Short Story

Kurzgeschichten mit Links

Juli

Von megaphon am 28. Januar 2009 veröffentlicht

Wenn das schallende Piepsen meines Funkweckers sich in meinen Traum einmischt, träume ich, dass das Piepsen der Traum ist und der Rest die Realität, einer der schönen Träume, die ich immer wieder habe. Tragischerweise ist es jeden Morgen gerade andersrum. Dieser furchtbare Ton und die digitale Anzeige mit der unheilvollen Aufschrift 6:49 reißen mich aus einer viel subtileren und angenehmeren Welt, aus meiner eigenen.

Mitten im Juli in einer deutschen Metropole, die Menschen sind auf der Straße. Die Hitze wird später in jeder Bewegung pulsieren, die ich mache, die Schnelligkeit der Erde wird heruntergedreht, doch so früh ist die Luft angenehm warm und frisch.
Im Sommer finde ich mich schön. Meine blonden Haare sehen sommerblond aus, meine weiße Haut sommerweiß und meine dunklen Augen sind sommerdunkel. Dann lauf ich durch die Straßen, wann immer ich kann, ohne jedes Ziel.

Die Zeit, in der Studieren als gemütliche Lebensphase galt, ist leider vorbei. Als Studentin muss ich nebenher arbeiten, um überhaupt meine Gebühren bezahlen zu können. Ich bin von morgens bis abends unterwegs, hab keine Zeit für mich, das find ich schrecklich.
Nächsten Monat habe ich frei. Ich weiß, wie mein Tagesablauf sein wird. Ich werde am frühen Nachmittag aufstehen, duschen, mich anziehen. Auf die Straße gehen und in irgendeinem Straßencafé einige Freunde zufällig treffen. Mit denen esse ich was und kiff ein bisschen und wir lassen gemeinsam die Zeit an uns vorbeirauschen. Vielleicht sitzen wir da bis spät in die Nacht, vielleicht gehen wir baden im Fluss, vielleicht ziehen wir abends noch los, vielleicht treffe ich einen Typen, vielleicht nicht – scheißegal. Ich gebe alle Kontrolle ab und lasse mein Leben vor sich hinwuchern. Ich lebe meine eigene Welt in der von uns allen. Das ist mein Traum, der von keinem Funkwecker dieser Welt zerhackt werden wird.