Short Story

Kurzgeschichten mit Links

Überweisung

Von Nismion am 10. August 2009 veröffentlicht

Überweisung

Ich öffnete die Tür. Ging nach links, zum ersten Terminal. Das einzige hier, so wie es aussieht. Ansonsten gab es hier nur noch zwei Automaten zum Geld abheben. Vor einem stand ein Mann. Er guckte gespannt auf den Monitor. Drückte eine Taste. Eine Schweissperle rann ihm die Stirn herunter. Er wischte sie weg. Es war eigentlich nicht zu warm hier. “Vielleicht hatte er nicht genug Geld für diesen Monat? Zwei Wochen waren noch zu überstehen. Er bangte sicher darum, wie er die nächsten Wochen aushalten sollte. Zu Hause wartete bestimmt seine Frau, vielleicht mit zwei Kindern?

Hatte sie ihn hierher geschickt? Wie würde sie reagieren, wenn er ohne Euros oder mit zu wenig zurückkam? Ich konnte mir das Theater, die Vorhaltungen gut vorstellen. Da schien der Geldautomat sein einziger Rettungsanker, das Ziel seiner Hoffnung zu sein.”

Der Automat spuckte die Karte aus. Der Mann nahm sie, verließ den Vorraum und ging zu den Schaltern.

Jetzt bat er um Vorschuss. Ich konnte meine Schadenfreude nicht verbergen. Ich musste böse grinsen.

In meiner Vorstellung war der Mann gefangen in einem Los, aus dem es ihm nicht gelingen konnte, unbeschadet herauszukommen. Außer, die Bankangestellte zeigte Nachsicht. Aber ich wünschte mir, dass dem nicht so sei. Ich hatte ihm ein Schicksal zugespielt, aus dem er nicht mehr herauskommen sollte.

Ich hätte ihn noch gerne weiter beobachtet. Aber deswegen war ich nicht hier. Ich kramte den Überweisungsauftrag aus meiner Tasche, steckte meine Karte ins Terminal.

Ich hatte gut geplant diesen Monat. Es musste dicke reichen. Ende des Monats würde ich mich belohnen. Das hatte ich mir selber versprochen. Ich freute mich drauf. Was es sein sollte, wusste ich noch nicht. Aber was besonderes. So viel war klar.

Ich ging im Menü auf Überweisung, gab die erforderlichen Daten ein.

“Einen Beleg ausdrucken?” “Nein.”

Dann wählte ich Kontostand abfragen.

Und als ich es sah traf mich der Schlag.

Dort stand eine riesige Summe.

Ich hatte geplant, gut sogar, aber vermehren konnte ich es noch nicht.

Ich ging auf Kontobewegungen, guckte da.

Eine riesige Summe war mir überwiesen worden.

5 Millionen Euro.

Ich konnte es nicht glauben. Ich druckte es mir aus. Das musste ich schwarz auf weiss haben. Als ich den Ausdruck betrachtete, war ich in meiner Vorstellung schon reich. In meinem eigenem Haus, ein Flitzer davor, vielleicht ein Porsche?

Und arbeiten müsste ich auch erstmal nicht. Ein unbeschreibliches Gefühl. Alle Träume zum Greifen nah. Aber leider nagte die Wirklichkeit, mein Verstand an mir.

Es klopfte an. Erst noch leiser und dann kam auch noch mein Gewissen dazu. Echt nervig.

Ich versuchte es bei Seite zu schieben, aber es funktionierte nicht. Und so musste ich die Träumerei unterbrechen.

Ich spielte kein Lotto, hatte nichts gewonnen. Leider.

Also konnte es nur ein Fehler sein. Und der würde schnell bereinigt werden. Es würde auffallen, so oder so.

Ich konnte es auch selber tun. Ich konnte mit einem guten Gefühl aus der Sache herauskommen. Ich ging zum Schalter.

Ich hasste meine Ehrlichkeit. Ein Anderer hätte bestimmt versucht, das Geld irgendwie abzuheben. Es überwiesen? An eine andere Kontonummer? Die meiner Schwester?

Sollten die es zurückbuchen, wäre mein Konto 5 Millionen im minus. Wahrscheinlich, sehr wahrscheinlich sogar, würde es gesperrt werden. Aber vielleicht kam ich vorher an das Geld ran? Und wozu brauchte ich dann ein Konto? Es gäbe bestimmt eine Möglichkeit. Auf irgendeine Weise, vielleicht nicht legal, aber was sollte es. Keiner würde es sehen. Aber ich wusste es. Und bei diesen Gedanken bekam ich schon ein schlechtes Gewissen. Ich war echt zu gut erzogen. Aber ich wusste, dass ich das richtige tat, als ich am Schalter wartete.

