Short Story

Kurzgeschichten mit Links

Schon mal als Gardinenstange verkleidet?

Von marek am 6. März 2011 veröffentlicht

Es ist jedes Jahr zur Faschingszeit das Gleiche, ich suche eine Verkleidung, welche nicht allzu häufig vorkommen sollte. Außerdem suchte ich mal wieder eine Herausforderung mich mal wieder selbst zu übertreffen. Während man es eigentlich satt hat, auf fertige Kostüme zurückzugreifen, dachte ich mir, dieses Jahr soll eine besondere und vor allem eine auffällige Verkleidung her.

Bei der Überlegung, auf was man relativ schnell zurückgreifen kann, schaute ich mich einfach in der Wohnung um und mir fiel da gleich etwas Passendes in die Hände. In diesem hatte ich den Vorhang in der Hand und dachte warum eigentlich nicht? Die Idee war einfach und gleichzeitig genial – ich verkleide mich einfach als Gardinenstange!

Aus diesem Grund musste ich erst mal nachschauen, aus welchen Teilen eigentlich die Gardinenstange besteht. Da wäre die eigentliche Stange die Träger und die Endstücke. Um diese Idee zu verwirklichen, habe ich mir einfach überlegt, den Vorhang direkt um meinen Körper zu wickeln und diesen durch eine Sicherheitsnadel o. ä. festzumachen. Doch nun brauchte ich noch eine Idee, wie man erkennen sollte, was dieses Kostüm symbolisieren sollte. Da die meisten Gardinenstangen aus Edelstahl sind, mussten die sichtbaren Körperteile also der Kopf, Hals, Arme und Beine irgendwie mit silberner Farbe versehen werden. Es gibt da jedenfalls so eine silberfarbige spezielle Hautfarbe, die einfach auf die Haut aufgetragen wurde. Mit etwas Hilfe hat das auch alles wunderbar funktioniert, doch eines hatte ich noch vergessen, was soll als Endstück dienen? Die Endstücke sind diese dekorativen Abschlüsse, welche an auf die Enden der Gardinenstange gesteckt werden. Deshalb habe ich einfach einen Eimer als schlichtes Endstück auserwählt. Dieser Eimer musste natürlich auch die gleiche Farbe erhalten, also wurde dieser auch mit silberner Farbe besprüht.

Nach einer Betrachtung im Spiegel musste noch etwas am Aussehen gefeilt werden. Ein Vorhang war einfach zu wenig, also habe ich einfach zwei Gardinen verwendet, welche aus unterschiedlichen Farben bestehen, damit die ganze Sache etwas Geschick annahm. Bei genauer Betrachtung konnte man zumindest annehmen, was dieses Kostüm darstellen soll. Aber so richtig eindeutig was das noch nicht, denn genauso gut könnte diese Verkleidung auch ein Ritter o. ä. sein. Da nun schon einige Zeit vergangen ist und ich eigentliche keine richtige Zeit mehr hatte, habe ich einfach aus Pappe die Form eines Preisschildes ausgeschnitten und dieses folgendermaßen beschriftet: “Sonderangebot – Gardinenstange”. Somit waren alle für alle Betrachter die Unklarheiten beseitig und man konnte diese Verkleidung eindeutig zuordnen.

Nachdem die Faschingsfeier zu Ende ging, konnte ich leider die Gardinen nicht mehr verwenden, was aus dieser Verkleidung ein “Einweg-Kostüm” machte.

Fussballabend

Von gauer am 2. November 2009 veröffentlicht

Es ist Donnerstagabend. Erschöpft komme ich nach Hause. Der lange Arbeitstag fordert seinen Tribut. Schon seit Tagen denke ich an den Match des Stadtclubs, der an diesem Abend stattfindet. Es geht um den Verbleib in der obersten Spielklasse.

Ich mache mich also auf den Weg zum Ort des Geschehens. Bin spät dran. Der letzte Matchbesuch liegt bereits ein Jahr zurück und so weiss ich nichts mehr von einer Sektoreneiteilung. Also laufe ich zum Haupteingang, schnappe mir ein Ticket, und begebe mich zur Fantribüne längs des Spielfeldes. Securitas stehen gelangweilt vor einer Gittertür. Als ich die Hand an den Griff lege, werde ich angesprochen. Sofort zücke ich mein Ticket. Es ist in diesem Augenblick meine Legitimation gegen die Türwächter. Das sei der falsche Sektor, und hier dürfe ich nicht rein, bekomme ich zur Antwort. Mir dämmerts! Sektoreneinteilung als präventive Massnahme gegen Fans, die nicht nur den Sprechgesang in der Kehle haben, sondern auch das destruktive Mittel in der Hand. Schlussendlich lassen sie mich rein. Habe also doch nicht den Schein eines Hooligan.

Ich mach mich zuerst zum Bier- und Wurststand auf. Stadiongemäss verpflegt begebe ich mich zur Tribüne. Die Heimmannschaft ist prächtig in Form und spielt den Gegner schwindlig. Am Schluss stehts 6:1. Als ich da so sitze, betrachte ich meine Umgebung.
Fussballfeste haben so ihre eigenen Regeln. Es ist nicht erkennbar, welcher Zuschauer welchem Beruf angehört. Auch an der Körpersprache lässt sich nichts zur Schubladisierung erkennen. Eine bestimmte Verhaltensweise fiel mir jedoch auf. Man guckt
verhalten um sich und wirft dann den Abfall kunstgerecht dorthin wo ein Spalt klafft, zwischen die Stufen und somit auf den Boden. Jetzt sieht man den Abfall nicht mehr, er ist im grössten Kübel entsorgt.
Oder ich muss an jenen Mann denken, der in unserem Fansektor zuerst die gute Leistung des Gegners mit einem leisen Räuspern quittiert, dann seine Mannschaft verhalten anfeuert und schliesslich in unerhörten Jubel ausbricht. Er wird von mir klar aufgefordert, gefälligst in seinen Sektor zu gehen. Worauf ich umgehend von Dritten rechts über mir in die Schranken gewiesen werde. Es gilt also auch hier die Regel, trotz Sektoreneinteilung darf jeder dorthin stehen, wo es ihm beliebt. Das einzige Hindernis sind die Securitas. Aber die drücken ja auch mal ein
Auge zu, wie man gesehen hat. Meine Seele ist befriedigt. Ich habe das bekommen was ich suchte. Ein gutes Spiel, ein Bier und eine Wurst und jede Menge interessanter Leute.

j.home

Die Liebe ist eine Gratwanderung

Von smallone am 15. September 2009 veröffentlicht

Liebe ist kein Dauerbrenner. Liebe ist auch kein Kinofilm. Liebe ist eine Momentaufnahme. Drei Sätze, die zum weiterlesen motivieren. Denn Magowan musste feststellen, dass er zwar verliebt war und Liebe spürte. Insbesondere in den Momenten, in denen er um die Liebe kämpfte. Magowan bemühte sich, genoß das Gefühl, etwas für die junge Beziehung zu tun. Das einzige was ihm blieb, war durch Liebessprüche und Versprechen die Flamme am brennen zu erhalten. Das Ziel war eine weite Reise. Weite Reise und ein großes Risiko, viel Geld – spielte keine Rolle, um sich der Liebe hinzugeben, die er haben wollte. Nun ist Magowan in einer perfekten Beziehung. Es ist jene Frau, um die er vor paar Monaten kämpfte. Aber von Liebe zu sprechen fällt nun schwer.

Denn der Alltag ist schon nach der ersten Woche eingebrochen, indem Magowan zu seiner Geliebten gereist ist. Wie lange dauerte diese Verliebtheit, diese Liebe? Wann hat sie aufgehört? Hat die Verliebtheit aufgehört, nachdem klar war, dass er in einer Beziehung ist? Magowan ist eigentlich kein Beziehungsmensch. Er sehnt sich zwar nach Nähe, Zuneigung und Aufmerksamkeit. Dennoch ist für ihn eine Beziehung ein aufwendiger und anstrengender Akt. Wenn eine Beziehung scheitert, bedeutet das für Magowan eine schwere Niederlage. Es folgt eine lange Zeit des Single-Daseins, der Sehnsucht nach einer glücklichen Beziehung. Eigentlich ist Magowan mehr single als vergeben. Doch dafür ist keine Zeit, es ist nicht wichtig, zu dieser sentimentalen Zeit zurückzukehren.

Magowan hat genug gelitten und genug Zeit gehabt, sich über gescheiterte Beziehungen Gedanken zu machen. Die aktuelle Beziehung scheint perfekt zu sein: Wenig Konflikte, einige Gemeinsamkeiten, weitreichende Zukunft. Doch die Zeiten, während Magowan die Beziehung aufbaute, sind eindeutig vorbei. Die Freude, die Schmetterlinge. Die vielen Dinge, die man sich leidenschaftlich erzählte, ja es kaum abwarten konnte, wieder zu Wort zu kommen, weil man das Gefühl hatte, von der Welle getragen werden. Ihr Resonanz zu verpassen und maximale Leidenschaft zu spüren. Das Gefühl, den Deckel für den Topf gefunden zu haben. Schweigen. Kühle Mimik. Sekunden die in Stunden ticken. Manchmal auch bisschen Zweifel. Manchmal auch ein bisschen Selbstaufgabe, um Liebe zu erhalten. Das ist Liebe.

*Magowan ist ein Fantasiename. Der Autor wurde von wahren Begebenheiten inspiriert.

