Archiv der Kategorie ‘Philosophisches’
Von Poesie am
17. März 2010 veröffentlicht
Philosophie: „Breit im Sofa, gern siehst die ganze Zeit fern“
Praxis:“ Richtig lagst du nicht, wie dazu sagst aus deiner Sicht“
Philosophie:“ Du denkst noch nicht, das ist noch schlimmer“
Praxis: „Das Schlimmste doch, du denkst noch immer“
Philosophie: “ Der Kunst bin ich näher verwandt“
Praxis: „Die Künste wohl, die nicht von Hand“
Philosophie: “Wer das hier liest philosophiert“
Praxis: “Wer’s ohne Tastentipp probiert“
„Lasst mich zitieren“ spricht das Zitat
„Philosophieren oder Tat,
geht aus von einem Herzen nur“
Philosophie:“ Ich warte auf bessere Zitate“
Praxis: „Hab keine Zeit und Ort, wie weis’ auch jedes Wort“
Das Zitat lächelt
Quelle: Zitate
Von Poesie am
25. November 2009 veröffentlicht
Unter den Gestaltern und Erzählern findet sich ein unscheinbarer Mann mit italienischem Akzent und einer exzentrischen Mütze auf seinem nachdenklichen Haupt. In einem Irrgarten der Plauderei mit den anderen Gästen, deren Eitelkeit und oberflächliche Gedanken er nichts abgewinnen kann, sieht der unscheinbare Mann wohl einem von den Wellen der Unbedeutsamkeit in Seenot geratenem ähnlich. Als rettendes Ufer wäre eine ruhige Ecke oder die frische leise Luft vor dem Gebäude schon ausreichend. Das tät so gut. Aber man hat ihm ja einen Preis verliehen, da kann er ja nicht einfach vor die Türe gehen, mitten in diesem vom Wein des Lobes maskierten Gesprächs in das er unfreiwillig geriet “Sein Schiff sei jedem Ufers Schmuck, wo immer es auch anlegen mag. Sein Schwimmendes Schloss, konstruiert von einem Meister wohl…“ wie kann er da nicht zufrieden lächeln, ein Gläschen nehmen und sich die Zeit stehlen lassen wie es sich geziemt, die ihm wohl fehlen wird beim Bau des neuen unbekannten Werks. Ein Dom? Ein Luftschiff? Jeder hier ahnt, dass es etwas Großes sein wird. Niemand, absolut niemand in diesem Raum, hat eine flüsternde Ahnung was und wie es sein wird. Das Murmeln und Kichern findet einen akustischen Kontrast nur noch durch lautere Stimmen, die um den Mittelpunkt seiner Aufmerksamkeit kämpfen. All diese Leute machen sein Wehren müde und lassen das Rettungsufer des Spazierengehens in der ersehnten frischen Luft, von einer höheren Flutwelle aus Oberflächlichkeiten versinken. Ihm wird es mit der Zeit leiser, das überhebliche Reden und die Selbstdarstellung der Herren mit Zylinder sowie das höfliche Grinsen der Damen von wohlerzogener Art. Man kann gegenseitiges Verletzen, Schreien und Weinen unter den MakeUp-Wänden falscher Fröhlichkeit vermuten, und man wisse in trauriger Erkenntnis dabei recht zu haben. Die Musik scheint auch nur flott und heiter zu sein, weil ein deutscher Chemiker, aus Blättern vom fernen Südamerika, eine neue Dimension der Ablenkung isoliert hatte. Ein Leistungsmittel das schon zügellosen Missbrauch in die Gesellschaft brachte. Ein betrunkener älterer Kavalier mit rotem verwirrt lachendem Gesicht, torkelt mit zwei Damen im Arm an dem unscheinbaren Mann vorbei. Ihm scheint als würden die zarten Gestalten unter dem Gewicht des Betrunkenen noch vor dem Erreichen des Ausgangs zusammenbrechen. „Aber sie haben mir einen Preis verliehen, verdammt wie könnt ich undankbar sein“. Diese Schuldigkeiten der Gäste untereinander, dieses Borgen und Verborgen von Großzügigkeit, ist den ganzen Abend schon zu verspüren. Ebenso intensiv und aufdringlich wie der zu süße Geruch, wie frische Rosenblüten mit Rohölgestank,…ach ja, der neue Duft, wie heiß er schnell? War ja in der Zeitung abgebildet.
