Short Story

Kurzgeschichten mit Links

Archiv der Kategorie ‘Märchen’

Vogelperspektive

Von fantastixx am 20. Oktober 2011 veröffentlicht

Die Sonne ging gerade auf an der Küste. Das Rauschen von den Wellen war ruhig und sanft. Am Strand rollten die Wellen über den marmorfarbigen Sand und der weiße Schaum löste sich am Ufer auf. In Porto Cristo machten sich die ersten Händler daran, ihr Tagewerk zu beginnen. Die Fischer hatten in der Nacht reiche Beute gemacht und fuhren nun langsam in den Hafen ein. Hinter ihnen flog eine kreischende Schar von Möwen her. Ihre Schreie konnte man schon von weitem am Festland sehen. Wenn die weißen Vögel so tief über dem Wasser flogen und kreisten, war es ein gutes Zeichen für die Bewohner der kleinen Hafenstadt. Das Schiff hatte nicht den Meeresgrund in der Nacht berührt und die Männer würden hoffentlich mit einer guten Ausbeute zurück kehren. Kurz bevor das Schiff den Hafen von Porto Cristo erreichte, stürzten sich einige der Möwen senkrecht ins Meer. Während sie ins Wasser eintauchten, wie Pfeile, fischten sie nach dem was die Fischer über Bord warfen. Eine dieser Möwen sah, wie einem der Seeleute ein Fisch mit seinen letzten Zuckungen versuchte, zurück ins Wasser zu gelangen. Mit einem letzten Flossenschlag hüpfte er tatsächlich über Bord. Pfeilschnell, wie ein Torpedo legte die Möwe die Flügel an, um sich die Beute nicht entgehen zu lassen. Der Aufschlag bremste sie, doch bevor der noch benommene Fisch entwischen konnte, packte sie mit dem Schnabel zu. Sie tauchte aus dem aufgepeitschten Wasser auf und verschlang ihn gierig, ehe eine ihrer Artgenossen ihr den Fisch entreißen konnte. Dann drückte sie sich mit aller Kraft vom Wasser ab und erhob sich zurück in die Luft. Sie kreiste noch ein paar Mal über das Boot, aber erkannte, dass es heute nicht mehr allzu viel geben würde.

Von den Winden gestützt, begann sie an der Küste entlang zu segeln. Unter ihr türmte sich das Meer und die weißen Wogen sahen für einen Normalsterblichen gefährlich aus. Die Möwe kümmerte sich nicht weiter darum und segelte an der Insel entlang. Der Berge im Inneren der Insel waren von einigen Bäumen bewachsen, aber auch felsige Steinwände waren zu sehen. Die Insel, die so beliebt war bei den Menschen und doch so unterschiedliche Eindrücke hinterließ. Mallorca, wurde sie genannt, sie war so vielseitig wie ein Smaragd, der je nach Lichteinfall anders erstrahlte. Unter der Möwe eröffneten sich Sandstrände, die den Teil der Insel säumten, wie einen Streifen. Bald erschien unter ihr eine weitere Hafenstadt: Cala Ratjada, die Rochenbucht. Umsäumt von grünen Hügeln lag die Stadt direkt am Meer und die letzten Fischerboote brachten gerade ihre Ladung herein. Am frühen Morgen war es hier angenehm. Die meisten Besucher der Stadt schliefen noch. Die weiß getünchten Häuser leuchteten in der Morgensonne und der Hafen strahlte eine Ruhe aus. Hier hatte die Möwe manchmal des Nachts auf einem Masten der Schiffe geschlafen und den klaren Himmel und den Mond betrachtet. Tagsüber war hier zu viel Rummel, um Fische zu fangen. Menschen fuhren mit ihren Segelbooten hinaus, Schiffsverkehr herrschte. Manchmal, wenn die Möwe es wollte, flog sie an den Kai herunter, wo Touristen sie mit Brot fütterten.

Unweit von Mallorca, lag die kleinere Insel, der Ort, an dem die Möwe einst geschlüpft war. Menorca war so anders als die große Insel. Weniger Menschen strömten zu ihr, mehr Ruhe wahr hier. Die Insel war von einem grünen Teppich aus Bäumen überzogen. Nur im Norden der Insel ragten schroffe und steile Küstenhänge aus dem Wasser. Hier donnerte die Brandung gegen den Fels und hinterließ ein lautes Echo, dass nicht einmal die Möwe mehr etwas hören konnte. Wenn die Möwe über die Insel flog lagen unter ihr alte Bauernhöfe oder weite Wiesen und die Insel war ein Ort der Ruhe. Während die Möwe ihre Runde über Cala Ratjada drehte, dachte sie an diesen Ort. Als der Wind sich drehte, drehte auch sie ab, weg von der Rochenbucht, fort von Mallorca. Unter ihr lag nur das tiefe Blau des Meeres. Ein paar kleine Schiffe fuhren zwischen den Inseln herum. Die Sonne war mittlerweile hoch am Himmel und das Wasser glitzerte und spiegelte ihre Strahlen. Begleitet vom Rauschen des Meeres und des warmen Südwindes flog die Möwe zurück zu ihrer Heimat.

Das Casanova – Experiment

Von AdrianeFranz am 20. Oktober 2011 veröffentlicht

Die Leserschaft von Ciacomo Casanova wird bestätigen, dass der Stoff des klugen und verrückten Mannes aus dem 18. Jahrhundert mehr ist als nur vielerlei Beschreibungen erotischen Vergnügens. Casanova ist ein genauer Besobachter seiner Zeit, war gebildet, reiste viel, sah hinter die Kulissen und kannte wichtige Persönlichkeiten. Sein Werk ist eine Art Sittengemälde seiner Epoche jenseits simpler und platter Amouren eines genitalgesteuerten Subjektes, wiewohl erotische Ergüsse sicherlich nicht zu kurz kommen. Die Art und Weise vermag auch sicherlich manchem heutigen Leser die Schamesröte ins Gesicht treiben. Jedoch, die Weite des Spasses, welchem sich ein Leser aussetzt, ist in der Tat unermesslich.

