Short Story

Kurzgeschichten mit Links

Jo Syntari

Von eftos am 20. Januar 2010 veröffentlicht

Schnell war die Rocktar Dockingplattform für Angestellte des Tunnel Gamma II erreicht. Andra verband Ihren Comm mit der Bordelektronik und blinzelte exakt ein Mal. Als wüsste es Ihr Gefährt, wie auf unsichtbaren Schienen, machte er sich runter nach Syntari, der Hauptstadt des Pak Prime. Henleys Heimathafen.

Gespannt und gewichtig zugleich lugt Svinenysh der Ruba aus seinem Cockpit. Was er weniger wusste war, dass es gut sein kann, dass er der erste seiner Art ist, der je im Indi System seinen Fuß aufgesetzt hat.

Je mehr man darüber sinniert… Ja. Warum sollte einer eine billige Reinigungskraft rüber in die neue Welt mitnehmen? Es sei denn damals bei den deepshot Missionen. Eines ist sicher: Auf jeden Fall ist er der erste Tunnelreisende seiner Spezies, wenngleich höchst inoffiziell.

Andras Rocktar geht in den Gleitflug. Die Dämmerung setzt ein. Glänzend liegt die Metropole zu Ihren Füßen. Das Flugzeug reiht sich in die Kette anderer des Feierabendverkehrs ein. Unter Ihnen prachtvolle Straßen und Flaniermeilen.

Der Rocktar schwenkt nach rechts zur Landung. Ein Haus fällt besonders auf, es ist ziemlich Neon. ‚Linaesu Sports‘ blinkt in allen Farben. Dies also ist der Funsport-Laden von Andras Mann.

Svinenysh hüpft als erster raus und betrachtet das Geschäft mit großen Augen. ‚Hier gibt’s die original Jo’s‘ ist unübersehbar.

Alle vier betreten den Laden. Eine Glocke kündigt dies drinnen an. Doch statt Andras Ehemann rattert ein offensichtlich älterer Bot los: „Herzlich willkommen liebe Kundschaft… was ist denn das für einer?“ Er blickt Richtung Svinenysh, seine CPU-Matrix glüht, er wackelt leicht mit dem Kopf, „bei Linaesu Sports.“

„Alle unsere Produkte sind mit künstlicher DNA gesichert. Schaffen Sie es den Laden unbeschadet zu verlassen so tracen wir Sie bis wir Sie dingfest machen. Uns ist noch keiner ungeschoren davongekommen. In allen anderen Fällen: Willkommen! Ja, nur hier gibt’s die neuesten handsignierten Jumper Pro-x.“

Andra wendet sich an die Kinder: „Anscheinend ist mein lieber Mann wieder mal auf Hausbesuch. Schrecklich diese verwöhnten Racker der Neureichen. Die sind zu dumm sich selbst um Ihre Jumper zu kümmern.“

„Darf ich vorstellen: Unser guter alter Bot der Alpha-Mech-Tec Klasse. Er hält hier die Stellung. Auch wenn er manchmal vergisst sich selbst aufzuladen: Die Vorteile überwiegen. Ach ja, zum Glück gibt’s dich!“ Keine Regung beim Roboter.

Patchara sieht sich um. Neben anderen ausgefallenen Sportartikeln stehen dann tatsächlich auch Sie: Die ominösen Jo-Jumper. Es sind einfache Springstiefel mit einer Feder unten dran. Mit etwas Fantasie sieht diese im Normalmodus wie ein J aus, springt man mit Ihnen so wird daraus mehr oder weniger ein kleines o.

„Diese drei Herrschaften hier, mein lieber Botty“ Andra deutet auf die Kinder „sind unsere neuesten Betatester. Mach mal drei Paar für Sie fertig.“

„Sehr wohl“ rasselt der angesprochene. Henley und Patchara sind schnell versorgt, dann ist Svinenysh an der Reihe. Die Ruba leben auf großem Fuß. Spätestens jetzt ist dies einer Erwähnung wert, denn der arme Bot verzweifelt fast.

Alle Stiefel sind zu klein. Schließlich kramt er von ganz unten, die letzte Packung mit der größten Größe hervor. Mit Mühe ging er über den Fuß und den Knöchel des Alien. Dann aber sitzt er wie angegossen. Es sieht fast so aus als ob sich Svinos Laufapparat flexibel an den Schaft anpasst.

Er schaut sich um: Henley steht sicher da, nun 30cm größer. Patchara wackelt verdächtig, aber auch Sie immerhin bereits aufrecht, ohne sich festzuhalten. Svinenysh ist bereits eins mit seinen neuen Stiefeln. Bereit aufzubrechen.

Botty knattert weiter: „Bei diesen neuen Prototypen handelt es sich um die neueste Federgeometrie. Feinste Nanotechnik ist in Ihr verarbeitet. An der Seite des Springstiefels befinden sich drei Knöpfe. Lauf-, Sport- und Ausdauermodus. Per Default, bei Auslieferung, derzeit stehen sie auf Laufen.“

„Sport schnell gedrückt!“ schrie Svinenysh dazwischen und begann immer schneller und höher zu hüpfen. Bald dotzt er an die Decke. Er verliert rasch die Kontrolle. „Waaah“ brüllt er zwischen jedem Sprung.

Botty ist zur Stelle. Er springt den Ruba an, reißt Ihn von den Füssen und landet zusammen mit Ihm längs auf dem Gang. Rasch drückt er den Lauf-Knopf.

Svinenysh schüttelt und rüttelt sich. Dann rappelt er sich auf. Er stützt sich mit der Hand am nächstbesten Regal ab. „Energie brutal viel zu!“ stammelt er schließlich.

Seinem Publikum war zwischen Lachen und Weinen. Patchara meinte nur: „Und mit diesen Dingern sollen wir drei Kilometer weit hüpfen?“

„Draußen geht’s besser“ antwortet Henley „wirst sehen“. Er ging auf Anda zu und bedankte sich: „Weißt du was, ich kauf die drei! Eure Credits sind morgen auf dem Konto. Vielen Dank für deine Hilfe. Wenn ich dir mal was Gutes tun kann, einfach melden.“

Nur die junge Diplomatentochter denkt noch ein wenig weiter, sie geht auf Andra zu und fragt: „Gibt’s du mir deine Comm-Nummer? Ich hab da so ein Gefühl dass dies mal wichtig werden könnte. Außerdem könnte ich dir dann Rezepte aus dem Land der aufgehenden Sonne rüberschicken.“

Beide Gründe hatten für Andra Hand und Fuß, so war dies geklärt. Außerdem hätte sie den Kindern in jedem Fall geholfen.

Patchara bedankt sich, weiß Sie doch das Sie damit einen Draht in die Heimat geschaffen hat. Eine Verbindung an aller Obrigkeit vorbei. Ein Geheimkanal Andra-Njall-Nef-Mikkel bzw. heim zu den Petch-a-boons.

Svinenysh, den Vorfall eben bereits vergessen, hoppelte als erster raus. Immer höher hüpfte er rum, irgendwo hin. Henley musste eingreifen: „weißt du wo‘s langgeht?“

„Soo, hääh wu?“ machte der angesprochene zwischen jedem Sprung, dann die Erleuchtung: „Aah, richtig, ja. Du erster als!“

Er beruhigte sich, Henley legt langsam los, dann Patchara und zu guter Letzt Svinenysh. Henley sieht sich um. Mit verbissenem Gesicht hinter Ihm seine beste Freundin. Erstaunlich wie schnell Sie das Springen lernt. Keine drei Minuten später hat Sie bereits den Bogen raus.

„Zeit für eine Abkürzung“ rief Henley und bog in einen Hinterhof ein. „Jetzt gibt’s Parcours!“

Zack über Mülltonnen und zwischen parkenden Flycas geht’s über einen Zaun. Svinenysh macht mittlerweile Kunstsprünge, Patchara hält verdächtig gut mit.

