Short Story

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Archiv der Kategorie ‘Humor’

Peters großes Abenteuer Teil 2

Von Giro am 22. Juni 2012 veröffentlicht

Nachdem Peter einen Überfall auf die örtliche Sparkasse vereitelt hat (Peter großes Abenteuer) ist es ruhiger um ihn geworden. Die Tageszeitungen hatten 2 volle Tage im Regionalteil über ihn berichtet und nachdem er in seiner DOS Community sogar auf den Vorfall angesprochen wurde, ebbte die Welle der Begeisterung schnell wieder ab.

“So ist das mit Lichtgestallten” seufzt er gedankenverloren “Ruhm ist in der wirklichen Welt nicht von Dauer”. In WOW und anderen Onlinefantasyspektakeln gibt es immerhin Erfahrungspunkte, die gespeichert werden.

Über den Teamspeak raunzt ihm Giselde32xtgo an doch die Gilde im Kampf mit dem Drachen zu unterstützen “Feuer Digga, feuer!” dringt die schrille Stimme über sein Headseat in sein Ohr.

Dann kracht´s und der Drache segnet das Zeitliche nach einigen Minuten Dauerbeschuss. Schon ist es mit der Teamarbeit vorbei und alle stürzen sich auf die Schätze, die der digitale Drache hinterlassen hat. Peter nimmt teilnahmelos seine Brille ab und reibt sich die Augen. Es muss sich in seinem Leben etwas ändern. Seinen  täglichen Colakonsum hat er bereits von 12 auf 7 Liter senken können, dies soll ihm auch mit seinem Leben gelingen.

Peter atmet tief durch und drückt sich aus seinem großen Schreibtischstuhl nach oben und steht aufrecht. Jetzt schnuppert er sie, die Luft des Erfolges.

Peter sucht ein kostenloses Geschäftskonto . Nur das fehlt ihm noch zu seinem Glück. Immer, wenn er sich langweilt, was in den letzten Jahren relativ oft vorkam, hat Peter an einen Virus gearbeitet. Dieser Super Virus soll bestehende Server dauerhaft lahmlegen. In der DOS Community wurde er bereits auf sein Projekt angesprochen und hat von einigen Asiaten hohe Summen geboten bekommen. Die Summe will er jedoch nicht auf sein Privatkonto überweisen lassen, sondern sucht eben dafür ein Geschäftskonto. Ein Namen ist ihn für sein Unternehmen bereits eingefallen. Zusammengesetzt aus seinem Vornamen Peter und dem Geschäftszweck “Virus” kam er auf die “Petrus AG”. “Ich haben Viren und vieles mehr” soll der Werbeslogan sein, den er sich schon auf einige XXXL T-Shirts gedruckt hat.

“Eine gratis Kreditkarte wäre auch nicht schlecht” überlegt sich Peter, als er im Internet eine Vergleichsseite für kostenlose Konten ansteuert. Nachdem er sich für ein Geschäftskonto entschieden und es eröffnet hat kann die Transaktion einige Tage später  losgehen.

Ein Treffen bei einer abgelegen Autobahnraststätte hatte er dankend abgelehnt und so trifft er sich mit seinen Auftraggebern im Worl Wide Web.

“Lol , hier mein Kto… Lol” chattet Peter freudig und erzählt von seiner letzten Schlacht bei World of Warcraft bei der er zwei Nachtelfen Level 72 mit einer Finte bezwingen konnte.

“Datei Du Freak” unterbricht ihn sein Geschäftspartner unfreundlich.

Peter antwortet mit einem bösen Smiley und verschickt die Virendatei. “Wie abgesprochen nur für private Zwecke nutzen! ” tippt er noch schnell, doch der Käufer hat den Chatraum bereits verlassen.

Einige Tage später entdeckt Peter die 5 Millionen auf seinem Konto. “Toll” denkt er “Die Mutti kriegt nun Ihren rosa Lamborghini und ich werde ein neues Leben beginnen, bei World of Warcraft”.

Peter will sich gerade bei dem Spiel einloggen, als der Server zusammenbricht. Zu seinem Schrecken stellt er fest, dass das ganze Internet lahm gelegt wurde. “Nein” schreit er an die 30 mal und jappst nach Luft. So ist sogar sein digitaler Ruhm bei WoW vergänglich…

 

 

 

 

 

 

Ein witziger Urlaub in Inzell mit angenehmen Nebenwirkungen

Von Guanche am 2. Juni 2012 veröffentlicht

Vom grauen Stadtleben nach Inzell – eine amüsante Geschichte mit Hindernissen

In diesem Jahr planten Sophia und Markus, ihren Sommerurlaub in Inzell zu verbringen. Das junge Paar lebt in Frankfurt am Main, mitten in der Stadt und sehnte sich nach grünen Auen, den Bergen und der Natur. Sie wollten dem grauen und tristen Stadtleben entfliehen. Sofia zog es eher ans Wasser, Markus hingegen, der vor einigen Jahren von Passau nach Frankfurt gezogen war, liebt seine Berge.

So zeigte Sophia Kompromissbereitschaft und schaute im Internet nach einem Urlaubsziel, um die Belange der beiden zu verbinden. Nach kurzer Zeit fiel ihr das oberbayrische Inzell ins Auge. So machte sich Sophia auf die Suche nach Ferienwohnungen in Inzell. In verschiedenen Suchmaschinen gab sie Inzell Hotels, als auch Inzell Ferienhaus und diverse andere Suchbegriffe ein. Markus wollte sich gerne richtig verwöhnen lassen und so schaute Sophia auch nach Sport in Inzell und nach Wellness Inzell.

Kurze Zeit später buchte sie auch schon eine kleine Ferienwohnung auf einem Bauernhof, denn Sophia liebt Tiere über alles. Markus fand die Idee nach Inzell zu fahren sehr gut, denn in Inzell konnte er endlich wieder seinem Hobby, dem Angelsport nachgehen.

Aufbruch nach Inzell
Wenige Wochen später ging es auch schon los. Es war ein sonniger Morgen und alles schien hervorragend zu klappen, denn Sophia und Markus hatten ihren Urlaub schließlich lange im Voraus geplant. Fünf Stunden Autofahrt standen ihnen bevor. Die Taschen waren gepackt, das Navigationssystem sollte funktionieren. Markus, der damals als Fernfahrer arbeitete, bevorzugte die Route über die Autobahnen A3 und A9, so sollten die beiden unkompliziert ihr Ziel erreichen.

Es war eine lange Fahrt. In Nürnberg machten die beiden eine kurze Kaffeepause, danach kamen sie den lang ersehnten Bergen immer näher. Der Bauernhof, auf dem die Ferienwohnung war, lag direkt am Zwingsee, wo Markus angeln gehen wollte und Sophia freute sich schon auf das am Zwingsee liegende Strandbad.

Ankunft mit Hindernissen
Es waren nur noch wenige Kilometer, bis sie ihr Ziel erreichen sollten, auf den Straßenschildern stand, dass es bis nach Inzell nur noch 15 km wären. Der Bauernhof lag kurz hinter Inzell. Markus und Sophia fuhren durch Inzell hindurch und steuerten direkt auf die Östlichen Chiemgauer Alpen zu. Sie fuhren schon seit über einer Stunde durch die Wälder und das Navigationssystem zeigte mal mehr, mal weniger Kilometer bis zum Bauernhof an.

Markus stellte fest, dass sie sich wohl verirrt hatten und suchte hastig nach dem Straßenatlas. Doch er hatte ihn wohl vor lauter Aufregung vergessen. Zudem bemerkte Sophia plötzlich, dass sie höchstens noch 10 km mit dem restlichen Benzin fahren können, denn die Reserveleuchte leuchtete schon seit einer ganzen Weile auf. Markus zückte sein Handy, um den Bauern, welcher die Wohnung vermietete, um Hilfe zu bitten. Doch leider hatte er mitten im Wald keinen Empfang. Die Technik versagte auf ganzer Linie.