Nun geschah vor einiger Zeit folgendes. In einem edlen Hause in Österreich mit Namen Hotel Tirol hatte sich eine illustere Gesellschaft eingefunden, allesamt Söhne von nicht unvermögenden Leuten. Nun ist das Tirol Hotel nicht irgendwie dafür bekannt, ein Ort besonders seltsamer und eigenartiger Vorkommnisse zu sein, aber es ist ein gern besuchter Platz von sorglosen und durchaus den Luxus nicht ablehnenden Induvidien aus aller Herren Länder. Hier trifft man sich ungezwungen, geniesst einen feinen Lebensstil und vor allen Dingen Entspannung und eine inspirierende Kulisse.

Die eben genannte illusterse Gesellschaft bestand durchweg aus kultivierten und gut gebildeten jungen Männern, deren Lebensfreude sie – vielleicht auch ihres noch jungen Alters wegen – zuweilen gar zu verrückten Dingen nachgehen liess. Hier mag der gesetzte Mensch sogar zu lächeln beginnen, aber sehen wir weiter. Die Jungen verehrten in nicht geringem Masse Casanova, und der wahre Grund ihres Treffens an dem schönen Ort war ein Wettbewerb der besonderen Art. Casanova erzählte einst von einem koitalen Marathon, den er mit einem jungen Mann bestritt. Sie wollten sehen, wer von beiden die grössere Manneskraft besitzen würde. Dabei berichtet Casanova, dass er sich vorbereitete mit einer Mixtur aus Wein und viel Eigelb.

Unsere jungen Männer hatten sich bereitwillige Damen bestellt und in Casanovas Weise den Vorsatz gehabt, es diesem gleich zu tun.
Am Morgen des nächsten Tages, die Sonne war noch nicht aufgegangen, war der medizinische Notdienst Gast auf dem Hotelgelände. Drei der jungen Männer kamen mit massiven Kreislaufproblemen ins Krankenhaus. Wie sich herausstellte, hatten die jungen Casanovaliebhaber nicht mit offenen Karten gespielt, sondern übermässig Viagra zu sich genommen und damit in ernste Lebensgefahr gebracht. Unglaublich, wozu literarische Phantasie in der Lage ist!

Ein Friseurbesuch

Von martita am 21. Juli 2011 veröffentlicht

Es begab sich dieser Tage, dass diverse Indizien dafür sprachen, dass es wieder einmal Zeit wurde den Friseur aufzusuchen. Mit Indizien meine ich die irritierende Frage wer um Gottes Willen einen da morgens im Bad die ganze Zeit anstarrt, oder auch der langsam offenkundig werdende Versuch der Bekanntschaften, in der Öffentlichkeit irgendwie den Eindruck zu erwecken, dass man mich nicht kennen würde. Ich ging also zum Friseur. Ein Akt, der mich stets ein wenig an den Gang zum Zahnarzt erinnert. Wer behauptet der Friseurbesuch täte nicht weh, weil man in den Haaren ja keine Nervenenden hätte, unterschlägt den Schmerz in der Seele, wenn die paar Haare die man als etwas in die Jahre gekommener Herr noch hat auch noch gestutzt werden.

Da ich in die hiesige Stadt erst vor kurzem eingekehrt war, musste ich wohl oder übel einen neuen Friseur ausfindig machen. Bei dieser Suche stößt man auf mitunter amüsante, wenn auch wenig vertrauenserweckende Namen von Anbieter. Mein persönliches Highlight ist der „Hair Killer“, der mit diesem Namen sicher nie auf meiner Kandidatenliste landen wird.

Meine Wahl fiel also auf einen geographisch vorteilhaft liegenden Salon. Ich betrat diesen demzufolge ohne einen Schimmer, was mich hinter der Tür des Salons erwarten würde. Es starrte mich beim Betreten ein offenbar männliches Wesen an, dass von einer Schicht aus Piercings und Tätowierungen begraben war, wobei ich mit meinem doch eher konservativen Erscheinungsbild definitiv besser in diesen Salon mit seinen bequem erscheinenden Friseurstühlen passte als jenes Wesen. Ich ging also, trotz dieser Gestalt, die mich tatsächlich frisieren wollte davon aus das es sich um einen halbwegs normalen Salon handelte.

Mitnichten – Aber wir wollen nicht vorgreifen.

Ich nahm nach einer Aufforderung Platz auf einem der Waschstühle und genoss die angenehme Überraschung, dass es bei diesem Stuhl kein Martyrium war, seinen Kopf in die dafür vorgesehene Kuhle zu legen. In Erwartung des Wasser, dessen Temperatur im Gegensatz zu der Befürchtung der meisten Friseure eigentlich stets angenehm ist, lag ich hier also gänzlich schutzlos dem tätowierten Wesen ausgeliefert. Der Waschvorgang verlief normal, das heißt bis auf die Tatsache, dass ich noch nie ein Haarwaschmittel mit schwarzem Schaum gesehen hatte, was mich sehr faszinierte.

Nach dem Waschen nahm ich Platz auf einem Friseurstuhl und starrte ungewohnter Weise nicht auf mein Spiegelbild, wie man dies sonst bei Friseuren tut, sondern auf eine Art Gemälde, dass aus einer relativ sterile Fläche aus Metallkugeln bestand, die Wenn überhaupt nur stark verzerrt mein Antlitz wiedergaben. Das tätowierte Wesen begann derweil mit seinem Werk. Unfähig ihn dabei zu beobachten, ließ ich mich von der Magie des Bildes einfangen, dessen Komplexität aus verzerrten Spiegelungen eine Wirkung hatte, die man als fast schon hypnotisierend bezeichnen kann. Dies war auch bitter nötig, denn was immer er da tat fühlte sich an, als seien meinen Haaren am Ende doch noch Nervenenden gewachsen. Es tat nicht weh, es war, so absurd dies auch klingt, eher ein angenehmes Kribbeln in den Haarspitzen. Ich weiß nicht, wie viel Zeit verging, aber genug damit ich das Gefühl hatte, die spiegelnden Kugeln würden sich mitunter kurzzeitig in leicht und angenehm pulsierende Objekte verwandeln, die meine Augen durch eine Art Aura sanft massierten und die Anstrengungen des Tages entweichen ließen.

