Von admin am
9. September 2009 veröffentlicht
Autor: Alex Koob
Veröffentlicht: workablogic.de
Diese Kurzgeschichte ist Teil einer Serie:
- Wenn der Postmann 2x klingelt
- Messer, Gabel, Schere, Licht, ist für diese Frisöse nicht
“Pfui Taxi, pfui!” Mein Hund hat irgendwie die Angewohnheit am liebsten gegen die Mauer unseres Nachbarwohnhauses zu machen. Es ist ja verständlich dass er den Druck sofort mal abbauen will sobald wir bei uns aus dem Haus sind aber muss es denn immer direkt an der nächstbesten Wohnhausmauer sein? Wie sieht das denn aus? Dann wird doch wieder sofort getuschelt: “Ah hier, die Frau Soundso, die läßt Ihren Hund wieder überall seine Geschäfte verrichten.” Es wäre ja nicht zum ersten Mal wo ich von einem Nachbarn bei der Gemeinde angeschwärzt werden würde. Jetzt kommt auch noch der Briefträger um die Ecke gefahren. “Taxi, komm weiter, komm…” und ich zwinker ganz verrucht meinem Lieblingspostboten entgegen. Ich wette ich komme gut bei dem an.
Voller Selbstbewusstsein stolziere ich also weiter den Bürgersteig entlang und sehe am Kirchenturm dass es bereits 8:27 ist. Bald muss ich also wieder zur Wohnung umkehren damit ich auch pünktlich um 9Uhr im Frisörladen stehe. Nicht dass es wieder einen Rüffel von der Chefin gibt.
Och man, Chefin… was wäre ich gerne selbst meine eigene Chefin, hätte meinen eigenen Frisörsalon und könnte den mal so richtig peppig einrichten wie es mir gerade gefällt. Nicht alles so grau in grau und langweilig wie es bei meiner Chefin der Fall ist. Aber nun gut… mein eigener Frisörsalon ist vermutlich noch Lichtjahre entfernt, 9Uhr allerdings rückt immer näher und somit heißt es bald wieder: Schnipp, Schnapp!
Auf der Arbeit angekommen bin ich zuerstmal froh dass es noch recht ruhig ist. Nicht nur von den Kunden her, sondern auch die anderen Frisösen sind noch nicht vollzählig erschienen und somit ist es um einiges ruhiger als wenn 4 Tratschweiber auf einem Haufen sind. Ich habe natürlich nichts gegen eine solche Kaffeekränzchen-Atmosphäre aber morgens früh kann es gerne etwas ruhiger zugehen.
Die ersten Kunden sind bereits überstanden. Einer Hausfrau aus der Gegend habe ich eine Dauerwelle verpasst, einem dicklichen Taxifahrer sein graues Haar mit neuer Farbe vertuscht und ich durfte sogar einem Piloten die Haare stutzen. Aufregend, aufregend. Nicht was sie jetzt denken, sondern seine Arbeit. Was muss es toll sein über den Wolken zu schweben…
Meine Chefin ruft mich mit ihrer schrillen Stimme allerdings wieder schnell auf den Boden der Tatsachen zurück, der nächste Kunde steht an. Oder besser, die nächste Kundin. Eine liebenswerte Omi, auf den ersten Blick.
Hier die Haare gestutzt, dort wieder ein bisschen Farbe in die Haare gebracht und zack unter die Haube. Während die alte Dame also nun gemütlich Zeitung liest und die Haube ihre Arbeit verrichtet, kümmere ich mich um einen Jungen im Teenager Alter, der mir das Leben sehr einfach macht. “Einmal bitte rundum auf 10mm gestutzt” sagte der kleine Mann. Wow, sogar ein Bitte habe ich gerade bekommen. Da soll mal einer sagen die Jugend von heute wäre nicht mehr das was sie mal war?!
Ich habe also mal alles mit der Schere schon etwas ausgedünnt und kurzgeschnitten ehe ich die Haarschneidemaschine ansetze, alles bis auf 10mm abrasiert habe und vor lauter Rasieren habe ich doch glatt unsere liebe Omi vergessen, die mittlerweile fast unter der Haube dahin geschmolzen wäre, wäre sie nicht so tief in Ihre Zeitschriften versunken. Es roch sogar schon etwas komisch aus ihrer Gegend, ob es aber nun der Apparat oder doch schon ihre Haare sind, sei mal lieber dahin gestellt. Nur gut dass die älteren Mitmenschen wohl nicht mehr den besten Riecher haben und gottseidank fiel der guten Dame mein Malheur auch nicht auf und als die geschätzte 80jährige den Salon verlassen hatte, musste ich erst einmal gut durchpusten. Uffh, nichts passiert.