Sophia und Markus beschlossen, so lange wie das Benzin noch reichen würde, in Richtung Tal zu fahren. Doch schon nach 5 km blieb der Wagen stehen. Sie überlegten sich, was nun zu tun wäre, da entdeckten sie eine kleine Anzeigetafel, welche am Anfang eines Wanderweges stand. Auf der Anzeigetafel war der Weg zu einer Berghütte beschrieben. Markus holte den Koffer aus dem Auto und versuchte Sophia zu überreden, in der Berghütte einen Unterschlupf für die Nacht zu suchen. Am nächsten Tag könnten sie weiter nach einer Lösung suchen. Wehmütig stimmte Sophia ihm zu und sie gingen los.

Einsame Romantik
Sophia und Markus waren nach gut einer Stunde an der Hütte angekommen. Es herrschte eine gähnende Leere. Niemand war dort, doch die Hütte stand offen. Das sollte nun ihre Ferienwohnung in Inzell sein. Sport in Inzell haben die beiden nun schon zu Genüge getrieben. Der Weg zur Berghütte war schließlich sehr steil und steinig. Sophia wünschte sich nichts sehnlicher, als dass sie ihre Wanderschuhe doch mitgenommen hätte, denn ihr taten die Füße vom Wandern sehr weh.

In der Hütte erwartete Sophia und Markus ein kleiner Tisch mit 4 Schemeln, eine offene Feuerstelle und eine kleine Nische mit zwei Betten, welche jedoch frisch bezogen waren, als ob jemand dort wohnen würde. In einer Ecke befand sich ein Münztelefon mit der Telefonnummer des Hütteninhabers. Markus griff mutig zum Hörer und warf einige Münzen in den Apparat. Es meldete sich ein älterer Herr. Markus schilderte, was den beiden wiederfahren war. Der gutmütige, ältere Herr teilte ihm mit, dass sich die beiden in einer Notunterkunft für Wanderer befinden würden, welche von einem Unwetter überrascht worden wären oder sich verirrt hätten und das er sie am nächsten Morgen gegen 11 Uhr dort abholen könne.

Markus und Sophia waren sehr froh darüber, dass der Hütteninhaber so hilfsbereit war und dass sie in seiner Hütte untergekommen waren. Markus zündete daraufhin ein wärmendes Feuer an und Sophia bereitete an dem Campingkochfeld, welches zusammen mit einigen Konserven in einem Regal stand, eine Erbsensuppe zu. Es fing an, den beiden zu gefallen und so verlebten sie einen romantischen Abend in ihrer einsamen Berghütte in den Östlichen Chiemgauer Alpen.

Unruhige Nacht
Gegen 22 Uhr legten sich Sophia und Markus schlafen, denn sie waren von dem erlebnisreichen, ersten Urlaubstag in Inzell völlig erschöpft. Der runde Vollmond leuchtete am Himmel, es war eine sternenklare Sommernacht. Plötzlich wurden die beiden durch ein Klopfen geweckt. Sophia zitterte vor Angst. Mutig öffnete Markus die Tür und erblickte ein junges Reh, welches überhaupt nicht scheu zu sein schien. Markus musste herzhaft lachen, da sich Sophia schon schaurige Geschichten ausdachte, was da wohl an der Tür klopfen würde. Da Markus und Sophia nun wieder hell wach waren, beschlossen die beiden, sich den Sternenhimmel anzuschauen. Anschließend legten sie sich wieder schlafen und warteten auf den Hütteninhaber.

Die Erlösung
Um Punkt 11 Uhr erschien der Hütteninhaber bei Sophia und Markus. Es war ein bärtiger, alter Mann, welcher die beiden freundlich in Empfang nahm. Selbst an einen Kanister mit neuem Benzin hatte er gedacht. Er führte die beiden wieder zu ihrem Auto und bat sie, ihm zu folgen. In Inzell angekommen, suchten sie zunächst eine Tankstelle auf. Anschließend brachte der alte Mann die beiden direkt zu ihrer Ferienwohnung. Sophia und Markus bedankten sich herzlich bei ihm, denn ohne ihn hätten sie niemals zu ihrem Urlaubsziel, ihrer Ferienwohnung in Inzell gefunden. Wobei sie die Bergromantik in der kleinen Hütte auch sehr schön gefunden haben.

Endlich Urlaub
In ihrer Ferienwohnung richteten sich Markus und Sophia für die nächsten 14 Tage ein. Sie wollten nun einen entspannenden Urlaub erleben. Sophia lag oft am Strand des Strandbades am Zwingsee, während Markus beim Angeln sportlich aktiv werden konnte. Häufig gingen die beiden auch wandern und genossen die Stille in der unberührten Natur. Die klare Luft in den Bergen tat ihnen gut und sie erholten sich trotz ihrer anfänglichen Hindernisse sehr gut.

Im nächsten Sommer soll es sogar wieder nach Inzell gehen, da man dort Wellness, Sport und die Idylle der Natur miteinander verbinden kann. Doch nächstes Jahr wird die Planung präziser sein. Markus wird sich nicht mehr auf das Navigationssystem verlassen und sich eine Karte für die Östlichen Chiemgauer Alpen besorgen. Sophia wird nicht mehr so leichtsinnig mit dem Benzin umgehen und lieber einen Reservekanister ins Auto stellen, denn man weiß nie, was einen auf dem Weg in die Berge erwartet.

 

Peters großes Abenteuer

Von Giro am 1. Februar 2012 veröffentlicht

Peter ist Student der Informatik und träumt von einem Abenteuer. Er möchte etwas erleben und seinen Helden in seinen Computerspielen nacheifern. Da er bis tief in die Nacht an seinem PC sitzt ist Peter sehr blaß und trägt eine dicke Brille. Am liebsten spielt er WOW (World of Warcraft ) und Egoshooter. Mit seinen Freunden trifft er sich eher online und ist Vorsitzender der DOS-Fans-Community.

Er träumt gerade von spannenden Kämpfen in WOW, als seine Mutter ihn aus seiner Trance reißt, indem sie mit ihrem Staubsauger gegen die Tür poltert.

“Peeeeter”, ruft Sie, “Peter, Du wolltest dich doch noch nach  kostenlosen Girokonten bei der Sparkasse erkundigen!”.

“Och Mutti” ruft Peter, aber das Poltern ebbt nicht ab.

Nach einer halben Stunde dauerhaften Nervens streicht Peter die Segel. Diese Schlacht hat er verloren, aber in WOW werden noch einige folgen.

Peter rückt seine Brille zu recht, gibt der Mutti einen Kuss und verläßt die Wohnung.  Zu seinem Entsetzen muss er die Treppen laufen, da der Aufzug kaputt ist. Er überlegt die Mission abzubrechen, aber er weiß, dass die Mutti ihm im Nacken sitzt. “Die läßt nicht locker!”, denkt er sich und wankt die Treppen runter.

Unten angekommen wischt er sich den Schweiß aus dem Gesicht. Hätte er sein Handy dabei, dann würde er sich einen Notarzt rufen, aber so bleibt ihm keine Wahl. Peter macht sich zu Fuß auf den Weg zur nächsten Sparkasse. Unterwegs hält er noch kurz beim Bäcker, um sich eineRumkugel und einem Liter Cola als Wegzehrung zu besorgen.

Irgendwann sieht Peter das rote S der Sparkasse und die Endorphine schießen ihn in den Kopf. Solch ein Glücksgefühl erlebt er sonst nur, wenn er einen schweren Quest beendet oder einen Drachen Level 37 und höher besiegt hat. Peter zieht sein Tempo an und erreicht keuchend die Bankfiliale.

Er läßt seinen Arm mit der leeren Colaflasche sinken und kämpft gegen Schwindelgefühle an. “Doofe Mutti” denkt er und entdeckt, dass sein Klettverschluss offen ist. Peter bückt sich, um den Makel zu beheben, als die Tür der Sparkasse aufspringt und ein Mann mit Skimaske herauseilt. Peters Motorik hat aufgrund des heutigen Gewaltmarsches ein paar Aussetzer und so gelingt es ihm nicht auszuweichen.

Der Mann mit der sportlichen Skimaske stolpert über Peter und knallt mit dem Kopf auf dem Boden. Peter richtet sich langsam auf und überlegt wegzulaufen, doch seine geschundenen Füße versagen ihren Dienst.

Kurz darauf hält ein Polizeiwagen vor der Bankfiliale und zwei Beamte steigen aus. Im gleichen Moment kommen die Sparkassenmitarbeiter aus der Tür und dann geht alles ganz schnell. Der Räuber wird festgenommen und abgeführt. Peter wird mit Lob für sein beherztes Eingreifen überschüttet und erhält ein lebenslang kostenloses Konto für Studenten.  Die Polizei und Bankmitarbeiter sind von Peters Heldentat begeistert.

