Short Story

Kurzgeschichten mit Links

3 Stunden

Von Andreas am 21. Januar 2010 veröffentlicht

Ein Knall. Ich schrak hoch. Wo war ich? Dunkelheit! Langsam gewöhnten sich meine Augen an das schummrige Licht und ich erkannte Einzelheiten.
Die Augen reibend, versuchte ich mich zu erinnern.

Das Zimmer war mir fremd.

Langsam fiel mir wieder die gestrige Feier ein. Diese war wohl auch der Grund, warum ich mich so schlapp fühlte.

Partys, eine der wenigen Möglichkeiten dem stupiden, monotonen Alltag ein wenig zu entfliehen. Es ist traurig. In dieser heutigen modernen Welt muss man sich um die Sinne trinken, um zu leben. Ich schaute mich weiter um. Die Tapeten waren pink, mit roten Herzen darauf. Weibisch.

Ich erinnerte mich nun auch wieder an die kleine Blonde.
Gut, ich wusste langsam wo ich war, doch was hat den Knall verursacht?

Es lagen zwei Gläser zerbrochen auf dem Boden. Sie standen wohl auf dem kleinen roten Tisch. Der Kater warf sie herunter.
Typisch! Das Tier sprang auf den Tisch, ohne daran zu denken, dass die Gläser herunter fallen könnten.
Was unterscheidet mich von diesem Kater, der nun zufrieden schnurrend in der Ecke lag und sich die Pfote leckte?
Dachte ich über die Konsequenzen meines Handelns nach?
Anscheinend nicht, da ich mich nicht erinnern konnte, ein Kondom benutzt zu haben. Obwohl ich mir nicht einmal sicher war, mit der Kleinen Sex gehabt zu haben.

Aber was mache ich denn sonst hier?

Ich beschloss aufzustehen und suchte meine Klamotten zusammen. Eine Cordhose, ein schwarzes T-Shirt und ein Hemd.

Natürlich trat ich in die Scherben der Gläser und fluchte über den Kater in der Ecke und über den in meinem Kopf.
Ich suchte das Bad und zog gleichgültig die Scherbe heraus und band mir Toilettenpapier um den Fuß.

Wo war die Kleine? Wie alt sie wohl sein mag? Wohnte sie hier allein? Ich wusch mein Gesicht und zog mein Hemd über. In der Küche fand ich schließlich meine gestrige Eroberung. Sie hatte für uns Frühstück gemacht.
„Morgen, na gut geschlafen?“, fragte sie lächelnd.

Schade das ich mich nicht mehr an die Nacht erinnerte, denn sie war echt hübsch.
„Morgen“, entgegnete ich, „ wohnst du hier allein?“
„Nein, meine Eltern sind noch im Urlaub.“

Wie hatte ich sie kennen gelernt? Wie hieß sie eigentlich? Es war mir egal.
Ich trank meinen Kaffee hastig und schnappte mir einige Brötchen.
„Ich muss los“, sagte ich und stand auf.
„Schon? Wollen wir nicht frühstücken?“ fragte sie erstaunt.
„Ich ruf dich an.“, entgegnete ich trocken und wusste genau, dass ich es nicht tun würde.

Sie redete von „im Kontakt bleiben“ und von dem Wunsch nicht nur eine Nummer für eine Nacht sein zu wollen.

Eine Nummer? Anscheinend hatten wir doch etwas. Ich ging, ohne ein Wort zu sagen und fühlte mich wie ein Mann. Eine weitere Eroberung. Unbedeutend, doch für das Ego wichtig.

Es war Sonntag. Ein Blick auf mein Handy: 8:26 Uhr. Noch viel zu früh!
Ich ging durch die Stadt. Dort kam mir ein Mann entgegen. Er schien in Gedanken zu sein und hätte mich fast um gelaufen. Er war wohl auf den Weg in die Kirche.
Damit habe ich nicht viel am Hut. Es passt einfach in mein Leben.

Ich bin zwar nicht gottlos, schließlich bin ich Katholik, aber ich glaube auf meine Weise.

Die Bibel ist für mich ein Märchenbuch. Gute Geschichten und um sie verstehen zu können, darf man sie nicht wörtlich nehmen, sondern muss die Bilder die sie vermitteln deuten und interpretieren. Wie bei Märchen.