Irgendwie erhob ich mich nach getanem Werk vom Friseurstuhl, bezahlte und verließ den Salon, wobei mein Kopf sich geringfügig aber angenehm schwerer als früher anfühlte.

Zuhause angekommen hatte ich so viel Haar, wie das letzte Mal im Alter von 18 auf dem Kopf.

Dianes goldener Bilderrahmen

Von Jodokus am 29. Dezember 2010 veröffentlicht

Jodokus ist ein kleiner Entenerpel der in einem Baumhäuschen wohnt. Er hat sich seine Wohnung schon sehr schön eingerichtet mit einem flauschigen Bett aus Entenfedern, einem Holztisch, ein paar Stühlen und einem Ofen, der ihn schön wärmt, wenn es im Winter klirrend kalt ist. Wenn ihm einmal langweilig ist, dann lädt er seine Freunde zu sich ein um zu spielen oder um gemeinsam auf der Baumterasse Träumen nachzuhängen. Die Baumterrasse hat er mit vielen kleinen golden Spiegelrahmen ausgestattet, die das Sonnenlicht in den grünen Blättern des Eichenbaumes spiegeln lassen.

Doch manchmal wird Jodokus traurig dabei, denn er vermisst seine Diane, eine schöne Entendame, die schon lange über den großen Teich nach Entenstetten geschwommen ist, wo sie mit ihren Eltern eine moderne Stadtraumwohnung bezogen hat. Jodokus zieht das einfache Leben auf dem Land vor, mit seinen Freunden, der guten Luft und den vielen Erlebnissen am Fluss, im Wald oder den tiefen Gedanken eines Entenerpels auf seiner Baumterrasse. Aber im nächsten Sommer möchte Jodokus Diane unbedingt besuchen, denn er vermisst sie doch so sehr. Zuviele schöne Erinnerungen verbinden ihn mit Diane, wie sie unten am Fluss gemeinsam dem Sonnuntergang entgegengeschwommen sind, oder Fliegenfischern mit ihrem Gesangesgequake den letzten Fisch verjagt haben. Er möchte sie auch überreden, zu ihm in sein Baumhaus zu ziehen, das er doch so schön eingerichtet hat. Dabei wird er ihr auch erzählen, das er ihr Bild über dem Kamin aufgehängt hat, in einem wunderschönen, wertvollen Bilderrahmen, den er selbst gemacht hat, mit echtem Gold belegt, dass er selbst im Fluss mit seinen eigenen Federn gesiebt, dann geschmolzen und zu Blattgold verarbeitet hat. Jodokus ist nämlich auch ein sehr begabter Handwerker und hat bei Vergolder Antikus, dem Bieber und Holzbaumeister, gelernt, wie man Blattgold herstellt. Jodokus denkt sich, es wäre doch gelacht, wenn er, der Gold zum Schmelzen bringt, nicht auch das Herz von Diane zum Schmelzen bringen könnte. Und er kann ihr dann auch erzählen, das viele andere Bewohner im Wald und auf dem Land seine Bilderrahmen mögen, und er diese sicher auch in der Stadt verkaufen kann. Und so verfliegt die Traurigkeit wieder aus Jodokus´ Entenerpelgesicht. Ob Jodokus bald Diane in seine goldenen Erpelflügel nehmen darf?

Hanni im Goldrausch

Von Samsa am 29. Oktober 2010 veröffentlicht

Es war einmal ein kleines Mädchen mit knallrotem, gelockten Haar und vielen Sommersproßen im Gesicht. Ihr Name war Hanni und es lebte einsam, arm und allein in einem kleinen Städtchen namens Küstrin. Küstrin liegt heute in Polen. Es gehörte aber im 19. Jahrhundert noch zu Deutschland oder besser gesagt zu Preußen. Hanni war 10 Jahre alt und war einsam, da sie ihre Eltern verloren hatte. Ihre Eltern kamen bei einer großen Flut um. Küstrin lag an einem großen Fluss, der Oder. Die Oder war ein gefährliches Fluss, da sie oft Hochwasser hatte. In manchen Jahren aber war das Hochwasser so schlimm, dass es weit über die Ufer stieg und viele Häuser überflutete. Außerdem konnte der Fluss dabei eine starke Strömung entwickeln und Menschen und Tiere einfach mit sich mitziehen. Dies passiert Hannis Eltern, vermutete man jedenfalls. Denn sie wurden nie wieder gesehen nach der Flut.

Niemand wollte sich jedoch so recht um das kleine Mädchen kümmern, welches die liebenden Eltern nach ihrem Verschwinden hinterlassen hatten. So war Hanni bereits mit neuen Jahren ganz auf sich allein gestellt und musste sich um Essen, Trinken und Geld bemühen. Da sie jedoch noch so jung war, wollte ihr niemand eine Anstellung geben und somit konnte sie auch kein Geld verdienen. Ohne Geld jedoch konnte sie sich nichts zu essen oder zu trinken kaufen. Also, versuchte sie wohlhabende Leute zu bitten, ihr eine kleine Spende oder ein Stück Brot zu geben. Die reichen Leute aber waren häufig sehr erzürnt, wenn sie sie anbettelte. Als Antwort bekam sie oft: “Wir sind ehrliche Leute und gehen ehrlichen Arbeiten nach, wieso sollten wir die Gesindel was geben?!”. Hanni war an vielen Tagen sehr verzweifelt, aber sie hatte einen großen Traum. Wenn sie erwachsen war, wollte sie auch wohlhabend sein und mit ihrem Geld anderen armen Kindern helfen, ihnen Unterkunft, Essen und Trinken geben. Deshalb überlegte sie oft, wie sie an so viel Geld kommen könnte.