Eine Bitte hat er jedoch noch: “Bitte nichts der Mutti erzählen, sonst schickt die mich morgen wieder vor die Tür!”

Zigarren auf 30m Tiefe rauchen

Von Zigarrengeschichten am 9. Mai 2011 veröffentlicht

Eine Zigarre unter Wasser rauchen? In einem Wrack, das in einer Tiefe von 30m liegt? Ja, es scheint Menschen zu geben, die sich derartigen Unfug ausdenken und dabei noch ein nicht unerhebliches Risiko eingehen…

Wo aber ist so etwas durchführbar? Hier kann man Zigarren unter Wasser rauchen: In der Küche der Thistlegorm auf ca. 25 m Tiefe...Man benötigt schließlich Sauerstoff und ein wenig Platz, um eine Zigarre zum Anzünden zu bringen. Dazu kommt, dass in einer Tiefe von 30m und einer zu langen Aufenthaltsdauer der Taucher eine Stickstoffnarkose erhalten kann, also ein doppelter Rausch unter Wasser!

Das wär doch mal ein Test wert, dachten wir uns. Also haben wir recherchiert und siehe da: Es gibt Orte auf unserem Planeten, wo man tatsächlich in einem gesunkenem Schiff Zigarren rauchen kann, wenn auch keine ganze Zigarre…

Wir nehmen den nächsten Flieger und starten in Richtung Ägypten. Unser Zielflughafen heißt Sharm el Sheik und liegt auf dem Sinai, also zwischen dem Golf von Suez und dem Golf von Akaba. Denn hier kann man nicht nur schön Urlaub machen, gleich hier in der Nähe sank unser Schiff, voll beladen mit Bomben, Motorrädern, Jeeps und Lkws.

Mit dem Tauchboot geht es früh am Morgen raus in Richtung Suezkanal. Als die ersten Bohrinseln am Horizont auftauchen wissen wir: Der erste Smoke des Tages ist nicht mehr weit entfernt. Wir nähern uns der „Thistlegorm“ eines der berühmtesten Wracks der Welt und definitiv das bekannteste des Roten Meeres.

Das ehemalige Kriegsschiff liegt circa 30m tief und in der Küche kann man tatsächlich eine Zigarre rauchen wurde uns gesagt. Wir packen unsere Laura Chavin Petit Coronas und ein Feuerzeug in wasserdichte Folie und springen ins kühle Nass.

Nach dem Tauchgang sind wir begeistert: Was war das für ein toller Wracktauchgang. So schön, dass wir glatt vergessen haben, unsere Zigarren unter Wasser auszupacken. Zum Glück bleibt ein zweiter Tauchgang und jetzt genießen wir unsere verdiente Longfiller Zigarre eben erst mal über Wasser…

Urlaub, Liebe, Gardasee!

Von Elli am 4. Februar 2011 veröffentlicht

Tina war gar nicht begeistert. In wenigen Minuten sollte sie mit ihren Eltern und ihrem Bruder in den Urlaub aufbrechen – in eine Ferienwohnung am Gardasee. „Wie langweilig“, dachte Tina. „Das ist ja überhaupt keine Action! Kann ich nicht lieber allein zu Hause bleiben? Ich stelle auch nichts dummes an. Biiitteeee!“ Doch mit ihren Eltern gab es kein Verhandeln. „Es wird dir schon gefallen“, sagte ihre Mutter. „Wir haben wirklich ein schönes Ferienhaus ausgesucht.“ Tina war davon nicht überzeugt, und sah sich vor Langeweile schon umkommen. Keine Freunde, kein Fernsehen, kein Internet. „Wir können auch ganz viele schöne Ausflüge machen, die Landschaft dort ist einfach wunderschön. Und erst Verona. In der Stadt spielte Shakespeare’s Romeo und Julia, wusstest du das, Tina? Wie romantisch“, sagte ihre Mutter. „Super spannend“, dachte Tina ironisch. Das konnte ja toll werden. Von den Eltern auf lauter langweilige Ausflüge geschleift zu werden. Aber es gab kein zurück. Nach knapp siebenstündiger Autofahrt erreichten sie endlich ihr Ziel. „Wenn der Urlaub so langweilig wird wie die Autofahrt, na dann gute Nacht“, dachte sich Tina. Schnell wurde das Gepäck ausgeladen, und da alle todmüde waren, fielen sie danach auch gleich ins Bett. Für eine ausführliche Begutachtung würde schließlich noch lange genug Zeit bleiben. Zu lange, nach Tinas Ansicht. Am nächsten Morgen wachte Tina früh auf, und, da ihre Eltern noch schliefen, ging sie schon einmal allein auf Erkundungstour durch das Apartment. Gleich im Wohnzimmer die Überraschung: das sah echt gemütlich aus, und dann noch ein großer Fernseher! „Immerhin etwas“, dachte sie. „Hoffentlich gibt es auch deutsche Programme!“ Tina verließ das Apartment, um sich auch einmal das Haus von außen und die Umgebung anzusehen, in der das Haus lag. Abends im Dunkeln war schließlich nicht viel zu erkennen gewesen, und da war sie ja auch viel zu müde gewesen. Doch was war das? Zum Haus gehörte auch ein riesiger Pool! Davon hatten ihre Eltern ihr gar nichts erzählt. Gut, dass sie ihren schönsten Bikini sicherheitshalber doch eingepackt hatte, dachte sie sich. Und irgendwie sah das alles ja doch ganz schön aus, musste sie zugeben. „Hallo, wer bist du denn?“, fragte plötzlich eine Stimme hinter Tina. „Ich bin Jan, ich wohne mit meinen Eltern in dem Apartment oben rechts.“ Tina drehte sich um. „Dieser Urlaub wird wohl doch nicht sooo langweilig werden“, dachte sich Tina. Den Fernseher würde sie wohl doch nicht so dringend brauchen. Und was war das nochmal mit der Stadt Verona?

Rotzikus

Von SonOfAGun am 28. Januar 2011 veröffentlicht

von Andre Jürgens

Rotzikus war ein Mann, dem immer die Nase lief. Er konnte machen was er wollte: Er nahm sämtliche apothekenpflichtige Erkältungsmittel, ließ sich Antibiotika verschreiben, versuchte Homöopathie, Phytotherapie, Telepathie, Autopsie… zwecklos. Die Nase lief weiter.

Wenn sonst nix lief, lief immerhin Rotzikus’ Nase. Darauf war Verlass!

Die laufende Nase war so ungefähr die einzige Konstante in Rotzikus’ Leben, alles andere war ständigen Veränderungen unterworfen. Das traf auf seine Arbeit, seine Beziehungen, seinen Wohnort und auf den Rest seines bedeutungslosen Daseins zu. Wenn Rotzikus abends schniefend und schnoddernd vor seinem Bier saß, war er oft sehr traurig. Mit steigendem Pegel besserte sich dies zwar und manchmal stellte sogar seine Nase für ein paar Stunden das Tropfen ein, aber der nächste Tag war dafür umso grausamer. Dann holte die Nase innerhalb kürzester Zeit alles nach, wozu sie am Vorabend nicht mehr gekommen war. Eine regelrechte Temposchlacht war das dann!

Eigentlich hieß Rotzikus Jakob Fischer, aber so nannte man ihn nur auf dem Amt. Seine Familie sowie alle übrigen Bekanntschaften in seinem Leben nannten ihn Rotzikus- so hatte man ihn schon als kleinen Jungen gerufen, denn seine Nase lief ihm schon seit dem Tag seiner Geburt. Noch bevor er den aufrechten Gang erlernte wusste Rotzikus schon, in welchen Geschäften es die günstigsten Taschentücher zu kaufen gibt und wie sich die Papierqualität der einzelnen Marken voneinander unterschieden. Wer schon einmal eine wundgeschnaubte Nase hatte, wird verstehen, warum das so war.