Messer, Gabel, Schere, Licht, ist für diese Frisöse nicht

Von admin am 9. September 2009 veröffentlicht

Autor: A. K.
Veröffentlicht: workablogic.de

Diese Kurzgeschichte ist Teil einer Serie:

  1. Wenn der Postmann 2x klingelt
  2. Messer, Gabel, Schere, Licht, ist für diese Frisöse nicht

“Pfui Taxi, pfui!” Mein Hund hat irgendwie die Angewohnheit am liebsten gegen die Mauer unseres Nachbarwohnhauses zu machen. Es ist ja verständlich dass er den Druck sofort mal abbauen will sobald wir bei uns aus dem Haus sind aber muss es denn immer direkt an der nächstbesten Wohnhausmauer sein? Wie sieht das denn aus? Dann wird doch wieder sofort getuschelt: “Ah hier, die Frau Soundso, die läßt Ihren Hund wieder überall seine Geschäfte verrichten.” Es wäre ja nicht zum ersten Mal wo ich von einem Nachbarn bei der Gemeinde angeschwärzt werden würde. Jetzt kommt auch noch der Briefträger um die Ecke gefahren. “Taxi, komm weiter, komm…” und ich zwinker ganz verrucht meinem Lieblingspostboten entgegen. Ich wette ich komme gut bei dem an.
Voller Selbstbewusstsein stolziere ich also weiter den Bürgersteig entlang und sehe am Kirchenturm dass es bereits 8:27 ist. Bald muss ich also wieder zur Wohnung umkehren damit ich auch pünktlich um 9Uhr im Frisörladen stehe. Nicht dass es wieder einen Rüffel von der Chefin gibt.
Och man, Chefin… was wäre ich gerne selbst meine eigene Chefin, hätte meinen eigenen Frisörsalon und könnte den mal so richtig peppig einrichten wie es mir gerade gefällt. Nicht alles so grau in grau und langweilig wie es bei meiner Chefin der Fall ist. Aber nun gut… mein eigener Frisörsalon ist vermutlich noch Lichtjahre entfernt, 9Uhr allerdings rückt immer näher und somit heißt es bald wieder: Schnipp, Schnapp!
Auf der Arbeit angekommen bin ich zuerstmal froh dass es noch recht ruhig ist. Nicht nur von den Kunden her, sondern auch die anderen Frisösen sind noch nicht vollzählig erschienen und somit ist es um einiges ruhiger als wenn 4 Tratschweiber auf einem Haufen sind. Ich habe natürlich nichts gegen eine solche Kaffeekränzchen-Atmosphäre aber morgens früh kann es gerne etwas ruhiger zugehen.
Die ersten Kunden sind bereits überstanden. Einer Hausfrau aus der Gegend habe ich eine Dauerwelle verpasst, einem dicklichen Taxifahrer sein graues Haar mit neuer Farbe vertuscht und ich durfte sogar einem Piloten die Haare stutzen. Aufregend, aufregend. Nicht was sie jetzt denken, sondern seine Arbeit. Was muss es toll sein über den Wolken zu schweben…
Meine Chefin ruft mich mit ihrer schrillen Stimme allerdings wieder schnell auf den Boden der Tatsachen zurück, der nächste Kunde steht an. Oder besser, die nächste Kundin. Eine liebenswerte Omi, auf den ersten Blick.
Hier die Haare gestutzt, dort wieder ein bisschen Farbe in die Haare gebracht und zack unter die Haube. Während die alte Dame also nun gemütlich Zeitung liest und die Haube ihre Arbeit verrichtet, kümmere ich mich um einen Jungen im Teenager Alter, der mir das Leben sehr einfach macht. “Einmal bitte rundum auf 10mm gestutzt” sagte der kleine Mann. Wow, sogar ein Bitte habe ich gerade bekommen. Da soll mal einer sagen die Jugend von heute wäre nicht mehr das was sie mal war?!
Ich habe also mal alles mit der Schere schon etwas ausgedünnt und kurzgeschnitten ehe ich die Haarschneidemaschine ansetze, alles bis auf 10mm abrasiert habe und vor lauter Rasieren habe ich doch glatt unsere liebe Omi vergessen, die mittlerweile fast unter der Haube dahin geschmolzen wäre, wäre sie nicht so tief in Ihre Zeitschriften versunken. Es roch sogar schon etwas komisch aus ihrer Gegend, ob es aber nun der Apparat oder doch schon ihre Haare sind, sei mal lieber dahin gestellt. Nur gut dass die älteren Mitmenschen wohl nicht mehr den besten Riecher haben und gottseidank fiel der guten Dame mein Malheur auch nicht auf und als die geschätzte 80jährige den Salon verlassen hatte, musste ich erst einmal gut durchpusten. Uffh, nichts passiert.
Ordentliches Trinkgeld bekam ich ebenfalls von ihr – danke gnädige Frau. Bestimmt war sie froh dass ich ihr mehr als genügend Zeit gegeben hatte um die Klatsch&Tratsch Zeitschriften in Ruhe fertig zu lesen.
Nun ging es auch schon zielsicher in Richtung Feierabend und dort wartet mein kleiner Vierbeiner auch sicherlich schon auf seine nächste Portion im Fressnapf. Vielleicht lache ich mir ja auch mal endlich wieder einen Zweibeiner an, doch vom Letzten ist halt nur der kleine Taxi geblieben. Meinem Ex selbst, dem waren seine Tüfteleien und sein Tuning an seinem Manta halt wichtiger als ich und somit war dieser Lebensabschnitt auch wieder schnell beendet.

Der Alltag überlistete mich

Von Hickey1 am 2. September 2009 veröffentlicht

Der Wecker klingelte Punkt 6Uhr morgens. Ich musste mich diesmal wieder richtig aus dem Bett rausqüälen. Mir kam es so vor als wäre ich gerade erst eingeschlafen und ich hätte noch ein paar Stunden zu schlafen. Ich war noch total benebelt, als hätte ich gestern Abend ein paar Bier getrunken. Aber die Nacht war schon wieder vorbei. Ich arbeitete in der letzten Zeit sehr hart, weiß manchmal gar nicht mehr wo ich anfangen soll, wo vorne und hinten ist. Ich stand auf und ging ins Bad, schaute in den Spiegel und sah wie fertig ich aussah. Ich nahm meine Hände voll kaltem Wasser und rieb sie mir ins Gesicht, um versuchen etwas frischer auszusehen. Aber es half nichts. Ich zog mich an und musste auch sofort los, da ich diesmal zur Arbeit laufen musste, da mein Fahrrad einen Platten hatte und ich seit Tagen zu faul bin diesen zu flicken. Außerdem habe ich dafür gar keine Zeit. Davor gab ich aber wie jeden Tag Futter in mein Aquarium zu den Fischen. Die Fische waren in der letzten Zeit meine einzigen Freunde, mehr Zeit hatte ich einfach nicht für jemand anderen. Ich ging aus dem Haus und wollte schnell noch auf dem Weg zu meinem Bäcker, um wenigstens etwas kleines zu essen. Denn erst gegen Mittag hätte ich wieder die Möglichkeit gehabt etwas zu essen. Und bis dahin kommt es mir oft wie eine ewigkeit vor. Komischerweise war es diesmal gar nicht voll beim Bäcker, denn sonst stehen um diese Zeit eine Menge Leute an, die auch noch schnell etwas kaufen möchten, bevor sie sich hektisch weiter zu ihrem Job machen. Ich fand es gut und war sofort an der Reihe und hatte somit wieder Fünf Minuten gut gemacht. Ich lief weiter zur Arbeit und es fiel mir auf, dass die Straßen ziemlich leer waren, sonst ist hier an den Kreuzungen doch immer reger Verkehr, die ganzen Pendler die aus den Nachbarstädten kommen. Aber daran hielt ich ich mich nicht lange auf, ich war immernoch dabei erstmal wach zu werden. Ich dachte eher an die Stellenanzeigen die ich neulich in der Zeitung laß, weil mir der Job doch etwas über den Kopf wächst. Denn momentan gibt der Stellenmarkt einiges für mich und meine Qualikationen her. Ich lief weiter und überlegte in der Zeit weiter welche Aufgaben ich die letzten Tage alles nicht geschafft habe und noch beenden muss. Der Chef wird wohl wieder Stunk machen und den ganzen Tag schlechte Laune haben. So wie ich, denn wenn er am Tag zehnmal zu mir ins Büro kommt und ständig neue Aufgaben und Prioriäten erklärt sehe ich auch kein Land in Sicht und habe wie jeder sicherlich verstehen kann nicht die beste Laune. Wenn ich da meine Mitarbeiter beobachte, die zwischenzeitlich noch 20 Minuten mit der Freundin telefonieren und zigmal zum Rauchen gehen kommt mir das schon etwas spanisch vor. Wenn ich mich nicht täusche haben die sich doch auf das gleiche Stellenangebot beworben wie ich. Nur kam es mir noch nie so vor, als ob diese Leute den gleichen Stress wie ich haben oder so viele Überstunden machen wie ich. Mit ihnen macht der Chef sogar ab und zu Witze und das vor meiner Anwesenheit. Sie lachen zusammen und haben einen lockeren Umgangston. Hinzukommt, dass der Chef selbst oft von seinem Privatleben erzählt und mir dieses immer vorenthält. Wenn er zu mir kommt hat er immer nur negative Nachrichten für mich oder eben neue Aufgaben, die so schnellst wie möglich zu bearbeiten sind. Was er den Kollegen erzählt erfahre ich immer erst viel später von den anderen Kollegen. Diese meinen aber, er verhält sich doch zu jedem Mitarbeiter gleich. Aber so ist es nicht. Manchal denke ich auch, dass einige Mitarbeiter gegen mich sind und mich nicht ganz ernst nehmen, obwohl ich von allen als erster hier angefangen habe zu arbeiten. Normalerweise müssten ja alle neuen Mitarbeiter vor den bereits Arbeitenden Respekt haben. Aber hier läuft einiges anders so wie ich mir das eigentlich vorstelle. Viele solcher Gedanken schwirrten in meinem Kopf umher, dazu musste ich noch immer mit meiner Müdigkeit kämpfen. Ich träumte sogar diese Nacht wieder über meine Arbeit, da mich das wohl so sehr beschäftigt. Der Traum spiegelte sogar die Realität wieder. Ich musste als einziger Überstunden machen und bis Mitternacht im Büro bleiben. Dazu alterte ich in diesem Abend körperlich um 10 Jahre, ich bekam einen grauen Bart und bekam einen dicken Bierbauch. Ich selbst bekam dieses gar nicht mit. Am nächsten Tag lachten mich alle aus wie ich aussah und ich wurde durch einen jüngeren neuen Mitarbeiter ersetzt und wurde einfach so rausgeschmissen. Es war ein schlimmer Traum. Ich kam nun endlich nach einem langen und schnellen Fussmarsch am Bürogebäude an, total durchgeschwitzt und abgekämpft. Für Sport hatte ich auch keine Zeit mehr, denn sonst bin ich eigentlich ganz fit. Auf dem Parkplatz vor dem Gebäude stand aber noch nicht auf dem fest reservierten Parkplatz das Auto von meinem Chef. So dachte ich mir, er wird wohl schon wieder außer Haus sein, um zu einem Meeting zu fahren. Obwohl es für die Zeit nun wirklich zu früh war. Ich ging zu der Tür des Bürokomplexes und klingelte, sodass mir unsere Sekretärin die Tür aufmacht. Aber da tat sich nichts. Ich klingelte und klingelte aber keiner machte auf. Darauf kam mir urplötzlich ein Blitzgedanke, ich schaute auf meine Uhr auf das Datum und sah dass heute Samstag ist. Ich konnte es nicht fassen, jetzt erklärten sich auch alle Dinge, die mir auf dem Weg bisher komisch vorkamen. Es ist Wochenende. Durch meinen Trott wusste ich schon gar nicht mehr welcher Tag es ist, da ich so gestresst von Tag zu Tag von früh bis abends arbeitete. In dieser Situation wusste ich, so kann es nicht weiter gehen. Auf dem Heimweg kaufte ich mir noch eine Tageszeitung mit neuen Jobangeboten, um nun endlich einen Neuanfang zu wagen. Als ich zu Hause war fühlte ich mich richtig schlecht und ich legte mich wieder in mein Bett und schlief bis in die Mittagsstunden durch.