Ich kam zu Hause an und ging als erstes duschen.
Anschließend legte ich mich auf mein Sofa und hörte Musik und entspannte mich. Ich lauschte dem Text und spürte die Emotion der Worte, der Gitarre, des Rock
Gerade lief ein Lied, in dem der Sänger metaphorische Vergleiche zwischen seinen Emotionen für das Mädchen und der Natur zog.
Solche klassischen Vorstellungen von Liebe sind nichts für einen Realisten wie mich..
Ich weiß nicht, warum der Gedanke an Liebe mich an meine Freundin erinnerte. Wahrscheinlich weil sie behauptete mich zu lieben.

Wieder einmal habe ich betrogen.

Keine Spur von schlechten Gewissen.

Wir waren nun mehr als zwei Jahren zusammen.

Ich rief sie an.
Wir redeten über unwichtiges Zeug und sie beendete das Gespräch mit dem Satz „Ich liebe Dich.“
Das brachte mich erneut zum Nachdenken.
Für mich ist das nur eine neu interpretierte Floskel des Alltags und wird völlig überbewertet.
Es ist nur eine Standartaussage, ähnlich wie „ mit freundlichen Grüßen“, nur bedeutungsloser.
„Ich dich auch“, sprach ich und legte auf.

Mein Blick fiel auf die Uhr: 11:26 Uhr und anschließend aus dem Fenster.

„Ist das nicht nicht…?“, sprach ich leise in den Raum und schrie laut auf, als es geschah.

Oh mein Gott was habe ich getan?!.

Ich frühstückte. Meine Frau saß vor mir. Sie machte mir mal wieder Vorwürfe.
Am Freitag verlor ich meinen Job. 15 Jahre meines Lebens arbeitete ich für diese Firma. Nichts Besonderes. Ein einfaches Industrieunternehmen.

Die Kündigung kam, nachdem ich einen kleinen Arbeitsunfall verursacht hatte, wirklich nichts Großes, aber für die kalten Kapitalisten ein gefundenes Fressen.

Sie mussten eh rationalisieren.

Während sie mich enttäuscht und wütend anschaute, aß ich meine Brötchen.

„Wie soll das nun weitergehen?“, fragte sie.
„Ich finde schon wieder etwas anderes.“,antwortete ich und hoffte auf ihre Unterstützung

„Das ist nicht das Einzige. wir befinden uns schon seit Jahren in einer emotionalen Sackgasse.
Ich fühle mich schon lange unwohl und dir ist es egal. Ich habe darüber nachgedacht und ich habe jemanden kennen gelernt, bei dem ich mich geborgen fühle. Es tut mir leid.“
Überrascht war ich nicht. Ich hatte so eine Ahnung. Die ständigen Anrufe und „Frauenabende“.
„Es wäre besser, wenn du dir vorerst was anderes zum Wohnen suchst.“, fügte sie hinzu.
Ist sie nicht süß? Wo soll ich denn hin?
Ich verlor meinen Job, nun verliere ich meine Frau?
Rückschläge im Leben gewohnt bin ich gewohnt. Muss ich halt wieder beruflich und in Sachen Liebe neu Anfang. Na und? Ich bin nun 38 Jahre alt und habe meinen Halt im Leben, im Glauben gefunden.

Ich aß noch immer, als sie schon längst fort war und machte mich anschließend auf den Weg zur Kirche.
Ein kurzer Blick auf die Uhr: 8:26 Uhr.

Ich dachte noch mal über alles nach. Ich liebte meine Frau, aber ich schien es ihr nie richtig gezeigt zu haben.

Natürlich war ich innerlich schwer verletzt. aber ich bin ein Mann und habe meinen Stolz. Wieso in Tränen ausbrechen und um Vergebung flehen. Gott wird mir schon meinen Weg zeigen.
Ich versank in Gedanken und wäre fast gegen einen jungen Mann gelaufen.

Hatte er denn keine Augen im Kopf? Ich vergaß ihn schnell wieder, als ich an der Kirche ankam.

Es half mir, mich mit meinen Problemen an Gott zu wenden. Der Glaube allein gab mir wieder neue Kraft.