„Aufpassen Leute, da hinten ist dieser blöde Kläffer, aber es ist der kürzeste Weg…“ Henley springt ins nächste Grundstück.

„Wau uu arrrhh rrrrowwa!“ Sofort kam der Giftpilz angeschossen. „Oh nein!“ schrie Henley „er hat Verstärkung bekommen.“

Ein zweiter, noch giftiger Geselle stürmte wie besessen aus seiner Hütte hervor. So dumm die Kläffer sind, so sehr picken Sie sich sofort das schwächste Glied heraus!

Beide verfolgen nun Patchara, Immer wenn Sie landet versuchen beide Kampfknäuel Sie zu packen. Knapp ist‘s, in Panik fängt Sie an zu schreien. Schlecht, den das stachelt das verrückte Paar nur noch mehr an.

Doch Svinenysh ist zur Stelle. Vom nächstbesten Baum hat er eine matschige Frucht gepflückt. Zack mitten ins Gesicht eines Angreifers. Das Zitrusgeschoss platzt, jaulend macht sich der getroffene von Dannen. Scheinen viel Säure zu enthalten, manche Früchte hier auf Pak Prime.

Das zweite Vieh ist außer Rand und Band. Er versperrt Patchara den Weg. Planlos hüpft diese auf und ab, einziges Ziel keinen Biss abzubekommen.

Svinenysh beobachtet, dann nimmt er genau Maß und hüpft Ihm von hinten auf seinen Schwanz. Der Angegriffene jault schrecklich, haut geschlagen ab und leckt sich sein Hinterteil in seinem Verschlag in der letzten Ecke.

Endlich kann die junge Diplomatentochter Henley in seine Richtung nachfolgen. Im Nebenhof hüpft dieser bereits so hoch es geht auf und ab und versucht mitzubekommen was drüben los ist. Erleichtert stellt er nun fest dass beide unversehrt nachfolgen.

„War irgendwas?“ fragt er in die Runde. Seine beste Freundin gibt sich keine Blöße, hat die passende Antwort parat: „Nein, was soll denn sein? Auf geht’s, weiter! Oder wohnst du hier, kleiner Prinz?“

So also hoppelt das Trio flott Richtung Regentenallee 1 weiter, Svinenysh ruft mittlerweile zwischen jedem jump „Jo Syntari!“ oder ähnliches.

Die Umgebung öffnet sich. Freie parkähnliche Flächen liegen vor den fliegenden Kindern. In der Ferne ist bereits ein stattliches Gebäude zu erkennen. Henleys Zuhause.

Patchara war beeindruckt, versteckt es aber geschickt. Der Hintereingang ist erreicht. Henley deutet seinen Freunden an auf Laufen umzustellen, nach ein paar Saltos tut dies Svinenysh auch, mit leichtem Murren.

Nur speziell authentifizierte Besucher  haben Zutritt zum noblen Hause derer zu Westerburg. Kein Problem also für Henley.

Die Drei verstauen Ihre Jumper im Rucksack und ziehen Ihr normales Schuhwerk an. Danach hält Henley seinen Comm vors Tor und unsere drei Helden treten ein.

der Kutscher

Von Poesie am 25. November 2009 veröffentlicht

Unter den Gestaltern und Erzählern findet sich ein unscheinbarer Mann mit italienischem Akzent und einer exzentrischen Mütze auf seinem nachdenklichen Haupt. In einem Irrgarten der Plauderei mit den anderen Gästen, deren Eitelkeit und oberflächliche Gedanken er nichts abgewinnen kann, sieht der unscheinbare Mann wohl einem von den Wellen der Unbedeutsamkeit in Seenot geratenem ähnlich. Als rettendes Ufer wäre eine ruhige Ecke oder die frische leise Luft vor dem Gebäude schon ausreichend. Das tät so gut. Aber man hat ihm ja einen Preis verliehen, da kann er ja nicht einfach vor die Türe gehen, mitten in diesem vom Wein des Lobes maskierten Gesprächs in das er unfreiwillig geriet “Sein Schiff sei jedem Ufers Schmuck, wo immer es auch anlegen mag. Sein Schwimmendes Schloss, konstruiert von einem Meister wohl…“ wie kann er da nicht zufrieden lächeln, ein Gläschen nehmen und sich die Zeit stehlen lassen wie es sich geziemt, die ihm wohl fehlen wird beim Bau des neuen unbekannten Werks. Ein Dom? Ein Luftschiff? Jeder hier ahnt, dass es etwas Großes sein wird.  Niemand, absolut niemand in diesem Raum, hat eine flüsternde Ahnung was und wie es sein wird. Das Murmeln und Kichern findet einen akustischen Kontrast nur noch durch lautere Stimmen, die um den Mittelpunkt seiner Aufmerksamkeit kämpfen. All diese Leute machen sein Wehren müde und lassen das Rettungsufer des Spazierengehens in der ersehnten frischen Luft, von einer höheren Flutwelle aus Oberflächlichkeiten versinken. Ihm wird es mit der Zeit leiser, das überhebliche Reden und die Selbstdarstellung der Herren mit Zylinder sowie das höfliche Grinsen der Damen von wohlerzogener Art. Man kann gegenseitiges Verletzen, Schreien und Weinen unter den MakeUp-Wänden falscher Fröhlichkeit vermuten, und man wisse in trauriger Erkenntnis dabei recht zu haben. Die Musik scheint auch nur flott und heiter zu sein, weil ein deutscher Chemiker, aus Blättern vom fernen Südamerika, eine neue Dimension der Ablenkung isoliert hatte. Ein Leistungsmittel das schon zügellosen Missbrauch in die Gesellschaft brachte. Ein betrunkener älterer Kavalier mit rotem verwirrt lachendem Gesicht, torkelt mit zwei Damen im Arm an dem unscheinbaren Mann vorbei. Ihm scheint als würden die zarten Gestalten unter dem Gewicht des Betrunkenen noch vor dem Erreichen des Ausgangs zusammenbrechen. „Aber sie haben mir einen Preis verliehen, verdammt wie könnt ich undankbar sein“. Diese Schuldigkeiten der Gäste untereinander, dieses Borgen und Verborgen von Großzügigkeit, ist den ganzen Abend schon zu verspüren. Ebenso intensiv und aufdringlich wie der zu süße Geruch, wie frische Rosenblüten mit Rohölgestank,…ach ja, der neue Duft, wie heiß er schnell? War ja in der Zeitung abgebildet.

Da hinten, hinter dem weißbärtigen Mann mit Weinglas, ist doch…was ist das?
Ein Schiffmodell wird ihm offenbar, nicht unähnlich dem welches er selbst konstruiert hatte und bauen ließ, doch mit einem bedeutenden Unterschied. „Mein werter Herr, setzen Sie sich doch zu unserem Tisch“ lenkt plötzlich ein Mann mit Brille und schwarzem Hut, von der inneren Frage ab. „Ja, ich wollte mich nur noch kurz frisch machen, wo sitzen Sie denn?“ Der Mann mit Hut und Brille höflich wie ein Butler „Bitte lassen Sie sich Zeit, wir heißen Sie auch später an unserem Tisch willkommen.“ 

Eine Kutsche rollt auf der Strasse neben dem Gebäude vorbei, es ist schon kühler geworden und leichte Tropfen spürt man in der Luft, die wohl in ein baldiges Schütten übergehen. Von Außen wird kein Licht gesehen, das aus dem alten Bauwerk lächelt. Die Fenster sind leer und tot. Der Kutscher weiß auch, wie Alle hier, dass das Schloss an der Kurve, mit dem grauen schlichten Baustil und der dick überwachsenen Mauer, seit je her unbewohnt ist.
Die Kutsche rollt routiniert die Straße weiter, Wald wechselt mit nachtdunklem Felsen, noch ist der Hafen weit. Das Schiff jedoch wird warten bevor es mit dem, was der Kutscher mit sich führt, in das weite Eis aufbrechen wird. So weit, dass sogar die letzten Leuchttürme im gnadenlosen Schwarz versunken sind. Bis an dem Tag, an dem jenes Paket, geöffnet werden soll.
„Mein Herr, es wird noch eine ganze Weile dauern, bis wir den Hafen erreicht haben. Wünschen Sie Einkehr? Ich kenne einen, der Speise und Schlafplatz bietet, nicht weit von hier, liegt am Weg“
rät der Kutscher mit einer freundlichen weisen Stimme.
„Einkehr? Müde bin ich noch nicht, aber warme Brühe und schaumiges Bier, täte mir jetzt schon gut.“ antwortet der Fahrgast, mit italienischem Akzent.  „Denn ich habe etwas zu bauen, mit den Werkzeugen in dem mitgeführten Packet, weit in den ewig weißen Tiefen des Eises. Wo mich mein Schiff, jawohl mein Schiff, hinbringen wird. Der Regen wird schwerer und die Kutschen verkleinert sich in weite Ferne, auf dem Weg zu Gaststätte.