Große Liebe

Von RobertN am 2. September 2009 veröffentlicht

Er war ein etwa 1.80m großer, graumelierter, Mitvierziger, der gerade eben dabei beobachtet wurde, wie er mit seiner 9 jährigen Tochter Frisbee auf der Wiese des kleinen Stadtparks spielte; einer der wenigen Orte, wo man noch einigermaßen entspannen konnte.

Und trotz der vielen Strapazen der vergangenen Jahre, trotz der Verluste und der vielen Mühseeligkeiten vergaßen sie hier für ein paar Stunden all den Stress und lachten und hatten Spaß, als ob all das nicht gewesen wäre.

Als die kleine Laura damals vor 9 Jahren zur Welt kam, war das Glück der beiden perfekt. Simone und Jan lebten damals schon viele Jahre zusammen, waren glücklich, hatten ihr Studium beendet und bewohnten ein Reihenhaus in einem Randbezirk der Stadt.

Als Laura 2 war und Simone schon wieder eine Zeit arbeitete wurde sie immer häufiger krank. Häufiges Unwohlsein mit Schwindelgefühlen und einem Überlkeitsgefühl waren an der Tagesordnung. Kurz darauf dann die Diagnse des Arztes: Tumor im Pankreas, Bauchspeicheldrüsenkrebs, der nicht operabel sei.

Der Schock saß tief und obwohl das Paar sich schwor zu kämpfen fiel Simone bald in ein tiefes emotionales Loch. Nach etwa 3 Jahren konnte sie nicht mehr arbeiten. Die einzige Hoffnung, die die drei noch hatten, war ein Spender, eine Hoffnung, an die sich vor allem Jan zu klammern schien, der regelmäßig recherchierte und alles für seine Frau tat. Diese schien jedoch innerlich schon zerbrochen zu sein, hat die psychologische Beratung aufgegeben.

Als Jan im März des darauffolgenden Jahres nach Hause kam, nachdem er seine Tochter aus dem Kindergarten abholte, fand er seine große Liebe tot im Bett.

“Mami schläft jetzt für immer” sagte er seiner Tochter, als der Krankenwagen sein halbes Leben mitnahmen. Die andere Hälfte seines Lebens stand neben ihm und weinte nicht.

Er glaubte, dass sie es noch nicht verstand, was da passiert ist, dass Mami tot ist und nicht wieder kam. Er verstand es ja nicht mal selbst, dass all das, was sie erlebt hatten, in den verganenen 15 Jahren, jetzt vorbei sein sollte. Dabei hatte er sich in den letzten Wochen immer wieder ausgemalt, dass der Tag bis zu ihrem Tod nicht mehr weit sein würde, dass sich alle irgendwie damit zurechtfinden müssten. 2 tage bevor er sie fand sagte sie ihm noch, dass er sich keine Sorgen machen brauche, und dass es nunmal so komme, was aber nicht schlimm sei, da sie ein schönes Leben mit ihm hatte. Das war im Gegensatz zu all den anderen Wochen ein ganz anderes bild von ihr, das komplette Gegenteil ihrer sonstigen Gemütszustände und er dachte, dass es jetzt vielleicht nochmal besser werden würde.

Nun lebt er schon mehrere Jahre alleine mit seiner Tochter und hat sich geschworen sie gut zu erziehen, hat sich geschworen nie wieder einen Fehler zu machen und immer einen Platz für Simone in seinem herzen zu behalten.

Wenn der Postmann 2x klingelt

Von admin am 22. August 2009 veröffentlicht

Autor: A. K.
Veröffentlicht: workablogic.de

Diese Kurzgeschichte ist Teil einer Serie:

  1. Wenn der Postmann 2x klingelt
  2. Messer, Gabel, Schere, Licht, ist für diese Frisöse nicht

Ich drehe mich um, schlage auf den Wecker und denke wie jeden Morgen: “Jetzt schon aufstehen!?” Doch ich kratze all meine Kraft zusammen die man morgens früh schon um vier Uhr in seinem Körper vorfinden kann und gehe schlaftrunken ins Bad. Ich schaue aus dem Fenster und sehe dass die Autos zugefroren sind. Scheisse… wieder einmal heißt es kratzen, kratzen, kratzen ehe ich mit meinem Auto zur Arbeit fahren kann. So langsam bin ich das kalte Wetter wirklich satt. Das hält nun schon mehrere Wochen an. Dreck!
Nach dem Frühstück steht dann auch wie erwartet 10-minütiges Kratzen an und um 4:27 bin ich unterwegs zur Arbeit. Nach einer halben Stunde Fahrt über größtenteils leere Straßen bin ich im Postamt angekommen. Zuerst gönne ich mir mal einen guten, tiefen Schluck Kaffee und fange an mich um meine Postkörbe zu kümmern.
Als die letzten Briefe und Zeitungen sortiert sind, gehts ab Richtung quitschgelbes Auto wo ich alles brav auf dem Beifahrersitz nach Straßen sortiere und die Fahrt kann beginnen.
Ich kann es Euch sagen, das ewig frühe Aufstehen kann schon schlauchen, aber ich will mich hier keinesfalls beklagen denn ich kann froh sein in der heutigen Zeit überhaupt einen mehr oder minder sicheren Arbeitsplatz zu haben.
Unterwegs kann ich mich natürlich wieder gut über all die Leute aufregen, die vor Ihrem Haus rechts wie links meterweise Platz hätten um Ihr Auto zu parken, aber natürlich müssen diese genau vor dem Briefkasten stehen. Wäre ja auch zu schön und einfach, wenn mal jemand an den Briefträger denken würde, der sonst schön gemütlich bis zum Briefkasten vorfahren, das Fenster runterdrehen und die Post einwerfen könnte. Gerade jetzt wäre es für mich ein richtiger Genuss bei der Kälte im Auto sitzen bleiben zu können und nicht alle 30m immer wieder in die Kälte raus zu müssen. Aber nein, die meisten Menschen denken halt genau so bequem wie ich.
Die Straßen werden voller und das arbeitende Volk verstopft allmählich die Strecken. Nur gut dass ich in rund 2 Stunden wieder im Büro sitze und mal wieder Post sortieren kann – im Warmen!
Sonst ist heute nicht viel passiert, abgesehen von der drallen Blondine die mir abermals mit einem Auge zugezwinkert hat, als sie mit Ihrem kleinen Kläffer an meinem Auto vorbei kam. Geschmeichelt fühle ich mich dabei allerdings nicht. 1. passt die Frau frisurtechnisch besser zu Ihrem Hund als zu mir und 2. kommt sie von Ihrem Kleidungsstil auch eher an den Stil meines quitschgelben Autos heran als an meinen.
Natürlich könnte ich noch einige Geschichten von älteren Damen und Herren vom Stapel reißen aber die sind meist so langweilig, dass ich selbst mit mir kämpfen muss nicht über den Diskussionen mit ihnen einzuschlafen. Es ist ja verständlich dass die Leute froh sind wenn sie mal einen Gesprächspartner finden den sie vollmüllen können, doch muss es denn immer ich sein?!
So ging es nach einigen, sinnlosen Konversationen, unzähligen Posteinwürfen und stundenlangem Sortieren im Laufe des Nachmittags wieder zurück in meine 4 Wände und a propos 4… morgen früh ist es wieder soweit!