Mitte des 19. Jahrhunderts gab es plötzlich großes Aufsehen unter den Geschäfts- und Handelsmännern in Küstrin und auch in anderen Städten. Viele von ihnen zogen in die neue Welt, genannt Amerika, denn sie hatten gehört, dass man dort mit einem Metall sehr reich werden konnte. Dieses Metall hieß Gold und war unsagbar wertvoll. Hanni war inzwischen 14 Jahre alt und hatte schon einige kleinere, eher niedere Tätigkeiten in Küstrin wahrgenommen. Für gehobenere Arbeiten empfand man sie nicht als qualifiziert genug,  da sie nur eine arme dumme Waise war.

Als sie von dem sogenannten Goldrausch in Amerika hörte, hatte sie die Idee ihr Glück auch in der neuen Welt zu suchen. Doch wie sollte sie bloß eine teure Fahrkarte für das Schiff bezahlen? Denn man musste ganze drei Monate auf dem Schiff bleiben, um nach Amerika zu schippen. Da traf sie einen Jungen, der nur ein Jahr älter als sie war. John war auch eine arme Waise und hielt sich mit Matrosenarbeiten über dem Wasser. Er kam eigentlich aus England, sprach aber inzwischen ein wenig Deutsch, da die Schiffe, auf denen er arbeitete häufig in Deutschland anlegten und deutsche Passagiere mitnahmen. Er freute sich sehr darüber, jemanden in seinem Alter kennenzulernen, der seine Probleme so gut verstehen konnte. Also, niemand konnte das besser als die arme Hanni! Da er nicht mehr allein sein wollte und Hanni gern nach Amerika wollte, bot er ihr an, sie heimlich mit auf das Schiff zu nehmen und sie dort zu verstecken, bis sie Amerika erreicht hatten. Hanni war begeistert! Also zogen sie beide in der Nacht auf das Schiff, damit sie in der Dunkelheit niemand sehen konnte und in der Früh des folgenden Tages legte das Schiff ab. Hanni war sehr aufgeregt, da sie noch nie auf einem Schiff war, noch nicht einmal auf einem Boot. Sie konnte noch nicht mal schwimmen, warum sie auch ein bisschen Angst hatte. Sie verstand sich jedoch sehr gut mit John und sie hatten viel Spaß gemeinsam.

Nach zweieinhalb Monaten anstrengender Schifffahrt erreichten sie endlich das von allen Passagieren heiß ersehnte Amerika! Nun trennten sich die Wege Johns und Hannis wieder und sie waren deshalb sehr betrübt aber sicher, dass sie sich eines Tages wiedersehen würden als reiche Menschen.

Hanni betrat die kleine Stadt San Francisco und begab sich sofort daran, herauszufinden, wie und wo man nun dieses Gold herbekommt. Einige Goldsucher waren sehr überrascht, dass ein junges deutsches Mädchen sich auf die anstrengende Suche nach Gold begeben wollte. Denn die meisten Goldsucher waren graubärtige Männer. Sie wiesen sie zum American River in den Sierra Nevada, einem großen Gebirge. Als sie dort ankam, sah sie viele Männer mit eigenartigen Schüssel in der Hand. All diese Menschen standen mit hochgekrämpelten Hosen im Wasser und schienen dieses zu waschen! Sie fragte ein paar von den Männern, was sie da taten und diese erklärten ihr den Vorgang des Goldwaschens. Man füllte dazu die Schüsseln, die statt eines Bodens ein Sieb hatten, mit Kies vom Flussgrund und siebte es in der Hoffnung auch nur einen winzigen Brösel Gold zu finden.

Hanni lieh sich von einem Goldsucher solch eine Schüssel und begann zu waschen. Bereits nach einer Stunde hatte sie einen etwa einen Zentimeter großen Goldklumpen gefunden. Sie selbst konnte den Wert dieses Stückchens jedoch noch nicht wirklich einschätzen und freute sich daher nicht übermäßig. Am Ende des Tages, nachdem sie 16 Stunden lang Gold gewaschen hatte, hatte sie einen stattlichen Haufen gesammelt. Mit ihrem Fund ging sie zum Tauschbüro und zeigte ihn vor. Der Angestellt war außerordentlich überrascht und erfreut über ihren großen Fund, den sie selbst gar nicht als solchen empfunden hatte. Er gab ihr daraufhin einen großen Sack mit Goldmünzen und sagte zu ihr: “Mein liebes Mädchen, nun musst du nie wieder arbeiten, denn du bist unschätzbar reich!”. Hanni fiel aus allen Wolken, als sie die ganzen Münzen betrachtete und konnte es kaum glauben, dass sie nach einem Tag Arbeit bereits alles geschafft hatte, was sie erreichen wollte. Sie fuhr in die Stadt San Francisco zurück, um das Schiff zurück nach Deutschland zu nehmen. Auf dem Weg durch die Stadt jedoch fiel ihr auf, dass es auch in Amerika viele arme Kinder und Familien gab. So entschied sie sich in diesem wundervollen Land zu bleiben, was ihr schließlich den Reichtum geschenkt hatte, und eröffnete in San Francisco ein Waisenhaus mit einem wunderschönen Tag, einem kleinen Bach. Sie nannte das Haus Goldkinder. Die Goldsuche führte sie jedoch fort und schickte immer wieder Briefgold zu ihrem alten Freund John nach England.

Lenas Traum

Von Halogenlicht am 30. Juni 2010 veröffentlicht

Es war schon ziemlich spät, aber Lena hatte keine Lust schon wieder ins Bett zu gehen und auf den nächsten Tag zu warten, sie war wie so oft, noch gar nicht müde. Stattdessen machte sie es sich in ihrem Zimmer gemütlich und freute sich darauf, ihr spannendes Buch weiter lesen zu können. Sie wusste genau, dass ihre Mutter es gar nicht gerne sah, wenn sie so spät noch ein Buch las, zumindest schien es Lena so, als ob ihre Mutter es nicht gerne sah. Aber die Geschichte war einfach zu spannend, so dass sich Lena jeden Abend auf die Fortsetzung freute. Immer wenn sie las, vergaß sie die Welt um sich herum und alles schien so einfach.

