Eibe heraus. Obwohl gestern noch quicklebendig, schien sie aber blass und ausgezehrt wie ein Geist. Sie schwebte ein paar Handbreit über dem Friedhofsbogen. Der Krieger stand auf und versuchte sie zu umarmen. Vergebens, denn die beiden gehörten anderen Welten an. Sie waren einander nichts als Erscheinungen.
In dem Moment wusste der Krieger, das er mit der Todesrune gar nichts wiederherstellen konnte. Es ging nur darum, einander noch einmal zu sehen. Er wollte ihr seine Liebe und Treue bis in alle Zeit zu schwören, doch sie unterbrach ihn. Sie konnte von ihrem Ort aus in die weltliche Zukunft sehen und sagte ihm ein langes Leben, Liebe und viele Kinder mit einer anderen Frau voraus, die er in den nächsten Jahren kennenlernen sollte. Es war von einem anderen Land die Rede, das sicherer war und in dem die Menschen nicht von bösartigen Kreaturen bedroht wurden. Der Weg sollte innerhalb des nächsten Jahres gefunden werden. Er lag in südlicher Richtung.

Und so konnte die Rune des Todes doch noch ihre Bestimmung finden. Denn ohne diesen Hinweis hätten die Nordkrieger es nicht gewagt, weiter in den Süden zu ziehen. Was sie erwartete waren nicht Drachen und andere Ungeheuer, wie in den Sagen über diese Gegend, sondern ein wunderbares und wirtliches Land, das ihnen und einem anderen Stamm, der ebenfalls auf der Flucht vor den Wolfsbestien war, zu einer neuen Heimat wurde.
Der junge Krieger ging in die Geschichte des Stammes ein und sollte später noch Häuptling werden. Er konnte die Gefallenen, allen voran seine Verlobte, nicht aus dem Totenreich zurückholen, doch dafür die Lebenden zu einem Ort weisen, an dem sie ohne nennenswerte Gefahren gedeihen und sich vermehren konnten.