Und nächstes Mal bitte dran denken wo man parkt. Danke, Euer Postmann

Im Zwielicht

Von admin am 14. August 2009 veröffentlicht

Autorin: Elke Meyer
Illustration:
Crossvalley Studio of Digital Art

PROLOGSTORY zu MOND DER UNSTERBLICHKEIT

Im ZwielichtAmber drehte gedankenverloren das Amulett zwischen ihren Fingern. Ihr Vater hatte ihr das Schmuckstück aus Schottland mitgebracht. Es bestand aus drei ineinander verschlungenen Kreisen, die von einer Lanze durchbohrt wurden und symbolisierte Avalon. Dem Träger versprach es magische Kräfte und Intuition.
Schottland – was würde sie dort erwarten?
Bei dem Gedanken an den bevorstehenden Umzug dorthin verspürte sie ein ungutes Gefühl. Und das hatte sie noch nie getrogen.
Amber betrachtete durch das geöffnete Fenster die silberne Mondsichel. Draußen herrschte absolute Stille, der Straßenlärm war verklungen, nur ein Hund jaulte in der Ferne. London schlief. Wenn sie doch auch nur die ersehnte Ruhe finden könnte.
Der Anhänger prickelte auf ihrer Haut.
Plötzlich hatte Amber das Gefühl, nicht mehr allein im Zimmer zu sein. Eine Gänsehaut breitete sich auf ihrem Rücken aus. Sie fuhr herum und sah zur Tür. Aber die war wie immer verschlossen.
Amber schüttelte lächelnd über sich selbst den Kopf.
Nur einen Wimpernschlag später schrak sie erneut zusammen. Hatte sie nicht eben zwei rot funkelnde Augen im Spiegel gesehen? Ausgemachter Blödsinn! Sie reagierte über, ihre Sinne spielten ihr einen Streich.
Dennoch starrte sie zu dem Spiegel hinüber. Auf seiner Oberfläche reflektierte die Mondsichel, rot wie Blut.
Rot wie Blut?
Amber schluckte, denn der Mond am Nachthimmel schimmerte silbrig, im Gegensatz zu seinem Abbild. Ihr Puls beschleunigte sich, als sie sich dem Spiegel näherte. Vorsichtig streckte sie eine Hand aus, um den roten Mond zu berühren. Das Amulett auf ihrem Dekolleté begann zu vibrieren und löste ein unangenehmes Brennen auf der Haut aus. Die glatte Oberfläche des Glases fühlte sich unter ihren Fingern vertraut an. In dem Moment, wo sie es berührte, zuckte ein Blitz aus dem Amulett, der sich in ihrem Körper entlud. Amber schwindelte, alles um sie herum begann sich zu drehen. Taumelnd kippte sie vornüber – auf den Spiegel zu. Als sie sich an ihm abstützen wollte, griff sie durch das Glas, als wäre es Wasser. Ein starker Sog erfasste sie und zog sie in den Spiegel hinein, bevor sie sich wehren konnte. Ein Strudel riss sie mit sich in tiefe Dunkelheit. Amber glaubte in ein Nichts zu stürzen, aus dem es kein Entrinnen mehr gab. Ihre Schreie blieben stumm. Verzweiflung stieg in ihr auf, sie wollte noch nicht sterben.
Unerwartet endete der Sog. Amber prallte auf harten Boden und schrie auf. Benommen blieb sie liegen. Hinter ihren Schläfen pochte es schmerzhaft. Es dauerte eine Weile, bis sie begriff, was mit ihr geschehen war. Sie lag auf steinigem Boden, der durch wenige Grasbüschel unterbrochen wurde.
Mühsam rappelte sie sich auf. Sie befand sich inmitten eines gewaltigen Steinkreises, meterhohe Pfeiler, die von Decksteinen überbrückt wurden, rahmten sie ein. Das Zentrum des Kreises bildete ein Menhir, in den eine Spirale gemeißelt worden war.
Über diesem Ort wölbte sich samtblauer Nachthimmel mit einem wahren Sternenmeer. Es war ein Ort des Friedens, voller Mystik und Energie.
Amber spürte die Kraft, die von diesem Ort ausging, wie feine Schwingungen auf ihrer Haut. Das Amulett pulsierte, als besäße es ein Herz.
Amber hatte schon von diesem Ort geträumt, vor langer Zeit, als sie noch ein Kind gewesen war. Es war ohne Zweifel der Steinkreis aus ihrem Traum – voller Energie und gleichzeitig bedrohlich.
Sie kniff sich in den Arm, in der Hoffnung, der Traum möge jetzt enden, doch nichts dergleichen geschah.
Eine Hand legte sich auf ihre Schulter. Amber fuhr herum und fand sich einer Frau gegenüber, die eine Art Tunika und darüber einen samtenen, scharlachroten Umhang trug. Ihr Gesicht war zeitlos schön, ihre Figur grazil. Sie besaß eine starke Aura, deren Schwingungen Amber wie feine Nadelstiche spüren konnte. Die Fremde lächelte freundlich.
„Wo bin ich hier?“, fragte Amber. „Und wie bin ich hierher gekommen? Eben noch habe ich vor dem Spiegel gestanden… das kann nur ein Traum sein.“
„Das ist kein Traum. Nur Auserwählten ist es erlaubt, diesen heiligen Ort zu betreten.“
„Ich bin keine Auserwählte. So was gibt es nicht. Wer sind Sie überhaupt?“
Die Frau legte ihr beruhigend eine Hand auf den Arm. Wärme durchflutete Ambers Körper. „Man nennt mich Lady oft the Lake. Und der Ort, an dem du dich befindest, heißt Avalon. Du trägst in dir viele Fragen, aber keine Antworten. Deshalb bist du an diesen Ort gekommen.“
In Ambers Kopf überschlugen sich die Gedanken. Avalon? Was redete diese Frau da? Dieser Ort gehörte zu einer Legende. Den hatte es nie gegeben.
„Welche Fragen? Und welche Antworten? Und wie bin ich hierher gekommen?“
Die Fremde lächelte wissend. „Durch Magie. Wie du deine Chance hier nutzt, liegt bei dir. Es war nur meine Aufgabe, dich zu empfangen.“ Die Fremde drehte sich um und deutete auf den Menhir im Zentrum des Steinkreises. „Dort steht der Kelch des ewigen Wissens. Wenn du aus ihm trinkst, wird das Orakel dir Antworten geben. Nur die Mutigen bieten dem Schicksal die Stirn. Danach kehrst du in deine Welt zurück. Aber die Erinnerungen an diesen heiligen Ort werden gelöscht. Ich muss jetzt gehen.“
„Nein! Halt! Warte! Du kannst mich doch nicht einfach im Stich lassen.“ Amber versuchte den Arm der Fremden zu umfassen, aber sie griff hindurch. Die Erscheinung war ein Geist, was das flaue Gefühl in Ambers Magen verstärkte.
„Vertraue dem Orakel und deinen Kräften!“
„Na, toll. Welche Kräfte denn? Bleib bitte hier. Ich will so schnell wie möglich in meine Welt zurück, und ich bin sicher, das schaffe ich nur durch dich.“
Amber fühlte sich hilflos wie nie zuvor, als sich die Fremde wortlos umdrehte und mit dem Menhir verschmolz.
Bravo, Amber! Superidee! Warum musstest du auch den Spiegel berühren? Jetzt hängst du hier fest.
Mutlos sank sie auf den Boden und lehnte den Rücken an den Menhir. Das konnte doch alles nicht wahr sein, das musste ein Traum sein. Sie warf einen Blick auf ihre Armbanduhr, aber das verflixte Ding war stehen geblieben.
Amber sah zu dem goldenen Kelch, der als stumme Aufforderung auf dem Menhir stand. Grübelnd kaute sie auf ihrer Unterlippe. Ach, sie wollte nichts Schicksalhaftes erfahren, sondern nur zurückkehren.
Doch die Versuchung war zu groß. Nur einen kleinen Schluck wollte sie kosten. Amber stand auf und ergriff den metallenen Kelch. Sie drehte ihn in der Hand. Den Rand zierte das gleiche Symbol wie ihr Amulett. Der Anhänger auf ihrer Brust pulsierte noch stärker.
Die Flüssigkeit in dem Kelch war klar und schimmerte rosa. Amber schnupperte daran, es roch nach nichts. Vorsichtig nippte sie. Es schmeckte wie Wasser. Das beruhigte sie. Sie wurde mutiger und nahm einen großen Schluck.
Den Kelch noch immer in der Hand haltend, wartete sie gespannt darauf, was geschehen würde. Sie hatte etwas Spektakuläres erwartet, doch nichts passierte. Amber war enttäuscht. Als sie das kostbare Gefäß zurückstellen wollte, stutzte sie. Ein süßlicher, metallischer Geruch,der Übelkeit verursachte, stieg ihr in die Nase. Das Wasser hatte sich in Blut verwandelt. Vom Ekel gepackt, warf Amber den Kelch in hohem Bogen von sich.
„Verdammt, ich will aus diesem Traum aufwachen.“, stieß sie hervor. Wohl auch um ihr aufsteigende Angst zu bekämpfen.
Starker Wind kam auf und trieb die Wolken zusammen. Über Amber braute sich ein Unwetter zusammen. Sie suchte unter einem der riesigen Steine Schutz und blickte zum Himmel auf.
„Sei bereit“, säuselten Stimmen im Wind.
Die Wolken gaben die rote Mondsichel wieder frei, deren Licht den Menhir beleuchtete. Aus der Spirale daruf sickerte eine rote Flüssigkeit: Der Menhir blutete.
Zitternd wich Amber zurück.
„Es ist sein Blut“, hörte sie wieder ein Flüstern.
Laute Stimmen schallten von dem Hügel hinter dem Steinkreis zu Amber herüber.
Krieger mit gezückten Schwertern stürmten den Hügel hinunter. Sie wirkten in ihrer knielangen Tunika und dem darüber geschlungenen Brat wie aus einem Kinofilm.
Ihr Anführer war ein blonder Hüne. Neben ihm ritt eine Gestalt in weißer Kutte, deren Gesicht unter einer Kapuze verborgen war. Dem kleinen Heer folgte dicht eine größere Anzahl Krieger mit Eisenhelmen und Kettenhemden. Amber verbarg sich hinter dem Menhir und beobachtete das Kampfgeschehen. Die Eleganz und Kühnheit, mit der der Hüne das Schwert gegen seine Feinde schwang, faszinierte sie. Unerschrocken tötete er jeden, der sich ihm in den Weg stellte. In Aussehen und Geschmeidigkeit verglich Amber ihn mit dem Halbgott Achill, der in der Schlacht um Troja gestritten hatte. Und dieser Krieger hier kämpfte nicht nur wie der Grieche, sondern sah auch aus wie ein Gott. Amber hörte die Schreie der Sterbenden und erschauerte. Fast sah es so aus, als verlöre das Heer des beeindruckenden Anführers. Da hob die Gestalt in der weißen Kutte den Arm.
Das Kreischen, das augenblicklich am Himmel erscholl, ging Amber durch Mark und Bein. Es stammte von einer Armada geflügelter Gestalten, menschliche Körper mit dämonischen Fratzen. Aus deren rotglühenden Augen sprach die pure Mordlust. Die Kreaturen stürzten sich auf die Krieger mit den Eisenhelmen, packten sie im Nacken und gruben ihre langen, spitzen Zähne in deren Kehlen.
Amber wollte den Blick abwenden, die Augen schließen, aber ihr Körper gehorchte ihr nicht.
Der weiße Kuttenträger sprang vom Pferd, beugte sich über einen Sterbenden und versenkte seine Zähne in dessen Fleisch. Gierig saugte er das Blut aus dem schlaffen Leib des Kriegers. Amber konnte den Anblick nicht ertragen. Alles begann sich um sie zu drehen.
Da ritt die Gestalt in Weiß direkt auf sie zu. Ambers Puls begann zu rasen, als sie sich weiter in den Schutz des Menhirs kauerte. Eine plötzliche Kälte hüllte sie ein, wie der Hauch des Todes. In Panik sprang Amber auf, um zu fliehen. Doch die Kuttengestalt versperrte ihr den Weg. Aus der Kapuzenhöhle funkelten rote bösartige Augen. Die Hände der Gestalt gehörten einer Frau und schienen seltsam vertraut.
Das Amulett auf Ambers Brust glühte. Wie gelähmt starrte sie die seltsame Gestalt an, in der Erwartung, dass diese sich auf sie stürzen werde, um auch ihr Blut zu trinken. Stattdessen zog die Frau die Kapuze vom Kopf.
Als Amber das Gesicht erkannte, taumelte sie rückwärts. Sie glaubte in einen Spiegel zu sehen!
„Ich bin dein dunkles Ich, das dich verzehrt“, flüsterte ihr Spiegelbild und grinste hämisch.
„Nein!“, rief Amber aus und hob abwehrend die Hände.
„Die dunkle Seite deiner Seele wird deine lichte Hälfte besiegen, bis deine Seele ihm gehört.“ Sie streckte den Arm aus und deutete auf den Hünen, der ihr jetzt das Bluttrinken gleichtat.
„Niemals!“, rief Amber aus.
„Das ist dein Schicksal.“ Die Fremde warf den Kopf in den Nacken und lachte. Ambers Hand tastete nach dem Amulett, als böte es ihr Schutz. Wenn sie doch nur in Ohnmacht fiele, oder der Alptraum ein Ende nähme!
Ihr Spiegelbild trat auf sie zu, riss ihr die Kette mit dem Amulett vom Hals und schleuderte es fort. Amber fühlte das Blut, das aus ihrer Halsbeuge sickerte, in die sich die Kette geschnitten hatte. Die eisigen Hände der Fremden legten sich auf Ambers brennendes Dekolleté.
Amber spürte, wie sich ihr Herzschlag verlangsamte und die Lebenskraft aus ihr wich. Als ihre Beine einknickten, fühlte sie sich dem Tod nahe. Da riss sie etwas mit aller Kraft zurück, bis sie in tiefer Dunkelheit versank.