Ob ihre Mutter wusste, dass sie immer heimlich unter der Bettdecke mit Taschenlampe las? Wahrscheinlich wusste sie es, aber tolerierte es, weil sie es in ihren jungen Jahren wohl auch nicht anders gemacht hatte. Lenas Mutter wusste, dass das Lesen vor dem Schlafen gehen die Fantasie für Träume anregen konnte und die Gedanken für den nächsten Tag positiver erscheinen ließ.

Lena machte sich für ihr Bett fertig und wünschte ihren Eltern eine gute Nacht. Ins Bett gekrochen, machte sie die Taschenlampe an und schlug ihr Buch auf. Es handelte von einem Jungen, der etwa in ihrem Alter war. Sie bewunderte diesen Jungen und beneidete ihn um seine Abenteuer die er bestehen durfte. Fast schon empfand sie kleine Schmetterlinge im Bauch, wenn sie von ihm las, er war so mutig und gleichzeitig auch so feinfühlig und intelligent. Er war sehr hübsch, zumindest das was Lena in ihrer Geschichte über den Jungen las, empfand sie als hübsch, die Jungs in ihrer Klasse waren da anders. Vielleicht verstanden sie einfach noch nicht so viel vom Leben wie der Junge in Lenas Buch. Die Jungs aus ihrer Klasse fanden Mädchen zwar spannend, aber hatten andere Dinge im Kopf. Für diese Jungs war es „uncool“, sich mit einem Mädchen zu unterhalten oder etwas zu unternehmen. Insgeheim übten die Mädchen für die Jungs aber schon in diesem Alter eine gewisse Faszination aus, die sie aber noch nicht richtig interpretieren konnten.

Lena hatte schon die Hälfte des Buches gelesen und hoffte, dass es eine Fortsetzung dieses Buches geben würde, sie wollte das Leben diese Jungen weiterverfolgen und diesen Jungen nicht mit dem Buch zur Seite legen.

Lena hörte, dass ihre Mutter die Treppe heraufkam und machte schnell die Taschenlampe aus, weil sie wusste, dass ihre Mutter immer noch einmal ins Zimmer schaute, um zu sehen, ob ihre Tochter schon schlief und erst wieder aus dem Zimmer ging, wenn sie sich sicher war, dass Lena schlief. Auch dieses Mal öffnete ihre Mutter leise die Tür und schaute ins Zimmer hinein, alles schien in Ordnung. Lena schloss unter ihrer Decke die Augen und tat so, als ob sie schlief, bewegungslos lag sie da. Wenn sie gewusst hätte, dass sie in diesem Moment auch eingeschlafen war, wäre das folgende Erlebnis halb so spannend für sie gewesen: Als sie die Augen wieder öffnete, war sie nicht mehr in ihrem Bett, sondern in einem verwilderten Garten, rote und weiße Rosen rankten am verwitterten Gartenzaun und das Gras wuchs in alle Richtungen, der Garten wirkte so als sei er aus einem Märchen entsprungen. Lena hatte den Garten zuvor noch nie gesehen, erinnerte sich aber, dass der Junge in ihrem Buch eine Großmutter hatte, die einen solchen Garten besaß und der Junge sich sehr gerne darin aufhielt. Neugierig ging sie ein paar Schritte und schaute sich um, es war ein großer Garten, sehr geheimnisvoll und unberührt. Lena dachte daran, wie oft der Junge sich in diesem Garten aufhielt und wie oft er dabei das nächste Abenteuer plante. Plötzlich hörte sie es hinter sich rascheln, ruckartig drehte sie sich herum. Sie glaubte ihren Augen kaum, als sie den blonden Jungen aus dem Buch vor sich stehen sah. Sie blickte in seine Augen und war verwirrt, offensichtlich hatte auch er nicht mit ihr gerechnet. Sie wusste so viel über ihn und doch auch wieder nichts. Es war ein komisches Gefühl für Lena zu spüren, wie die beiden Realitäten ineinander verschmolzen und zu einer einzigen Realität wurden. Der Junge war es, der als erster das Wort ergriff und Lena fragte, wer sie sei. Lena antwortete, dass sie sich kennen würden und dass sie wisse, was er für tolle Abenteuer erlebt hatte. Der Junge lächelte. Lena fand den Augenblick bezaubernd und wünschte sich, dass er nie vorübergehen würde. Sie vergaß alles um sich herum, ihre Gedanken kreisten nur um diesen Jungen. Plötzlich erschien alles andere unwichtig. Gerade wollte sie ansetzen zu sprechen, als sie ihren Wecker hörte. Ein komisches Gefühl überkam sie, was hatte der Klang des Weckers in diesem Augenblick und in diesem geheimnisvollen Garten zu suchen? Sie hörte, wie jemand ihren Namen rief, es war eine Stimme die sie kannte, aber in diesem Moment nicht zuordnen konnte. Plötzlich wurde ihr klar, dass sie geträumt hatte. Enttäuscht öffnete sie die Augen und sah ihre Mutter vor ihrem Bett stehen. „Aufstehen Lena!“ sagte ihre Mutter sanft. Wie schade, dass sie ihren Helden, den blonden Jungen, nicht noch fragen konnte, ob sie ihn einmal bei seinen Abenteuern begleiten durfte. Unwillig stieg Lena aus dem Bett und ging ins Bad und putzte sich die Zähne. Warum wacht man immer auf, wenn es am schönsten ist, fragte sie sich. Auf dem Schulweg dachte sie darüber nach, was wohl der blonde Junge aus dem Buch über sie dachte, fand er sie sympathisch? Genauso sympathisch wie sie ihn fand? Diese und andere Fragen geisterten ihr im Kopf herum, als sie das Klassenzimmer erreichte. Sie hoffte, dass der Tag bald vorübergehen würde und sie in ihrem Buch weiter lesen konnte. Sie war gespannt darauf, ob sie wieder einmal die Möglichkeit bekommen würde, mit dem blonden Jungen zu sprechen, das nächste Mal würde sie sofort nach den wichtigen Dingen fragen.