Im Zwielicht

Von admin am 14. August 2009 veröffentlicht

Autorin: Elke Meyer
Illustration:
Crossvalley Studio of Digital Art

PROLOGSTORY zu MOND DER UNSTERBLICHKEIT

Im ZwielichtAmber drehte gedankenverloren das Amulett zwischen ihren Fingern. Ihr Vater hatte ihr das Schmuckstück aus Schottland mitgebracht. Es bestand aus drei ineinander verschlungenen Kreisen, die von einer Lanze durchbohrt wurden und symbolisierte Avalon. Dem Träger versprach es magische Kräfte und Intuition.
Schottland – was würde sie dort erwarten?
Bei dem Gedanken an den bevorstehenden Umzug dorthin verspürte sie ein ungutes Gefühl. Und das hatte sie noch nie getrogen.
Amber betrachtete durch das geöffnete Fenster die silberne Mondsichel. Draußen herrschte absolute Stille, der Straßenlärm war verklungen, nur ein Hund jaulte in der Ferne. London schlief. Wenn sie doch auch nur die ersehnte Ruhe finden könnte.
Der Anhänger prickelte auf ihrer Haut.
Plötzlich hatte Amber das Gefühl, nicht mehr allein im Zimmer zu sein. Eine Gänsehaut breitete sich auf ihrem Rücken aus. Sie fuhr herum und sah zur Tür. Aber die war wie immer verschlossen.
Amber schüttelte lächelnd über sich selbst den Kopf.
Nur einen Wimpernschlag später schrak sie erneut zusammen. Hatte sie nicht eben zwei rot funkelnde Augen im Spiegel gesehen? Ausgemachter Blödsinn! Sie reagierte über, ihre Sinne spielten ihr einen Streich.
Dennoch starrte sie zu dem Spiegel hinüber. Auf seiner Oberfläche reflektierte die Mondsichel, rot wie Blut.
Rot wie Blut?
Amber schluckte, denn der Mond am Nachthimmel schimmerte silbrig, im Gegensatz zu seinem Abbild. Ihr Puls beschleunigte sich, als sie sich dem Spiegel näherte. Vorsichtig streckte sie eine Hand aus, um den roten Mond zu berühren. Das Amulett auf ihrem Dekolleté begann zu vibrieren und löste ein unangenehmes Brennen auf der Haut aus. Die glatte Oberfläche des Glases fühlte sich unter ihren Fingern vertraut an. In dem Moment, wo sie es berührte, zuckte ein Blitz aus dem Amulett, der sich in ihrem Körper entlud. Amber schwindelte, alles um sie herum begann sich zu drehen. Taumelnd kippte sie vornüber – auf den Spiegel zu. Als sie sich an ihm abstützen wollte, griff sie durch das Glas, als wäre es Wasser. Ein starker Sog erfasste sie und zog sie in den Spiegel hinein, bevor sie sich wehren konnte. Ein Strudel riss sie mit sich in tiefe Dunkelheit. Amber glaubte in ein Nichts zu stürzen, aus dem es kein Entrinnen mehr gab. Ihre Schreie blieben stumm. Verzweiflung stieg in ihr auf, sie wollte noch nicht sterben.
Unerwartet endete der Sog. Amber prallte auf harten Boden und schrie auf. Benommen blieb sie liegen. Hinter ihren Schläfen pochte es schmerzhaft. Es dauerte eine Weile, bis sie begriff, was mit ihr geschehen war. Sie lag auf steinigem Boden, der durch wenige Grasbüschel unterbrochen wurde.
Mühsam rappelte sie sich auf. Sie befand sich inmitten eines gewaltigen Steinkreises, meterhohe Pfeiler, die von Decksteinen überbrückt wurden, rahmten sie ein. Das Zentrum des Kreises bildete ein Menhir, in den eine Spirale gemeißelt worden war.
Über diesem Ort wölbte sich samtblauer Nachthimmel mit einem wahren Sternenmeer. Es war ein Ort des Friedens, voller Mystik und Energie.
Amber spürte die Kraft, die von diesem Ort ausging, wie feine Schwingungen auf ihrer Haut. Das Amulett pulsierte, als besäße es ein Herz.
Amber hatte schon von diesem Ort geträumt, vor langer Zeit, als sie noch ein Kind gewesen war. Es war ohne Zweifel der Steinkreis aus ihrem Traum – voller Energie und gleichzeitig bedrohlich.
Sie kniff sich in den Arm, in der Hoffnung, der Traum möge jetzt enden, doch nichts dergleichen geschah.
Eine Hand legte sich auf ihre Schulter. Amber fuhr herum und fand sich einer Frau gegenüber, die eine Art Tunika und darüber einen samtenen, scharlachroten Umhang trug. Ihr Gesicht war zeitlos schön, ihre Figur grazil. Sie besaß eine starke Aura, deren Schwingungen Amber wie feine Nadelstiche spüren konnte. Die Fremde lächelte freundlich.
