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Philosophie in den Bergen

Von AdrianeFranz am 20. Oktober 2011 veröffentlicht
Thema: Sagen

Hermann war alt geworden. Letztes Jahr hatte er die siebzig überschritten und mit seiner Familie und Freunden eine schöne Feier gahabt.
Nie hätte er gedacht, dass sein Leben so schnell vorbeiziehen würde, während es Spuren auf und in ihm eingegraben hatte.
Er stsnd immer in vorderer Reihe. Beliebt war er gewesen, weil er fleissig und pünktlich war und sich selbst am allerwenigsten schonte. Ja, sie liebten ihn alle. Nur seine Kinder – drei an der Zahl – hatten Schwierigkeiten mit ihm, weil sie anders tickten als er. Und mit den Jahren waren sie alle geschieden. Das hat Hermann nie verstehen können.
Hermann hatte eine Schwester, mit der er nie recht warm wurde. Sie litt an Depressionen und zeigte ihre Seele. Hermann wollte immer hart und standhaft erscheinen.
Im achtundzwanzigsten Jahr seiner Ehe verstarb sien Frau an Krebs, und Hermann regelte tapfer seine Pflichten.
Drei Jahre später ging seine Mutter, dann sein Vater, zuletzt die Schwester. Zu der Zeit hatte er eine Freundin gefunden, die ihm gut tat. Sie las und forderte ihn heraus. Und seine Kinder lebten zerstreut und wunderten sich über solch einen Vater. Nicht aus Zorn, aber aus Traurigkeit, weil er so unglücklich – geradlinig war und kaum Gefühle zugab.
Tirol Hotel bei Wien Städtereisen, las Hermann eines Tages am Fenster eines Reisebüros und beschloss die Reise. In den Bergen traf er einen Philosophen.
Hermann fragte ihn, was Ewigkeit sei. Da habe der Philosoph ein wenig geschwiegen und dann gesagt:
Siehst du die Berge vor dir? Einmal in hundert Jahren kommt ein Vogel und reibt seinen Schnabel an einem der Felsen. Nun hör gut zu. Dann, wenn die ganzen Alpen durch dieses Reiben verschwunden sein werden, dann ist die erste Sekunde der Ewigkeit vorbei!
Und Hermann hat nachdenklich zum Horizont geblickt und diese Geschichte nie mehr vergessen. Wir sind so klein, hatte er noch gemurmelt.