Dort stand immer noch der Mann von eben. Er diskutierte mit der Angestellten.

Mitlerweile schwitzte er richtig. Sein Gesicht war von Feuchtigkeit bedeckt. Mit dem Hemdärmel wischte er es weg.

Und langsam bekam ich mit, was ihn beschäftigte.

Die ganze Bank anscheinend auch, denn alle guckten her, als er lauter wurde.

Er hatte wohl einen Auftrag, den er abwickeln musste. In spätestens einer Stunde müsste es gelaufen sein, sonst wären die Vertragspartner weg, wieder auf dem Weg ins Ausland.

Und er konnte das nicht unter Dach und Fach bringen, wenn das Geld nicht kam. Er wartete wohl seit einer Woche da drauf.

Aber es tat sich nichts. Seine Firma hatte das Geld überwiesen und so konnte es nur an der Bank liegen.

Als die Bankangestellte sagte, sie gucke noch einmal im Computer, vielleicht sei ein Fehler unterlaufen, explodierte der Mann.

“Wie zur Hölle können fünf Millionen Euro verschwinden? Ein paar Cent, ein Euro vielleicht, aber keine fünf Millionen. Wie schlampig wird hier gearbeitet? Das kann ich echt nicht glauben, beim besten Willen nicht. Ein Drecksladen ist das.”

Da wusste ich wovon er sprach. Ich ging nach vorne.

“Entschuldigen sie.” “Was,” funkelte er mich an, bereit auch an mir seine Wut rauszulassen.

“Jetzt aber mal ganz ruhig, Tiger. Ich weiss wo ihr Geld ist, denke ich, “ sagte ich und reichte der Angestellten den Ausdruck.

Sie blickte drauf und sah mich danach erleichtert an. Ein junges Ding. Müsste aber mein Alter sein. Sicher etwas überfordert mit der Situation.

“Fehler können passieren, kein Grund so ein Theater zu machen. Und sie kann bestimmt nichts dafür.”

Dankbarkeit blitzte aus ihren Augen zu mir herüber, als sie am Computer arbeitete.

Der Mann sagte nichts, stierte nur die junge Frau an. “Ja, es ist gelaufen,” verkündete sie nach ein paar Minuten. Da beruhigte er sich anscheinend, er gab ihr den Überweisungsbeleg und bekam sogar ein “Danke” zustande.

 

Ich hätte das Geld nehmen können, sicher. Aber das wäre nicht ich gewesen. Ich hätte es nicht mit mir vereinbaren können. Die Geschichte habe ich später noch oft erzählt. Unzählige Male.

Zu jedem meinem Hochzeitstag kramte ich sie aus. Mitlerweile sind es schon sechs geworden.

Ich hätte damals alles kaufen können. Aber bekommen habe ich ohne es, viel mehr.

Etwas was nicht aufzuwiegen ist, meinen Schatz. Sie ist mittlerweile im dritten Monat schwanger. Und wäre das nicht alles passiert, hätte sie mir nie ihre Nummer gegeben, meine kleine Bankangestellte.

Der Kontoauszug steht eingerahmt bei den Hochzeitsfotos. Oft gucke ich ihn mir an und erinnere mich. Und jedes Mal erwärmt es mein Herz.

Sie kommt aus der Küche, mit ihrem schon dickeren Bauch. “Schatz, bist Du schon zu Hause?” Sie sieht mich vor dem Regal, sieht, was ich angucke und muss lächeln.

“Ich liebe Dich,” sagt sie.

 

Nismion

Blauer Fisch

Von caspar4000 am 24. Februar 2009 veröffentlicht

Blauer Fisch

Ich gehe ja selten aus dem Haus.Höchstens mal für ein paar Besorgungen.Man muß essen und trinken,sicher.Und das ist dann auch für mich ein Grund vor die Türe zugehen.Kalkweißer Himmel,winkende Nußbaumäste vor dem fenster,die mich manchmal locken,aber auf funierte Straßen hinaus und die Reibung an den Schuhsohlen?Das hält mich schon ab.Ameisenmenschen huschen strebsam am Fleckenglas vorbei und drohen mit Fleiß.Sie bauen am Hügel mit und brauchen Unterstützung.Nur ich brauche Einsamkeit.Wenn alles schön schummerig ist,Miles Davis im Radio,die warmen Wollhausschue an den Füßen,das Summen von Evas Leierkasten,auf dem die morgendliche Meditationsmusik heult.Es gibt schon Gründe zur Einsiedelei.