Leider hatte sie nicht mehr einen solchen Traum, wahrscheinlich weil sie zu sehr hoffte, dass sie den geheimnisvollen Garten noch einmal betreten durfte. Es gibt eben Dinge, die darf man sich nicht wünschen, damit sie in Erfüllung gehen!

Die Abenteuer der kleinen Mausi – Der Feuerteufel

Von Judith Schomaker am 22. Dezember 2009 veröffentlicht

Da habe ich euch jetzt aber ordentlich an der Nase herumgeführt! Ich heiße zwar Mausi, aber in Wirklichkeit bin ich eine Katze, meine Menscheneltern haben mich nur so genannt. Warum, das weiß ich auch nicht so genau, denn eigentlich verstehe ich mich mit Mäusen nicht so gut, ich fange sie viel lieber. Dazu müsst ihr wissen, dass ich auf einem großen Bauernhof lebe. Hier gibt es allerhand Tiere. Pferde, Hühner und Gänse, Schweine, Schafe und natürlich einen Hofhund. Der ist aber ganz lieb und lässt uns Katzen in Ruhe. Mit uns meine ich mich und die anderen 5 Katzen auf dem Hof. Eine, Mia, könnte meine Oma sein, so alt ist sie schon. Dann sind da noch Kascha, eine Katze, die den ganzen Tag nichts besseres zu tun hat, als zu schlafen, Peter, der uns nur ab und zu einmal einen Besuch abstattet, weil er sich auch bei den Nachbarn durchfuttert und Matscho. Der ist genauso alt wie ich, nämlich ein halbes Jahr und mit dem kann man toll spielen und spannende Abenteuer erleben.

Heute möchte ich euch einmal erzählen, was mir passiert ist, als ich wieder einmal mit Matscho zusammen den Hof unsicher gemacht habe. Eigentlich fing der Tag wie jeder andere an. Früh morgens hat unserer Menschenmama uns unser Futter in den Napf gefüllt und ein Schälchen Katzenmilch gab`s auch noch dazu. Wir stehen dann schon immer ganz ungeduldig vor der Tür und warten, denn manchmal können wir ins Haus huschen und dort ein bisschen toben oder es uns vor dem Kamin gemütlich machen – natürlich nur so lange, bis wir entdeckt werden. Aber irgendwas lief an diesem Tag gehörig schief.

Nachdem wir uns eine ordentliche Portion Futter abgeholt hatten, man muss immer schnell sein, denn die anderen Katzen sind ganz schon gefräßig, sind Matscho und ich auf Streifzug gegangen. Es schneite draußen wie verrückt, super Wetter also zum Schneeflocken jagen. Das wurde dann langsam ganz schön kalt unter den Pfoten und so haben wir uns lieber zu den Pferden ins Stroh gesellt.
Komisch, irgendwie war es heut anders im Stall und der Geruch war auch nicht so, wie er eigentlich sein sollte. Es roch genauso, wie am Kamin. Oh nein, wie am Kamin! Das konnte nichts Gutes bedeuten, denn eigentlich riecht es hier nur nach frischem Heu. Jetzt viel uns auch auf, dass die Pferde viel unruhiger waren als sonst und wir ganz schön aufpassen musst, dass sie uns nicht auf die Pfoten treten. Das mussten erst einmal genauer erforschen. Schließlich ist unsere Nase ganz hervorragend und so erschnupperten wir uns den Weg, um dem Ursprung des merkwürdigen Geruches auf den Grund zu gehen.

Unterwegs lief uns Bobby der Hofhund über den Weg, auch er hatte etwas bemerkt und gemeinsam folgten wir dem seltsamen Kamin-Geruch. Da war es, das Übel! In einer Ecke der Diele entdeckten wir Feuer, das konnte nur eine Katastrophe geben. Das ganze Stroh und Heu, das Holz – das Feuer war nicht mehr weit von alledem entfernt. Wir mussten etwas tun. Gemeinsam mit Bobby alarmierten wir Kascha und Mia. Die sonst so verschlafene Katze war im Nu hellwach. Peter war mal wieder nicht da. Typisch, immer, wenn man ihn brauchte, war er unterwegs. Gut, dass Bobby da war, denn er konnte Türen öffnen und hatte noch so einige nützliche Tricks mehr auf Lager. Wir mussten das Feuer löschen, aber wie? Doch da hatte Bobby die rettende Idee.

Zusammen mit den anderen beiden Katzen schnappten Matscho und ich uns den Wasserschlauch, der zusammengerollt an der Dielenwand hing. Das war gar nicht so einfach, aber mit vereinten Kräften schafften wir es, ihn von seiner Halterung zu werfen. Zusammen mit Bobby schleppten wir ihn dann direkt zum Feuer. Man was war das heiß hier, wir mussten aufpassen, dass wir uns nicht die Pfoten verbrannten. Doch was nützte uns der Schlauch, ohne Wasser lässt sich schließlich kein Feuer löschen. Aber wir hatten Bobby unterschätzt. Der konnte nämlich den Hebel vom Wasserhahn mit der Schnauze zur Seite drücken – welch ein Glück. Jetzt mussten wir nur noch den Schlauch näher an das Feuer bekommen. Wir wollten gerade zurück zum Feuer, als wir plötzlich ein grässliches Miau hörten. Es kam aus der Richtung, wo das Feuer mittlerweile schon recht großflächig wütete.

