Short Story

Kurzgeschichten mit Links

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Sven.

Von yanic am 11. Juli 2009 veröffentlicht
Thema: Humor

Kap. 1: Oohh … meiin … Gott!

Frage: Aus welcher erfolgreichen, us-amerikanischen TV-Serie, die zum ersten Mal 1994 zu sehen war stammt dieser Running Gag? Sie wissen es nicht? Es ist F.R.I.E.N.D.S. Sechs junge Menschen, die in New York leben und einige lustige, skurrile und manchmal auch schöne Momente erleben.

Ich bin Chandler. Nein, ich heiße nicht so. Mein Name ist Sven, aber ich bin Chandler, Chandler Bing. Mittelmäßig attraktiv, relativ gut gebildet und absolut erfolglos bei Frauen. Wobei … es kommt drauf an, wie man Erfolg definiert. Bestünde das Ziel darin, der beste Freund einer Frau zu werden, wäre ich durchaus erfolgreich. Das könnte allerdings auch der Grund sein, warum man mich für schwul hält. Was ich nicht bin. Nein. Sicher nicht. Definitiv nicht!

Eine Zeit gab es allerdings schon, in der ich selbst nicht so sicher war wie jetzt. So zwischen 14 und 15 muss das gewesen sein. Etwa eine Woche lang. Bis dahin hab ich mich für Mädchen nicht die Bohne interessiert, zumindest nicht aus sexuellen Gründen. Tennis, Freunde und Wrestling im TV gucken waren Beschäftigung genug. Samstag, Ferienbeginn, Geburtstagsfeier meines besten Freundes. Ich durfte das erste Mal auf eine Party. Wir waren alle hackedicht, inklusive der handvoll Mädchen. Irgendwann schlug jemand vor, etwas zu spielen: „Pflicht, Wahl, Wahrheit“. Es dauerte nur eine Runde, bis Sandy ihren Spitznamen unter Beweis stellte. Das Luder hatte kein Problem damit ihren BH schon bei der ersten Pflichtaufgabe auszuziehen.

Mein Problem dabei? Mein Problem war mein Pimmel. Ihm waren die beiden Dinger vollkommen egal. Es waren die ersten, die er zu sehen bekam – bis auf die unserer Nachbarin. Allerdings würde ich aus Respekt vor der Frauenwelt auf die Bezeichnung „Brüste“ in diesem Fall verzichten. Vielmehr waren es Hautfetzen deren Ansätze man auf Höhe der Achselhaare und das Ende wohl unterhalb der aus dem Slip hervorquellenden Schambehaarung vermuten konnte. Allerdings ist auch das nicht sicher und weitere Nachforschungen scheiterten am menschlichen Würgreflex und dem Überlebenswillen zweier dreizehnjähriger.

Eine ganze Woche lang musste ich nachdenken, ob ich nicht vielleicht schwul sein könnte, wenn mich Sandy’s Brüste nicht im Geringsten erregten. Im Nachhinein kann ich dem Alkohol die Schuld geben, der ganzen Flasche Bier. Dieses Ereignis erweckte mein Interesse am weiblichen Geschlecht, denn genau eine Woche später sah ich sie: Nicole. Hübsch, humorvoll, intelligent, …. blablabla. Mit wem red’ ich denn? Sie war rattenscharf. All die anderen hundert Menschen rund um uns waren mir egal. Auch meinem Pimmel. Er stand wie eine Eins.

Ich heiße Sven. Ne, ich bin kein Norddeutscher Junge. Im Gegenteil, ich bin Österreicher. Von Geburt an. Warum Sven? Ich weiß es bis heute nicht. Meine Mutter sagt nur, dass ihr dieser Name damals gefiel – damals. Ich glaube jedoch, dass sie mir diesen Namen gab um meinen leiblichen Vater zu ärgern. Ich kenne ihn nicht aber ich weiß dass sie sich während der ganzen 9 Monate Schwangerschaft gestritten haben. Um der ohnehin schon bewusstlosen Leiche „Beziehung“ auch noch den Pfahl ins Herz zu rammen gab sie ihrem Sohn einen Namen, bei dem ich eigentlich hätte schwul werden müssen. Mein Vater war oder ist wohl etwas homophob. Was hätte sie getan, wenn er eine Abneigung gegen Moslems hätte?