So schniefte und schnaubte sich Rotzikus durch sein Leben, allzeit bewaffnet mit einem kleinen Rucksack, in dem Wund-und-Heilsalbe sowie ein Jahresvorrat Taschentücher griffbereit lagen, als er eines Tages unfreiwillig Zeuge einer verstörenden Begebenheit wurde:

Er ging an einem Schrebergarten vorbei, in welchem vier super coole, laut grölende Jugendliche in einem aufblasbaren Minipool badeten. Sie tranken Bier aus Dosen, und als sie Rotzikus, der sich ängstlich um Unauffälligkeit bemühte, entdeckten, fingen sie lautstark an, sich über ihn lustig zu machen. Wetter und Alkohol hatten die Jungs angestachelt, denn es war heiß und die Sonne gab sich alle Mühe, sämtliche Lebewesen auf der Erde mindestens „Medium“ durchzubraten. Rotzikus flüchtete in solchen Situationen gerne und regelmäßig in Tagträume oder Erinnerungen. Diesmal dachte er an seine eigene Jugend – nicht unbedingt eine angenehme Erinnerung. Er hatte andere Kinder immer gemieden, und zwar in erster Linie deswegen, weil man ihn mied. Den Eltern der meisten Kinder war seine ewig laufende Nase nicht geheuer und irgendwann griff das Gerücht um sich, dass Rotzikus an einer gefährlichen, sicher unheilbaren Krankheit leide. Heute konnte Rotzikus die Mütter auf gewisse Weise sogar verstehen, was den Schmerz über die verpasste Jugend natürlich nicht schmälerte. Insgeheim gab er diesen Leuten die Schuld daran, noch heute ein einsamer Mensch mit nur wenigen sozialen Kontakten zu sein. Freunde kannte Rotzikus nur aus der Theorie und aus Büchern, denn er las viel und gerne. Lesen war ein Hobby, welches keine Gesellschaft voraussetzte, und ohne Bücher wäre Rotzikus als Kind wohl zu Hause eingegangen wie eine welke Blume. Unterdes schritt er zügigen Schrittes an den planschenden Schreihälsen vorbei, doch leider war er nicht zügig genug: In der nächsten Sekunde traf ihn, völlig unverhofft, eine halbleere Bierdose am Kopf. Rotzikus quiekte gekränkt auf – doch ihm blieb der Schrei im Halse stecken. Ein seltsames, pfeifendes Geräusch durchschnitt ganz plötzlich die schwülwarme Luft, welches gleichzeitig eine sonderbare, unheilbringende Vorahnung mit sich brachte. Selbst die Jugendlichen verstummen augenblicklich. Einer der Quarkköpfe fragte dann noch: „Ey Alda, ischwöa wasn das fürn Piepn mann?!“, als es im nächsten Moment auch schon fürchterlich krachte! Das Wasser des Beckens spritzte zu allen Seiten davon, und Rotzikus faltete seinen Körper postwendend vor Schreck in Fötusstellung zusammen.

Als er seine Augen wieder öffnete, wollte er sie direkt wieder schließen- denn er war nicht sicher, ob er ihnen trauen konnte: Genau an der Stelle, wo gerade noch ein Planschbecken voller Halbwüchsiger gestanden hatte, befand sich nun ein rauchendes, großes, weißes Etwas mit rotem Schriftzug. Die Jugendlichen und der Pool waren verschwunden – zerquetscht… von einer, dessen war sich Rotzikus nach dem zweiten Blick sicher, großen Turbine. ‘Ein Flugzeug muss sie verloren haben’ schlussfolgerte er, während er den roten Schriftzug las und mit zittrigen Händen einen Schluck aus der Bierdose nahm, die sein Kopf abgefangen hatte. „Edelweiß… so so…“ sagte er laut, als wäre damit alles geklärt. Sein Herz raste noch immer. Er schaute verängstigt nach oben in den Himmel, um das zur Turbine passende Flugzeug auszumachen- doch da war nichts. Kein Kondensstreifen, keine aufgrund eines verlorenen Triebwerks trudelnde Flugmaschine- nichts. ‘Obwohl…’ überlegte Rotzikus, während er sich schnäuzte, ‘hinterlassen normale Flugzeuge überhaupt Kondensstreifen am Himmel – waren das nicht doch Düsenjets… oder Raketen? Oder malen beide einen solchen Kondensstreifen in den Himmel?!’

Er grübelte noch eine Weile vor sich hin, bevor er einsah, dass dies wohl grad’ der völlig falsche Zeitpunkt war, sich über Kondensstreifen Gedanken zu machen. Trotzdem nahm er sich vor, zu einem geeigneteren Zeitpunkt mal bei Google sein Wissen in Bezug auf Kondensstreifen aufzufrischen. Man konnte nie wissen, ob man es nicht doch mal brauchen würde. Sicher würde ihn die Polizei bei seiner Zeugenaussage fragen, ob er nicht einen Kondensstreifen am Himmel gesehen hätte… sofern das normale Standardflugzeug überhaupt solche Kondensstreifen produzierte… ‘Hmmm…’ machte Rotzikus, denn ein gebrummtes ‘Hm’ beruhigte ihn immer. Kondensstreifen… Kondensierte Milch… Hatte das nicht auch was mit einem Kondensator zu tun? ‘Verflixt, ich tu’s schon wieder…!“ maßregelte er sich nun streng, ‘Jetzt ist aber Schluss- ich muss die Herren Polizisten rufen!’ Obwohl… waren die für so was überhaupt zuständig? Rotzikus war sich da nicht ganz sicher. Wie doof würde er denn nur dastehen, wenn er jetzt bei der Polizei anriefe und die ihm, natürlich unter schallendem Gelächter, erzählen würden, dass sie für derartige Triebwerksunfälle gar nicht zuständig waren? Rotzikus hasste es zutiefst, ausgelacht zu werden. Niemand kannte dieses Gefühl besser als er; man hatte ihm bereits ausreichend Gelegenheit gegeben, davon zu kosten. Damals, auf seiner Konfirmation zum Beispiel- mitten in der Kirche, vor allen Leuten und, noch um einiges schlimmer: vor seinen Eltern und den Großeltern- entglitt ihm ein ca. 30 cm langer, grün-gelber Schnodderfaden, der mit einem durch die akustischen Bedingungen der Kirche gut vernehmbaren „Pflatsch!“ zielsicher auf den Schuhen des Pastors landete. Die halbe Gemeinde lachte damals über diese ekelige Situation, und Rotzikus hätte viel Geld (das er damals schon nicht hatte) dafür gegeben, sich auf der Stelle in Luft aufzulösen.

‘Vielleicht sollte ich sicherheitshalber erstmal im Internet nachgucken, welche Behörde sich um lockere oder abstürzende Flugzeugteile kümmert… Ach was, so ein Unsinn – so eine Behörde gibt es gar nicht!’ Die ganze Situation war Rotzikus nicht geheuer, sie verwirrte ihn zusehends. Er fühlte sich überfordert und kurz meldete sich ein Gedanke in ihm, dass er auch gerade bei „Verstehen Sie Spaß?“ zum Narren gehalten werden könnte. Aber das wäre dann wohl doch zu makaber für die öffentlich Rechtlichen, also verwarf er das auch. Vielleicht musste ja auch erstmal der Poolhersteller benachrichtigt und zur Verantwortung gezogen werden… Ob der TÜV oder die Leute vom GS-Siegel bei den vorgeschriebenen Sicherheitsüberprüfungen auch abstürzende Flugzeugteile berücksichtigt hatten? War für Poolunfälle nicht der ortsansässige Bademeister zuständig?! Aber woher sollte man nun die Telefonnummer dieses Mannes nehmen? ‘Ich sollte vielleicht einfach nach Hause gehen, mich schön aufs Sofa setzen und in Ruhe eine Doppelfolge „Gilmore Girls“ gucken’ sprach er mit sich selbst. Ja, so würde er es machen! Offenbar hatte ja auch niemand sonst diesen Unfall mitbekommen, denn bisher war kein einziger Gaffer herbeigeeilt. Aber wenn er jetzt einfach ging, war er dann nicht sowas wie ein Fahrerflüchtiger? Und was war mit unterlassener Hilfeleistung?! Und wenn das Ganze gar kein Unfall gewesen war…? Vielleicht war es ja Mord?! Nun bekam es Rotzikus mit der Angst zu tun. Sicher waren das genau die gleichen Leute, die damals die Flugzeuge in das World Trade Center gelenkt hatten! Was, wenn die gesehen hatten, dass er Zeuge dieses feigen Poolanschlags war? Rotzikus wurde Angst und Bange. In solche Sachen konnte er sich immer gut hineinsteigern.