Um kurz nach zehn machte ich mich wohl zum letzten Mal auf meinen alten Heimweg. Ich wollte kurzfristig bei meinem Bruder wohnen, bis ich was Eigenes gefunden hatte.

Zu Hause angekommen packte ich meine „sieben Sachen“ und setzte mich in mein Auto. Wo meine Frau war, wusste ich nicht. Aber warum sollte mich das denn noch kümmern? Ich fuhr los und schaltete das Radio ein. Wieder verlor ich mich in Gedanken. Wie wird’s nun weiter gehen? Würde ich wieder arbeiten können? Wie teuer wird die Scheidung? War ihr Neuer „besser“ als ich? . Um zwölf Uhr wollte ich bei meinem Bruder sein.

Ein kurzer Blick, es war genau 11:26 Uhr und als ich wieder auf die Straße schaute, war es bereits zu spät.

Ich wachte auf, er war noch da und lag neben mir.

Gestern habe ich ihn endlich angesprochen. Er war mir schon vor einiger Zeit aufgefallen.

Ich arbeite als Zahnarzthelferin.
Jeden morgen gehe ich aus dem Haus, die Straße herunter, durch einen kleinen Park in Richtung Innenstadt. Dort kam er mir des Öfteren entgegen.

Ich fiel ihn ebenfalls auf, jedenfalls glaubte ich das, obwohl das schwer zu sagen war. Er fuhr immer auf seinem Fahrrad in Richtung Uni. Gestern Abend erfuhr ich, dass er Germanistik studiert.

Ich bin keine „Schlampe“. Es ist für mich nicht normal einen Mann, den ich erst gerade kennen gelernt habe, mit zu mir zu nehmen, aber ich bin mir sicher, dass wir zusammen gehören. Wir unterhielten uns. Mir fielen viele Gemeinsamkeiten auf und er war mir auf Anhieb total sympathisch. Er schien auch interessiert zu sein, also lud ich ihn mit zu mir ein, da meine Eltern eh gerade vereist waren.

Ist das so schlimm? Bin ich deswegen eine Schlampe? Wir verbrachten die Nacht zusammen.

Es war herrlich!

Ich stand auf und ging leise in die Küche und backte Brötchen auf und kochte Kaffee. Plötzlich hörte ich einen Knall. Wahrscheinlich hatte mein Kater wieder irgendetwas herunter geworfen.

Endlich kam er in die Küche und ich begrüßte ihn.
„Morgen, na gut geschlafen?“
„Morgen“, entgegnete er, „ wohnst du hier allein?“.
„Nein, meine Eltern sind noch im Urlaub.“
Er trank seinen Kaffee hastig und nahm seine Brötchen.
„Ich muss los“, sagte er und stand auf.
„Schon? Wollen wir nicht frühstücken?“ fragte ich erstaunt.
„Ich ruf dich an.“, entgegnete er trocken und ich wusste genau, dass er es nicht tun würde.
Ich wollte ihm meine Gefühle erklären, aber es gelang mir nicht.

Ich redete nur von „im Kontakt bleiben“ und dass ich nicht nur Nummer sein wollte.

Er war weg, ich schaute auf die Uhr. Es war 8:26 Uhr.
Tränen liefen mir übers Gesicht.

Dieser Schmerz! Ich bin keine Schlampe, doch sicher denkt er das nun!

Solange habe ich gehofft, mich gescheut und endlich hatte ich ihn.

Und nun war er weg!

Warum habe ich kein Glück mit Männern?! Ich fühlte mich auf einmal so schmutzig und ging duschen.

Als ich ins Zimmer kam, sah ich die Scherben auf dem Boden. Es war Blut daran. Ich untersuchte meinen Kater, aber das Blut musste von „ihm“ stammen.

Es war mir egal. Ich machte mein Zimmer sauber und wechselte die Bettwäsche.

Dadurch beruhigte mich ein wenig und beschloss, spazieren zu gehen. Ich ging wieder durch den kleinen Park und war in Gedanken.

Wieso der nicht geglückten Liebe immer wieder nachtrauern? Ich bin selbstständig, jung und hübsch.