Die Gaststätte

Ein Steinbogen, vorn beschienen mit Fackellicht, ins Innere dunkler werdend, bringt die Kutsche zum stehen. Sehr einladend sieht das ja noch nicht aus für den Fahrgast, Alfredo den Schiffskonstrukteur. „Ist das die Gaststätte von der Sie erzählt haben?“ fragt er den Kutscher verwundert. „Verzeihen Sie mein Herr, aber mich wundert selbst, dass wir kein weiteres Licht vorfinden, als die Fackel an der Außenmauer, vielleicht wird heute in tieferen Räumen serviert.“ entgegnet der Kutscher. Nach einer kurzen Überlegung wird in den dunklen Innenhof hinter dem Steinbogen hinein gefahren und neben einem Springbrunnen dem Klang nach, denn man kann ihn nur hören, geparkt. Alles hier ist schwarz. Irgendwie aber sehr stimmungsvoll und eine neugierige Aufregung legt sich in die Situation. „Woher kennen Sie diesen Gastgeber?“ fragt Alfredo. „Er war auch Kutscher, wie ich, aber er erbte diese Mauern hier, und einst trank man gutes schaumiges Bier dahinter. Fragen Sie mich nicht warum er heute nicht anwesend ist, was war…“ der Kutscher hält inne. „Was ist los?“
“…da war was weiter in hinten im Garten.“ Der Mondschein erlaubt die Richtung zu erkennen, nach der sich die beiden richten müssen, wenn sie in die Tiefen diesen dunklen langen Heckenpfad ins Ungewisse folgen wollen. Vorher gilt es diesen Schatten, wo man nichts sehen kann, zu verlassen und aufzupassen nicht in den Springbrunnen zu fallen. „Was ist das?“ fragt nun Alfredo, etwas Eigenartiges schimmert in einer Heckenkreuzung. Es fühlt sich beim Näherkommen an, als würde die Ichempfindung beider stark betroffen werden. Panisch und verwirrt vernehmen Alfredo und der Kutscher einen Zustand der Verschmelzung. Sieht der Kutscher Alfredo, oder Alfredo den Kutscher. „Wer von beiden bin ich? Wo ist das Fest an dem ich mich nicht amüsierte, jetzt aber nirgends anderswo sein möchte. Warum war es mir, als ob das Festgebäude, seit je her unbewohnt war? Was ist hier los? Und welches Packet trage ich da mit mir herum?“ Plötzlich nimmt er, wer auch immer dies sein mag, eine zunehmende Kälte war. Zurück zur Kutsche laufend, von ständigen Fallen auf dem bereits eisig gewordenen Boden aufgehalten, nähert er sich dem unbeheizten Gefährt. Es mögen Wolldecken drinnen liegen und die Pferde könnten schnell den Weg fortsetzen in das nächste Dorf, sofern so etwas existiert.

Zu selben Zeit

Ein Kerl um die Dreißig mit grauen Pullover und einem Mobiltelefon neben sich, murrt über private Umstände vor sich hin. Sein Laptopbildschirm flimmert vor ihm. Zur selben Zeit? Wie kann das sein? Alfredo, der Schiffskonstrukteur kennt das Pferd und die Kutsche als das schnellste Mittel nach vorn zu kommen. Dieser eben beschriebene Mann jedoch scheint in jüngeren Zeiten zu leben. Er murrt und Alfredo friert. Dem Autor ist als sei er missverstanden und unangehört stehen gelassen worden, wohingegen Alfredos Welt von Verwirrung geprägt ist. Ja, es ist zur selben Zeit, es handelt sich hier um den Autor.

Zurück in die Welt

Ach ist das gut, diese warme Decke. Die Kutsche rast die Straße entlang. „Hab ich geschlafen?“ fragt Alfredo. „Schon möglich mein Herr, aber bald können Sie etwas ruhiger und gemütlicher schlafen. Die Gaststätte ist nur noch ein paar kurze Plaudereien entfernt.“ merkt der Kutscher an.
Alfredo lacht: „Oh, ich verstehe, haha… Ach warum können wir nicht einfach direkt zum Hafen fahren?“ „Aber mein Herr, einen Tag und einen halben müsste man durchfahren um diesen zu erreichen.“ erwidert der Kutscher, sichtlich besorgt, er könnte es ernst meinen. „Ach nein vergessen Sie es, verzeihen Sie, fahren wir hin wo man uns Unterkunft gewährt, ich vertraue Ihnen schon“
Da hört man sich schon fröhlicher Gesänge nähern und ein warmes Licht scheint aus zufriedenen Festern des Häuschens vor ihnen. Alfredo könnte den Kutscher umarmen und auch auf viele Schaumbiere möge er ihn einladen, hat er doch offensichtlich diesen schönen Ort gemeint.

Zur selben Zeit

Der Autor freut sich schon auf die warme duftende Badewanne. Was sich klären sollt wird sich klären,
ich habe ja wirklich nichts falsch gemacht. Sollt mir niemand dies einreden. Ja, sollte niemand mir etwas anderes einreden, ich schreibe. Hat dies nicht eine wundervolle Frau zu mir gesagt? Es dürfte der Heizkörper im Hintergrund sein, der neben dem Tippen einzig zu hören ist, in dieser nächtlichen Zeit, hier in diesem Raum.  

Fassen wir zusammen
Was ist hier los? Die Welt des Leuchtturmwärters und die des Herrn Alfredo mit dem italienischen Akzent, scheinen in einer Wechselwirkung zu stehen, mit der Welt des Autors. Doch wie sieht diese genau aus?
Kurzgeschichten und
Gedichte zum Geburtstag

Die Tränen Luzifers

Von admin am 25. Juli 2009 veröffentlicht

Autorin: Tanya Carpenter
Illustration:
Crossvalley Studio of Digital Art
Veröffentlicht: Im Buch “Das Herz der Dunkelheit”