Eine Schweißperle rann über sein Gesicht, und die nun folgenden Geschehnisse passierten in einer Art Kettenreaktion, der er sich machtlos ausgeliefert fühlte. Offenbar brannte gerade die letzte, noch einigermaßen funktionierende Sicherung in Rotzikus’ Kopf durch. Mit einer durch Mark und Bein gehenden, hysterischen und viel zu hohen Quietschstimme schrie er laut „Hngtzihualabft!!“

Genau das schrie er, und es war ihm bitterernst damit. Und dann schrie er noch: „Oh mein Gott! Terroristeeeeen!!“ Anschließend rannte er Haken schlagend in nackter Todesangst los, so als wäre der Teufel hinter ihm her.

Rotzikus war außer Kontrolle. Eine amoklaufende, sekretschleudernde Tropfnase, die über sämtliche Schrebergärten hinwegpflügte wie ein Traktor auf Kerosin, unablässig „Terroristen!!! Rette sich, wer kann!“ krakeelend. Als er schließlich an der Hauptverkehrsstraße der Stadt ankam und diese ungebremst im Schweinsgalopp zu überqueren versuchte, machte ein Omnibus dem Wahnsinn ein Ende.

Noch Tage später lachte das Pflegepersonal der städtischen Kliniken über den „zermatschten Irren, der halb bewusstlos in den letzten Minuten seines Lebens unaufhörlich von Terroristen phantasierte, die ihn mit Flugzeugteilen zerquetschen wollten“. Derart pietätlos machte man sich noch nach seinem Tod über den Mann mit der chronischen Erkältung lustig, wobei keinem dieser Menschen bewusst war, dass ihr überlegenes Gelächter nur eine unbequeme Wahrheit vertuschte: Ihr gedankenloses Verbrechen an einem unschuldigen Mann.

Es waren Menschen wie diese, die aus dem sensiblen, kränklichen Jungen eine verunsicherte, ängstliche Witzfigur gemacht haben, welche sich am Ende nur ihrer Rolle entsprechend verhielt. Eine Rolle, die Jakob Fischer niemals spielen wollte, die man ihm aufgebürdet hatte. Was hätte aus diesem Mann alles werden können, hätte man ihn mit dem gleichen Respekt behandelt, den er seinen Mitmenschen entgegenbrachte?

Die Turbine blieb natürlich nicht lange unentdeckt. Allerdings ist bis heute ungeklärt, welches Flugzeug sie verlor. Die Jugendlichen wurden in mühevoller Arbeit sorgfältig von dem Bauteil abgekratzt – auf der Trauerfeier wurde dann allerdings (aus nachvollziehbaren Gründen) auf einen offenen Sarg verzichtet.

ENDE

Weitere Geschichten, Gedichte und Hörbücher gibts unter: www.andre-juergens.de.ki

Die neuen Gardinenstangen

Von Jeratsch am 25. Januar 2011 veröffentlicht

Wir wollte uns neue Gardinenstangen kaufen, mein Mann und ich. Richtig schicke, wenn`s sein muss auch teure, Hauptsache schön sollten sie sein. Zwei Jahre lang hatten wir an unserer neuen Wohnung gefeilt, nun war endlich alles fertig, oder sagen wir fast alles. Nur noch eines fehlte zum unserem Glück, die neuen Gardinenstangen.

Vielleicht hatte ich meine Hoffnung einfach zu hoch gesetzt, vielleicht hätte ich auch einfach besser nachdenken sollen, über die unterschiedlichen Geschmäcker der Geschlechter und die Schwierigkeiten, die ein gemeinsamer Einkauf so mit sich bringen kann, selbst wenn es „bloß“ um Gardinenstangen geht. Als wir los fuhren Richtung Innenstadt wusste ich jedenfalls noch nicht wie der Tag einmal enden würde.

Die Auswahl an Gardinenstangen war immens, bunt vielfältig und aufregend. Während ich ausgelassen die Regalwände entlang schlich wurde die Laune meines Mannes zunehmend schlechter. Als ich nach einer knappen Stunde schließlich alle durch hatte war von Laune überhaupt nicht mehr zu sprechen. „Wie wär`s wir nehmen diese Gardinenstangen?“ schlug es mir in mürrischem Tonfall entgegen während er mir die hässlichsten und schlichtesten Gardinenstangen vor die Augen hielt, die ich jemals gesehen habe. „Das ist nicht dein Ernst!“ „Die oder keine“ kam es zurück und meine gesamte Enttäuschung entlud sich in hysterischem Gezeter. „Dann mach doch deinen scheiß in Zukunft alleine, hol dir deine Traum Gardinenstangen allerdings ohne mich“ sprachs und war schon aus dem Laden geschossen.

Da saß ich nun am Abend mit den edelsten und schönsten Gardinenstangen in der Hand, dem I-Tüpfelchen meiner Begierde, das unsere Wohnung harmonisch abrunden sollte. Bloß war keiner mehr da, der sie aufhängte, keiner der mit mir auf die Vollendung des Projekts anstieß. Jetzt hatte ich zwar wunderschöne Gardinenstangen, allerdings keinen Mann mehr…

Messer

Von kolossaler knabe am 29. September 2010 veröffentlicht

Silbern glänzt die Klinge. Ein langsames Ausholen. Eine schnelle Bewegung. Ein Schrei. „Was ist denn das? Die Erdnussbutter ist ja total ranzig. Wir müssen neue kaufen“, meinte er und nahm das Glas in die Hand. Er begutachtete das Etikett. Vor zwei Jahren abgelaufen. Er verschloss das Glas und warf es seiner Frau ins Gesicht. Sie schaute ihn verwundert an. Er ging zu ihr, bückte sich und las die Scherben auf. Dann ging er in die Küche, während sie die Erdnussbutter mit ihrer Hand vom Teppich abstreifte. Dann ging auch sie in die Küche. Er stand am Mülleimer und entsorgte die Scherben. Sie kam von hinten langsam an ihn ran und bat ihn dann freundlich, zur Seite zu treten, damit sie sich die Hände waschen konnte. Als sie fertig war, setzte sie sich zu ihm ins Wohnzimmer und die beiden planten ihren nächsten Urlaub. Als auf einmal die Decke einstürzte, befreite er sich aus den Trümmern, griff zum Telefon und buchte gleich für die nächste Nacht ein Hotel.

Wenn Kinder die Welt erklären…

Von Lyra81 am 25. August 2010 veröffentlicht

Wenn Max die Welt erklärt

Da saß er nun, der 5 Jährige Max im Auto auf der langen Fahrt zur Oma und sagte voller Überzeugung „Mama, weißt du was, die Indianer essen manchmal ihre Töpfe mit“ – mit einem Fragezeichen im Gesicht sah ich ihn an und erwiderte skeptisch „wie kommst du den da drauf?“ – „ na Mensch Mama die machen ihre Töpfe aus Bissonhaut, und die kann man dann mit essen wenn das essen darin warm ist, – „woher weißt du das den?“ frage ich verblüfft. „Na von meinen ‚Was ist Was’ -Geschichten“.

Danach bekam ich eine Schulung zum Thema Universum; jetzt weiß ich wie Sterne sterben,das die Milchstraße immer größer wird und wie die Planeten heißen-beeindruckt stelle ich fest das er ganz schön Allgemeinwissen anhäuft. Schon peinlich wenn sich Mama vom Sohnemann was erklären lassen muss, doch irgendwie erfüllt es mich mit stolz.
Inzwischen ist er Sieben Jahre alt- seit fast einem Jahr in der Schule- und ließt alles was Buchstaben hat. Folglich darf ich keine Bücher oder Zeitschriften mehr unbedacht herum liegen lassen, die nicht für Kinderaugen gedacht sind. Ich glaube nicht dass sich die Lehrerin davon beeindrucken lässt wenn er voller Inbrunst allen Gleichaltrigen erklärt wie Frauen ticken. Das hätte zur Folge dass ich mich dafür rechtfertigen müsste ihm zu ermöglichen solch verwerfliches Zeug zu lesen, und dabei fühl ich mich dann als wäre ich selbst noch Schüler- ein demütigendes Gefühl. Daher liegen die Zeitschriften schön verstaut auf einem Stapel der für ihn zu uninteressant aussieht, als das man da ein Blick rein wirft.