Da hinten, hinter dem weißbärtigen Mann mit Weinglas, ist doch…was ist das?
Ein Schiffmodell wird ihm offenbar, nicht unähnlich dem welches er selbst konstruiert hatte und bauen ließ, doch mit einem bedeutenden Unterschied. „Mein werter Herr, setzen Sie sich doch zu unserem Tisch“ lenkt plötzlich ein Mann mit Brille und schwarzem Hut, von der inneren Frage ab. „Ja, ich wollte mich nur noch kurz frisch machen, wo sitzen Sie denn?“ Der Mann mit Hut und Brille höflich wie ein Butler „Bitte lassen Sie sich Zeit, wir heißen Sie auch später an unserem Tisch willkommen.“
Eine Kutsche rollt auf der Strasse neben dem Gebäude vorbei, es ist schon kühler geworden und leichte Tropfen spürt man in der Luft, die wohl in ein baldiges Schütten übergehen. Von Außen wird kein Licht gesehen, das aus dem alten Bauwerk lächelt. Die Fenster sind leer und tot. Der Kutscher weiß auch, wie Alle hier, dass das Schloss an der Kurve, mit dem grauen schlichten Baustil und der dick überwachsenen Mauer, seit je her unbewohnt ist.
Die Kutsche rollt routiniert die Straße weiter, Wald wechselt mit nachtdunklem Felsen, noch ist der Hafen weit. Das Schiff jedoch wird warten bevor es mit dem, was der Kutscher mit sich führt, in das weite Eis aufbrechen wird. So weit, dass sogar die letzten Leuchttürme im gnadenlosen Schwarz versunken sind. Bis an dem Tag, an dem jenes Paket, geöffnet werden soll.
„Mein Herr, es wird noch eine ganze Weile dauern, bis wir den Hafen erreicht haben. Wünschen Sie Einkehr? Ich kenne einen, der Speise und Schlafplatz bietet, nicht weit von hier, liegt am Weg“
rät der Kutscher mit einer freundlichen weisen Stimme.
„Einkehr? Müde bin ich noch nicht, aber warme Brühe und schaumiges Bier, täte mir jetzt schon gut.“ antwortet der Fahrgast, mit italienischem Akzent. „Denn ich habe etwas zu bauen, mit den Werkzeugen in dem mitgeführten Packet, weit in den ewig weißen Tiefen des Eises. Wo mich mein Schiff, jawohl mein Schiff, hinbringen wird. Der Regen wird schwerer und die Kutschen verkleinert sich in weite Ferne, auf dem Weg zu Gaststätte.
Die Gaststätte
Ein Steinbogen, vorn beschienen mit Fackellicht, ins Innere dunkler werdend, bringt die Kutsche zum stehen. Sehr einladend sieht das ja noch nicht aus für den Fahrgast, Alfredo den Schiffskonstrukteur. „Ist das die Gaststätte von der Sie erzählt haben?“ fragt er den Kutscher verwundert. „Verzeihen Sie mein Herr, aber mich wundert selbst, dass wir kein weiteres Licht vorfinden, als die Fackel an der Außenmauer, vielleicht wird heute in tieferen Räumen serviert.“ entgegnet der Kutscher. Nach einer kurzen Überlegung wird in den dunklen Innenhof hinter dem Steinbogen hinein gefahren und neben einem Springbrunnen dem Klang nach, denn man kann ihn nur hören, geparkt. Alles hier ist schwarz. Irgendwie aber sehr stimmungsvoll und eine neugierige Aufregung legt sich in die Situation. „Woher kennen Sie diesen Gastgeber?“ fragt Alfredo. „Er war auch Kutscher, wie ich, aber er erbte diese Mauern hier, und einst trank man gutes schaumiges Bier dahinter. Fragen Sie mich nicht warum er heute nicht anwesend ist, was war…“ der Kutscher hält inne. „Was ist los?“
“…da war was weiter in hinten im Garten.“ Der Mondschein erlaubt die Richtung zu erkennen, nach der sich die beiden richten müssen, wenn sie in die Tiefen diesen dunklen langen Heckenpfad ins Ungewisse folgen wollen. Vorher gilt es diesen Schatten, wo man nichts sehen kann, zu verlassen und aufzupassen nicht in den Springbrunnen zu fallen. „Was ist das?“ fragt nun Alfredo, etwas Eigenartiges schimmert in einer Heckenkreuzung. Es fühlt sich beim Näherkommen an, als würde die Ichempfindung beider stark betroffen werden. Panisch und verwirrt vernehmen Alfredo und der Kutscher einen Zustand der Verschmelzung. Sieht der Kutscher Alfredo, oder Alfredo den Kutscher. „Wer von beiden bin ich? Wo ist das Fest an dem ich mich nicht amüsierte, jetzt aber nirgends anderswo sein möchte. Warum war es mir, als ob das Festgebäude, seit je her unbewohnt war? Was ist hier los? Und welches Packet trage ich da mit mir herum?“ Plötzlich nimmt er, wer auch immer dies sein mag, eine zunehmende Kälte war. Zurück zur Kutsche laufend, von ständigen Fallen auf dem bereits eisig gewordenen Boden aufgehalten, nähert er sich dem unbeheizten Gefährt. Es mögen Wolldecken drinnen liegen und die Pferde könnten schnell den Weg fortsetzen in das nächste Dorf, sofern so etwas existiert.
