Short Story

Kurzgeschichten mit Links

Der kleine Elefant Giacomo reist nach Afrika

Von giovannipo am 21. November 2008 veröffentlicht

Der junge Elefant Giacomo war glücklich: er lebte zufrieden in einem großen italienischen Wildpark, der ganz anders war als die üblichen Zoos. Die Gehege bestanden nicht aus eisernen Gitterstäben und asphaltiertem Boden, vielmehr war das Areal weitläufig und bot zahlreichen Tieren der Savannen und Wüsten Afrikas ein Zuhause. Hier war es möglich, sich in dem kilometerlangen Gebiet auszutoben, sich am Boden zu wälzen, in Lacken und Tümpeln herumzuplantschen und das Leben zu genießen.

Giacomo war nicht alleine hier, er war umgeben von seinen Freunden, den Zebras, Gnus, Antilopen und vielen anderen Lebewesen, die ihm Gesellschaft leisteten und ebenfalls hier wohnten. Er genoss den Kontakt zu den anderen Tieren, allen voran zu den Giraffen, mit denen er viel Zeit verbrachte. In der jungen Giraffe Pucci hat er einen guten Freund gefunden; die beiden waren unzertrennlich und verbrachten nahezu den ganzen Tag gemeinsam beim Spielen.

So gut die beiden aber auch befreundet waren, so hatten sie doch ein großes Problem, das wie eine Barriere zwischen ihnen stand: sie sprachen nicht die gleiche Sprache. Giacomo hatte von seinen Eltern nur Elefantisch gelernt und Pucci seinerseits beherrschte nur Girafanisch. So konnten sie zwar die Freude am Leben miteinander teilen und waren glücklich, den jeweils anderen an ihrer Seite zu haben, doch verständigen konnten sie sich leider nahezu ausschließlich über Gesten und Gebärden.

Eines Tages hatte Pucci eine fantastische Idee. Er meinte zu Giacomo, dass dieser doch einen Sprachkurs besuchen sollte, um Girafanisch zu erlenen, so dass sich die beiden in Zukunft besser verständigen könnten.

Gesagt, getan. Giacomo fragte also den Parkleiter, ob er nicht eine Sprachreise unternehmen dürfte um die girafanische Sprache zu erlernen. Der Parkleiter, ein behebiger, etwas untersetzter Mann mit einem langen grauen Bart und stets einem verschmitzten Lächeln auf den Lippen, war von der Idee begeistert, zumal ihm das Wohlbefinden seiner vierbeinigen Schützlinge sehr am Herzen lag. Er stimmte dem Vorhaben zu, meinte aber, dass es wohl am besten wäre, den Sprachkurs im Ausland zu belegen, da Giacomo auf diese Weise die neue Sprache viel schneller erlernen könnte und nebenbei auch noch nützliche Informationen über die Gewohnheiten der Giraffen erhielte.

Der kleine Elefant war überglücklich und flog noch am selben Tag mit einer vom Tierpark bereitgestellten Sondermaschine zu seinem mehrwöchigen Girafanischkurs an einer Sprachschule im tiefsten afrikanischen Busch. Dort war er vollständig in die Kultur der Giraffen eingebettet und lernte wahrlich schnell seinen Wortschatz zu erweitern, was ihm viel Freude bereitete, da er nicht nur über seine eigenen Fortschritte positiv überrascht war sondern auch einige neue Freundschaften schloss.

Lediglich vier Wochen später kehrte er wieder zurück in den Tierpark und konnte seine Nervosität kaum beherrschen, als er seinen lieben Freund Pucci nach all dieser Zeit endlich wieder sah. Und siehe da, er bedurfte keiner ungeschickten Gebärden um der Wiedersehensfreude Ausdruck zu verleihen; Giacomo fiel der kleinen Giraffe glücklich um den Hals, dann setzten sie sich gemütlich unter einen ausladenden Baum bei einem der Teiche und berichteten einander in fließendem Girafanisch von all den Erlebnissen des letzten Monats. Ihre Freundschaft war nun noch stärker zusammengewachsen, da sie die einzige Barriere, die es zwischen ihnen gab, die Kommunikationsschwierigkeiten, überwunden hatten.