Ein Knall schreckte Amber auf. Sie blinzelte und erkannte unzählige Glassplitter, die durch die Luft wirbelten.
Der Spiegel war zersprungen.
Erleichtert atmete sie auf, sie hatte nur geträumt. Ihre Finger tasteten über die brennenden Stellen an ihrem Hals. Amber erschrak, denn die Kette war fort – und als sie ihre Hand zurücknahm klebte Blut an ihren Fingerkuppen.

Überweisung

Von Nismion am 10. August 2009 veröffentlicht

Überweisung

Ich öffnete die Tür. Ging nach links, zum ersten Terminal. Das einzige hier, so wie es aussieht. Ansonsten gab es hier nur noch zwei Automaten zum Geld abheben. Vor einem stand ein Mann. Er guckte gespannt auf den Monitor. Drückte eine Taste. Eine Schweissperle rann ihm die Stirn herunter. Er wischte sie weg. Es war eigentlich nicht zu warm hier. “Vielleicht hatte er nicht genug Geld für diesen Monat? Zwei Wochen waren noch zu überstehen. Er bangte sicher darum, wie er die nächsten Wochen aushalten sollte. Zu Hause wartete bestimmt seine Frau, vielleicht mit zwei Kindern?

Hatte sie ihn hierher geschickt? Wie würde sie reagieren, wenn er ohne Euros oder mit zu wenig zurückkam? Ich konnte mir das Theater, die Vorhaltungen gut vorstellen. Da schien der Geldautomat sein einziger Rettungsanker, das Ziel seiner Hoffnung zu sein.”

Der Automat spuckte die Karte aus. Der Mann nahm sie, verließ den Vorraum und ging zu den Schaltern.

Jetzt bat er um Vorschuss. Ich konnte meine Schadenfreude nicht verbergen. Ich musste böse grinsen.

In meiner Vorstellung war der Mann gefangen in einem Los, aus dem es ihm nicht gelingen konnte, unbeschadet herauszukommen. Außer, die Bankangestellte zeigte Nachsicht. Aber ich wünschte mir, dass dem nicht so sei. Ich hatte ihm ein Schicksal zugespielt, aus dem er nicht mehr herauskommen sollte.

Ich hätte ihn noch gerne weiter beobachtet. Aber deswegen war ich nicht hier. Ich kramte den Überweisungsauftrag aus meiner Tasche, steckte meine Karte ins Terminal.

Ich hatte gut geplant diesen Monat. Es musste dicke reichen. Ende des Monats würde ich mich belohnen. Das hatte ich mir selber versprochen. Ich freute mich drauf. Was es sein sollte, wusste ich noch nicht. Aber was besonderes. So viel war klar.

Ich ging im Menü auf Überweisung, gab die erforderlichen Daten ein.

“Einen Beleg ausdrucken?” “Nein.”

Dann wählte ich Kontostand abfragen.

Und als ich es sah traf mich der Schlag.

Dort stand eine riesige Summe.

Ich hatte geplant, gut sogar, aber vermehren konnte ich es noch nicht.

Ich ging auf Kontobewegungen, guckte da.

Eine riesige Summe war mir überwiesen worden.

5 Millionen Euro.

Ich konnte es nicht glauben. Ich druckte es mir aus. Das musste ich schwarz auf weiss haben. Als ich den Ausdruck betrachtete, war ich in meiner Vorstellung schon reich. In meinem eigenem Haus, ein Flitzer davor, vielleicht ein Porsche?

Und arbeiten müsste ich auch erstmal nicht. Ein unbeschreibliches Gefühl. Alle Träume zum Greifen nah. Aber leider nagte die Wirklichkeit, mein Verstand an mir.

Es klopfte an. Erst noch leiser und dann kam auch noch mein Gewissen dazu. Echt nervig.

Ich versuchte es bei Seite zu schieben, aber es funktionierte nicht. Und so musste ich die Träumerei unterbrechen.

Ich spielte kein Lotto, hatte nichts gewonnen. Leider.

Also konnte es nur ein Fehler sein. Und der würde schnell bereinigt werden. Es würde auffallen, so oder so.

Ich konnte es auch selber tun. Ich konnte mit einem guten Gefühl aus der Sache herauskommen. Ich ging zum Schalter.

Ich hasste meine Ehrlichkeit. Ein Anderer hätte bestimmt versucht, das Geld irgendwie abzuheben. Es überwiesen? An eine andere Kontonummer? Die meiner Schwester?

Sollten die es zurückbuchen, wäre mein Konto 5 Millionen im minus. Wahrscheinlich, sehr wahrscheinlich sogar, würde es gesperrt werden. Aber vielleicht kam ich vorher an das Geld ran? Und wozu brauchte ich dann ein Konto? Es gäbe bestimmt eine Möglichkeit. Auf irgendeine Weise, vielleicht nicht legal, aber was sollte es. Keiner würde es sehen. Aber ich wusste es. Und bei diesen Gedanken bekam ich schon ein schlechtes Gewissen. Ich war echt zu gut erzogen. Aber ich wusste, dass ich das richtige tat, als ich am Schalter wartete.