Zu selben Zeit
Ein Kerl um die Dreißig mit grauen Pullover und einem Mobiltelefon neben sich, murrt über private Umstände vor sich hin. Sein Laptopbildschirm flimmert vor ihm. Zur selben Zeit? Wie kann das sein? Alfredo, der Schiffskonstrukteur kennt das Pferd und die Kutsche als das schnellste Mittel nach vorn zu kommen. Dieser eben beschriebene Mann jedoch scheint in jüngeren Zeiten zu leben. Er murrt und Alfredo friert. Dem Autor ist als sei er missverstanden und unangehört stehen gelassen worden, wohingegen Alfredos Welt von Verwirrung geprägt ist. Ja, es ist zur selben Zeit, es handelt sich hier um den Autor.
Zurück in die Welt
Ach ist das gut, diese warme Decke. Die Kutsche rast die Straße entlang. „Hab ich geschlafen?“ fragt Alfredo. „Schon möglich mein Herr, aber bald können Sie etwas ruhiger und gemütlicher schlafen. Die Gaststätte ist nur noch ein paar kurze Plaudereien entfernt.“ merkt der Kutscher an.
Alfredo lacht: „Oh, ich verstehe, haha… Ach warum können wir nicht einfach direkt zum Hafen fahren?“ „Aber mein Herr, einen Tag und einen halben müsste man durchfahren um diesen zu erreichen.“ erwidert der Kutscher, sichtlich besorgt, er könnte es ernst meinen. „Ach nein vergessen Sie es, verzeihen Sie, fahren wir hin wo man uns Unterkunft gewährt, ich vertraue Ihnen schon“
Da hört man sich schon fröhlicher Gesänge nähern und ein warmes Licht scheint aus zufriedenen Festern des Häuschens vor ihnen. Alfredo könnte den Kutscher umarmen und auch auf viele Schaumbiere möge er ihn einladen, hat er doch offensichtlich diesen schönen Ort gemeint.
Zur selben Zeit
Der Autor freut sich schon auf die warme duftende Badewanne. Was sich klären sollt wird sich klären,
ich habe ja wirklich nichts falsch gemacht. Sollt mir niemand dies einreden. Ja, sollte niemand mir etwas anderes einreden, ich schreibe. Hat dies nicht eine wundervolle Frau zu mir gesagt? Es dürfte der Heizkörper im Hintergrund sein, der neben dem Tippen einzig zu hören ist, in dieser nächtlichen Zeit, hier in diesem Raum.
Fassen wir zusammen
Was ist hier los? Die Welt des Leuchtturmwärters und die des Herrn Alfredo mit dem italienischen Akzent, scheinen in einer Wechselwirkung zu stehen, mit der Welt des Autors. Doch wie sieht diese genau aus?
