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Energiewende und andere Wendepunkte im Leben

Von xenor am 16. Mai 2011 veröffentlicht
Thema: Satire

Die Schwedin Laura und Ralph, ein deutscher Forscher hatten sich vor über zehn Jahren auf einer Demonstration gegen Atomkraft kennen gelernt. Ralph suchte damals eine Mitarbeiterin für sein neues Institut, das Forschungsprojekte zur Energiewende realisierte, und Laura suchte – nach ihrem Studienabschluss in theoretischer Physik einen Job. Was zu Beginn als eine reine Arbeitsbeziehung geplant war, wurde nach erstaunlich schneller Zeit eine hochkarätige Freundschaft und bereits nach kurzem mündete diese Freundschaft in einer Liebesbeziehung. Seit 2001 waren die beiden ein Paar und ihre Beziehung verband Arbeit an den erneuerbaren Energien, politische Interessen und das Private. Eine wirklich herausfordernde Konstellation!

Die Tage der beiden verliebten Aktivisten waren daher auch von einer unendlich langen Liste von Tätigkeiten gekennzeichnet. Laura arbeitete tagsüber im Labor und abends ging sie noch mit ihm aus und diskutierte mit ihrem Chef und Geliebten heisse Themen wie “Energiegewinung aus Biomasse”. Was für ein Leben! Nie wurde den beiden langweilig! Gemeinsam entwickelten sie Strategien gegen die Dominanz von Kernenergie, Gas, Steinkohle und Öl und schufen Projekte zur nachhaltigen Energieerzeugung aus Ressourcen wie Sonne, Windkraft und Abwärme!

Laura liebte Ralph sosehr, dass sie ihn bereits nach drei Monaten heiratete und ihm nach weiteren 6 Monaten einen Sohn gebar, den sie – der gemeinsamen Arbeit wegen  – Brennstoffzelle nannte! Nach Brennstoffzelle (“Brenni” wurde der süsse Knirps gerufen!) folgten noch zwei weitere Kinder (der Junge Windkraft sowie das Mädchen Solara) und Ralph und Laura arbeiteten und liebten sich die ganzen Jahre durch.

Die Energiewende und die persönliche Wende:
Nachdem sie viele Jahre lang gemeinsam gelebt, geliebt und gearbeitet hatten und sich gemeinsam für die Energiewende stark gemacht hatten, begann es Ralph aber dennoch langweilig zu werden und er legte sich mehrere Geliebte zu. Diese Geliebten wohnten alle in den sonnenintensiven, südlichen Ländern des Mittelmeers und auf allen seinen Dienstreisen besuchte Ralph sie. Egal ob ihn seine Reisen im Dienste der Energiewende in die Sahara nach Desertec, führten, in die Spanischen Solarkraftwerke, die er geplant hatte, die Windparks an der portugiesischen Atlantikküste oder nach Masdar City, der Ökostadt am Persischen Golf, die er gegründet hatte. Bei jedem Projekt hatte Ralph immer eine oder mehrere Geliebte. Neben der Energiewende trat wohl auch eine persönliche Wende im Leben von Ralph ein. Traurig aber wahr!

Natürlich konnte diese Tatsache der sensiblen Laura nicht verborgen bleiben. Laura, die durch die schändlichen Aktivitäten ihres Ehemannes sehr traurig war, musste sich also rächen. Denn verlassen konnte sie Ralph keinesfalls. Ralph war inzwischen – wohl durch durch Lauras unermüdliche Arbeit an den Forschungsprojekten über erneuerbare Energien – berühmt geworden und an eine Scheidung war war keinesfalls zu denken. Also kaufte Laura ein unsaniertes Haus das schrecklich isoliert war und kaum über ein effizientes Heizsystem verfügte. Dann ließ sie dort Atomstrom einleiten und heizte einen langen Winter lang nur mit Steinkohle. Nach dem Winter kehrte Ralph aus dem sonnigen Spanien zurück wo er alle seine Solarkraftwerke inspiziert hatte.

Als er Laura im schlecht isolierten Haus sah und merkte wie sie das ineffiziente Heizsystem des Gebäudes mit reiner Steinkohle heizte wurde ihm schwindlig. Er verlor das Gleichgewicht und der Boden unter seinen Füssen schwankte. Seine geliebte Laura in einem von Atomstrom und Steinkohle beheizten Haus!  Lauras Rache war perfekt. Der einstige Ökopionier und Forscher musste all seine Projekte abgeben und die öffentlichen Förderungen, die er erhalten hatte zurückzahlen. Sein Ruhm war über Nacht zerstört worden und seine gesamte Arbeit war wertlos geworden. Wer wollte schon grüne Energie von einem Mann beziehen, dessen Ehefrau und Mitarbeiterin mit Atomstrom und Steinkohle heizte.

Rache ist ein Gericht, das am besten schmeckt, wenn es kalt serviert wird, sagt man in Lauras Heimat Schweden und der zarten und sensiblen Laura dürfte in diesem Fall die Rache wohl mehr als geglückt ein.