„Wo bin ich hier?“, fragte Amber. „Und wie bin ich hierher gekommen? Eben noch habe ich vor dem Spiegel gestanden… das kann nur ein Traum sein.“
„Das ist kein Traum. Nur Auserwählten ist es erlaubt, diesen heiligen Ort zu betreten.“
„Ich bin keine Auserwählte. So was gibt es nicht. Wer sind Sie überhaupt?“
Die Frau legte ihr beruhigend eine Hand auf den Arm. Wärme durchflutete Ambers Körper. „Man nennt mich Lady oft the Lake. Und der Ort, an dem du dich befindest, heißt Avalon. Du trägst in dir viele Fragen, aber keine Antworten. Deshalb bist du an diesen Ort gekommen.“
In Ambers Kopf überschlugen sich die Gedanken. Avalon? Was redete diese Frau da? Dieser Ort gehörte zu einer Legende. Den hatte es nie gegeben.
„Welche Fragen? Und welche Antworten? Und wie bin ich hierher gekommen?“
Die Fremde lächelte wissend. „Durch Magie. Wie du deine Chance hier nutzt, liegt bei dir. Es war nur meine Aufgabe, dich zu empfangen.“ Die Fremde drehte sich um und deutete auf den Menhir im Zentrum des Steinkreises. „Dort steht der Kelch des ewigen Wissens. Wenn du aus ihm trinkst, wird das Orakel dir Antworten geben. Nur die Mutigen bieten dem Schicksal die Stirn. Danach kehrst du in deine Welt zurück. Aber die Erinnerungen an diesen heiligen Ort werden gelöscht. Ich muss jetzt gehen.“
„Nein! Halt! Warte! Du kannst mich doch nicht einfach im Stich lassen.“ Amber versuchte den Arm der Fremden zu umfassen, aber sie griff hindurch. Die Erscheinung war ein Geist, was das flaue Gefühl in Ambers Magen verstärkte.
„Vertraue dem Orakel und deinen Kräften!“
„Na, toll. Welche Kräfte denn? Bleib bitte hier. Ich will so schnell wie möglich in meine Welt zurück, und ich bin sicher, das schaffe ich nur durch dich.“
Amber fühlte sich hilflos wie nie zuvor, als sich die Fremde wortlos umdrehte und mit dem Menhir verschmolz.
Bravo, Amber! Superidee! Warum musstest du auch den Spiegel berühren? Jetzt hängst du hier fest.
Mutlos sank sie auf den Boden und lehnte den Rücken an den Menhir. Das konnte doch alles nicht wahr sein, das musste ein Traum sein. Sie warf einen Blick auf ihre Armbanduhr, aber das verflixte Ding war stehen geblieben.
Amber sah zu dem goldenen Kelch, der als stumme Aufforderung auf dem Menhir stand. Grübelnd kaute sie auf ihrer Unterlippe. Ach, sie wollte nichts Schicksalhaftes erfahren, sondern nur zurückkehren.
Doch die Versuchung war zu groß. Nur einen kleinen Schluck wollte sie kosten. Amber stand auf und ergriff den metallenen Kelch. Sie drehte ihn in der Hand. Den Rand zierte das gleiche Symbol wie ihr Amulett. Der Anhänger auf ihrer Brust pulsierte noch stärker.
Die Flüssigkeit in dem Kelch war klar und schimmerte rosa. Amber schnupperte daran, es roch nach nichts. Vorsichtig nippte sie. Es schmeckte wie Wasser. Das beruhigte sie. Sie wurde mutiger und nahm einen großen Schluck.
Den Kelch noch immer in der Hand haltend, wartete sie gespannt darauf, was geschehen würde. Sie hatte etwas Spektakuläres erwartet, doch nichts passierte. Amber war enttäuscht. Als sie das kostbare Gefäß zurückstellen wollte, stutzte sie. Ein süßlicher, metallischer Geruch,der Übelkeit verursachte, stieg ihr in die Nase. Das Wasser hatte sich in Blut verwandelt. Vom Ekel gepackt, warf Amber den Kelch in hohem Bogen von sich.
„Verdammt, ich will aus diesem Traum aufwachen.“, stieß sie hervor. Wohl auch um ihr aufsteigende Angst zu bekämpfen.
Starker Wind kam auf und trieb die Wolken zusammen. Über Amber braute sich ein Unwetter zusammen. Sie suchte unter einem der riesigen Steine Schutz und blickte zum Himmel auf.
„Sei bereit“, säuselten Stimmen im Wind.
Die Wolken gaben die rote Mondsichel wieder frei, deren Licht den Menhir beleuchtete. Aus der Spirale daruf sickerte eine rote Flüssigkeit: Der Menhir blutete.
Zitternd wich Amber zurück.
„Es ist sein Blut“, hörte sie wieder ein Flüstern.
Laute Stimmen schallten von dem Hügel hinter dem Steinkreis zu Amber herüber.