Ein trauriges Kapitel. Zu allem Überfluss heiße ich mit Nachnamen Beer. Sven Beer. Nun, sie dürfen raten, wie ich von meinen Freunden gerufen werde. Nicht etwa Sven, Alter, Kumpel oder Stecher. Nein, ich bin Beerli. „Braunbär“ wär mir lieber gewesen, aber dieser Vorschlag wurde von meinen Freunden nur belächelt.

Kap. 2: Zeit für eine Handlung

Springen wir ins Jahr 2002. Mit der Matura in der Hand geht’s ab ins Berufsleben. Denkste. Zuerst warten acht Monate Bundesheer. Ab in den Dreck. Befehle empfangen von Typen mit Glatze, dem Gesicht eines Neandertalers und dem IQ einer Stehleiter.

„Rekrut Bär!“
„Da bin ich, Herr Mayer! Und mein Name ist Beer, nicht Bär. Beeeer.“
„Und I bin net Herr Mayer, sondern Korporal Mayer! Außerdem net ‚Da bin ich’ sondern ‚HIER’! Und mir is es scheißegal wie’s heißen, ab jetzt sinds da Bär! Auf die Knie, sofort!“
„Hä?“
„LIEGESTÜTZ Sie Vollkoffer! 40, sonst macht das ganze Zimmer mit!“

Ich fühlte, wie sich meine Zimmerkollegen bereits auf Liegestütz einstellten – und mein Körper auf Schmerzen.
„Jawohl Herr Korporal.“
„1 und 2 und 3 und 4 …. und 18 und 19 und 20 und 20 und 19“
„Wenn’s wollen, borg ich ihnen meinen Taschenrechner, Herr Korporal.“

Im Nachhinein betrachtet würde ich einem Vorgesetzten wohl keine Hilfe mehr anbieten. Zwei Monate Grundausbildung vergingen wie im Flug. Okay, wie in einem sehr ermüdenden, anstrengenden Flug mit einem Schulabbrecher als Kapitän und Sonderschülern als Stewards. Für das menschenunwürdige Essen an Board musste man zwar nicht bezahlen, jedoch viel Dummheit ertragen und insbesondere versuchen, möglichst nicht selbst zu verdummen. Das ging am Einfachsten indem man sein Hirn ausschaltete. Die kurzen Befehle wurden von einem ganz kleinen Teil des Gehirns verarbeitet, der die wichtigsten Lebensfunktionen steuert. Gerade genug um zu Überleben.

Danach kamen 6 Monate Schreibtisch. Ich war Schreiber. Mein Traum. In der realen Welt würde man Sekretär dazu sagen aber das klingt wohl etwas zu homosexuell für das österreichische Bundesheer. Ich hatte sogar einen Computer. Kein Internet, kein Netzwerk, kein USB, eine Tastatur mit der Hitler wohl schon geschrieben hat und einem Hamsterrad anstelle des Netzteils aber das Teil funktionierte. Nicht gut. Aber gut genug um hunderte Hardcore-Sex-Movies darauf speichern zu können. Gut getarnt selbstverständlich, im Ordner „Privat, Vzlt Stocker“ gut versteckt am Desktop zwischen „Arbeitsplatz“ und „M$WORD“. Wir würden jeden Krieg verlieren.

Ich war der King meiner Leidgenossen. Endlich konnte ich die Unmengen an Liegestütze der letzten Wochen vergessen machen. Bei der ersten Gelegenheit wurde die Festplatte ausgebaut, daheim an den PC gehängt und jedes der 15-sec-Filmchen auf CD gebrannt. Gegen eine kleine Gebühr von 10 Euro (die meisten hatten keine Ahnung, was CD-Rohlinge kosteten) bekam jeder eine Kopie, der bezahlen konnte.

Ob Sie es nun glauben oder nicht – ich habe mir nicht jede Datei angesehen. Im Nachhinein ein schwerer Fehler, denn eine Datei mit dem Namen „lisl_knie.wmv“ zeigte Frau Vzlt Stocker tatsächlich auf Knien vor Herrn Vzlt Stocker. Ich habe Erfahrung mit aufregenden Amateur-Pornos. Also glauben Sie mir wenn ich sage: Das war nicht sexy! Aus Gründen des guten Geschmacks gehe ich nicht näher ins Detail.