DieTraenenLuzifersRom, Januar 2001
Es hätte so schön sein können. Endlich einmal Urlaub, weg von allen Verpflichtungen, Querelen, Ordens-Regeln und ständigen Einmischungen in unser Privatleben, von welcher Seite sie auch kommen mochten. Selbst wir Vampire brauchten gelegentlich mal so eine Auszeit. Und mein Geliebter, Armand, und ich hatten diese derzeit bitter nötig.
Mein Vater Franklin, als Leiter des Londoner Mutterhauses auch mein Vorgesetzter im Ashera-Orden, stand unserer Liebe nach wie vor kritisch gegenüber, der Vampirlord Lucien von Memphis versuchte beständig, Zwietracht zwischen uns zu säen, und seit kurzem mischte sich auch Kaliste, die Urmutter der Vampire, in unser Leben ein und hatte mir ausgerechnet die Verantwortung für Dracon, unseren ärgsten Widersacher, übertragen. Alles in allem waren die letzten Wochen nicht gerade einfach für uns gewesen.
Dieser Urlaub sollte uns und unsere Beziehung wieder ins Gleichgewicht bringen. Was passte da besser als Rom, die ewige Stadt. Entspannt durch die nächtlichen Straßen dieser wunderbaren geschichtsträchtigen Metropole wandern, ein bisschen Kultur, ein bisschen Amore …
Wie gesagt, es hätte so schön sein können. Seufzend schloss ich die Email von Franklin wieder.
„Je te l’avais dit. Ich habe dir gleich gesagt, schau erst gar nicht in deine Mails“, meinte Armand mürrisch. Ich konnte ihm seinen Unmut nicht verdenken, brachte es aber auch nicht über mich, meinen Vater vor den Kopf zu stoßen und den Auftrag abzulehnen, wo wir praktisch vor Ort waren.
„N’y aurait-il pas quelqu’un d’autre pour le faire? Warum kann das kein anderer machen?“
„Weil die Vorfälle im Vatikan stattfinden, und der lässt doch freiwillig nie jemanden von der Ashera rein.“
„Wann kommt Franklin hier an?“
Er war wirklich sauer. Versöhnlich hockte ich mich zu ihm aufs Bett und küsste ihn auf den Mund.
„Er wird morgen Nachmittag hier landen. Abends treffen wir uns zur Besprechung der Details und danach reisen wir beide weiter zum Vatikan, während Dad zurück nach London fliegt.“
„Amuse-toi bien avec ta famille. Viel Spaß beim Familientreffen“, spottete Armand. „Ich bleibe hier. Ich habe Urlaub.“

„Bist du allein?“, fragte mein Vater, als er mich in der Hotellobby begrüßte.
„Armand ist etwas eingeschnappt, was ich ihm nicht verdenken kann.“
Der Hauch eines Vorwurfs schwang in meiner Stimme mit, was Dad nicht entging. Aber schließlich war es ja meine Entscheidung gewesen, während meines Urlaubs die Emails des Ordens abzufragen.
„Lass uns auf mein Zimmer gehen. Dort sind wir ungestört“, bat Franklin. Seinem misstrauischen Blick in die Runde, der sonst so gar nicht seine Art war, entnahm ich, dass die Angelegenheit noch viel heikler war, als ich aufgrund seiner Nachricht vermutet hatte.
In seinem Zimmer holte er ein blaues Samtbeutelchen hervor und legte es mir in die Hand. Behutsam öffnete ich die Verschnürung und lugte hinein. Aus dem Inneren strahlten mir drei bunt schillernde Juwelen, entgegen.
„Tränen Luzifers“, sagte mein Vater bedächtig. „Insgesamt spricht man von Eintausend. Kleine Kristalle, die in allen Farben leuchten. Es sollen wirklich die Tränen des gefallenen Engels sein. Als sie vom Himmel fielen wurden sie dort, wo sie die Erde berührten, zu Kristallen. Engelstränen, die für die Menschen vergossen wurden, als sich Gott von ihnen abwandte. Dafür wurde Luzifer aus dem Himmel vertrieben. Für sein Mitleid mit uns Menschen.“
„Glaubst du daran?“, fragte ich und verspürte ein ungutes Gefühl in der Magengegend. Mein letzter Fall hatte ebenfalls mit den Tränen von Engeln zu tun gehabt, und die Menschheit hatte kurz vor der Ewigen Nacht gestanden. In letzter Sekunde hatten wir den Untergang der Sonne verhindern können. Vampire, Menschen und Lykaner mit vereinten Kräften.
Franklin lächelte still und schien nichts von meinen Gedankengängen zu bemerken.
„Alles ist möglich, wie du weißt. Die Macht dieser Tränen ist unleugbar wahr. Wenn also ein Teil der Legende stimmt, warum dann nicht auch der Rest? Doch die ganze Wahrheit werden wir wohl nie erfahren.“
„Wo sind die restlichen Tränen?“
„Abgesehen von diesen drei sind alle, die sich in unserem Besitz befinden im Mutterhaus in Montreal. In sicherer Verwahrung.“ Die Ashera erforschte und dokumentierte übersinnliche Phänomene nicht nur, wir versuchten auch zwischen Menschen und übernatürlichen Wesen zu vermitteln, nahmen PSI-begabte Menschen bei uns auf und verwahrten okkulte und paranormale Relikte. Bei all diesen Tätigkeiten waren wir stets bemüht, uns so wenig wie möglich einzumischen, was manchmal leider gar nicht so einfach war. Besonders dann nicht, wenn eine akute Bedrohung für die eine oder andere Seite bestand.
„Sicherer Verwahrung? Sind sie so gefährlich?“
„Ihre Macht kann gefährlich sein. Wenn man eine zerspringen lässt, kann man einmal das Schicksal der Welt beeinflussen. Hitler hatte zwei von ihnen in seinem Besitz und hat sie beide benutzt. Du weißt, was dann geschehen ist. Der römische Kaiser Nero hatte eine. Ramses I. soll eine besessen haben. Es ist viel Schaden mit diesen Tränen angerichtet worden. Deshalb sind sie in sicherer Verwahrung. Um ihren Missbrauch zu verhindern.“
„Dann ist der Begriff ‚teuflisch’ für Luzifer wohl wirklich nicht so falsch“, wagte ich einzuwerfen. Engelstränen bedeuteten einfach nichts Gutes. Egal, wer sie weinte.
„Oh Mel, das ist ungerecht. Er hat die Tränen nicht um des Schadens willen vergossen, sondern aus Mitleid. Ihre Macht lautet nur, dass man das Schicksal der Welt mit ihnen beeinflussen kann, zum Guten wie zum Bösen. Es ist die Wahl der Menschen, wie sie wirken, nicht die des gefallenen Engels. Und im Menschen lauert nun mal seit jeher das Böse.“
„Ist auch Gutes damit bewirkt worden?“ Ich musste die Frage einfach stellen.
„Nun, es heißt, der heilige Franz von Assisi hätte eine besessen. Und Mutter Theresa ebenfalls. König Salomon hatte angeblich zehn. Und sicher noch eine Menge anderer Menschen. Es gibt immer zwei Seiten einer Medaille.“
Ich schloss den Beutel und reichte ihn Franklin zurück.
„Gut, lassen wir es mal dahingestellt sein, ob die Tränen gut oder böse sind. Aber was genau haben die mit dem Fall zu tun? Du hast nur etwas von paranormaler Aktivität im Vatikan geschrieben.“
„Der Vatikan hat dreiundfünfzig Tränen in seinen Archiven.“ Mir blieb der Mund offen stehen. Diese heuchlerischen Scheinheiligen.
„Es ist zunächst nur ein Gerücht“, beschwichtigte Franklin, „aber dass der Vatikan so etwas bestätigen würde, kann man kaum erwarten. Eine Menge Hinweise deuten darauf hin, dass es nicht nur ein Gerücht ist. Und dass es Zeiten gab, in denen noch mehr Tränen dort lagerten. Es sind also wohl auch einige schon verwendet worden.“
„Soll ich die Dinger stehlen, damit diese verblendeten Kirchgänger keinen Schaden mehr damit anrichten?“ Vor meinem geistigen Auge zogen von den Kreuzzügen über die Inquisition bis hin zu gewaltsamen Missionierungen heidnischer Völker alle möglichen Schreckensszenarien vorbei, bei denen solch ein Kristall womöglich Einsatz gefunden hatte. Ich würde Pettra anrufen, meine Daywalker-Freundin, auch eine Vampirin, aber von anderer Art, die für Einbrüche prädestiniert war. Schließlich verdiente sie damit ihren Lebensunterhalt.
„Nein!“, sagte Franklin entschieden. „Und ja!“, setzte er etwas leiser hinzu. „Wenn du an sie herankommst, bringst du sie selbstverständlich mit. Ich muss wohl nicht erwähnen, dass bei dieser Aktion kein Verdacht auf die Ashera fallen darf.“
Ich grinste zynisch. „Warum sonst hättest du ausgerechnet mich um Hilfe gebeten? Das einzige Ashera-Mitglied, das nahezu unsichtbar in den Hochsicherheitsbereich des Vatikan hinein- und wieder hinauskommt.“
Meine Offenheit behagte Franklin nicht. Es war illegal, was wir hier gerade besprachen. Einbruch, Diebstahl. Aber manchmal heiligte der Zweck die Mittel. Mir hätte die Macht der Tränen als Zweck genügt, um sie den Kirchenvätern zu entwenden. Aber mein Vater brauchte noch einen weiteren Grund, um diesen Schritt zu tun.
„Ich hätte so eine Aktion nie in Erwägung gezogen, wenn nicht die aktuellen Vorkommnisse es erforderlich machen würden.“
In seinen Augen las ich nackte Angst, etwas, das ihm nicht ähnlich sah.
„Im Vatikan versucht gerade ein Sapyrion die Tränen zu stehlen.“