Ordentliches Trinkgeld bekam ich ebenfalls von ihr – danke gnädige Frau. Bestimmt war sie froh dass ich ihr mehr als genügend Zeit gegeben hatte um die Klatsch&Tratsch Zeitschriften in Ruhe fertig zu lesen.
Nun ging es auch schon zielsicher in Richtung Feierabend und dort wartet mein kleiner Vierbeiner auch sicherlich schon auf seine nächste Portion im Fressnapf. Vielleicht lache ich mir ja auch mal endlich wieder einen Zweibeiner an, doch vom Letzten ist halt nur der kleine Taxi geblieben. Meinem Ex selbst, dem waren seine Tüfteleien und sein Tuning an seinem Manta halt wichtiger als ich und somit war dieser Lebensabschnitt auch wieder schnell beendet.
Von admin am
22. August 2009 veröffentlicht
Autor: Alex Koob
Veröffentlicht: workablogic.de
Diese Kurzgeschichte ist Teil einer Serie:
- Wenn der Postmann 2x klingelt
- Messer, Gabel, Schere, Licht, ist für diese Frisöse nicht
Ich drehe mich um, schlage auf den Wecker und denke wie jeden Morgen: “Jetzt schon aufstehen!?” Doch ich kratze all meine Kraft zusammen die man morgens früh schon um vier Uhr in seinem Körper vorfinden kann und gehe schlaftrunken ins Bad. Ich schaue aus dem Fenster und sehe dass die Autos zugefroren sind. Scheisse… wieder einmal heißt es kratzen, kratzen, kratzen ehe ich mit meinem Auto zur Arbeit fahren kann. So langsam bin ich das kalte Wetter wirklich satt. Das hält nun schon mehrere Wochen an. Dreck!
Nach dem Frühstück steht dann auch wie erwartet 10-minütiges Kratzen an und um 4:27 bin ich unterwegs zur Arbeit. Nach einer halben Stunde Fahrt über größtenteils leere Straßen bin ich im Postamt angekommen. Zuerst gönne ich mir mal einen guten, tiefen Schluck Kaffee und fange an mich um meine Postkörbe zu kümmern.
Als die letzten Briefe und Zeitungen sortiert sind, gehts ab Richtung quitschgelbes Auto wo ich alles brav auf dem Beifahrersitz nach Straßen sortiere und die Fahrt kann beginnen.
Ich kann es Euch sagen, das ewig frühe Aufstehen kann schon schlauchen, aber ich will mich hier keinesfalls beklagen denn ich kann froh sein in der heutigen Zeit überhaupt einen mehr oder minder sicheren Arbeitsplatz zu haben.
Unterwegs kann ich mich natürlich wieder gut über all die Leute aufregen, die vor Ihrem Haus rechts wie links meterweise Platz hätten um Ihr Auto zu parken, aber natürlich müssen diese genau vor dem Briefkasten stehen. Wäre ja auch zu schön und einfach, wenn mal jemand an den Briefträger denken würde, der sonst schön gemütlich bis zum Briefkasten vorfahren, das Fenster runterdrehen und die Post einwerfen könnte. Gerade jetzt wäre es für mich ein richtiger Genuss bei der Kälte im Auto sitzen bleiben zu können und nicht alle 30m immer wieder in die Kälte raus zu müssen. Aber nein, die meisten Menschen denken halt genau so bequem wie ich.
Die Straßen werden voller und das arbeitende Volk verstopft allmählich die Strecken. Nur gut dass ich in rund 2 Stunden wieder im Büro sitze und mal wieder Post sortieren kann – im Warmen!
Sonst ist heute nicht viel passiert, abgesehen von der drallen Blondine die mir abermals mit einem Auge zugezwinkert hat, als sie mit Ihrem kleinen Kläffer an meinem Auto vorbei kam. Geschmeichelt fühle ich mich dabei allerdings nicht. 1. passt die Frau frisurtechnisch besser zu Ihrem Hund als zu mir und 2. kommt sie von Ihrem Kleidungsstil auch eher an den Stil meines quitschgelben Autos heran als an meinen.
Natürlich könnte ich noch einige Geschichten von älteren Damen und Herren vom Stapel reißen aber die sind meist so langweilig, dass ich selbst mit mir kämpfen muss nicht über den Diskussionen mit ihnen einzuschlafen. Es ist ja verständlich dass die Leute froh sind wenn sie mal einen Gesprächspartner finden den sie vollmüllen können, doch muss es denn immer ich sein?!
So ging es nach einigen, sinnlosen Konversationen, unzähligen Posteinwürfen und stundenlangem Sortieren im Laufe des Nachmittags wieder zurück in meine 4 Wände und a propos 4… morgen früh ist es wieder soweit!