Schon seit er redet, versetzt er mich ständig in Erstaunen.
Sein drittes Wort teilte er uns eindrucksvoll in der Kirche mit – seine Taufe- ein feierlicher Anlass. Er war gerade 1 Jahr und 3 Monate alt. Der Pfarrer schwang seine etwas ermüdende Predig und lies den Satz „ Die Kinder sind das Spiegelbild der Eltern“ verlauten als Max in voller Inbrunst und sehr laut in das Kirchenschiff „Scheiße“ rief. Vor Scham glich mein Kopf einer Tomate und ich wäre am liebsten im Boden versunken. Langsam rutsche ich immer weiter Richtung Schuhheizung (ja so was gibt es in unserer Kirche, obwohl es wohl er dafür gedacht ist kalte Füße zu vermeiden, hat aber den nicht so ganz angenehmen Nebeneffekt das
die Kirche oft nach angekokeltem Gummi riecht) und versuchte Max durch leises
verstohlenes ‚Psssttt’ zum schweigen zu bringen. Er fand es allerdings weniger
Erstrebenswert auf mich zu hören. Daher blieb mir nichts weiter übrig als für alle gut Sichtbar durch den Mittelgang zurück in den Vorraum der Kirche zu gehen, Max grinsend auf meinem Arm. Ich versuchte die Blicke zu ignorieren – erfolglos.

Sicherlich habe ich mir das selbst zuzuschreiben, hab ich doch bis dato nicht wirklich darauf geachtet, was mir beim Autofahren über vor mir dahin kriechende Autofahrer so über die Lippen rutscht.
Vor zwei Wochen stellte ich geschockt fest dass mein Sohn sich auf meinem Auto verewigt hat. Völlig begeistert von seinem neuen ‚Papa’ hat er für alle Welt sichtbar auf der Motorhaube eine Gravur hinterlassen – wie wir früher in der Schule auf jedem Tisch und jedem Schulheft. Mein Gesicht zeigte eine lachende und weinende Seite, den die Geste an sich war super schön – aber das die Mama die Hände über dem Kopf zusammen schlägt und schockiert an die Kosten der Bereinigung des ‚Tattoos’ denkt war ihm wohl nicht klar.
Kleinlaut gab er zu das dass keine gute Aktion war, und er sowas nie wieder tut. Sogar die Strafe wurde ohne murren akzeptiert. Hier hab ich jetzt ein gemischtes Gefühl von Stolz und Enttäuschung.
Aber vor kurzem gab es wieder einer dieser Glanzmomente in denen ich vor Stolz fasst überlief wie eine Randvolle Gießkanne; Spät Abends, wir saßen auf dem Sofa, eigentlich sollte er schon schlafen, die Zimmertüre ging, es klopfte zaghaft an der Tür, er lugte herein, und sagte ganz stolz „Mama weißt du was? ich hab gerade eine ganze Geschichte Pickeldy und Frederrick gelesen“ 3 Seiten, und er habe alles verstanden. Genial – da fand ich ihn unglaublich toll!

Sven.

Von yanic am 11. Juli 2009 veröffentlicht

Kap. 1: Oohh … meiin … Gott!

Frage: Aus welcher erfolgreichen, us-amerikanischen TV-Serie, die zum ersten Mal 1994 zu sehen war stammt dieser Running Gag? Sie wissen es nicht? Es ist F.R.I.E.N.D.S. Sechs junge Menschen, die in New York leben und einige lustige, skurrile und manchmal auch schöne Momente erleben.

Ich bin Chandler. Nein, ich heiße nicht so. Mein Name ist Sven, aber ich bin Chandler, Chandler Bing. Mittelmäßig attraktiv, relativ gut gebildet und absolut erfolglos bei Frauen. Wobei … es kommt drauf an, wie man Erfolg definiert. Bestünde das Ziel darin, der beste Freund einer Frau zu werden, wäre ich durchaus erfolgreich. Das könnte allerdings auch der Grund sein, warum man mich für schwul hält. Was ich nicht bin. Nein. Sicher nicht. Definitiv nicht!

Eine Zeit gab es allerdings schon, in der ich selbst nicht so sicher war wie jetzt. So zwischen 14 und 15 muss das gewesen sein. Etwa eine Woche lang. Bis dahin hab ich mich für Mädchen nicht die Bohne interessiert, zumindest nicht aus sexuellen Gründen. Tennis, Freunde und Wrestling im TV gucken waren Beschäftigung genug. Samstag, Ferienbeginn, Geburtstagsfeier meines besten Freundes. Ich durfte das erste Mal auf eine Party. Wir waren alle hackedicht, inklusive der handvoll Mädchen. Irgendwann schlug jemand vor, etwas zu spielen: „Pflicht, Wahl, Wahrheit“. Es dauerte nur eine Runde, bis Sandy ihren Spitznamen unter Beweis stellte. Das Luder hatte kein Problem damit ihren BH schon bei der ersten Pflichtaufgabe auszuziehen.

Mein Problem dabei? Mein Problem war mein Pimmel. Ihm waren die beiden Dinger vollkommen egal. Es waren die ersten, die er zu sehen bekam – bis auf die unserer Nachbarin. Allerdings würde ich aus Respekt vor der Frauenwelt auf die Bezeichnung „Brüste“ in diesem Fall verzichten. Vielmehr waren es Hautfetzen deren Ansätze man auf Höhe der Achselhaare und das Ende wohl unterhalb der aus dem Slip hervorquellenden Schambehaarung vermuten konnte. Allerdings ist auch das nicht sicher und weitere Nachforschungen scheiterten am menschlichen Würgreflex und dem Überlebenswillen zweier dreizehnjähriger.

Eine ganze Woche lang musste ich nachdenken, ob ich nicht vielleicht schwul sein könnte, wenn mich Sandy’s Brüste nicht im Geringsten erregten. Im Nachhinein kann ich dem Alkohol die Schuld geben, der ganzen Flasche Bier. Dieses Ereignis erweckte mein Interesse am weiblichen Geschlecht, denn genau eine Woche später sah ich sie: Nicole. Hübsch, humorvoll, intelligent, …. blablabla. Mit wem red’ ich denn? Sie war rattenscharf. All die anderen hundert Menschen rund um uns waren mir egal. Auch meinem Pimmel. Er stand wie eine Eins.

Ich heiße Sven. Ne, ich bin kein Norddeutscher Junge. Im Gegenteil, ich bin Österreicher. Von Geburt an. Warum Sven? Ich weiß es bis heute nicht. Meine Mutter sagt nur, dass ihr dieser Name damals gefiel – damals. Ich glaube jedoch, dass sie mir diesen Namen gab um meinen leiblichen Vater zu ärgern. Ich kenne ihn nicht aber ich weiß dass sie sich während der ganzen 9 Monate Schwangerschaft gestritten haben. Um der ohnehin schon bewusstlosen Leiche „Beziehung“ auch noch den Pfahl ins Herz zu rammen gab sie ihrem Sohn einen Namen, bei dem ich eigentlich hätte schwul werden müssen. Mein Vater war oder ist wohl etwas homophob. Was hätte sie getan, wenn er eine Abneigung gegen Moslems hätte?

Ein trauriges Kapitel. Zu allem Überfluss heiße ich mit Nachnamen Beer. Sven Beer. Nun, sie dürfen raten, wie ich von meinen Freunden gerufen werde. Nicht etwa Sven, Alter, Kumpel oder Stecher. Nein, ich bin Beerli. „Braunbär“ wär mir lieber gewesen, aber dieser Vorschlag wurde von meinen Freunden nur belächelt.

Kap. 2: Zeit für eine Handlung

Springen wir ins Jahr 2002. Mit der Matura in der Hand geht’s ab ins Berufsleben. Denkste. Zuerst warten acht Monate Bundesheer. Ab in den Dreck. Befehle empfangen von Typen mit Glatze, dem Gesicht eines Neandertalers und dem IQ einer Stehleiter.