Diese Nachricht ließ auch in Armand jeden Widerwillen, den Fall zu übernehmen, verschwinden. Ein Sapyrion. Ein Dämon aus den Tiefen der Unterwelt. So absolut böse und verdorben, dass sich selbst andere Dämonen von ihm fernhielten. Diese Kreaturen waren Ausgestoßene, und dem Himmel sei dank waren die Tore zur Menschenwelt normalerweise für sie verschlossen. Was mich zu der Frage brachte, wie dieser Sapyrion es geschafft hatte, ein Dimensionstor zu durchschreiten. War er einem anderen Dimensionswandler heimlich gefolgt? Unwahrscheinlich, die Hitze dieser Wesen machte es ihnen unmöglich, sich unerkannt einem anderen Wesen zu nähern. Pyro – das Feuer – der Bestandteil ihres Namens war mehr als bezeichnend. Ihre Haut glühte rotschwarz, was sie berührten erlitt Brandspuren – je wütender ein Sapyrion war, desto schlimmer die Verletzungen, die er hervorrief. Außerdem konnten sie Feuerbälle werfen. Nicht gerade tolle Aussichten für Armand und mich. Ausgerechnet Feuer – das Einzige, was uns wirklich schaden konnte. Aber jemand musste dieses Wesen aufhalten, und vor allem verhindern, dass es die Tränen in die Hände bekam, wenn ich auch noch nicht wusste, wie wir das anstellen sollten.

Armand und ich entschieden uns, noch in dieser Nacht die Lage auszukundschaften. Der Sapyrion war schon seit fast einer Woche in den Mauern des Vatikan unterwegs. Möglicherweise war er den Tränen näher, als uns allen lieb sein konnte. Was würde solch eine Kreatur mit dreiundfünfzig Tränen Luzifers anstellen? Die Welt in eine zweite Hölle verwandeln? Lava-Ströme? Feuerwände? Flammen, die ohne Brennmaterial überleben konnten? Alles war möglich mit diesen Kristallen.
Im Zentrum des Vatikan herrschte Hochbetrieb. Die Schweizer Garde schien in Komplettbesetzung Dienst zu tun. So viele rot-gelb-blau gestreifte Uniformen hatte wohl selbst der Papst noch nie auf einem Haufen gesehen. Wir verharrten auf dem Dach des Petersdoms und beobachteten den kleinen bunten Ameisenhaufen unter uns.
„Ich denke, denen ist es lieber, wenn sie dem Dämon nicht begegnen“, meinte Armand und seine Stimme triefte vor Sarkasmus. „Die wissen so gut, wie wir, dass sie weder mit ihren Hellebarden, noch mit ihren Sturmgewehren etwas gegen dieses Ding ausrichten können.“
Ich schwieg, konnte Armand gedanklich aber nur zustimmen. So kampfesmutig sie auch alle taten, es war diesen Männern klar, dass der Gegner, der hier in den Schatten lauerte, nicht von dieser Welt war. Und dass eine Begegnung mit ihm den Tod bringen konnte. Franklin hatte mir berichtet, dass schon sieben Gardisten gestorben waren und etliche weitere mit Brandverletzungen in der Klinik lagen. Dennoch weigerte sich der Vatikan wie immer beharrlich, die restliche Welt in die Vorgänge innerhalb seiner Mauern einzuweihen. Man war schließlich so was wie die Macht Gottes auf Erden. Da würde man doch mit dem Teufel klarkommen. Ich lachte bitter. Mit ihrem Teufel hatte der Sapyrion wenig gemein. Gegen seine Bosheit war der christliche Satan ein Klosterschüler. Neid und Gier und Zerstörungswut waren die Natur des Sapyrion. Die schwarzverkohlten Stellen an einigen Außenwänden und der Brandgeruch, der über dem Vatikanstaat lag, waren ein deutliches Zeugnis für seine Anwesenheit und sein Handeln.
Plötzlich erklang ein ohrenbetäubendes, unmenschliches Kreischen, wie von einem riesigen, wütenden Stier, direkt unter uns.
Der Sapyrion war im Petersdom.
Das Splittern von Holz und Bersten von Gestein kündete von seinem Wirken. Er würde das verdammte Ding auseinandernehmen.
Unter uns stoben die Schweizer Gardisten wie ein aufgescheuchter Fliegenschwarm in die entgegengesetzte Richtung davon. Armand und ich konnten ihren Angstschweiß riechen. Gegen diesen Feind würde keiner von ihnen den Kirchenstaat verteidigen.
„Welch Ironie, dass ausgerechnet eine Hexe als Retterin der katholischen Zentrale fungieren soll“, meinte ich zynisch. Armand antwortete mit einem breiten Grinsen und sprang dann einem Schatten gleich vom Dach in die Tiefe. Ich folgte ihm lautlos.

