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Der neue Mitbewohner meiner Großeltern.

Von Tina Wagner am 1. Juni 2011 veröffentlicht
Thema: Alltag

Neulich habe ich mich mal wieder dazu entschlossen meine Großeltern zu besuchen. Da ich ein Familienmensch bin, telefonieren wir recht häufig miteinander und beim letzten Telefonat haben sie mich mit der Neuigkeit überrascht, dass sie jetzt einen Untermieter haben. Dazu muss man sagen, dass meine Großeltern eigentlich nicht so dafür zu haben sind, Menschen, die sie nicht kennen einfach willkommen zu heißen und erst recht nicht gleich bei sich aufzunehmen. Aus diesem Grunde war ich sehr überrascht und begierig darauf den „Neuen“ kennenzulernen.

Also machte ich mich am Sonntag auf den Weg, um bei einem Stück Kuchen und einer Tasse Kaffee meine Neugier befriedigen zu lassen. Es stellte sich heraus, dass der Untermieter, sein Name ist David, aus Barcelona stammt und in Deutschland ein Auslandsstudienjahr eingelegt hat. Im Studentenwerk hat von dem Projekt „Wohnen für Hilfe“ gehört, welches Studenten die Möglichkeit gibt, bei älteren Menschen zur Untermiete einzuziehen und die Miete quasi in Arbeitsleistung zu vergelten. Da seine finanziellen Mittel begrenzt sind und er auch die deutsche Sprache noch nicht so gut beherrscht, hatte diese Variante des Wohnens eindeutig seine Reize für ihn.

Soweit so gut, doch was hat meine Großeltern dazu bewegt einen Fremden bei sich wohnen zu lassen? Nun gut, sie sind nicht mehr die Jüngsten und ein großes Haus mit entsprechend großen Grundstück haben sie auch. Dies muss alles gepflegt werden und erfordert von ihnen immer größere Anstrengungen. Auf der Suche nach einer Lösung, ein Verkauf stand dabei nie zur Debatte, sind sie in der Regionalzeitung auf die Anzeige „Wohnen für Hilfe“ gestoßen. Lustigerweise war die Auswahl des passenden Untermieters ähnlich gestrickt wie meine Suche nach einer günstigen Wohngemeinschaft. Nachdem sich alle Interessenten vorgestellt hatten, ist die Wahl auf David gefallen. Er kennt das Leben auf einem Bauernhof sehr gut, da er viel Zeit bei seinen eigenen Großeltern, die ebenfalls eine große Wirtschaft besitzen, verbracht hat und war deswegen prädestiniert als Untermieter.

Dieser Besuch war sehr aufschlussreich und ich werde wohl ab nun öfter dort sein, da ich so auch gut mein Spanisch aufbessern kann.