„Rekrut Bär!“
„Da bin ich, Herr Mayer! Und mein Name ist Beer, nicht Bär. Beeeer.“
„Und I bin net Herr Mayer, sondern Korporal Mayer! Außerdem net ‚Da bin ich’ sondern ‚HIER’! Und mir is es scheißegal wie’s heißen, ab jetzt sinds da Bär! Auf die Knie, sofort!“
„Hä?“
„LIEGESTÜTZ Sie Vollkoffer! 40, sonst macht das ganze Zimmer mit!“

Ich fühlte, wie sich meine Zimmerkollegen bereits auf Liegestütz einstellten – und mein Körper auf Schmerzen.
„Jawohl Herr Korporal.“
„1 und 2 und 3 und 4 …. und 18 und 19 und 20 und 20 und 19“
„Wenn’s wollen, borg ich ihnen meinen Taschenrechner, Herr Korporal.“

Im Nachhinein betrachtet würde ich einem Vorgesetzten wohl keine Hilfe mehr anbieten. Zwei Monate Grundausbildung vergingen wie im Flug. Okay, wie in einem sehr ermüdenden, anstrengenden Flug mit einem Schulabbrecher als Kapitän und Sonderschülern als Stewards. Für das menschenunwürdige Essen an Board musste man zwar nicht bezahlen, jedoch viel Dummheit ertragen und insbesondere versuchen, möglichst nicht selbst zu verdummen. Das ging am Einfachsten indem man sein Hirn ausschaltete. Die kurzen Befehle wurden von einem ganz kleinen Teil des Gehirns verarbeitet, der die wichtigsten Lebensfunktionen steuert. Gerade genug um zu Überleben.

Danach kamen 6 Monate Schreibtisch. Ich war Schreiber. Mein Traum. In der realen Welt würde man Sekretär dazu sagen aber das klingt wohl etwas zu homosexuell für das österreichische Bundesheer. Ich hatte sogar einen Computer. Kein Internet, kein Netzwerk, kein USB, eine Tastatur mit der Hitler wohl schon geschrieben hat und einem Hamsterrad anstelle des Netzteils aber das Teil funktionierte. Nicht gut. Aber gut genug um hunderte Hardcore-Sex-Movies darauf speichern zu können. Gut getarnt selbstverständlich, im Ordner „Privat, Vzlt Stocker“ gut versteckt am Desktop zwischen „Arbeitsplatz“ und „M$WORD“. Wir würden jeden Krieg verlieren.

Ich war der King meiner Leidgenossen. Endlich konnte ich die Unmengen an Liegestütze der letzten Wochen vergessen machen. Bei der ersten Gelegenheit wurde die Festplatte ausgebaut, daheim an den PC gehängt und jedes der 15-sec-Filmchen auf CD gebrannt. Gegen eine kleine Gebühr von 10 Euro (die meisten hatten keine Ahnung, was CD-Rohlinge kosteten) bekam jeder eine Kopie, der bezahlen konnte.

Ob Sie es nun glauben oder nicht – ich habe mir nicht jede Datei angesehen. Im Nachhinein ein schwerer Fehler, denn eine Datei mit dem Namen „lisl_knie.wmv“ zeigte Frau Vzlt Stocker tatsächlich auf Knien vor Herrn Vzlt Stocker. Ich habe Erfahrung mit aufregenden Amateur-Pornos. Also glauben Sie mir wenn ich sage: Das war nicht sexy! Aus Gründen des guten Geschmacks gehe ich nicht näher ins Detail.

Wie es eben so ist macht so etwas die Runde. Ja, auch Männer sind Tratschtanten! Das Ende der Geschichte kenne ich nicht. Ich weiß nur noch, dass ich die restlichen 3 Monate in die Küche versetzt wurde und nur noch einmal im Monat nach Hause durfte. Auf meinem rechten Ohr höre ich seit dem Anschiss von allen möglichen Vorgesetzten nur noch sehr schlecht. Könnte ich sie deshalb verklagen?

Ich würde es gerne. 2 Millionen Euro Schmerzensgeld. Bei vernünftiger Verzinsung wären das ein paar tausend Euro jedes Monat, ohne auch nur einen Finger bewegen zu müssen. Davon könnten auch meine Kinder und Enkelkinder und deren Enkelkinder noch leben. Sie müssten keinen dämlichen 40-Stunden-800-Euro-Job annehmen um über die Runden zu kommen. Nein, bitte nicht falsch verstehen. Ich liebe meinen Job. Ich arbeite deutlich weniger als 40 Stunden am Tag und verdiene Unmengen mehr als läppische 800 Euro. Einmal, da waren es sogar 823,87 Euro!

Ich habe Matura. Ich habe nicht studiert, aber maturiert. Nicht an einer HTL aber immerhin an einer HAK. Es gibt nicht viele Menschen die das schaffen. Glaube ich. Ich liebe meinen Job. Ich bin Callcenter-Agent. Nein, kein Kollege von Daniel Craig. Früher hätte man „Telefonist“ dazu gesagt. Manche „Kunden“ nennen mich noch ganz andere Sachen. Schon mal „Jungfrau (40), männlich sucht“ gesehen? Der Hauptdarsteller ruft zwecks Date-Vereinbarung bei seiner Angebeteten an, kriegt jedoch kein Wort heraus und gibt sich als Telemarketer (noch eine neuartige Bezeichnung) aus. Die Reaktion der Dame darauf empfand ich durchaus als freundlich. Ich lüge nicht! Mein Tag wäre gerettet würde mir auch nur einer meiner Kunden Selbstmord nahe legen. In der Regel wünscht man mir den Tod auf etwas andere Arten bei denen ich den Grad der Schmerzen nicht selbst bestimmen können würde.

Auch egal. Ich bin glücklich mit meinem Leben. Ich bin in den Zwanzigern, Single, habe einen Job und mein eigenes Reich. Im Haus meiner Eltern. Ein paar Jahre warte ich noch, bis Großmutter stirbt. Wär sie weg hätte ich sogar ein eigenes Haus. Häuschen um ehrlich zu sein. 35 Quadratmeter. Schlafzimmer, Wohn-Esszimmer-Vorraum, Küche und Bad/WC/Abstellraum. Welcher junge Mann stellt sich nicht so sein Singleleben vor? Dann bräuchte ich auch nicht mehr meine Eltern fragen ob Nicole bei mir schlafen darf. Nein, nicht die rattenscharfe Nicole. Diese Nicole ist weniger „scharf“ … dafür mehr Ratte. Aber was soll’s. Sie macht die versauten Sachen im Bett die man sonst nur aus Pornos kennt und theoretisch erlaubt sie mir auch andere Beziehungen. Praktisch hab ich jedoch nichts davon… Wo war ich? Ach ja, bei Großmutter. Wie gesagt, ein paar Jahre noch. Wenn ich Glück habe hilft ohnehin mal mein Stiefvater etwas nach. Dem geht sie schon ziemlich auf den Sack.

Ich werde kündigen. Ich brauche einen besseren Job. Schließlich hab’ ich maturiert! Ich bin klug. Ich sehe mir täglich intellektuelle Sendungen an. Ehrlich! Ich bin wirklich der Meinung, dass die deutschen Dumm-Sender auch uns Österreicher verblöden. Nicht, dass ORF, ATV oder gar Puls4 besser wären… Mein Puls passt sich übrigens stufenweise an Puls4 an! Wirklich. Nach einer Minute bin ich auf 40, nach 2 auf 30 usw und nach 4 Minuten und ein paar Sekunden auf Puls 4. Nach 5 Minuten würd’ ich also tatsächlich sterben. Todesursache: Verblödung. Soweit lässt es mein Körper jedoch nie kommen. Nach 2 Minuten schlafe ich ein und wache erst wieder auf wenn der Timer den Fernseher ausgeschaltet hat.

Kap. 3: Familienfest

Ganz ehrlich: So extrem viel Blödsinn hab ich noch nie geschrieben. Aber sie lesen noch immer. Wobei ich Sie warnen möchte: Meine Deutsch-Lehrerin hat – obwohl sie es hätte besser wissen müssen – meine Aufsätze auch immer vollständig gelesen. Letztens habe ich erfahren, dass sie einen inoperablen Tumor im Gehirn hat. Zusammenhänge dementiere ich aufs Heftigste! Für Anfragen zu diesem Thema verweise ich auf meinen Anwalt.

