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Der schwere Gang

Von Karsten am 30. März 2008 veröffentlicht
Thema: Romantik

Als ich gestern mit meinen Eltern redete, ihnen sagte, dass ich den Studienplatz in der Schweiz bekommen habe, sollte es eigentlich ein Tag der Freude sein. Meine Mutter nahm mich auch gleich in die Arme und freute sich für mich so sehr, dass ihr sogar die Tränen in den Augen standen.

Als sie mir dann ins Gesicht sah, bemerkte sie meine ernsten Gesichtszüge, die zwar auch Freude, aber auch traurige Züge enthielten. Fragend sah sie mich an und mein Vater sagte aus dem Hintergrund, dass ich noch jung sei und mein Freund bald vergessen würde.

Ich dachte aber die ganze Zeit nur daran, dass ich ihn lange nicht mehr sehen würde, vielleicht auch unsere noch junge Liebe vorbei sein könnte, bevor sie überhaupt richtig angefangen hätte. Meine Eltern waren mit den Eltern meines Freundes sehr gut befreundet und sahen es eher als Freundschaft an, was mich mit meinen Freund verband.

Heute wachte ich früh auf, weil ich eher als sonst zur Schule wollte und Frank, so hieß mein Freund abfangen wollte. Ich wollte ihm schonend beibringen, dass sich unsere Wege für eine ganze Weile trennen würden und hatte auch sehr viel Angst vor seiner Reaktion.

Ich duschte schnell und setzte mich an den Frühstückstisch, wo mir unsere Katze um die Beine streichelte. Sie schien mich trösten zu wollen, als wen sie ahnte, welch schwerer Gang zur Schule mir bevor stand. Nach nur einer halben Stunde, in der ich schnell eine Schale Müsli lustlos hinunter würgte und einen Kaffe trank. Kam meine Mutter mit einen etwas seltsamen Gesichtsausdruck in die Küche, die den hinteren Teil unserer Wohnung bildete.

Ich verabschiedete mich kurz und zog meine Jacke an, um kurz darauf die Wohnung zu verlassen und meinen schweren Gang anzutreten.

Um so näher ich der Schule kam, umso langsamer wurden meine Schritte. In Gedanken überlegte ich mir die Worte, die ich Frank sagen wollte. Immer wieder warf ich ganze Sätze um, weil ich ihm das Gefühl geben wollte, mich zu verstehen. Das Studium bedeutete mir sehr viel, weil es ein Wegweiser für meine berufliche Zukunft war.

Schon von weitem sah ich, wie Frank auf der kleinen Bank vor unserer Schule saß und in Gedanken versunken vor sich hin sah. In der Hand hielt er einen Brief, den er scheinbar nur ansah, aber nicht las.

Plötzlich schaute er auf und sah mich kommen. Sein Gesicht blieb aber ernst und er kam auch nicht wie sonst, auf mich zu, sondern wartete sitzend auf mich. Ein Lächeln abringend nahm ich ihn die Arme, weil ich ihn nicht ansehen wollte, wenn ich ihm die schlechte Nachricht unserer Trennung sagte. Mein Blick führte dabei an seinem Rücken nach unten zu seiner Hand, die den Brief hielt, den er vorhin so ernst angeschaut hatte.

Meine tränenden Augen sahen den Brief nur verschwommen und wie aus weiter Ferne hörte ich seine Worte, die keinen Sinn ergaben und nur Worte in bedeutungslosem Zusammenhang waren.

Ich wischte mir über die Augen und las ein Wort im Briefkopf, das ich gestern sehr oft vor mich hin gesprochen hatte, weil es mein Leben verändern sollte.

Nach genauerem hinsehen las ich die Adresse, die oben stand und hatte vor meinem geistigen Auge den gleichen Brief, der zu Hause in meinem Zimmer lag.

Seine Worte wurden für mich nun deutlicher und als das Wort Schweiz fiel, fing ich hemmungslos an zu weinen. Frank nahm diesen Gefühlsausbruch mit Trauer auf, weil er glaubte, ich weinte wegen unserer bevorstehenden Trennung.

Lautstark hörte ich meinen Namen, der aber nicht von Frank gesprochen wurde, sondern von meiner Mutter, die zusammen mit meinem Vater und den Eltern von Frank, die Strasse entlang auf uns zu kamen. Mit unsicherem Blick schaute Frank auf mich und dann auf die uns entgegen kommenden Eltern. Meine Mutter hatte meinen Brief in der Hand und als Frank ihn erkannte, verschlangen wir uns in den Armen und lachten beide vor Glück. Wir würden beide die Reise zusammen antreten.