Da stand Peter, sein Fell war zum Teil verbrannt und es roch fürchterlich nach verkohltem Haar, doch der Schlauch lag nun fast in den Flammen und das sprudelnde Wasser brachte die heiße Glut ordentlich zum Zischen. Peter hatte die Gefahr wohl gespürt und war von seinen täglichen Wanderungen vorzeitig zurückgekehrt. Mit aller Kraft hatte er den Wasserschlauch näher zum Feuer gezogen und sich dabei das Fell an Rücken und Schwanz verbrannt – daher auch sein schmerzliches Miau. Wir hatten es geschafft, langsam aber sicher erlosch der Brand und Bobby konnte den Hebel des Wasserhahns wieder in die andere Richtung drücken. Peter hingegen konnte man noch lange ansehen, was passiert war und auch sonst hielt er sich seither oft in der Nähe des Hofes auf.

Abenteuer mit Maxi

Von Judith Schomaker am 21. Dezember 2009 veröffentlicht

Zusammen mit seiner Mama wohnt Felix in einem kleinen Haus. Das Haus ist ganz in der Nähe von Felix`Kindergarten. Es sind nur ein paar Minuten mit dem Auto und manchmal darf Felix auch schon mit dem Schulbus zum Kindergarten fahren. Mit 5 Jahren ist man schließlich schon fast so groß wie ein Schulkind. Zum Haus gehört ein großer Garten, der bis an den Wald geht. Hier kann man wunderbar spielen nur Abends, wenn es dunkel wird, ist es hier ein wenig unheimlich.
Und weil Mama und Felix so alleine wohnen, hat Mama beschlossen, einen richtigen Wachhund zu kaufen. Der soll auf sie aufpassen, damit es Nachts nicht mehr so gruselig ist. Ein echter Wachhund ist also eine gute Idee und Felix freut sich schon ganz doll auf den neuen Mitbewohner.

Endlich ist es soweit, Maxi zieht mitsamt seinem Körbchen und ganz viel Hundespielzeug in sein neues Zuhause bei Felix und Mama. Maxi ist ein riesiger weißer, ganz wuscheliger Hund, mit dem man toll spielen kann. Den ganzen Tag toben Felix und Maxi zusammen, spielen Fangen und Stöckchen holen, bis es Abend wird. Jetzt muss Felix langsam ins Bett, schließlich ist morgen Kindergarten und das heißt, früh aufstehen.
Felix hat eigentlich gar keine Lust und würde viel lieber noch weiter mit Maxi spielen. Aber alles Betteln hilft nichts, Mama schickt Felix ins Bett und Maxi in sein Körbchen. “Morgen ist auch noch ein Tag!” sagt Mama.

Als es schon ganz spät ist und Felix bereits seinen ersten Traum geträumt hat, wird er plötzlich von Maxis lautem Gebell geweckt. Mama scheint von dem Radau nichts gehört zu haben und so schleicht Felix im Dunkeln durch das Haus, um nachzusehen, warum Maxi so bellt. Ein wenig Angst hat er dabei schon, doch es kann ja nichts passieren, Maxi ist schließlich da. Aber warum bellt er nur so, kommen Einbrecher oder gibt es vielleicht doch Trolle im Wald. Davon haben die Nachbarkinder morgens im Schulbus nämlich schon einmal erzählt.

Oh nein, Maxi bellt genau in Richtung Wald. Felix` Befürchtungen wegen der Trolle werden immer mehr. Was soll er jetzt nur machen? “Am besten wird es sein”, denkt sich Felix “ich lasse Maxi nach draußen, damit er die Trolle, oder was auch immer da im Wald ist, verjagen kann.” Also gut, gesagt getan. Felix macht die Tür ganz vorsichtig auf, aber nur so weit, dass Maxi gerade hindurchschlüpfen kann. Mit lautem Gebell jagt er in Richtung Wald und verschwindet in der Dunkelheit.

Felix kann Maxi schon nach kurzer Zeit weder hören noch sehen und bekommt plötzlich fürchterliche Angst. Was ist, wenn Maxi nicht stark genug für einen Trollkampf ist? Schnell rennt er zu Mama und weckt sie. Ganz aufgeregt erzählt er von Maxis Gebell und dass er ihn nach draussen gelassen hat, damit er die Trolle verjagt. Mama lacht nur und erklärt Felix, dass es bestimmt keine Trolle gibt, bestimmt jagt Maxi hinter einer Katze oder einem Hasen her. Davon ist Felix aber nicht überzeugt!
Als Mama und Felix endlich bei der Haustür ankommen, ist Maxi immernoch verschwunden. Rufen nützt auch nichts und Mama hat selber ein bißchen Angst, Nachts im Wald nach dem verschollenen Hund zu suchen. Auch am nächsten Morgen, als Felix zum Kindergarten muss, ist Maxi noch nicht wieder aufgetaucht. Mama verspricht, Maxi zu suchen, während Felix im Kindergarten ist.

Den ganzen Morgen muss Felix nur an Maxi denken. Was er heute Nacht wohl gesehen hat und wo er jetzt wohl ist? Lust zum Spielen hat er jetzt vor lauter Sorge um Maxi auch überhaupt nicht und so ist Felix heilfroh, als der Kindergarten zu Ende ist und er endlich nach Hause kann. Sofort guckt er in Maxis Körbchen, aber das ist noch genauso leer wie heute Nacht. Hätte er Maxi doch bloß nicht nach draußen gelassen!
Traurig geht Felix zu Mama, die ihn erst einmal in den Arm nimmt. Obwohl Felix dicke Tränen über die Wangen kullern, strahlt Mama immer noch wie ein Honigkuchenpferd. “Komm mal mit, ich muss dir etwas zeigen.” sagt sie. Nach Überraschungen steht Felix nun wirklich nicht der Sinn, trotzdem folgt er Mama artig in den Holzschuppen, der direkt am Waldrand steht.

Und siehe da, plötzlich strahlt auch Felix wie ein Honigkuchenpferd. Da liegt Maxi in einer Ecke vom Holzschuppen und neben ihm der vermeintliche Troll von heute Nacht. Nein, natürlich kein Troll, ein kleines, mutterloses Rehkitz hat sich an Maxi gekuschelt und guckt Felix aus großen, braunen Augen an. Deswegen hat Maxi heute Nacht also gebellt. Jetzt ist sich Felix ganz sicher, dass es im Wald keine Trolle gibt.

