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Das Casanova – Experiment

Von AdrianeFranz am 20. Oktober 2011 veröffentlicht
Thema: Märchen

Die Leserschaft von Ciacomo Casanova wird bestätigen, dass der Stoff des klugen und verrückten Mannes aus dem 18. Jahrhundert mehr ist als nur vielerlei Beschreibungen erotischen Vergnügens. Casanova ist ein genauer Besobachter seiner Zeit, war gebildet, reiste viel, sah hinter die Kulissen und kannte wichtige Persönlichkeiten. Sein Werk ist eine Art Sittengemälde seiner Epoche jenseits simpler und platter Amouren eines genitalgesteuerten Subjektes, wiewohl erotische Ergüsse sicherlich nicht zu kurz kommen. Die Art und Weise vermag auch sicherlich manchem heutigen Leser die Schamesröte ins Gesicht treiben. Jedoch, die Weite des Spasses, welchem sich ein Leser aussetzt, ist in der Tat unermesslich.

Nun geschah vor einiger Zeit folgendes. In einem edlen Hause in Österreich mit Namen Hotel Tirol hatte sich eine illustere Gesellschaft eingefunden, allesamt Söhne von nicht unvermögenden Leuten. Nun ist das Tirol Hotel nicht irgendwie dafür bekannt, ein Ort besonders seltsamer und eigenartiger Vorkommnisse zu sein, aber es ist ein gern besuchter Platz von sorglosen und durchaus den Luxus nicht ablehnenden Induvidien aus aller Herren Länder. Hier trifft man sich ungezwungen, geniesst einen feinen Lebensstil und vor allen Dingen Entspannung und eine inspirierende Kulisse.

Die eben genannte illusterse Gesellschaft bestand durchweg aus kultivierten und gut gebildeten jungen Männern, deren Lebensfreude sie – vielleicht auch ihres noch jungen Alters wegen – zuweilen gar zu verrückten Dingen nachgehen liess. Hier mag der gesetzte Mensch sogar zu lächeln beginnen, aber sehen wir weiter. Die Jungen verehrten in nicht geringem Masse Casanova, und der wahre Grund ihres Treffens an dem schönen Ort war ein Wettbewerb der besonderen Art. Casanova erzählte einst von einem koitalen Marathon, den er mit einem jungen Mann bestritt. Sie wollten sehen, wer von beiden die grössere Manneskraft besitzen würde. Dabei berichtet Casanova, dass er sich vorbereitete mit einer Mixtur aus Wein und viel Eigelb.

Unsere jungen Männer hatten sich bereitwillige Damen bestellt und in Casanovas Weise den Vorsatz gehabt, es diesem gleich zu tun.
Am Morgen des nächsten Tages, die Sonne war noch nicht aufgegangen, war der medizinische Notdienst Gast auf dem Hotelgelände. Drei der jungen Männer kamen mit massiven Kreislaufproblemen ins Krankenhaus. Wie sich herausstellte, hatten die jungen Casanovaliebhaber nicht mit offenen Karten gespielt, sondern übermässig Viagra zu sich genommen und damit in ernste Lebensgefahr gebracht. Unglaublich, wozu literarische Phantasie in der Lage ist!