Doch es gibt halt auch Gründe hinaus zu gehen.Nun,ich schlüpfe in die Hosenbeine und hole den Mantel aus dem Schrank und greife zum Stock,ich bin altmodisch.Meine Kleidung gibt mir etwas Sittsames,das wahre Geblüt bleibt versteckt.Man kann doch leicht hinter´s Licht führen…

Draußen dann:jumm,jumm…lat.: von selbst bewegt.Genau,die unendlichen Linien der Großausgaben von Sikku und Matchbox.Autos.Überall liegen sie auf der Lauer oder verfolgen mich,um ihren Hunger zu stillen.Wonach sie gieren ist uneinsichtlich,weil sie kaum die Schnauze ausbekommen.Ich laufe davon und krieche in den nächsten Unterschlupf.Ein nach Tabak duftender laden mit Holzwänden,voller Zeitungspapiergeruch.Ich kaufe eine tageszeitung,nur zum Zeitvertreib und um die Blechkisten auf eine andere Fährte zu locken.Sie sind ja nicht besonders schlau,nachts blind und taub und wenn nicht die vielen Zoowärter das tägliche Mahl bringen würden,sie müßten wohl jämmerlich krepieren.ich klämme die Zeitung unter die Achsel und trete hinaus ins Chaos zurück.So.Ach!…

Schnell noch eine Tasse Kaffee bei Brinkmann an der Ecke und ein weiches Rosinenbrötchen dazu,dann geht es ab nach Hause.An Evas Hintern.

Die Hindenburgstraße ist mit Menschengepflastert und man zieht sich an unsichtbaren Stricken durch ein Nichts.Wenn ich nicht die Glatzenköpfe unten zählen würde,die Muster herausfinden und über grenzen springen könnte,träfe mich jeder Blick wie ein Excaliburstoß ins Herz.Ich wandle mitten unter ihnen,unerkannt und hungrig nach Rosinenbrötchen.

Bei Brinkmann ist ein Tisch am großen Fenster frei.Ich stürme energisch die Treppen hoch und reiße den Vorhang beiseite.Es ist kalt und die Tür wird durch Wollstoff verdeckt.Ich stehe mitten im Raum,alle Augenpaare sind auf mich gerichtete.Man ist ja neu,wird beschaut und gemustert.Erst nachdem ich sitze gehöre ich dazu,man nickt,grüßt auchmit lautlosen Worten,indem man die Lippen bewegt.Da geht erneut die Klingel an der Eingangstür und die Blicke wandern zeitgleich zumTonzeichen dorthin.Wieder ein Neuer.Der gast ist weiblich.Sie trägt einen graugrünen Mantel,einen etwas großen Federhut.Fasan.Mephistoschuhwerk,bequem und für Krampfaderbeine tauglich.Federnden Schrittes kommt sie in mein Revier und schwenkt den Wedel am Hut.Leise,sage ich mir,verscheuch´mir nicht das Wild.Hier auf meinem Hochsitz will ich ungestört bleiben.

“Ist noch ein Plätzchen frei?” fragt sie und zieht schon männerhaft an dr Stuhllehne.

“Nein!”,will ich sagen,”Ja,natürlich!”antworte ich.Man ist immer zu gut zu den Menschen.Die Tierfeder schaut mich mißbilligend an,erkennt wohl meine wahre gesinnung.Ich gehe halt selten hinaus und scheue den Kontakt.Ich ärgere mich über meine Inkonsequenz.Begucke das Tun der weiblichPerson und senke den Blick,um nur ja nicht ein Gespräch zu bekommen.

Sie hängt ihren häßlichen Mantel an dieGarderobe und stolziert zum Stuhl zurück,direkt vor mir.Ich bewege nur die Augäpfel und schaue sie an.Faltig,alt,einsam und irgendwie gehetzt wirkt sie.

“SchöneWetter,nicht wahr?” Sie lächelt und ich grinse zurück,nicke.Ach due liebermeinvater.Nicht das jetzt.Jede Konversation über das Wetter sollte besser gleich aufgegeben werden.Man ödet sich an und hofft auf ein paar nette Worte,aber bleibt traurig mit seinen meteorologischen Kenntnissen allein.Ich sage es ja:Einsiedelei.Eine Insel,Palmen und…Ich nicke also,aus Höflichkeit und mit Abstand.

“Ich komme oft hierher,aber sie traf ich noch nicht.”

Na,mein Glück,denke ich und schiebe den Stuhl nach hinten.Ich strecke die Beine in die Länge und greife zur Tasse.Der Kaffee ist die einzige Genugtuung für diese Zweisamkeit.Ich erniedrige mich und lächle.Jetzt schaue ich genauer auf sie.Was bleibt mir übrig?Zerknautschtes Gesicht,etwa fünfundsechzig Jahre oder älter.Immer dieser Milchblick.Verschlierte Augen und lippenloser Mund.Große Nasenlöcher,die vibrieren,wenn sie atmet.Lianenhals und altersbefleckt.Gehetzt.Sie unterbricht mein Schauen und meint:”

Ich bin ja jetzt Witwe.Mein Mann ist letztes Jahr gestorben,hatte Krebs.Ein Jahr habe ich ihn gepflegt,dann schlief er ein.Naja,er hatte große Schmerzen.Hinter dem Bett fand ich haufenweise Packungen von Schmerztabletten.Der muß sich totgeschluckt haben.”