Kurzgeschichten und
Gedichte zum Geburtstag
Von handymaster am
21. November 2009 veröffentlicht
Wir schreiben das Jahr 1985. Ein angenehmer früh sommerlicher Tag im Freien. Der Finne Matti Makkone sitzt in einer Pizzeria und sinniert über eine Idee die ihm schon seit Tagen nicht mehr aus dem Kopf gehen will. Wie wäre es wenn man über das normale GSM-Netz Kurznachrichten verschickten könnte? So ähnlich wie Chatnachrichten auf dem C-64 oder Amiga mithilfe des Modems, eben nur mobil…
Dass seine Erfindung SMS (Short Message Service) heißen sollte lag auf der Hand, denn lang könnte die Nachricht nicht sein. Schließlich ist das Telekommunikationsnetz schon zu dieser Zeit mit den existierenden Mobiltelefonen mehr als ausgelastet. Wie lang könnte man eine solche SMS also machen? Bei 160 Bytes Text wäre wohl das Maß voll, schließlich braucht man ja auch noch Meta-Informationen wie etwa die Nummer die Empfängers, Checksummen und Steuerdaten. Mehr kann man dem überlasteten GSM-Netz auch wenn man es ausbauen würde wohl nicht zumuten. Doch würde überhaupt jemand auf diesem Wege Kurznachrichten verschicken wollen? “Darüber muss ich dringend mal mit meinen britischen Kollegen von Vodafone sprechen” dachte Makkone.
Doch seine Überlegungen wurden abrupt unterbrochen, denn die Kellnerin kam an den Tisch. Endlich, die lang ersehnte Pizza und das kühle Bier waren da. So entspannend sollte eigentlich jeder Nachmittag sein.
Von Poesie am
15. Oktober 2009 veröffentlicht
Nostalgisch anmutend und von Duftölen, die den intensiven Erdbeergeruch in die Nase treiben. Und durch die Nase malt der übertriebene Beerenduft, Landschaften in den Geist. Sind es die Länder der Erzählungen oder frühkindliche Erinnerungen, mit großen Farben und Momenten ehrlicher Vorfreude?
Sollte der beleidigte Bert seine Begeisterungen und Launen nicht mehr von den Reaktionen der Gesellschaft abhängig machen? Nein, sollte er nicht mehr! Er möchte jetzt eher sich dieser Täler und vernebelt schönen Tiefen und den frischen Farben bewusst werden, die sich ihm durch weite Träume, über aller Sorgen spannend, als ein Schirm des freudig ins Endlose fließenden Lächelns darstellen.
Wie in eine Wanne aus Zuckerschaum versinkend wärmt es ihn mit demselben dicken Erdbeerduft. Die über die Täler und Hügel mit feiner Haut vergoldende Musik gigantischer Himmelsweiten, begleiten Berts Träume beim Schließen seiner Augen. So gut kann es einem gehen, dass man das eigene Lächeln bestaunt. Es wird gefühlt so wunderbar gefühlt.
Land der Kindheiten. Keine Gebäude könnte kalt genug und keine Eile zu verplant sein, um mit der Malfarben nicht Witz und Glück zu pinseln. Es lacht aus dem Grau heraus. Wenn jetzt noch jemand feuchte Augen hat, dann vor Fröhlichkeit. Hoffentlich gibt es genug Lebewesen in diesem fallenden Weiten des Alls, dass ich für immer mit dem Umarmen und Küssen nie Schluss machen muss. Die gute Laune, die Nostalgie. Seine Erinnerungen an das Land der Kindheiten. An die Länder allen Lebens Freude. Einen tiefen Atemzug nahm Bert, drehte sich auf die Seite, und schlief weiter…
Original von Admin des Poeten Logs,
nur für short-story.info
Von Artikel Schreiber am
8. Juni 2009 veröffentlicht
Der Sinn des Lebens ist dem Leben einen Sinn zu geben. Das sind weise Worte, die uns einst ein weiser Mann weise machen wollte. Doch sind wir, Du und ich, er Sie, Wir, Ihr und Sie alle so weise? Haben wir alle dem Leben einen Sinn gegeben und wenn ja, ist der Sinn dem wir unserem Leben gegeben haben auch ein Sinn fürs Leben, oder mehr des lebens wegen, oder ist es gar nur ein Leben auf der Suche nach dem Sinn des Lebens.