Dort stand immer noch der Mann von eben. Er diskutierte mit der Angestellten.

Mitlerweile schwitzte er richtig. Sein Gesicht war von Feuchtigkeit bedeckt. Mit dem Hemdärmel wischte er es weg.

Und langsam bekam ich mit, was ihn beschäftigte.

Die ganze Bank anscheinend auch, denn alle guckten her, als er lauter wurde.

Er hatte wohl einen Auftrag, den er abwickeln musste. In spätestens einer Stunde müsste es gelaufen sein, sonst wären die Vertragspartner weg, wieder auf dem Weg ins Ausland.

Und er konnte das nicht unter Dach und Fach bringen, wenn das Geld nicht kam. Er wartete wohl seit einer Woche da drauf.

Aber es tat sich nichts. Seine Firma hatte das Geld überwiesen und so konnte es nur an der Bank liegen.

Als die Bankangestellte sagte, sie gucke noch einmal im Computer, vielleicht sei ein Fehler unterlaufen, explodierte der Mann.

“Wie zur Hölle können fünf Millionen Euro verschwinden? Ein paar Cent, ein Euro vielleicht, aber keine fünf Millionen. Wie schlampig wird hier gearbeitet? Das kann ich echt nicht glauben, beim besten Willen nicht. Ein Drecksladen ist das.”

Da wusste ich wovon er sprach. Ich ging nach vorne.

“Entschuldigen sie.” “Was,” funkelte er mich an, bereit auch an mir seine Wut rauszulassen.

“Jetzt aber mal ganz ruhig, Tiger. Ich weiss wo ihr Geld ist, denke ich, “ sagte ich und reichte der Angestellten den Ausdruck.

Sie blickte drauf und sah mich danach erleichtert an. Ein junges Ding. Müsste aber mein Alter sein. Sicher etwas überfordert mit der Situation.

“Fehler können passieren, kein Grund so ein Theater zu machen. Und sie kann bestimmt nichts dafür.”

Dankbarkeit blitzte aus ihren Augen zu mir herüber, als sie am Computer arbeitete.

Der Mann sagte nichts, stierte nur die junge Frau an. “Ja, es ist gelaufen,” verkündete sie nach ein paar Minuten. Da beruhigte er sich anscheinend, er gab ihr den Überweisungsbeleg und bekam sogar ein “Danke” zustande.

 

Ich hätte das Geld nehmen können, sicher. Aber das wäre nicht ich gewesen. Ich hätte es nicht mit mir vereinbaren können. Die Geschichte habe ich später noch oft erzählt. Unzählige Male.

Zu jedem meinem Hochzeitstag kramte ich sie aus. Mitlerweile sind es schon sechs geworden.

Ich hätte damals alles kaufen können. Aber bekommen habe ich ohne es, viel mehr.

Etwas was nicht aufzuwiegen ist, meinen Schatz. Sie ist mittlerweile im dritten Monat schwanger. Und wäre das nicht alles passiert, hätte sie mir nie ihre Nummer gegeben, meine kleine Bankangestellte.

Der Kontoauszug steht eingerahmt bei den Hochzeitsfotos. Oft gucke ich ihn mir an und erinnere mich. Und jedes Mal erwärmt es mein Herz.

Sie kommt aus der Küche, mit ihrem schon dickeren Bauch. “Schatz, bist Du schon zu Hause?” Sie sieht mich vor dem Regal, sieht, was ich angucke und muss lächeln.

“Ich liebe Dich,” sagt sie.

 

Nismion

Die Tränen Luzifers

Von admin am 25. Juli 2009 veröffentlicht

Autorin: Tanya Carpenter
Illustration:
Crossvalley Studio of Digital Art
Veröffentlicht: Im Buch “Das Herz der Dunkelheit”

DieTraenenLuzifersRom, Januar 2001
Es hätte so schön sein können. Endlich einmal Urlaub, weg von allen Verpflichtungen, Querelen, Ordens-Regeln und ständigen Einmischungen in unser Privatleben, von welcher Seite sie auch kommen mochten. Selbst wir Vampire brauchten gelegentlich mal so eine Auszeit. Und mein Geliebter, Armand, und ich hatten diese derzeit bitter nötig.
Mein Vater Franklin, als Leiter des Londoner Mutterhauses auch mein Vorgesetzter im Ashera-Orden, stand unserer Liebe nach wie vor kritisch gegenüber, der Vampirlord Lucien von Memphis versuchte beständig, Zwietracht zwischen uns zu säen, und seit kurzem mischte sich auch Kaliste, die Urmutter der Vampire, in unser Leben ein und hatte mir ausgerechnet die Verantwortung für Dracon, unseren ärgsten Widersacher, übertragen. Alles in allem waren die letzten Wochen nicht gerade einfach für uns gewesen.
Dieser Urlaub sollte uns und unsere Beziehung wieder ins Gleichgewicht bringen. Was passte da besser als Rom, die ewige Stadt. Entspannt durch die nächtlichen Straßen dieser wunderbaren geschichtsträchtigen Metropole wandern, ein bisschen Kultur, ein bisschen Amore …
Wie gesagt, es hätte so schön sein können. Seufzend schloss ich die Email von Franklin wieder.
„Je te l’avais dit. Ich habe dir gleich gesagt, schau erst gar nicht in deine Mails“, meinte Armand mürrisch. Ich konnte ihm seinen Unmut nicht verdenken, brachte es aber auch nicht über mich, meinen Vater vor den Kopf zu stoßen und den Auftrag abzulehnen, wo wir praktisch vor Ort waren.
„N’y aurait-il pas quelqu’un d’autre pour le faire? Warum kann das kein anderer machen?“
„Weil die Vorfälle im Vatikan stattfinden, und der lässt doch freiwillig nie jemanden von der Ashera rein.“
„Wann kommt Franklin hier an?“
Er war wirklich sauer. Versöhnlich hockte ich mich zu ihm aufs Bett und küsste ihn auf den Mund.
„Er wird morgen Nachmittag hier landen. Abends treffen wir uns zur Besprechung der Details und danach reisen wir beide weiter zum Vatikan, während Dad zurück nach London fliegt.“
„Amuse-toi bien avec ta famille. Viel Spaß beim Familientreffen“, spottete Armand. „Ich bleibe hier. Ich habe Urlaub.“