Anyway, (will nicht immer „Egal“ schreiben und irgendwie muss ich Ihnen ja auch meine Bildung beweisen) zur Abwechslung springen wir wieder in die Vergangenheit. Ostern 1999, Familienfeier im Hause Beer. Übrigens: Ich würde nicht Beer heißen, hätte meine Mutter meinen Vater geheiratet. Ich würde Cziêtzek heißen. Sven Cziêtzek. Auch nicht besser, ich wollte es nur erwähnt haben. Zurück zur Familienfeier. Ostersonntag, etwa 30 eingeladene Verwandte wollen zeitgleich verköstigt werden. Es kostet auch fast nichts so etwas zu veranstalten. 3 Kisten Bier für 5 Männer, 1 Kiste alkoholfreies Bier für meinen offiziell trockenen Onkel Peter der spätestens nach dem Mittagessen seinen Flachmann am Klo sitzend leert und danach an Ort und Stelle einschläft. Natürlich noch etwa 5 Liter diverse Schnäpse, 10 Flaschen an burgenländischen Weinen für Onkel Fritz und seine junge Frau Phuong-Anh und 15 Liter weitere alkoholfreie Getränke. Was kocht man für 30 Personen in einer 7-Quadratmeter-Küche? Nun … immer dasselbe. Als Entree eine Suppe im 50-Liter Topf auf einer Feuerstelle im Garten. Dreißig Personen, fünfzig Liter. Sollte reichen, reicht aber nie. Es hagelt Beschwerden. Nach der zweiten Familienfeier dieser Größe im Jahre 1993 haben wir ein eigenes Beschwerdemanagement eingerichtet das sich übrigens einige Telekom-Konzerne von uns abgeguckt haben:

Schritt 1: Beschwerde entgegen nehmen (inzwischen nur mehr schriftlich).
Schritt 2: Dem Kunden Verständnis signalisieren und eine prompte Erledigung zusichern.
Schritt 3: Beschwerde vernichten.
Schritt 4 (optional): beharrlichen Kunden Mehrwertdienste verrechnen und bei Zahlungsverweigerung den Vertrag kündigen.

Schritt 4 funktioniert leider nicht bei Verwandten. Nicht, das wir es nicht versucht hätten aber unsere Rechnungen in denen wir diverse Dienste in Zusammenhang mit der Feier verrechnet hätten wurden tatsächlich als Scherz aufgefasst. Die dachten nicht einmal daran, sauer zu sein und nie wieder zu kommen.

Wo war ich … Genau, beim Vorspeisen-Beschwerdemanagement. Danach folgt üblicherweise die Hauptspeise – oder Hauptspeisen. Denn es ist unmöglich, 1 Gericht aufzutischen mit dem man alle zufrieden stellen könnte. Nein, wir brauchen 5 verschiedene Speisen und etwa 15 verschiedene Beilagen und Salate. Knödel etwa: Ganz normale Kartoffelknödel? Neeeiiin. Zehn unserer Verwandten würden doch niemals Kartoffelknödel essen, wir sind ja keine armen Leute. Semmelknödel müssen her die wiederum von mindestens zehn anderen strikt verschmäht werden. Und so geht es weiter mit diversen Varianten von Salaten (Gurke, Kartoffel, Karotte, Tomate, Chinakohl, Blattsalat, …). Im Endeffekt tischen wir etwa 300 Kilogramm an Beilagen auf von denen wir mindestens 15 ohnehin vernichten müssen. Als Hauptspeise gibt es meist 5 Hühnchen von denen jedes etwa 4,5 Kilo wiegt, etwa 22 Schnitzel so groß wie Pizzas, einen Schweinebraten bei dem es einfacher wäre gleich das ganze Schwein zu braten und 2 Kilo Chickenwings für die Kinder. Ach ja, und etwa 150 Gramm Pangasiusfilet für Phuong-Anh. Onkel Fritz faselt immer irgendetwas von einer kurzen Leine. Kein Ahnung was er damit meint.

Zuvor geht es natürlich traditionell an die Osternester-Suche. Alle Kinder müssen suchen. Ich nicht, ich war der älteste. Ein junger Mann mit 16 Jahren am Buckel. Nicht in den Augen meiner lieben Großmutter.

„Geh weiter Svenny (SVENNY!!! wieder ein Thema für Schadenersatzzahlungen), musst schon dein Nesterl suchen sonst kriegst nix!“
„Is mir egal“
„Geh weiter, so alt bist auch noch nicht dass dein Nesterl net suchen brauchst. Dein Papa
(umgangssprachlich: „Stieftrottel“) hat mit Zwanzig noch gern gesucht.“
„Der hat mit Zwanzig auch noch nach den Antworten für den Führerscheintest gesucht.“

„Was sagst da? Mein Bub is schon mit Achtzehn Auto g’fahren. Und werd ja net schon wieder frech!“
„Etwas zu tun heißt nicht etwas zu dürfen.“
„Des freche Mundwerk werden’s dir beim Bundesheer schon noch austreibn.“

Wiederum aus Gründen des guten Geschmacks und um die Jugendfreigabe hierfür nicht zu gefährden führe ich die Konversation nicht weiter aus. Jedenfalls sah ich von meinem Platz aus mehr Osternesterl als meine etwas einfältigen jüngeren Verwandten trotz intensiver Suche nicht finden konnten. Meine Mutter kochte. In zweierlei Hinsicht. Einerseits in der Küche das Essen für 30 geliebte (*hust*) Menschen mit den Ansprüchen eines Gourmets und den Manieren einer Herde Wildschweine. Und andererseits kochte ihr sonst ruhiges Gemüt.

Essenszeit war immer 12 Uhr. Immer. Nur nicht in diesem Jahr. Cousine Franziska übergab sich wegen eines Zuckerschocks in diesem Jahr das erste Mal bereits um 10:02 Uhr – neuer Rekord, das erste blaue Auge erhielt Marlin (ich weiß!) dagegen erst um 11:34 Uhr von der fetten Franziska (weil er sie so genannt hat) und alle Kinder hatten pünktlich wie geplant um 11:45 Uhr mitteleuropäischer Zeit ihre Nester gefunden. Alle Kinder? Nein, nicht alle Kinder. Johannes (Hansi), 12 Jahre und Wrestling-Fan (Looser!) natürlich nicht. Er war wie jedes Jahr der Letzte. Seine Nester werden meist schon von der von Geburt an blinden Tochter unserer Nachbarn geplündert bevor er sie entdeckt.

„Hansi! Jetzt gehst noch 5 Schritte und dann schaust hinter die Sträucher!“
Meine Tante versuchte von der Terrasse aus so gut wie möglich mitzuhelfen.
„5 Schritte Hansi! Das waren erst zwei! 5 sind so viel wie du Finger hast!“

Schwerer Fehler. Hansi hat 10 Finger und als er nach 7 Schritten gegen einen Baum lief war er etwas beleidigt. Jedenfalls wurde die Suche um 12:54 Uhr erfolglos abgebrochen. Meine Großmutter konnte sich nicht erklären warum das letzte Nest einfach nicht mehr dort war wo sie es versteckt hatte. Ich wusste es schon aber den Spaß behielt ich wiederum aus gesundheitlichen Gründen dann doch besser für mich.

Um 13 Uhr saßen alle an den Tischen. Die Verspätung hat dem Essen jedoch nicht besonders gut getan. Die Suppe war noch genießbar und die Beilagen waren auch kein Problem. Der Rest war jedoch entweder kalt, angebrannt oder von Haus aus ungenießbar. Das Beschwerdemanagement kollabierte ebenso wie meine Mutter. Onkel Peter trank seinen Flachmann derweilen schon bei Tisch, die Kinder verletzten sich gegenseitig mit steinharten Chickenwings und Phuong-Anh musste wegen einer Lebensmittelvergiftung ins Krankenhaus.

Im Nachhinein betrachtet hätte uns das durchaus früher einfallen können. Wir haben keinen der Verwandten jemals wieder gesehen. Selbst Onkel Peter wurde 2001 zweimal beerdigt damit sich die verfeindeten Clans nicht sehen zu müssen. Wie im Paradies.

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Bei entsprechenden Kritiken wird die Geschichte fortgesetzt.

Yanic.