Wie es eben so ist macht so etwas die Runde. Ja, auch Männer sind Tratschtanten! Das Ende der Geschichte kenne ich nicht. Ich weiß nur noch, dass ich die restlichen 3 Monate in die Küche versetzt wurde und nur noch einmal im Monat nach Hause durfte. Auf meinem rechten Ohr höre ich seit dem Anschiss von allen möglichen Vorgesetzten nur noch sehr schlecht. Könnte ich sie deshalb verklagen?

Ich würde es gerne. 2 Millionen Euro Schmerzensgeld. Bei vernünftiger Verzinsung wären das ein paar tausend Euro jedes Monat, ohne auch nur einen Finger bewegen zu müssen. Davon könnten auch meine Kinder und Enkelkinder und deren Enkelkinder noch leben. Sie müssten keinen dämlichen 40-Stunden-800-Euro-Job annehmen um über die Runden zu kommen. Nein, bitte nicht falsch verstehen. Ich liebe meinen Job. Ich arbeite deutlich weniger als 40 Stunden am Tag und verdiene Unmengen mehr als läppische 800 Euro. Einmal, da waren es sogar 823,87 Euro!

Ich habe Matura. Ich habe nicht studiert, aber maturiert. Nicht an einer HTL aber immerhin an einer HAK. Es gibt nicht viele Menschen die das schaffen. Glaube ich. Ich liebe meinen Job. Ich bin Callcenter-Agent. Nein, kein Kollege von Daniel Craig. Früher hätte man „Telefonist“ dazu gesagt. Manche „Kunden“ nennen mich noch ganz andere Sachen. Schon mal „Jungfrau (40), männlich sucht“ gesehen? Der Hauptdarsteller ruft zwecks Date-Vereinbarung bei seiner Angebeteten an, kriegt jedoch kein Wort heraus und gibt sich als Telemarketer (noch eine neuartige Bezeichnung) aus. Die Reaktion der Dame darauf empfand ich durchaus als freundlich. Ich lüge nicht! Mein Tag wäre gerettet würde mir auch nur einer meiner Kunden Selbstmord nahe legen. In der Regel wünscht man mir den Tod auf etwas andere Arten bei denen ich den Grad der Schmerzen nicht selbst bestimmen können würde.

Auch egal. Ich bin glücklich mit meinem Leben. Ich bin in den Zwanzigern, Single, habe einen Job und mein eigenes Reich. Im Haus meiner Eltern. Ein paar Jahre warte ich noch, bis Großmutter stirbt. Wär sie weg hätte ich sogar ein eigenes Haus. Häuschen um ehrlich zu sein. 35 Quadratmeter. Schlafzimmer, Wohn-Esszimmer-Vorraum, Küche und Bad/WC/Abstellraum. Welcher junge Mann stellt sich nicht so sein Singleleben vor? Dann bräuchte ich auch nicht mehr meine Eltern fragen ob Nicole bei mir schlafen darf. Nein, nicht die rattenscharfe Nicole. Diese Nicole ist weniger „scharf“ … dafür mehr Ratte. Aber was soll’s. Sie macht die versauten Sachen im Bett die man sonst nur aus Pornos kennt und theoretisch erlaubt sie mir auch andere Beziehungen. Praktisch hab ich jedoch nichts davon… Wo war ich? Ach ja, bei Großmutter. Wie gesagt, ein paar Jahre noch. Wenn ich Glück habe hilft ohnehin mal mein Stiefvater etwas nach. Dem geht sie schon ziemlich auf den Sack.

Ich werde kündigen. Ich brauche einen besseren Job. Schließlich hab’ ich maturiert! Ich bin klug. Ich sehe mir täglich intellektuelle Sendungen an. Ehrlich! Ich bin wirklich der Meinung, dass die deutschen Dumm-Sender auch uns Österreicher verblöden. Nicht, dass ORF, ATV oder gar Puls4 besser wären… Mein Puls passt sich übrigens stufenweise an Puls4 an! Wirklich. Nach einer Minute bin ich auf 40, nach 2 auf 30 usw und nach 4 Minuten und ein paar Sekunden auf Puls 4. Nach 5 Minuten würd’ ich also tatsächlich sterben. Todesursache: Verblödung. Soweit lässt es mein Körper jedoch nie kommen. Nach 2 Minuten schlafe ich ein und wache erst wieder auf wenn der Timer den Fernseher ausgeschaltet hat.