„Bist du allein?“, fragte mein Vater, als er mich in der Hotellobby begrüßte.
„Armand ist etwas eingeschnappt, was ich ihm nicht verdenken kann.“
Der Hauch eines Vorwurfs schwang in meiner Stimme mit, was Dad nicht entging. Aber schließlich war es ja meine Entscheidung gewesen, während meines Urlaubs die Emails des Ordens abzufragen.
„Lass uns auf mein Zimmer gehen. Dort sind wir ungestört“, bat Franklin. Seinem misstrauischen Blick in die Runde, der sonst so gar nicht seine Art war, entnahm ich, dass die Angelegenheit noch viel heikler war, als ich aufgrund seiner Nachricht vermutet hatte.
In seinem Zimmer holte er ein blaues Samtbeutelchen hervor und legte es mir in die Hand. Behutsam öffnete ich die Verschnürung und lugte hinein. Aus dem Inneren strahlten mir drei bunt schillernde Juwelen, entgegen.
„Tränen Luzifers“, sagte mein Vater bedächtig. „Insgesamt spricht man von Eintausend. Kleine Kristalle, die in allen Farben leuchten. Es sollen wirklich die Tränen des gefallenen Engels sein. Als sie vom Himmel fielen wurden sie dort, wo sie die Erde berührten, zu Kristallen. Engelstränen, die für die Menschen vergossen wurden, als sich Gott von ihnen abwandte. Dafür wurde Luzifer aus dem Himmel vertrieben. Für sein Mitleid mit uns Menschen.“
„Glaubst du daran?“, fragte ich und verspürte ein ungutes Gefühl in der Magengegend. Mein letzter Fall hatte ebenfalls mit den Tränen von Engeln zu tun gehabt, und die Menschheit hatte kurz vor der Ewigen Nacht gestanden. In letzter Sekunde hatten wir den Untergang der Sonne verhindern können. Vampire, Menschen und Lykaner mit vereinten Kräften.
Franklin lächelte still und schien nichts von meinen Gedankengängen zu bemerken.
„Alles ist möglich, wie du weißt. Die Macht dieser Tränen ist unleugbar wahr. Wenn also ein Teil der Legende stimmt, warum dann nicht auch der Rest? Doch die ganze Wahrheit werden wir wohl nie erfahren.“
„Wo sind die restlichen Tränen?“
„Abgesehen von diesen drei sind alle, die sich in unserem Besitz befinden im Mutterhaus in Montreal. In sicherer Verwahrung.“ Die Ashera erforschte und dokumentierte übersinnliche Phänomene nicht nur, wir versuchten auch zwischen Menschen und übernatürlichen Wesen zu vermitteln, nahmen PSI-begabte Menschen bei uns auf und verwahrten okkulte und paranormale Relikte. Bei all diesen Tätigkeiten waren wir stets bemüht, uns so wenig wie möglich einzumischen, was manchmal leider gar nicht so einfach war. Besonders dann nicht, wenn eine akute Bedrohung für die eine oder andere Seite bestand.
„Sicherer Verwahrung? Sind sie so gefährlich?“
„Ihre Macht kann gefährlich sein. Wenn man eine zerspringen lässt, kann man einmal das Schicksal der Welt beeinflussen. Hitler hatte zwei von ihnen in seinem Besitz und hat sie beide benutzt. Du weißt, was dann geschehen ist. Der römische Kaiser Nero hatte eine. Ramses I. soll eine besessen haben. Es ist viel Schaden mit diesen Tränen angerichtet worden. Deshalb sind sie in sicherer Verwahrung. Um ihren Missbrauch zu verhindern.“
„Dann ist der Begriff ‚teuflisch’ für Luzifer wohl wirklich nicht so falsch“, wagte ich einzuwerfen. Engelstränen bedeuteten einfach nichts Gutes. Egal, wer sie weinte.
„Oh Mel, das ist ungerecht. Er hat die Tränen nicht um des Schadens willen vergossen, sondern aus Mitleid. Ihre Macht lautet nur, dass man das Schicksal der Welt mit ihnen beeinflussen kann, zum Guten wie zum Bösen. Es ist die Wahl der Menschen, wie sie wirken, nicht die des gefallenen Engels. Und im Menschen lauert nun mal seit jeher das Böse.“
„Ist auch Gutes damit bewirkt worden?“ Ich musste die Frage einfach stellen.
„Nun, es heißt, der heilige Franz von Assisi hätte eine besessen. Und Mutter Theresa ebenfalls. König Salomon hatte angeblich zehn. Und sicher noch eine Menge anderer Menschen. Es gibt immer zwei Seiten einer Medaille.“
Ich schloss den Beutel und reichte ihn Franklin zurück.
„Gut, lassen wir es mal dahingestellt sein, ob die Tränen gut oder böse sind. Aber was genau haben die mit dem Fall zu tun? Du hast nur etwas von paranormaler Aktivität im Vatikan geschrieben.“
„Der Vatikan hat dreiundfünfzig Tränen in seinen Archiven.“ Mir blieb der Mund offen stehen. Diese heuchlerischen Scheinheiligen.
„Es ist zunächst nur ein Gerücht“, beschwichtigte Franklin, „aber dass der Vatikan so etwas bestätigen würde, kann man kaum erwarten. Eine Menge Hinweise deuten darauf hin, dass es nicht nur ein Gerücht ist. Und dass es Zeiten gab, in denen noch mehr Tränen dort lagerten. Es sind also wohl auch einige schon verwendet worden.“
„Soll ich die Dinger stehlen, damit diese verblendeten Kirchgänger keinen Schaden mehr damit anrichten?“ Vor meinem geistigen Auge zogen von den Kreuzzügen über die Inquisition bis hin zu gewaltsamen Missionierungen heidnischer Völker alle möglichen Schreckensszenarien vorbei, bei denen solch ein Kristall womöglich Einsatz gefunden hatte. Ich würde Pettra anrufen, meine Daywalker-Freundin, auch eine Vampirin, aber von anderer Art, die für Einbrüche prädestiniert war. Schließlich verdiente sie damit ihren Lebensunterhalt.
„Nein!“, sagte Franklin entschieden. „Und ja!“, setzte er etwas leiser hinzu. „Wenn du an sie herankommst, bringst du sie selbstverständlich mit. Ich muss wohl nicht erwähnen, dass bei dieser Aktion kein Verdacht auf die Ashera fallen darf.“
Ich grinste zynisch. „Warum sonst hättest du ausgerechnet mich um Hilfe gebeten? Das einzige Ashera-Mitglied, das nahezu unsichtbar in den Hochsicherheitsbereich des Vatikan hinein- und wieder hinauskommt.“
Meine Offenheit behagte Franklin nicht. Es war illegal, was wir hier gerade besprachen. Einbruch, Diebstahl. Aber manchmal heiligte der Zweck die Mittel. Mir hätte die Macht der Tränen als Zweck genügt, um sie den Kirchenvätern zu entwenden. Aber mein Vater brauchte noch einen weiteren Grund, um diesen Schritt zu tun.
„Ich hätte so eine Aktion nie in Erwägung gezogen, wenn nicht die aktuellen Vorkommnisse es erforderlich machen würden.“
In seinen Augen las ich nackte Angst, etwas, das ihm nicht ähnlich sah.
„Im Vatikan versucht gerade ein Sapyrion die Tränen zu stehlen.“

Diese Nachricht ließ auch in Armand jeden Widerwillen, den Fall zu übernehmen, verschwinden. Ein Sapyrion. Ein Dämon aus den Tiefen der Unterwelt. So absolut böse und verdorben, dass sich selbst andere Dämonen von ihm fernhielten. Diese Kreaturen waren Ausgestoßene, und dem Himmel sei dank waren die Tore zur Menschenwelt normalerweise für sie verschlossen. Was mich zu der Frage brachte, wie dieser Sapyrion es geschafft hatte, ein Dimensionstor zu durchschreiten. War er einem anderen Dimensionswandler heimlich gefolgt? Unwahrscheinlich, die Hitze dieser Wesen machte es ihnen unmöglich, sich unerkannt einem anderen Wesen zu nähern. Pyro – das Feuer – der Bestandteil ihres Namens war mehr als bezeichnend. Ihre Haut glühte rotschwarz, was sie berührten erlitt Brandspuren – je wütender ein Sapyrion war, desto schlimmer die Verletzungen, die er hervorrief. Außerdem konnten sie Feuerbälle werfen. Nicht gerade tolle Aussichten für Armand und mich. Ausgerechnet Feuer – das Einzige, was uns wirklich schaden konnte. Aber jemand musste dieses Wesen aufhalten, und vor allem verhindern, dass es die Tränen in die Hände bekam, wenn ich auch noch nicht wusste, wie wir das anstellen sollten.

Armand und ich entschieden uns, noch in dieser Nacht die Lage auszukundschaften. Der Sapyrion war schon seit fast einer Woche in den Mauern des Vatikan unterwegs. Möglicherweise war er den Tränen näher, als uns allen lieb sein konnte. Was würde solch eine Kreatur mit dreiundfünfzig Tränen Luzifers anstellen? Die Welt in eine zweite Hölle verwandeln? Lava-Ströme? Feuerwände? Flammen, die ohne Brennmaterial überleben konnten? Alles war möglich mit diesen Kristallen.
Im Zentrum des Vatikan herrschte Hochbetrieb. Die Schweizer Garde schien in Komplettbesetzung Dienst zu tun. So viele rot-gelb-blau gestreifte Uniformen hatte wohl selbst der Papst noch nie auf einem Haufen gesehen. Wir verharrten auf dem Dach des Petersdoms und beobachteten den kleinen bunten Ameisenhaufen unter uns.
„Ich denke, denen ist es lieber, wenn sie dem Dämon nicht begegnen“, meinte Armand und seine Stimme triefte vor Sarkasmus. „Die wissen so gut, wie wir, dass sie weder mit ihren Hellebarden, noch mit ihren Sturmgewehren etwas gegen dieses Ding ausrichten können.“
Ich schwieg, konnte Armand gedanklich aber nur zustimmen. So kampfesmutig sie auch alle taten, es war diesen Männern klar, dass der Gegner, der hier in den Schatten lauerte, nicht von dieser Welt war. Und dass eine Begegnung mit ihm den Tod bringen konnte. Franklin hatte mir berichtet, dass schon sieben Gardisten gestorben waren und etliche weitere mit Brandverletzungen in der Klinik lagen. Dennoch weigerte sich der Vatikan wie immer beharrlich, die restliche Welt in die Vorgänge innerhalb seiner Mauern einzuweihen. Man war schließlich so was wie die Macht Gottes auf Erden. Da würde man doch mit dem Teufel klarkommen. Ich lachte bitter. Mit ihrem Teufel hatte der Sapyrion wenig gemein. Gegen seine Bosheit war der christliche Satan ein Klosterschüler. Neid und Gier und Zerstörungswut waren die Natur des Sapyrion. Die schwarzverkohlten Stellen an einigen Außenwänden und der Brandgeruch, der über dem Vatikanstaat lag, waren ein deutliches Zeugnis für seine Anwesenheit und sein Handeln.
Plötzlich erklang ein ohrenbetäubendes, unmenschliches Kreischen, wie von einem riesigen, wütenden Stier, direkt unter uns.
Der Sapyrion war im Petersdom.
Das Splittern von Holz und Bersten von Gestein kündete von seinem Wirken. Er würde das verdammte Ding auseinandernehmen.
Unter uns stoben die Schweizer Gardisten wie ein aufgescheuchter Fliegenschwarm in die entgegengesetzte Richtung davon. Armand und ich konnten ihren Angstschweiß riechen. Gegen diesen Feind würde keiner von ihnen den Kirchenstaat verteidigen.
„Welch Ironie, dass ausgerechnet eine Hexe als Retterin der katholischen Zentrale fungieren soll“, meinte ich zynisch. Armand antwortete mit einem breiten Grinsen und sprang dann einem Schatten gleich vom Dach in die Tiefe. Ich folgte ihm lautlos.