Unglaublich fröhliche Kängurus

Von Poesie am 21. Oktober 2009 veröffentlicht

In den nahezu englosen Weiten Australiens wurde von zwei Stammesführen und etwa 72 schräg daneben schwebenden Mini-Telefonzellen aus Blätterteig, ein kleines weinendes Känguru neben einem hellbraun heißen Felsen wahrgenommen. „Warum bist du so frohlos, du liebes Tier?“ fragte der ältere Stammesführer mit weisem Mitgefühl in seiner Stimme. „Ich finde meine Mama nicht mehr und einen Buntstift hab ich auch verloren“ weint das kleine Hümpftier. Ohne zu zögern hob der eine Stammesführer das Känguru zärtlich hoch und legte es in die starken Arme des anderen. „Komm lass es uns zu unserem Dorf tragen, und es groß pflegen“.

Das langsame niedersinken der Sonne an der weiten Wand des Horizonts sog die drei förmlich Richtung Dorf.  Herrlich wie es da nach Suppe roch, als man sich der Dorfmitte näherte. So würzig und fruchtig einerseits und deftig sättigend auf der anderen Seite hätten die drei genussvoll lächelnden Nasen wohl diesen Duft beschrieben. Zwei Holzstühle wurden in ihrem gegenseitigen Anstarren unterbrochen als sich die zwei Stammesführer darauf niederließen, im selben Schwung machten sie aus dem jungen Känguru, eines von am-Boden-sitzender Art.

Der Suppenduft jedoch, war so stark in seiner Güte und so weit reichend, dass sich auch ein anderes älteres Känguru des Dorfs näherte.   Als das Junge Tier die Mutter sah, hüpfte es vor Freude derselben um den Hals. Nun waren da zwei unglaublich fröhliche Kängurus. Die zwei Stammesführer lächelten einander an und waren sich zufrieden einig „Die Suppe schmeckt heute einfach wunderbar“

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Wahrsager der Liebe

Von Augur am 22. Juli 2009 veröffentlicht

Es gab einmal ein Land, in dem drei Prinzessinnen lebten. Ihr Alter lag nicht so weit auseinander, sodass alle drei von demselben Lehrer unterrichtet wurden. Dieser war ein sehr weiser Gelehrter, der sich in vielen Dingen auskannte. Gleichzeitig galt er als Hellseher und Prophet. Seine Vorhersagen waren stets gut durchdacht und beruhten selten auf reinem Bauchgefühl. Vielmehr versuche dieser Wahrsager, bei seinen Prophezeiungen stets die Vernunft einzuschalten. Das war auch dringend ratsam. Schließlich baute der König höchstpersönlich auf seine Meinung.

Die Schwestern vertrauten dem Gelehrten, ebenso wie der König. Als die drei Mädchen langsam in das heiratsfähige Alter kamen, wollten sie stets in Erfahrung bringen, wer ihr zukünftiger Gemahl sein könnte.

Der Wahrsager versuchte sein bestes, doch in Liebesdingen ward er nicht bewandert. So sehr er seine Quellen auch bemühte, das Einzige, was er vom zukünftigen Liebesleben seiner drei langsam erwachsen werdenden Prinzessinnen zu sehen bekam, war Dunkelheit. So traf er den Entschluss, allen Schestern das Gleiche zu für die Zukunft zu versprechen, nämlich die Erfüllung aller ihrer Wünsche. Im Zweifelsfall funktionierte das immer. Schließlich hatte er es mit richtigen Prinzessinnen zu tun. Natürlich würden alle ihre Wünsche erfüllt werden. So war das schon immer, in ihrem gesamten Leben.

Die Jüngste wünschte sich einen starken Krieger als Gemahl. Er sollte die Armeen des Landes anführen können und sie bei Gefahr beschützen.
Die Zweitjüngste wünschte sich einen Schönling, der gut reden und tanzen konnte. Sie hoffte, dass ein geselliger Prinz viel mehr Zeit für sie übrig hat.
Die Älteste wünschte sich einen reichen Kaufmann. Der würde ihr täglich Schmuck und andere Geschenke kaufen.

Wie das Schicksal es wollte, bekam jede der Prinzessinnen ihren gewünschten Verehrer. Schließlich wandte sich der König an den Wahrsager. Es sollte prüfen, unter welchem Stern diese sich anbahnenden Romanzen standen. Schließlich ging es um die Zukunft des Königreiches.

Der Gelehrte traute sich nicht, dem König auch nur das zu erzählen, was dieser hören wollte und machte sich auf dem Weg zu einem geheimen Liebesorakel. Dieses war nur wenigen Eingeweihten bekannt und sollte angeblich stets einen passenden Orakelspruch bereithalten.

Doch die Antworten des Liebesorakels waren gar nicht das, was der Wahrsager sich erhoffte. Er erhielt die widersprüchlichsten Prophezeiungen. Nur selten ergab die vorausgesehene Zukunft einen Sinn. Sie rannte regelrecht davon, wenn der Wahrsager sie zu erfassen versuchte.

Schließlich kehrte der Gelehrte heim zu dem König und den drei ungeduldig wartenden Prinzessinnen. Alle wollten sie wissen, was der kluge Hellseher in Erfahrung bringen konnte. Dieser dachte lange nach, bevor er den Prinzessinnen wie auch dem König seinen Segen gab. Und das tat er ohne Bedenken. Er hatte zwar keine Ahnung, wie sich die Ehen der Schestern entwickeln sollten, doch er wusste, dass Liebe im Spiel war. Denn nur diese konnten eine alte Einrichtung wie das Liebesorakel derart zum Rotieren bringen, wie es der Fall war, als der Wahrsager die Partnerschaften der drei Prinzessinnen vorhersehen wollte.