Es sind die kleinen Dinge die das Lebenswert machen, es ist das Du und Ich, das wir, das miteinander, ohne dem wir nicht glücklich sind. Aber genauso freuen wir uns auch, wenn wir was geschenkt bekommen, ein Buch, ein Video, eine DVD, ein Pferd, ein Haus oder gleich die Villa Kunterbunt. Aber ohne die Freude des kleinen, sind die grossen Freuden nichts wert. Oder doch?
Ich denke also bin ich – oder im lateinischen – Cogito ergo sum – bin ich weil ich denke, dass ich bin. Oder bin ich weil ich bin was ich denke? Auch wieder eine Sache der Interpretation, wobei doch der schönste Gedanke, jener ist, dass ich bin was ich bin. Ich und Du, wir Sind, was wir sind, was wir denken zu sein, oder vielmehr wofür zum denken auf Erden sind.
Gedanken, der kleinen Philosophie, die anregen, zum diskutieren, sinnieren, denken, oder wie man es gerne ausdrücken möchte.
Von GabiEP am
22. Mai 2008 veröffentlicht
Ich glaubte, als ich träumte, dachte ich, dass ich ihren schlanken, warmen Körper in mich eingerollt atmen spürte, indem sich Brustkorb sanft ausdehnte und wieder in sich zusammenfiel. Ich tat alles, um nicht doch in betrügerischen Schlaf zu fallen, da ich keine Nanosekunde des Spürens dieses atmenden Fleisches versäumen wollte, dachte ich, als ich glaubte, dass ich träumte. Ich glaubte, als ich träumte, dass ich mich frug, ob es mir gelänge, unseren Herzschlag willentlich zu synchronisieren, indem ich meinen Atem anhielt oder in kürzerer Frequenz kleine Atemstöße einsog und ausspieh.
Ich glaubte, als ich träumte, dachte ich, ich hätte sie nicht verdient und man würde mich deshalb strafen, hart bestrafen, weil ich sie geschändet, ihr meine ganze Liebe geschenkt und die ihrige anzunehmen gewagt hatte. Man müsste sie noch weitaus stärker lieben als die stärkste Liebe, dachte ich, als ich glaubte, dass ich träumte. Ich glaubte, als ich träumte, dass ich mich frug, ob Liebe gesättigt sein könne, bis hin zum Überdruss und Ekel. Darüber schlief ich ein, dachte ich, als ich träumte.
Als ich aufwachte, dachte ich, ich glaubte, dass jeder Mensch einen anderen Menschen brauche, erst zweisam menscht der Mensch, könnte man meinen, als ich träumte. Nur die Liebe existiert auf allen Bewusstseinsebenen gleichermaßen, gleichzeitig, gleichgültig. Ich glaubte, ich dachte, dass ich aufgewacht war, als ich meine Einsamkeit spürte, zunächst als kalten, immer eisiger werdender Lufthauch, dann als Dekonstruktion der Differenz zwischen Mensch und Tier, als antiintelligible, reine Sorge um sich selbst. Was stellt das Alleinsein mit dir bloß an, fragte ich mich weinerlich selbstbesorgt, als ich dachte, ich glaubte, ich sei aufgewacht. Könnte man doch nur schlafen, seine eigene Einsamkeit verschlafen, forderte ich, bevor ich entschlief.
Ich glaubte, als ich träumte, dachte ich, kein Wort, das je über Mann und Frau gesprochen wurde, sei wahr – nicht gelogen, aber auch nicht wahr. Die Liebe ist ganz anders, sie bedarf nicht einmal eines Selbstzweckes, sie ist einfach und begründet damit alles Seiende, spekulierte ich, als ich träumte, dass ich denke.
Ich glaubte, als ich träumte, sie läge atmend bei mir, dass ich dachte, es bestünde die Gefahr, sich auszulieben, sich zu überlieben, doch dehnt sich der heterotopische Raum der Liebe umso stärker aus, je tiefer man in ihn eindringt. Als verorteter Nicht-Ort verbleibt die Liebe immer, was sie ist, ohne Selbstzweck, ohne Sinn, ziellos, erfüllt, ganz sich selbst, träumte ich, als ich glaubte, dass ich dachte. Die Liebe eines anderen Menschen ist der einzige Weg für ein holistisches, wahrhaftiges Kennenlernen der Welt, alles andere bleibt Fragment, Rudiment.