Schon von Notre Dame kannte ich den Prunk, den die Kirche so gern zur Schau stellte, aber der Petersdom raubte mir wieder einmal den Atem. Trotz der herabgestürzten Fresken und der drei zertrümmerten Sitzreihen. Von dem Sapyrion selbst war nichts zu sehen.
Ich hatte den Gedanken kaum zu Ende gedacht, da erzitterte die Erde unter unseren Füßen und wir mussten uns beide an den Kirchbänken festhalten, um nicht zu fallen.
„Er ist unter uns. Bei den Gräbern“, sagte ich.
In Sekundenschnelle durchquerten wir das Kirchenschiff, schritten die Stufen zu den Grabmalen hinab und dort stand er – der Sapyrion. Zwei Meter hoch, mit schwarzen, gezackten Flügeln, die knochig wirkten, nur mit einer lederartigen Haut bespannt. Sein Torso glühte in pulsierendem Rot, Arme und Beine waren ebenfalls lediglich Knochen mit einem flexiblen Gewebe überzogen. In der klauenartigen Hand hielt er eine steinerne Schatulle, deren Deckel halb geöffnet war. Regenbogenfarben leuchteten uns daraus entgegen.
„Verdammter Mist, er hat sie gefunden“, rief ich.
Der Kopf des Sapyrions schoss herum, als er meine Stimme hörte – schwarze Kohlestücke statt Augen und ein Raubtiergebiss hinter verschrumpelten Lippen. Er riss sein Maul weit auf, roter Geifer tropfte von den langen Zähnen und wieder erklang dieser markerschütternde Schrei, den wir schon oben auf dem Dach vernommen hatten. In der nächsten Sekunde flog uns ein Feuerball entgegen. Geistesgegenwärtig stoben Armand und ich auseinander, die Kugel schlug in der Wand hinter uns ein, ließ einen Teil des Mauerwerks zusammenstürzen und verglühte dann. Der Sapyrion stob an uns vorbei nach oben ins Kirchenschiff, heißer Wind verbrannte uns die Gesichter, doch wir folgten ihm sofort. Ein zweiter Feuerball begrüßte uns, als wir den Altarraum wieder betraten. Auch diesem wichen wir gekonnt aus. Ich erhaschte einen genaueren Blick auf den Torso unseres Gegners – unter der Lederhaut des Brustkorbes konnte man das rotglühende Herz schlagen sehen. Ich realisierte, dass dies seine einzige verwundbare Stelle war.
Mein Blick wanderte von dem brüllenden Dämon durch den Innenraum des Doms, der Bronzethron des Hochaltars war durch den Feuerball zerstört, der hölzerne Sitz, der lange Zeit als Bischofsstuhl des Petrus gegolten hatte, zersplittert. Da sah ich plötzlich das Taufbecken mit den beiden Marmorengeln.
‚Geweihtes Wasser!? Wasser und Feuer. Das könnte klappen’, dachte ich und sammelte meine geistigen Kräfte. Armand folgte meinem Blick aus seiner sicheren Deckung heraus. Das Becken hob sich aus seiner Verankerung, Schweißperlen traten mir auf die Stirn, ich war einfach zu ungeübt in diesen Dingen. Da kam mir Armand, der erkannt hatte, was ich plante, zur Hilfe. Gemeinsam schleuderten wir das marmorne Gefäß gegen die Brust des Sapyrions. Ein lautes Zischen, der Dämon kreischte vor Schmerz auf, ließ seine Beute fallen und ging in die Knie, doch noch ehe ich triumphierend jubeln konnte, war er auch schon wieder auf den Füßen. Das war daneben gegangen und hatte ihn nur noch wütender gemacht. Sein Zorn schlug uns in einer Hitzewelle entgegen, gefolgt von weiteren Feuerbällen, denen wir nur durch unsere vampirische Geschwindigkeit entkamen. Wie Eichhörnchen an einem Baumstamm klammerten wir uns an den Wänden fest und sprangen von einer Freske oder Balustrade zur nächsten. Der Sapyrion richtete sein Hauptaugenmerk dabei auf mich.
„Distrais-le. Lenk ihn ab“, rief Armand mir zu.
„Was hast du vor?“
„Lenk ihn einfach nur ab!“
Einfach nur ablenken. Na prima. Sollte ich mich als Brathähnchen anbieten? Armand sprang mit einem riesigen Satz Richtung Hauptportal, sofort riss der Feuerdämon den Kopf herum und schickte sich an, einen Feuerball gegen meinen Liebsten zu werfen. Das konnte ich nicht zulassen.
„Hey, Glühwürmchen“, rief ich ihm entgegen. „Mein Elektroherd wird heißer als du.“
Ich bezweifelte zwar, dass er auch nur ein Wort von dem, was ich sagte, verstand, aber zumindest verlagerte sich seine Aufmerksamkeit wieder von Armand auf mich. Doch statt einen neuen Feuerball zu werfen, ging der Sapyrion diesmal in die Knie und stieß sich kraftvoll ab, um vor mir auf der Empore zu landen. Meine Haare knisterten unter der Hitze, ich spürte, wie sich erste Blasen auf meiner Haut mit Flüssigkeit füllten. Lebendig gegrillt zu werden entsprach nicht grade meiner bevorzugten Todesart. Kurzerhand ließ ich mich einfach fallen und landete vor dem zerstörten Hauptaltar. Ein heftiger Windstoß brachte mich kurzzeitig ins Wanken, er kam vom weit geöffneten Hauptportal. War Armand noch zu retten? Er konnte diesem Biest doch nicht auch noch die Tür aufmachen. Wenn das Vieh erst mal draußen war, würden wir es nie wieder kriegen. Allerdings war es auch äußerst fraglich, ob wir es hier drinnen besiegen könnten, ehe es uns mitsamt dem Dom zu einem Häufchen Asche verbrannte.
Meine Haut spannte sich schmerzhaft, obwohl die Heilung bereits einsetzte, der scharfe Geruch nach meinem eigenen verbrannten Fleisch ließ Übelkeit in mir aufsteigen. Alles in mir schrie nach Flucht. Ich spürte die zunehmende Hitze wie eine Druckwelle, als der Sapyrion wieder nach unten sprang, schaffte es gerade noch rechtzeitig aus der Gefahrenzone, ehe seine klauenbewehrten Füße auf dem Boden aufkamen und zwei tiefe Löcher ins Gestein drückten. Jeder Atemzug schien meine Lunge zu verbrennen. Da wurde es plötzlich merklich kühler. Auch der Sapyrion bemerkte die Veränderung und hielt verwundert inne. Wir blickten beide Richtung Ausgang, wo Armand konzentriert und angespannt stand, über ihm eine riesige dunkelgraue Wolke voller Regenwasser. Woher…? Doch dann wurde es mir schlagartig klar. Der Brunnen auf dem Petersplatz. Armand hatte einfach meine Idee aufgegriffen und sie mit einer riesigen Menge Wasser umgesetzt. Die Wolke näherte sich dem Sapyrion, der mit drohendem Gebrüll langsam zurückwich. Doch seine Beute lag zwischen ihm und der Wolke. Ohne sie wollte er diesen Ort nicht verlassen. Wir hechteten beide auf die Schatulle zu, ich war schneller, erwischte sie mit dem Fuß und brach mir schmerzhaft die Zehen, als ich sie außerhalb seiner Reichweite stieß. Im selben Moment erreichte uns die Regenwolke und öffnete ihre Schleusen. Das Zischen von hundert Dampfkesseln erfüllte den Raum, der anschließend in undurchdringlichem Dunst lag. Die Schmerzensschreie des Sapyrions hallten von den Wänden, seine Haut nahm eine grauweiße Färbung an, er zitterte und brach auf dem Boden vor dem Altar zusammen. Ich reagierte instinktiv, ohne nachzudenken, ignorierte den Schmerz in meinen Händen, als ich den Dämon an den Armen packte, die noch immer heiß waren wie ein aktiver Vulkan, und schleuderte den geschwächten Körper Richtung Altar. Der Sapyrion spreizte seine mächtigen Schwingen genau in dem Moment, in dem sein Torso auf den Überresten des Bronzethrons aufschlug. Ein spitzer Pfahl vom gesplitterten Bischofs-Sitz des Petrus ragte aus seiner Brust, hatte das Herz durchbohrt. Ungläubig starrte der Sapyrion das blutverschmierte Holz an, seine Klauen umfassten das Ende und rissen es heraus. Blut strömte aus der Wunde und floss zischend zu Boden. Noch einmal schlug der Dämon mit seinen Flügeln, kam mit aufgerissenem Maul auf mich zu, und brach dann zusammen. Sein Körper schlug auf dem Steinboden auf, er zuckte noch einmal, dann löste sich die Gestalt in Rauch und Nebel auf. Es folgte eine beängstigende Stille.
Suchend blickte ich mich um, sah die offene Steinschatulle unter der halb zerbrochenen Figur der heiligen Veronika. Einige Kristalle waren aus dem Behältnis gefallen. Ich sammelte sie mechanisch ein. Aus den Augenwinkeln sah ich, wie Armand zu der Stelle ging, wo der Sapyrion zusammengebrochen war. Er kniete sich hin und untersuchte den dunkelroten Fleck, der das Ableben unseres Gegners markierte. All das nahm ich nur verschwommen wahr. Mein Blick war fest auf die schimmernden Kristalle in meiner Handfläche gerichtet. Die Macht, das Schicksal der Welt zu beeinflussen. Meine Hand zitterte, die Tränen schienen zu leben, sie bewegten sich, funkelten in allen Farben, ich konnte sie flüstern hören: „Wage es, wage es, das Schicksal liegt in deiner Hand.“
Ich hatte nicht bemerkt, dass Armand schon wieder zu mir getreten war. Mit seiner linken Hand umfasste er sanft mein Handgelenk. Mit der anderen schloss er meine Finger über den Kristalltränen.
„N´y pense même pas Mel. Denk nicht einmal daran. Leg sie zurück und lass uns die Schatulle zu Franklin bringen, ehe die gestreiften Ameisen hier wieder auftauchen. In den Händen der Ashera werden die Tränen sicherer sein und keinen Schaden mehr anrichten