Schon von Notre Dame kannte ich den Prunk, den die Kirche so gern zur Schau stellte, aber der Petersdom raubte mir wieder einmal den Atem. Trotz der herabgestürzten Fresken und der drei zertrümmerten Sitzreihen. Von dem Sapyrion selbst war nichts zu sehen.
Ich hatte den Gedanken kaum zu Ende gedacht, da erzitterte die Erde unter unseren Füßen und wir mussten uns beide an den Kirchbänken festhalten, um nicht zu fallen.
„Er ist unter uns. Bei den Gräbern“, sagte ich.
In Sekundenschnelle durchquerten wir das Kirchenschiff, schritten die Stufen zu den Grabmalen hinab und dort stand er – der Sapyrion. Zwei Meter hoch, mit schwarzen, gezackten Flügeln, die knochig wirkten, nur mit einer lederartigen Haut bespannt. Sein Torso glühte in pulsierendem Rot, Arme und Beine waren ebenfalls lediglich Knochen mit einem flexiblen Gewebe überzogen. In der klauenartigen Hand hielt er eine steinerne Schatulle, deren Deckel halb geöffnet war. Regenbogenfarben leuchteten uns daraus entgegen.
„Verdammter Mist, er hat sie gefunden“, rief ich.
Der Kopf des Sapyrions schoss herum, als er meine Stimme hörte – schwarze Kohlestücke statt Augen und ein Raubtiergebiss hinter verschrumpelten Lippen. Er riss sein Maul weit auf, roter Geifer tropfte von den langen Zähnen und wieder erklang dieser markerschütternde Schrei, den wir schon oben auf dem Dach vernommen hatten. In der nächsten Sekunde flog uns ein Feuerball entgegen. Geistesgegenwärtig stoben Armand und ich auseinander, die Kugel schlug in der Wand hinter uns ein, ließ einen Teil des Mauerwerks zusammenstürzen und verglühte dann. Der Sapyrion stob an uns vorbei nach oben ins Kirchenschiff, heißer Wind verbrannte uns die Gesichter, doch wir folgten ihm sofort. Ein zweiter Feuerball begrüßte uns, als wir den Altarraum wieder betraten. Auch diesem wichen wir gekonnt aus. Ich erhaschte einen genaueren Blick auf den Torso unseres Gegners – unter der Lederhaut des Brustkorbes konnte man das rotglühende Herz schlagen sehen. Ich realisierte, dass dies seine einzige verwundbare Stelle war.
Mein Blick wanderte von dem brüllenden Dämon durch den Innenraum des Doms, der Bronzethron des Hochaltars war durch den Feuerball zerstört, der hölzerne Sitz, der lange Zeit als Bischofsstuhl des Petrus gegolten hatte, zersplittert. Da sah ich plötzlich das Taufbecken mit den beiden Marmorengeln.
‚Geweihtes Wasser!? Wasser und Feuer. Das könnte klappen’, dachte ich und sammelte meine geistigen Kräfte. Armand folgte meinem Blick aus seiner sicheren Deckung heraus. Das Becken hob sich aus seiner Verankerung, Schweißperlen traten mir auf die Stirn, ich war einfach zu ungeübt in diesen Dingen. Da kam mir Armand, der erkannt hatte, was ich plante, zur Hilfe. Gemeinsam schleuderten wir das marmorne Gefäß gegen die Brust des Sapyrions. Ein lautes Zischen, der Dämon kreischte vor Schmerz auf, ließ seine Beute fallen und ging in die Knie, doch noch ehe ich triumphierend jubeln konnte, war er auch schon wieder auf den Füßen. Das war daneben gegangen und hatte ihn nur noch wütender gemacht. Sein Zorn schlug uns in einer Hitzewelle entgegen, gefolgt von weiteren Feuerbällen, denen wir nur durch unsere vampirische Geschwindigkeit entkamen. Wie Eichhörnchen an einem Baumstamm klammerten wir uns an den Wänden fest und sprangen von einer Freske oder Balustrade zur nächsten. Der Sapyrion richtete sein Hauptaugenmerk dabei auf mich.
„Distrais-le. Lenk ihn ab“, rief Armand mir zu.
„Was hast du vor?“
„Lenk ihn einfach nur ab!“
Einfach nur ablenken. Na prima. Sollte ich mich als Brathähnchen anbieten? Armand sprang mit einem riesigen Satz Richtung Hauptportal, sofort riss der Feuerdämon den Kopf herum und schickte sich an, einen Feuerball gegen meinen Liebsten zu werfen. Das konnte ich nicht zulassen.
„Hey, Glühwürmchen“, rief ich ihm entgegen. „Mein Elektroherd wird heißer als du.“
Ich bezweifelte zwar, dass er auch nur ein Wort von dem, was ich sagte, verstand, aber zumindest verlagerte sich seine Aufmerksamkeit wieder von Armand auf mich. Doch statt einen neuen Feuerball zu werfen, ging der Sapyrion diesmal in die Knie und stieß sich kraftvoll ab, um vor mir auf der Empore zu landen. Meine Haare knisterten unter der Hitze, ich spürte, wie sich erste Blasen auf meiner Haut mit Flüssigkeit füllten. Lebendig gegrillt zu werden entsprach nicht grade meiner bevorzugten Todesart. Kurzerhand ließ ich mich einfach fallen und landete vor dem zerstörten Hauptaltar. Ein heftiger Windstoß brachte mich kurzzeitig ins Wanken, er kam vom weit geöffneten Hauptportal. War Armand noch zu retten? Er konnte diesem Biest doch nicht auch noch die Tür aufmachen. Wenn das Vieh erst mal draußen war, würden wir es nie wieder kriegen. Allerdings war es auch äußerst fraglich, ob wir es hier drinnen besiegen könnten, ehe es uns mitsamt dem Dom zu einem Häufchen Asche verbrannte.
Meine Haut spannte sich schmerzhaft, obwohl die Heilung bereits einsetzte, der scharfe Geruch nach meinem eigenen verbrannten Fleisch ließ Übelkeit in mir aufsteigen. Alles in mir schrie nach Flucht. Ich spürte die zunehmende Hitze wie eine Druckwelle, als der Sapyrion wieder nach unten sprang, schaffte es gerade noch rechtzeitig aus der Gefahrenzone, ehe seine klauenbewehrten Füße auf dem Boden aufkamen und zwei tiefe Löcher ins Gestein drückten. Jeder Atemzug schien meine Lunge zu verbrennen. Da wurde es plötzlich merklich kühler. Auch der Sapyrion bemerkte die Veränderung und hielt verwundert inne. Wir blickten beide Richtung Ausgang, wo Armand konzentriert und angespannt stand, über ihm eine riesige dunkelgraue Wolke voller Regenwasser. Woher…? Doch dann wurde es mir schlagartig klar. Der Brunnen auf dem Petersplatz. Armand hatte einfach meine Idee aufgegriffen und sie mit einer riesigen Menge Wasser umgesetzt. Die Wolke näherte sich dem Sapyrion, der mit drohendem Gebrüll langsam zurückwich. Doch seine Beute lag zwischen ihm und der Wolke. Ohne sie wollte er diesen Ort nicht verlassen. Wir hechteten beide auf die Schatulle zu, ich war schneller, erwischte sie mit dem Fuß und brach mir schmerzhaft die Zehen, als ich sie außerhalb seiner Reichweite stieß. Im selben Moment erreichte uns die Regenwolke und öffnete ihre Schleusen. Das Zischen von hundert Dampfkesseln erfüllte den Raum, der anschließend in undurchdringlichem Dunst lag. Die Schmerzensschreie des Sapyrions hallten von den Wänden, seine Haut nahm eine grauweiße Färbung an, er zitterte und brach auf dem Boden vor dem Altar zusammen. Ich reagierte instinktiv, ohne nachzudenken, ignorierte den Schmerz in meinen Händen, als ich den Dämon an den Armen packte, die noch immer heiß waren wie ein aktiver Vulkan, und schleuderte den geschwächten Körper Richtung Altar. Der Sapyrion spreizte seine mächtigen Schwingen genau in dem Moment, in dem sein Torso auf den Überresten des Bronzethrons aufschlug. Ein spitzer Pfahl vom gesplitterten Bischofs-Sitz des Petrus ragte aus seiner Brust, hatte das Herz durchbohrt. Ungläubig starrte der Sapyrion das blutverschmierte Holz an, seine Klauen umfassten das Ende und rissen es heraus. Blut strömte aus der Wunde und floss zischend zu Boden. Noch einmal schlug der Dämon mit seinen Flügeln, kam mit aufgerissenem Maul auf mich zu, und brach dann zusammen. Sein Körper schlug auf dem Steinboden auf, er zuckte noch einmal, dann löste sich die Gestalt in Rauch und Nebel auf. Es folgte eine beängstigende Stille.
Suchend blickte ich mich um, sah die offene Steinschatulle unter der halb zerbrochenen Figur der heiligen Veronika. Einige Kristalle waren aus dem Behältnis gefallen. Ich sammelte sie mechanisch ein. Aus den Augenwinkeln sah ich, wie Armand zu der Stelle ging, wo der Sapyrion zusammengebrochen war. Er kniete sich hin und untersuchte den dunkelroten Fleck, der das Ableben unseres Gegners markierte. All das nahm ich nur verschwommen wahr. Mein Blick war fest auf die schimmernden Kristalle in meiner Handfläche gerichtet. Die Macht, das Schicksal der Welt zu beeinflussen. Meine Hand zitterte, die Tränen schienen zu leben, sie bewegten sich, funkelten in allen Farben, ich konnte sie flüstern hören: „Wage es, wage es, das Schicksal liegt in deiner Hand.“
Ich hatte nicht bemerkt, dass Armand schon wieder zu mir getreten war. Mit seiner linken Hand umfasste er sanft mein Handgelenk. Mit der anderen schloss er meine Finger über den Kristalltränen.
„N´y pense même pas Mel. Denk nicht einmal daran. Leg sie zurück und lass uns die Schatulle zu Franklin bringen, ehe die gestreiften Ameisen hier wieder auftauchen. In den Händen der Ashera werden die Tränen sicherer sein und keinen Schaden mehr anrichten

Der große Wettkampf

Von Teufel100 am 13. Mai 2008 veröffentlicht

Es war eigentlich ein ganz normaler Tag. Ich putzte mir am Morgen die Zähne, wie jeden Morgen. Ich Duschte mich und zog mich an, aß etwas zum Frühstück und machte mich dann auf den Weg zur Arbeit, so wie jeden Morgen, außer Samstags und Sonntags natürlich, da muss ich nämlich nicht arbeiten gehen. Aber es war kein Samstag und es war auch kein Sonntag und darum musste ich auch zur Arbeit.