Krieger mit gezückten Schwertern stürmten den Hügel hinunter. Sie wirkten in ihrer knielangen Tunika und dem darüber geschlungenen Brat wie aus einem Kinofilm.
Ihr Anführer war ein blonder Hüne. Neben ihm ritt eine Gestalt in weißer Kutte, deren Gesicht unter einer Kapuze verborgen war. Dem kleinen Heer folgte dicht eine größere Anzahl Krieger mit Eisenhelmen und Kettenhemden. Amber verbarg sich hinter dem Menhir und beobachtete das Kampfgeschehen. Die Eleganz und Kühnheit, mit der der Hüne das Schwert gegen seine Feinde schwang, faszinierte sie. Unerschrocken tötete er jeden, der sich ihm in den Weg stellte. In Aussehen und Geschmeidigkeit verglich Amber ihn mit dem Halbgott Achill, der in der Schlacht um Troja gestritten hatte. Und dieser Krieger hier kämpfte nicht nur wie der Grieche, sondern sah auch aus wie ein Gott. Amber hörte die Schreie der Sterbenden und erschauerte. Fast sah es so aus, als verlöre das Heer des beeindruckenden Anführers. Da hob die Gestalt in der weißen Kutte den Arm.
Das Kreischen, das augenblicklich am Himmel erscholl, ging Amber durch Mark und Bein. Es stammte von einer Armada geflügelter Gestalten, menschliche Körper mit dämonischen Fratzen. Aus deren rotglühenden Augen sprach die pure Mordlust. Die Kreaturen stürzten sich auf die Krieger mit den Eisenhelmen, packten sie im Nacken und gruben ihre langen, spitzen Zähne in deren Kehlen.
Amber wollte den Blick abwenden, die Augen schließen, aber ihr Körper gehorchte ihr nicht.
Der weiße Kuttenträger sprang vom Pferd, beugte sich über einen Sterbenden und versenkte seine Zähne in dessen Fleisch. Gierig saugte er das Blut aus dem schlaffen Leib des Kriegers. Amber konnte den Anblick nicht ertragen. Alles begann sich um sie zu drehen.
Da ritt die Gestalt in Weiß direkt auf sie zu. Ambers Puls begann zu rasen, als sie sich weiter in den Schutz des Menhirs kauerte. Eine plötzliche Kälte hüllte sie ein, wie der Hauch des Todes. In Panik sprang Amber auf, um zu fliehen. Doch die Kuttengestalt versperrte ihr den Weg. Aus der Kapuzenhöhle funkelten rote bösartige Augen. Die Hände der Gestalt gehörten einer Frau und schienen seltsam vertraut.
Das Amulett auf Ambers Brust glühte. Wie gelähmt starrte sie die seltsame Gestalt an, in der Erwartung, dass diese sich auf sie stürzen werde, um auch ihr Blut zu trinken. Stattdessen zog die Frau die Kapuze vom Kopf.
Als Amber das Gesicht erkannte, taumelte sie rückwärts. Sie glaubte in einen Spiegel zu sehen!
„Ich bin dein dunkles Ich, das dich verzehrt“, flüsterte ihr Spiegelbild und grinste hämisch.
„Nein!“, rief Amber aus und hob abwehrend die Hände.
„Die dunkle Seite deiner Seele wird deine lichte Hälfte besiegen, bis deine Seele ihm gehört.“ Sie streckte den Arm aus und deutete auf den Hünen, der ihr jetzt das Bluttrinken gleichtat.
„Niemals!“, rief Amber aus.
„Das ist dein Schicksal.“ Die Fremde warf den Kopf in den Nacken und lachte. Ambers Hand tastete nach dem Amulett, als böte es ihr Schutz. Wenn sie doch nur in Ohnmacht fiele, oder der Alptraum ein Ende nähme!
Ihr Spiegelbild trat auf sie zu, riss ihr die Kette mit dem Amulett vom Hals und schleuderte es fort. Amber fühlte das Blut, das aus ihrer Halsbeuge sickerte, in die sich die Kette geschnitten hatte. Die eisigen Hände der Fremden legten sich auf Ambers brennendes Dekolleté.
Amber spürte, wie sich ihr Herzschlag verlangsamte und die Lebenskraft aus ihr wich. Als ihre Beine einknickten, fühlte sie sich dem Tod nahe. Da riss sie etwas mit aller Kraft zurück, bis sie in tiefer Dunkelheit versank.

Ein Knall schreckte Amber auf. Sie blinzelte und erkannte unzählige Glassplitter, die durch die Luft wirbelten.
Der Spiegel war zersprungen.
Erleichtert atmete sie auf, sie hatte nur geträumt. Ihre Finger tasteten über die brennenden Stellen an ihrem Hals. Amber erschrak, denn die Kette war fort – und als sie ihre Hand zurücknahm klebte Blut an ihren Fingerkuppen.