Kap. 3: Familienfest

Ganz ehrlich: So extrem viel Blödsinn hab ich noch nie geschrieben. Aber sie lesen noch immer. Wobei ich Sie warnen möchte: Meine Deutsch-Lehrerin hat – obwohl sie es hätte besser wissen müssen – meine Aufsätze auch immer vollständig gelesen. Letztens habe ich erfahren, dass sie einen inoperablen Tumor im Gehirn hat. Zusammenhänge dementiere ich aufs Heftigste! Für Anfragen zu diesem Thema verweise ich auf meinen Anwalt.

Anyway, (will nicht immer „Egal“ schreiben und irgendwie muss ich Ihnen ja auch meine Bildung beweisen) zur Abwechslung springen wir wieder in die Vergangenheit. Ostern 1999, Familienfeier im Hause Beer. Übrigens: Ich würde nicht Beer heißen, hätte meine Mutter meinen Vater geheiratet. Ich würde Cziêtzek heißen. Sven Cziêtzek. Auch nicht besser, ich wollte es nur erwähnt haben. Zurück zur Familienfeier. Ostersonntag, etwa 30 eingeladene Verwandte wollen zeitgleich verköstigt werden. Es kostet auch fast nichts so etwas zu veranstalten. 3 Kisten Bier für 5 Männer, 1 Kiste alkoholfreies Bier für meinen offiziell trockenen Onkel Peter der spätestens nach dem Mittagessen seinen Flachmann am Klo sitzend leert und danach an Ort und Stelle einschläft. Natürlich noch etwa 5 Liter diverse Schnäpse, 10 Flaschen an burgenländischen Weinen für Onkel Fritz und seine junge Frau Phuong-Anh und 15 Liter weitere alkoholfreie Getränke. Was kocht man für 30 Personen in einer 7-Quadratmeter-Küche? Nun … immer dasselbe. Als Entree eine Suppe im 50-Liter Topf auf einer Feuerstelle im Garten. Dreißig Personen, fünfzig Liter. Sollte reichen, reicht aber nie. Es hagelt Beschwerden. Nach der zweiten Familienfeier dieser Größe im Jahre 1993 haben wir ein eigenes Beschwerdemanagement eingerichtet das sich übrigens einige Telekom-Konzerne von uns abgeguckt haben:

Schritt 1: Beschwerde entgegen nehmen (inzwischen nur mehr schriftlich).
Schritt 2: Dem Kunden Verständnis signalisieren und eine prompte Erledigung zusichern.
Schritt 3: Beschwerde vernichten.
Schritt 4 (optional): beharrlichen Kunden Mehrwertdienste verrechnen und bei Zahlungsverweigerung den Vertrag kündigen.

Schritt 4 funktioniert leider nicht bei Verwandten. Nicht, das wir es nicht versucht hätten aber unsere Rechnungen in denen wir diverse Dienste in Zusammenhang mit der Feier verrechnet hätten wurden tatsächlich als Scherz aufgefasst. Die dachten nicht einmal daran, sauer zu sein und nie wieder zu kommen.

Wo war ich … Genau, beim Vorspeisen-Beschwerdemanagement. Danach folgt üblicherweise die Hauptspeise – oder Hauptspeisen. Denn es ist unmöglich, 1 Gericht aufzutischen mit dem man alle zufrieden stellen könnte. Nein, wir brauchen 5 verschiedene Speisen und etwa 15 verschiedene Beilagen und Salate. Knödel etwa: Ganz normale Kartoffelknödel? Neeeiiin. Zehn unserer Verwandten würden doch niemals Kartoffelknödel essen, wir sind ja keine armen Leute. Semmelknödel müssen her die wiederum von mindestens zehn anderen strikt verschmäht werden. Und so geht es weiter mit diversen Varianten von Salaten (Gurke, Kartoffel, Karotte, Tomate, Chinakohl, Blattsalat, …). Im Endeffekt tischen wir etwa 300 Kilogramm an Beilagen auf von denen wir mindestens 15 ohnehin vernichten müssen. Als Hauptspeise gibt es meist 5 Hühnchen von denen jedes etwa 4,5 Kilo wiegt, etwa 22 Schnitzel so groß wie Pizzas, einen Schweinebraten bei dem es einfacher wäre gleich das ganze Schwein zu braten und 2 Kilo Chickenwings für die Kinder. Ach ja, und etwa 150 Gramm Pangasiusfilet für Phuong-Anh. Onkel Fritz faselt immer irgendetwas von einer kurzen Leine. Kein Ahnung was er damit meint.