Wenn er mich nicht zu schätzen weiß, ist er selbst Schuld.
Ich ging über die Straße und es war für mich klar, dass auch diese Wunde heilen würde.
Plötzlich hörte ich nur noch eine Hupe und Reifen quietschen. Dann wurde es dunkel.
Zeitpunkt des Todes: 11:26Uhr.

Ende

Überweisung

Von Nismion am 10. August 2009 veröffentlicht

Überweisung

Ich öffnete die Tür. Ging nach links, zum ersten Terminal. Das einzige hier, so wie es aussieht. Ansonsten gab es hier nur noch zwei Automaten zum Geld abheben. Vor einem stand ein Mann. Er guckte gespannt auf den Monitor. Drückte eine Taste. Eine Schweissperle rann ihm die Stirn herunter. Er wischte sie weg. Es war eigentlich nicht zu warm hier. “Vielleicht hatte er nicht genug Geld für diesen Monat? Zwei Wochen waren noch zu überstehen. Er bangte sicher darum, wie er die nächsten Wochen aushalten sollte. Zu Hause wartete bestimmt seine Frau, vielleicht mit zwei Kindern?

Hatte sie ihn hierher geschickt? Wie würde sie reagieren, wenn er ohne Euros oder mit zu wenig zurückkam? Ich konnte mir das Theater, die Vorhaltungen gut vorstellen. Da schien der Geldautomat sein einziger Rettungsanker, das Ziel seiner Hoffnung zu sein.”

Der Automat spuckte die Karte aus. Der Mann nahm sie, verließ den Vorraum und ging zu den Schaltern.

Jetzt bat er um Vorschuss. Ich konnte meine Schadenfreude nicht verbergen. Ich musste böse grinsen.

In meiner Vorstellung war der Mann gefangen in einem Los, aus dem es ihm nicht gelingen konnte, unbeschadet herauszukommen. Außer, die Bankangestellte zeigte Nachsicht. Aber ich wünschte mir, dass dem nicht so sei. Ich hatte ihm ein Schicksal zugespielt, aus dem er nicht mehr herauskommen sollte.

Ich hätte ihn noch gerne weiter beobachtet. Aber deswegen war ich nicht hier. Ich kramte den Überweisungsauftrag aus meiner Tasche, steckte meine Karte ins Terminal.

Ich hatte gut geplant diesen Monat. Es musste dicke reichen. Ende des Monats würde ich mich belohnen. Das hatte ich mir selber versprochen. Ich freute mich drauf. Was es sein sollte, wusste ich noch nicht. Aber was besonderes. So viel war klar.

Ich ging im Menü auf Überweisung, gab die erforderlichen Daten ein.

“Einen Beleg ausdrucken?” “Nein.”

Dann wählte ich Kontostand abfragen.

Und als ich es sah traf mich der Schlag.

Dort stand eine riesige Summe.

Ich hatte geplant, gut sogar, aber vermehren konnte ich es noch nicht.

Ich ging auf Kontobewegungen, guckte da.

Eine riesige Summe war mir überwiesen worden.

5 Millionen Euro.

Ich konnte es nicht glauben. Ich druckte es mir aus. Das musste ich schwarz auf weiss haben. Als ich den Ausdruck betrachtete, war ich in meiner Vorstellung schon reich. In meinem eigenem Haus, ein Flitzer davor, vielleicht ein Porsche?

Und arbeiten müsste ich auch erstmal nicht. Ein unbeschreibliches Gefühl. Alle Träume zum Greifen nah. Aber leider nagte die Wirklichkeit, mein Verstand an mir.

Es klopfte an. Erst noch leiser und dann kam auch noch mein Gewissen dazu. Echt nervig.

Ich versuchte es bei Seite zu schieben, aber es funktionierte nicht. Und so musste ich die Träumerei unterbrechen.

Ich spielte kein Lotto, hatte nichts gewonnen. Leider.

Also konnte es nur ein Fehler sein. Und der würde schnell bereinigt werden. Es würde auffallen, so oder so.

Ich konnte es auch selber tun. Ich konnte mit einem guten Gefühl aus der Sache herauskommen. Ich ging zum Schalter.

Ich hasste meine Ehrlichkeit. Ein Anderer hätte bestimmt versucht, das Geld irgendwie abzuheben. Es überwiesen? An eine andere Kontonummer? Die meiner Schwester?