Und nächstes Mal bitte dran denken wo man parkt. Danke, Euer Postmann
Von admin am
19. Mai 2009 veröffentlicht
Autorin: Alisha Bionda
Illustration: Gaby Hylla
Veröffentlichung: Der Band ist für Juni 2010 in der SEVEN FANCY-Reihe im “Sieben Verlag” geplant.
Ich habe es immer schon gehaßt, vor einem Wust Papier zu sitzen. Vor unbearbeiteten Aktenbergen. Sie sind Fußfesseln, die mich an einen Schreibtisch binden. Warum ich es dennoch versuchte, hatte nur einen Grund: Ich wollte endlich Geld verdienen. Möglichst viel und bequem.
„Geh in den öffentlichen Dienst. Werde Beamtin. Da überarbeitest du dich nicht“, riet man mir.
Da saß ich nun.
Jahre später.
Frustriert, demoralisiert und fern jedem Schaffensdrang. Eingepfercht in ein Winzigzimmer mit Susan, meinem perfekten Gegensatz. Anfangs beäugten wir uns mißtrauisch. Ich war ihr mit Sicherheit zu schrill. Aber sie war viel zu gut erzogen, um es mich spüren zu lassen. Das handelte ihr die ersten Pluspunkte bei mir ein. Und ich beschloss im Gegenzug, auch unvoreingenommen an sie heranzugehen.
Im Laufe der Jahre wuchsen wir zusammen, vertrauten uns Dinge an, die wir anderen Kollegen nicht einmal unter Folter verraten hätten. Und schon bald war es gerade Susan, die mir das Bürodasein erträglich machte.
Wenn …ja wenn da nicht unser Vorgesetzter gewesen wäre. Seines Zeichens Paragraphenreiter übelster Sorte. Jeder, der nicht zumindest Jura studiert hatte, war für ihn ein geistiger Tiefflieger. Seine stupide Arroganz war unübertrefflich. Dabei war er selbst die Verkörperung des klischeehaften Schreibtischhengstes und Erbsenzählers.
Mehr noch!
Er zählte sie nicht nur, er stapelte sie auch noch. Zudem war er mit einem urdeutschen Namen gesegnet. Herr Schmitz, diese beiden Worte waren der sichere Garant dafür, mir den Tag zu verderben. Die Krönung war unsere gegenseitige Antipathie, die wir – höflich wie wir waren – hegten und pflegten.
Schlimmer noch waren die monatlichen Dienstbesprechungen. Ich konnte seine monotone und zu allem Überfluß auch noch leise Stimme – wie er ohne Höhen und Tiefen – kaum ertragen. Sie war nicht nur einschläfernd, sie war geradezu tödlich. Bei einem dieser schier endlos langen Gespräche, bei dem mir wieder die Augenlider zuzufallen drohten, erinnerte ich mich an den Spruch einer Freundin, sich in bestimmten Situationen das Gegenüber in Unterhose vorzustellen.
Bei Schmitz fiel es mir schwer.
Trug er String-Tanga mit Leopardenmuster?
Nein, Boxer-Shorts mit Bügelfalte – womöglich kariert – waren bei ihm wohl das Äußerste der Gefühle. Ich widerrief gedanklich diese beiden Möglichkeiten. Zu seiner fahlweißen, schwammigen Haut paßte allenfalls heller Feinripp.
Ich zuckte zusammen.
War das etwa ich? Was sollten solche Gedanken?
Mir wurde blitzschnell klar: Es wurde eindeutig Zeit, den Beruf zu wechseln!
Das zu dem Büroalltag, dem ich gottlob entflohen bin. Geblieben ist mir Susan. Und sie ist all die grauenvollen Bürojahre wert.
Doch kommen wir zu Jojo.
Ihn traf ich in einer Mittagspause, in der ich, genervt von all dem verlogenen Kollegengeschwätz, in die Düsseldorfer Altstadt flüchtete. Er rannte mich über den Haufen, war ein typischer Punk und eindeutig nicht meine Altersklasse. Wir knallten zusammen wie die viel beweinte Titanic und der Eisberg. Aber Jojo ging nicht unter. Er grinste mich frech an. Fragte, ob ich Lust auf eine Tasse Kaffee hätte. Erstaunt, dss junge Punks auch Kaffee trinken und nicht nur literweise Bier in sich hineinschütten, rang ich nicht einmal zwei Sekunden mit mir und säuselte: „Die Idee ist gar nicht schlecht.“
Auch Jojo ist mir geblieben – lange – bis er zu einem anderen Ufer aufbrach. In eine bessere Welt?
Doch ich will nicht vorgreifen.
So viel erst einmal zu Susan und Jojo … nur zum besseren Verständnis. Und weil sie diejenigen waren, die ich stets vor unseren Plaudereien fragte: „Weißt du schon das Neuste?“