Zuvor geht es natürlich traditionell an die Osternester-Suche. Alle Kinder müssen suchen. Ich nicht, ich war der älteste. Ein junger Mann mit 16 Jahren am Buckel. Nicht in den Augen meiner lieben Großmutter.

„Geh weiter Svenny (SVENNY!!! wieder ein Thema für Schadenersatzzahlungen), musst schon dein Nesterl suchen sonst kriegst nix!“
„Is mir egal“
„Geh weiter, so alt bist auch noch nicht dass dein Nesterl net suchen brauchst. Dein Papa
(umgangssprachlich: „Stieftrottel“) hat mit Zwanzig noch gern gesucht.“
„Der hat mit Zwanzig auch noch nach den Antworten für den Führerscheintest gesucht.“

„Was sagst da? Mein Bub is schon mit Achtzehn Auto g’fahren. Und werd ja net schon wieder frech!“
„Etwas zu tun heißt nicht etwas zu dürfen.“
„Des freche Mundwerk werden’s dir beim Bundesheer schon noch austreibn.“

Wiederum aus Gründen des guten Geschmacks und um die Jugendfreigabe hierfür nicht zu gefährden führe ich die Konversation nicht weiter aus. Jedenfalls sah ich von meinem Platz aus mehr Osternesterl als meine etwas einfältigen jüngeren Verwandten trotz intensiver Suche nicht finden konnten. Meine Mutter kochte. In zweierlei Hinsicht. Einerseits in der Küche das Essen für 30 geliebte (*hust*) Menschen mit den Ansprüchen eines Gourmets und den Manieren einer Herde Wildschweine. Und andererseits kochte ihr sonst ruhiges Gemüt.

Essenszeit war immer 12 Uhr. Immer. Nur nicht in diesem Jahr. Cousine Franziska übergab sich wegen eines Zuckerschocks in diesem Jahr das erste Mal bereits um 10:02 Uhr – neuer Rekord, das erste blaue Auge erhielt Marlin (ich weiß!) dagegen erst um 11:34 Uhr von der fetten Franziska (weil er sie so genannt hat) und alle Kinder hatten pünktlich wie geplant um 11:45 Uhr mitteleuropäischer Zeit ihre Nester gefunden. Alle Kinder? Nein, nicht alle Kinder. Johannes (Hansi), 12 Jahre und Wrestling-Fan (Looser!) natürlich nicht. Er war wie jedes Jahr der Letzte. Seine Nester werden meist schon von der von Geburt an blinden Tochter unserer Nachbarn geplündert bevor er sie entdeckt.

„Hansi! Jetzt gehst noch 5 Schritte und dann schaust hinter die Sträucher!“
Meine Tante versuchte von der Terrasse aus so gut wie möglich mitzuhelfen.
„5 Schritte Hansi! Das waren erst zwei! 5 sind so viel wie du Finger hast!“

Schwerer Fehler. Hansi hat 10 Finger und als er nach 7 Schritten gegen einen Baum lief war er etwas beleidigt. Jedenfalls wurde die Suche um 12:54 Uhr erfolglos abgebrochen. Meine Großmutter konnte sich nicht erklären warum das letzte Nest einfach nicht mehr dort war wo sie es versteckt hatte. Ich wusste es schon aber den Spaß behielt ich wiederum aus gesundheitlichen Gründen dann doch besser für mich.

Um 13 Uhr saßen alle an den Tischen. Die Verspätung hat dem Essen jedoch nicht besonders gut getan. Die Suppe war noch genießbar und die Beilagen waren auch kein Problem. Der Rest war jedoch entweder kalt, angebrannt oder von Haus aus ungenießbar. Das Beschwerdemanagement kollabierte ebenso wie meine Mutter. Onkel Peter trank seinen Flachmann derweilen schon bei Tisch, die Kinder verletzten sich gegenseitig mit steinharten Chickenwings und Phuong-Anh musste wegen einer Lebensmittelvergiftung ins Krankenhaus.

Im Nachhinein betrachtet hätte uns das durchaus früher einfallen können. Wir haben keinen der Verwandten jemals wieder gesehen. Selbst Onkel Peter wurde 2001 zweimal beerdigt damit sich die verfeindeten Clans nicht sehen zu müssen. Wie im Paradies.

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Bei entsprechenden Kritiken wird die Geschichte fortgesetzt.

Yanic.