Als ich in meinen Klassenzimmer ankam war dieses leer, so wie jeden Morgen wenn ich in mein Klassenzimmer komme, denn ich bin immer früher da als meine Schüler, um mich auf diesen Schultag vorzubereiten, wo ich hoffentlich den Jungen und den Mädels wieder eines beibringen konnte, was sie später im Leben brauchen könnten.
Ich glaube ich vergaß zu erwähnen, dass ich Lehrer bin? Dies sei hiermit getan! Und zwar bin ich Lehrer an einer Gesamtschule, ich mache das nun schon einige Jahre und habe, was schon an ein Wunder grenzt, immer noch Spaß daran. Meine Kollegen fragen mich immer und immer wieder wie ich das mache, wie ich es schaffe nach so langer Zeit (fünf Jahre, sind ja eine so lange Zeit) immer noch mit solch einer Motivation in den Klassenraum zu gehen um den Schülern etwas beizubringen? Aber ich weiß keine Antwort darauf, ich glaube es liegt einfach nur an meiner Einstellung zu diesem Beruf und daran, dass ich Lehrer aus Überzeugung bin.

Nun wie oben schon erwähnt ging ich also wie jeden Tag in mein Klassenzimmer, welcher, dass muss ich wohl zugeben, wenn ich jetzt im nach hinein darüber nachdenke, schon verändert war, leider viel mir das damals nicht auf, denn dann hätte ich vielleicht bemerkt welche seltsamen Gestalten sich mir da näherten.

Mir fällt gerade auf das ich mich auch noch gar nicht vorgestellt habe. Also will ich das jetzt mal schnell nachholen. Ich bin der Joachim. Ja ich weiß, Joachim ein passender Name für einen Lehrer. Meine Eltern wussten das wahrscheinlich früher schon und haben sich darum überlegt, wie man einen angehenden Lehrer wohl nennen könnte und sie kamen zu dem Entschluss mich Joachim zu nennen, später auch noch auf diesen Namen taufen zu lassen und sie brachten mir sogar bei, auf diesen Namen zu hören. Aber das spielt hier keine Rolle, da es ja um das geht was mir in den letzten Wochen so passiert ist.

Wie oben nun schon erwähnt, war ich wie jeden Tag, außer Samstags und Sonntags, in meinen Klassenzimmer als mich plötzlich etwas Stach. Das war nichts ungewöhnliches, war es doch draußen ein wundervoller Sommertag und stand unsere Schule doch in der Nähe eines kleinen Baches, so dass wir hier öfter mal von einer Mücke gestochen werden. Was ich noch nicht ahnen konnte ist, dass es sich hierbei gar nicht um eine Mücke gehandelt hat, sondern um einen kleinen Pfeil welcher mit einem Schlafmittel versehen war. Da ich das nicht wusste, wusste ich natürlich auch nicht, dass es ohne Schmerzen für mich verlaufen würde, wenn ich mich auf meinen Stuhl setze. Ich ging also weiter durch meine Klassenzimmer, bis ich dann kurz vor dem Klassenzimmerbecken den halt verlor und mit dem Hinterkopf gegen den Klassenzimmerbecken-Unterschrank knallte.

Das nächste an was ich mich erinnern kann war, dass ich irgendwo aufwachte, und dieses irgendwo war garantiert nicht mein Klassenzimmer. Es war auch nicht das Krankenzimmer unserer Schule und auch kein anderer Raum den ich irgendwoher kannte. Plötzlich vernahm ich eine Stimme die ich nicht wirklich einordnen konnte. Die Stimme kam immer näher auf mich zu, bis ich dann auch die Gestalt sah, von welcher diese Stimme abgegeben wurde. Eine Gestalt die mir sehr bekannt vor kam, welche ich aber zu diesem Zeitpunkt noch nirgendwo einordnen konnte.

Als die Figur merkte, dass ich wach war, stellte sie sich zu mir, gab mir etwas zu trinken, ich gehe davon aus das es Wasser war und fragte mich, wie es mir ginge? Nun, soweit ich fühlen konnte ging es mir eigentlich sehr gut, bis auf die Kopfschmerzen die ich hatte, von meinen feindlichen Kontakt mit dem sonst immer so netten Klassenzimmerbecken- Unterschrank.
Nun war es aber für mich an der Zeit einige Fragen zu stellen, denn wenn ich eines nicht abstreiten kann, dann ist es meine Neugier. Ich wollte natürlich wissen wo und warum ich hier bin. Wie ich wieder nach Hause komme und vor allen, wieso ich nicht mehr in meinen Klassenraum war?

Die Gestalt, ich wusste immer noch nicht wo ich sie einordnen sollte, schaute mich an und sagte, dass sie (die Gestalt) mir doch gerne alles erklärt. Die Geschichte die mir hier erzählt wurde war alles andere als Glaubhaft und ich dachte schon, dass mir meine Schüler einen Streich spielen wollten, aber ihr dürft das gerne selber beurteilen. Hier nun also die Geschichte bzw. der Grund, warum ich nicht in meinen Klassenzimmer bin bzw. war.

Als erstes muss ich wohl erwähnen das ich nicht in meiner, mir bekannten Welt war, sondern in einen Parallel Universum. Ihr denkt nun wahrscheinlich das selbe was ich denke, dass gab es doch nun schon Hundertmal, mindestens. Aber es gibt hier einen kleinen Unterschied, diese Hundertmal gab es nur im Fernsehen, diesmal bin ich allerdings Live dabei oder wie sie im DSF damals zu sagen pflegten, Mittendrin statt nur dabei. Und es geht auch nicht um irgendwelche Aliens die die Welt erobern wollen, oder um Diamanten die notwendig sind um das Gleichgewicht der beiden Welten zu garantieren, also unserer und ihrer Welt. Nein ich war einzig und allein darum hier in dieser Welt gelandet um sie, diese Gestalten, (nein er war nicht allein) auf einen Quizwettkampf vorzubereiten. Ich sollte ihnen dabei helfen zu lernen wie man Lernt. Warum gerade ich das tun sollte konnten sie mir auch schnell erklären. Sie haben schon lange verschiedene Lehrer beobachtet um den richtigen zu finden und mich haben sie ausgewählt, weil ich die besten und ausgefallensten Ideen hatte wie man das Lernen interessant gestalten könne. Auch ist ihnen meine unglaubliche Motivation und meine Freude aufgefallen, die ich beim vermitteln von Lehrstoff habe. Es gab natürlich auch ein paar Haken an der ganzen Sache, denn der Wettkampf im allgemeinen Wissen wurde darum abgehalten, damit diese Gestalten aus ihrer Gefangenschaft befreit werden konnten. Denn wenn sie es schaffen zu gewinnen, dann werden sie von ihren Herrschern freigelassen.