Sollten die es zurückbuchen, wäre mein Konto 5 Millionen im minus. Wahrscheinlich, sehr wahrscheinlich sogar, würde es gesperrt werden. Aber vielleicht kam ich vorher an das Geld ran? Und wozu brauchte ich dann ein Konto? Es gäbe bestimmt eine Möglichkeit. Auf irgendeine Weise, vielleicht nicht legal, aber was sollte es. Keiner würde es sehen. Aber ich wusste es. Und bei diesen Gedanken bekam ich schon ein schlechtes Gewissen. Ich war echt zu gut erzogen. Aber ich wusste, dass ich das richtige tat, als ich am Schalter wartete.

Dort stand immer noch der Mann von eben. Er diskutierte mit der Angestellten.

Mitlerweile schwitzte er richtig. Sein Gesicht war von Feuchtigkeit bedeckt. Mit dem Hemdärmel wischte er es weg.

Und langsam bekam ich mit, was ihn beschäftigte.

Die ganze Bank anscheinend auch, denn alle guckten her, als er lauter wurde.

Er hatte wohl einen Auftrag, den er abwickeln musste. In spätestens einer Stunde müsste es gelaufen sein, sonst wären die Vertragspartner weg, wieder auf dem Weg ins Ausland.

Und er konnte das nicht unter Dach und Fach bringen, wenn das Geld nicht kam. Er wartete wohl seit einer Woche da drauf.

Aber es tat sich nichts. Seine Firma hatte das Geld überwiesen und so konnte es nur an der Bank liegen.

Als die Bankangestellte sagte, sie gucke noch einmal im Computer, vielleicht sei ein Fehler unterlaufen, explodierte der Mann.

“Wie zur Hölle können fünf Millionen Euro verschwinden? Ein paar Cent, ein Euro vielleicht, aber keine fünf Millionen. Wie schlampig wird hier gearbeitet? Das kann ich echt nicht glauben, beim besten Willen nicht. Ein Drecksladen ist das.”

Da wusste ich wovon er sprach. Ich ging nach vorne.

“Entschuldigen sie.” “Was,” funkelte er mich an, bereit auch an mir seine Wut rauszulassen.

“Jetzt aber mal ganz ruhig, Tiger. Ich weiss wo ihr Geld ist, denke ich, “ sagte ich und reichte der Angestellten den Ausdruck.

Sie blickte drauf und sah mich danach erleichtert an. Ein junges Ding. Müsste aber mein Alter sein. Sicher etwas überfordert mit der Situation.

“Fehler können passieren, kein Grund so ein Theater zu machen. Und sie kann bestimmt nichts dafür.”

Dankbarkeit blitzte aus ihren Augen zu mir herüber, als sie am Computer arbeitete.

Der Mann sagte nichts, stierte nur die junge Frau an. “Ja, es ist gelaufen,” verkündete sie nach ein paar Minuten. Da beruhigte er sich anscheinend, er gab ihr den Überweisungsbeleg und bekam sogar ein “Danke” zustande.

 

Ich hätte das Geld nehmen können, sicher. Aber das wäre nicht ich gewesen. Ich hätte es nicht mit mir vereinbaren können. Die Geschichte habe ich später noch oft erzählt. Unzählige Male.

Zu jedem meinem Hochzeitstag kramte ich sie aus. Mitlerweile sind es schon sechs geworden.

Ich hätte damals alles kaufen können. Aber bekommen habe ich ohne es, viel mehr.

Etwas was nicht aufzuwiegen ist, meinen Schatz. Sie ist mittlerweile im dritten Monat schwanger. Und wäre das nicht alles passiert, hätte sie mir nie ihre Nummer gegeben, meine kleine Bankangestellte.

Der Kontoauszug steht eingerahmt bei den Hochzeitsfotos. Oft gucke ich ihn mir an und erinnere mich. Und jedes Mal erwärmt es mein Herz.

Sie kommt aus der Küche, mit ihrem schon dickeren Bauch. “Schatz, bist Du schon zu Hause?” Sie sieht mich vor dem Regal, sieht, was ich angucke und muss lächeln.

“Ich liebe Dich,” sagt sie.

 

Nismion