Während ich träumte, überlegte ich mir, dass ich mich frug, welche eine Kraft das Verlieben eigentlich darstelle, ja, es müsse doch eine Kraft sein oder so etwas, eine Kraft, welche die Welt im Innersten … nein, das wohl doch nicht, dachte ich mir, als ich glaubte, dass ich träumte. Sich ganz an ihr festzulieben, sich in sie hineinzulieben – das müsste das größte Glück sein.
Jeder glaubt, wenn er träumt, dass er glaubt, er habe unglaublich viel Liebe zu geben, die nur von irgendjemandem abgerufen werden müsse, quasi wie einen sehr großen Lagerbestand, luxuriös zwar in Zeiten des Just-in-time, doch nicht verringerbar ohne eine feste Partnerschaft, eine Partnerschaft, die jeder erträumt, wenn er glaubt, was er sich wünscht, wenn er denkt.
Ich glaubte, als ich träumte, dachte ich, dass kein größeres Glück denkbar sei als einen Menschen zu lieben, so sehr zu lieben, dass man auch den Menschen liebt, den dieser Mensch aus einem selbst gemacht hat durch seine Liebe und dadurch, dass er sich lieben lässt. Die translatorischen Verluste sind erheblich zu hoch, wenn man die Liebe sprachlich zu fassen sucht, da sie ein ganz eigenes Zeichensystem darstellt, das sich gewaltsam gegen jede Entzifferung zu sperren sucht, dachte ich, als ich glaubte, dass ich träumte. Wie eine Krypta, die als solche nur im Verborgenen existiert, wie ein Mythos, der nur in der Vorgeschichte leben kann, wie das Nichts, das niemals Bedeutung erlangen können wird, bleibt die Liebe so sehr rätselhaft, dass man ihr mit keiner Kryptonymie ihr näher kommen kann, verglich ich, als ich träumte, dass ich dachte. Die Liebe ist hermetisch und doch für alle offen, sie überkommt alles und jeden, macht farbloses bunt, verleiht Sinn und Bedeutung zugleich, ist also zugleich Referent und dessen Bezeichnung.
Ein Traum hat nicht dieselbe Bedeutung wie die Realität, dachte ich, als ich realisierte, dass ich glaubte, dass ich träume. Wie aber kann Bedeutung hierarchisiert oder sonstwie bewertet werden, wenn die Bewusstseinsebenen gar nicht mehr bewertbar, untrennbar verschmolzen sind, frug ich mich, als ich träumte, dass ich dachte. Das Verlieben ist eine Art Dating mit der Unendlichkeit, mit dem ganz Großen, dessen man niemals gewachsen sein könnte, das man aber dennoch, Sisyphos gleich, unablässig sich einzuverleiben sucht. Der größte Feind der Liebe, träumte ich, als ich glaubte, ich denke, ist keineswegs der Hass. Die Liebe und der Hass sind einfach sehr verschiedene Brüder, die sich nicht mögen aber unabhängig voneinander existieren können: Man kann also sowohl gleichzeitig lieben als auch hassen, Hass und Liebe haben den gemeinsamen Feind, dachte ich, dass ich träumte, dass ich glaubte: die Gleichgültigkeit, nur die Gleichgültigkeit kann die Liebe besiegen und auch den Hass, unmöglich kann man nur die Liebe oder nur den Hass besiegen, nein, man kann nur beides gleichzeitig zerstören, das ist ja das Schlimme, beklagte ich, als ich träumte, dass ich dachte.
Und dann plötzlich drehte sich alles: Ich glaubte, dass ich träumte, dass ich dachte, der Traum sei vorbei. Eine Sekunde lang, hoffte ich, dass ich glaubte, ich selbst könne über die Beendigung des Traums bestimmen oder seine Dauer zumindest etwas beeinflussen, nur ein Weilchen noch, bitte, bitte, nur eine Minute. Aber ich war mir gar nicht sicher, ob ich weiterträumen wollte, dachte ich, als ich träumte, dass ich glaubte. Ich meinte, es sei die reine Liebe, welche mich als einzige es vermöchte, mich aus dem Traum zu wecken, aus einem Traum der Einsamkeit und der Kälte, während einem der Alb auf der Brust das Leben allmählich ausdrückt, die Animierte entgleitet, der letzte Hauch schwindet, dachte ich, während ich träumte, dass ich glaubte, dass ich stürbe.