Dass diese Wesen nun allerdings kaum eine Vorbildung hatten, konnte ich nun wirklich nicht ahnen, aber ich habe mich bisher noch vor keinen Herausforderungen gedrückt. Als erstes musste ich nun allerdings erst mal damit beginnen mir selber einen Überblick zu verschaffen über das Wissen, welches es hier gab und welches es zu vermitteln galt. Ich wurde von dem Wesen in einen großen Saal geführt wo das ganze Wissen von diesem Volk gelagert war. Wie man sich sicher vorstellen kann, war das nicht gerade wenig! Darum bat ich die Wesen mir doch eine Liste zu geben auf welcher sie die wichtigsten Punkte festhalten, die sie lernen müssten. Auch wollte ich gerne den Zeitrahmen erfahren, den ich hatte um ihnen das alles beizubringen. Die Liste konnten sie mir ziemlich schnell anfertigen und die Antwort auf die Frage wie viel Zeit ich hätte, schockierte mich nicht, nun gut, vielleicht ein klein wenig, aber das kann man getrost vernachlässigen, vielleicht war es auch ein wenig mehr, eventuell auch schon soviel das man es nicht mehr vernachlässigen konnte, aber eine Wahl hatte ich sowieso nicht. Denn das war ein weiterer Haken an dieser Sache, bevor der Wettkampf stattgefunden hat, würden sie mich nicht gehen lassen, bzw. würden sie mich nicht wieder in meine Welt bringen und ob ich nach dem Wettkampf nach Hause komme hing auch ein wenig vom Ausgang ab. Wenn sie Gewinnen würden, würden sie mich sofort wieder nach Hause schicken, wenn nicht, käme es auf die Herrscher an, ob ich wieder nach Hause darf oder nicht. Für mich also schon Anreiz genug ihnen soviel beizubringen, dass sie nur noch gewinnen können.

Ich studierte nun also die Liste und suchte mir die passenden Bücher dazu raus, die, was mich doch immer wieder überrascht, natürlich in meiner Sprache verfasst waren und welche ich ohne Probleme lesen konnte, so wie es halt in jeder guten Fantasy-Geschichte ist. Ich brauchte einige Tage um den gesamten Lernstoff aufzuarbeiten und auch um einen Lernplan zu erstellen, damit ich in der knappen Zeit die mir zur Verfügung stand, auch den gesamten Lehrstoff vermitteln konnte. Über die Methoden, welche ich zur Vermittlung verwenden konnte, machte ich mir noch keine weiteren Gedanken, da ich dazu erst meine Schüler besser kennen lernen musste.
Diese lernte ich am nächsten Tag kennen. Ich wurde von dem Wesen, von dem ich immer noch nicht den Namen kannte, in einen kleinen Raum geführt, wo sieben weitere Wesen auf mich warteten. Das Wesen, welches mich hierher geführt hatte, erklärte mir das diese sieben meine Schüler währen. Sie wurden ausgewählt, da sie die schlausten ihrer Art waren und da eh nur sieben von ihnen am Wettkampf teilnehmen durften.

Ich machte mich also daran sie kennen zu lernen. Es waren vier weibliche und drei männliche Wesen, alle noch ziemlich Jung, aber mit sehr vertrauten Namen. Sie hießen Anne, Maria, Jenny, Jasmin, Paul, Mario und Ernesto. Alles Namen die auch in unserer Welt verwendet wurden und die man auch aussprechen konnte. Ich musste mir also keine seltsamen Namen einprägen, wie man sie aus verschiedenen anderen Büchern oder Filmen her kannte.

Es gab auch keine wirklichen Überraschungen! Alle konnten lesen und schreiben und auch das Rechnen viel ihnen nicht schwer. Was ihnen fehlte war das allgemeine Wissen, denn sie konnten nicht wirklich viel Lesen, da sie nur sehr wenig Freizeit hatten. Die meiste Zeit mussten sie für ihre Herrscher arbeiten und sie waren schon Glücklich das sie für diesen Wettkampf freigestellt wurden sind. Wir verschwendeten auch nicht viel Zeit, von der wir eh viel zu wenig hatten, und begannen gleich damit die Lehrpläne durch zu sprechen und zu schauen, wie wir am besten an ihren, bzw. an unseren Ziel arbeiten konnten um dieses zu erreichen. Ich fand heraus das drei von ihnen besonders gut visuell lernen konnten der Rest durch hören und schreiben. So setzte ich mich hin, um für alle eine passende Methode zum lernen zu finden. So vergingen einige Wochen, es gab viele kleine Rückschläge, aber sehr viel mehr große Erfolge und der Wettkampf kam immer näher.

Als nun der Tag des Wettkampfes gekommen war, ging es meinen sieben Schülern gar nicht so gut. Zu viel konnte verloren werden und der Druck der auf ihren Schultern lastete, wenn sie denn welche hatten, war enorm. Ich zwang sie regelrecht ein anständiges Frühstück zu sich zu nehmen und sorgte auch für genügend Flüssigkeit, damit nachher niemand unter Konzentrationsschwäche litt. Langsam aber sicher gingen wir dann zusammen in die Arena, wo ich das erste mal den Gegnern begegnete. Sie waren von genau derselben Art wie die Wesen die ich Unterrichtet habe, nur sehr viel Nobler gekleidet. Auch schienen sie nicht wirklich viel zu arbeiten, was mich nicht verwunderte, da dieses ja ihre Untertanen für sie erledigten. Man begrüßte sich kurz und schon ging der Wettkampf los.

Nun wissen wir ja alle aus Filmen und auch aus Büchern das am Ende immer das gute Gewinnt und man sich eigentlich keine Sorgen machen muss. Genau darauf habe ich mich auch eingestellt. Es musste einfach funktionieren, haben meine Schüler doch wirklich viel gelernt und große Fortschritte gemacht. Natürlich wissen wir auch alle, dass am Anfang immer die schlechten die Punkte machen und die Guten erst im zweiten Teil des Spiels aufholen, aber diesmal war dies nicht der Fall. Beide Seiten waren gut und es war wirklich knapp, jeder Punkt war umkämpft.

Als es nun zur letzten und somit alles entscheidenden Frage kam waren alle so ziemlich gespannt was wohl passieren würde, wer wohl als allererstes die Richtige Antwort geben und somit das Spiel entscheiden würde. Als Frage kam ein Rätsel das ich auch schon lange kannte und auf welches ich auch die Antwort wusste. Aber da wir hier nicht in meiner Welt waren, war es für beide ein ziemlich schwere Aufgabe. Und zwar war es die Frage: „Was läuft am Morgen auf vier Beinen, am Mittag auf drei Beinen und am Abend auf zwei Beinen?“ Die Antwort darauf war natürlich „Der Mensch“. Dieser krabbelt nach der Geburt auf vier Beinen (Arme und Beine), geht wenn er dann Erwachsen, bzw. alt genug ist auf zwei Beinen und am Ende, wenn er dann schon alt ist, läuft er mit einen Geh-Stock, also auf drei Beinen.

Zur Überraschung aller, wusste keiner die Antwort darauf und so kam es zu einen Unentschieden. Niemand wusste jetzt, wie es weitergehen soll, denn es gab keinen Gewinner. Man entschied sich aber dennoch den Wesen die Freiheit zu schenken, da sie bewiesen haben, dass sie nicht nur für die Arbeit zu gebrauchen sind, sondern durchaus auch in der Lage sind, geistige Aufgaben zu bewältigen. Also doch wieder ein Happy End, so wie wir es aus allen Geschichten kennen.

Ich wurde wieder zurück in meine Welt gebracht, wo ich nun meinerseits erklären musste, wo ich die ganze Zeit war, und warum ich nicht auf Arbeit erschienen bin. Dies habe ich nun wohl mit diesen Bericht ausreichend gemacht und ich hoffe doch sehr, dass ich meine Anstellung als Lehrer behalten darf, auch wenn die Geschichte wohl nicht so Glaubwürdig ist, wie ich es mir gewünscht hätte.

Inzwischen ist mir übrigens auch eingefallen woher ich die Wesen kannte. Als kleiner Junge und als Jugendlicher habe ich sehr gerne Comics gemalt und in einen dieser Comics ging es um genau diese Wesen. Darum war es wohl auch nur Gerecht, dass ich ihnen helfen musste die Freiheit zu erlangen, da ich sie ja auch erschaffen habe.

© Sven Buchien