Ich nicke,suche,bleibe stumm.

“Ach,wissen sie,ich will nicht aufdringlich sein,aber man hat ja niemanden mehr.Ich gehe jeden Tag hierher,um zu reden.Wenn ich sie störe,müssen sie das sagen.”

Ich nicke.Will etwas sagen und mache:jumm,jumm…

“Wir haben uns im Harz kennengelernt.Kennen sie den Harz?”fragte sie mich.Ich schüttele den Kopf,sage:”Ich war an den Sonntagen mit den Eltern dort,Okertalsperre,St.Andresberg und so…ich ging mit meinem Vater in Bächen umher und sammelte Kieselsteine.”

“Eine schöne Gegend,Und ruhig.Man lebt nur in der Natur richtig,stimmt´s?”

“Und in der Einsamkeit!” behapute ich.

“Ich war selten allein.Nun muß ich mich erst daran gewöhnen.”

“Eine Chance vielleicht mit sich ins Reine zu kommen.”

Ich beiße in mein Rosinenbrötchen,um die Antwort hinaus zu zögern,weil ich weiß,dass sie mich nicht versteht.

“Im Harz haben wir viele Monate verbracht.Wir hatten eine Hütte dort,mit kleinem See zum Angeln,für meinen Mann,Rosenbüsche,alles ohne Strom.”

Sie knabberte an ihrem Tortenstück und schlürfte dazu Tee.Ich wippte mit dem Fuß und besah mir die Ruhe meiner Kaffeetasse.Ruhe,die jetzt auch auf die Dame übersprang,sobald sie zu reden anfangen durfte.Alle Nervosität ging dahin wie ein sich lösender Krampf in der Wade.Na schön,sie lernt laufen.

“Es war Sommer und wir lagen in der Sonne,kannten uns mal ein halbes Jahr,da machte er mir den Antrag und ich willigte ein.Und soll ich ihnen was sagen?”Sie wurde unruhiger wieder,Gebissklappernd spie sie kleine Bröckchen aus und redete sich in Wallung.Ich nickt nur.Ich brauchte nichts anderes zu tun,als zuhören.

“Nachdem er mich gefragt hatte,hielten wir uns in den Armen und sahen zum Himmel hinauf.ich stubste ihn leicht an und fragte,ob er auch das sehe,was ich sehe und er nickte.Wir waren fassungslos.Dort oben am Himmel flog ein Blauer Fisch.Der Fisch begleitete uns ein Leben lang.Unsere Ehe stand unter einem guten Stern oder Fisch…” Sie kicherte und verlor fast ihre Zähne.Dann räusperte sie sich und kramte ein Taschtuch hervor,spuckte das lose,gelbe Lungenzeugs hinein und knüddelte das Tuch zusammen,um es in die Tasche zu stopfen.Wahrscheinlich Raucherin oder die Bronchien,dachte ich.

Ich bedankte mich für das Gespräch,was sie sehr erfreute und sie sagte:”Die jungen Leute haben ja keine Zeit mehr.Alle hetzen irgendwo hin.Meine Kinder leben im Ausland und ich sehe sie mal zu Weihnachten.Aber ich halte sie auf,entschuldigen sie!”

Ich machte einen Diener,hatte eine gute Tat hinter mir und rannte eilends nach hause.Das Rudel war mir auf den Fersen,heulte und umkreiste mich,aber heute würden sie mich nicht kriegen.Jumm,jumm…jumm,jumm,machten die Autos und ich flog n ihnen vorbei.

Fliegender,blauer Fisch?

Mit dem Alter lernt man laufen…und zu plappern…

Juli

Von megaphon am 28. Januar 2009 veröffentlicht

Wenn das schallende Piepsen meines Funkweckers sich in meinen Traum einmischt, träume ich, dass das Piepsen der Traum ist und der Rest die Realität, einer der schönen Träume, die ich immer wieder habe. Tragischerweise ist es jeden Morgen gerade andersrum. Dieser furchtbare Ton und die digitale Anzeige mit der unheilvollen Aufschrift 6:49 reißen mich aus einer viel subtileren und angenehmeren Welt, aus meiner eigenen.

Mitten im Juli in einer deutschen Metropole, die Menschen sind auf der Straße. Die Hitze wird später in jeder Bewegung pulsieren, die ich mache, die Schnelligkeit der Erde wird heruntergedreht, doch so früh ist die Luft angenehm warm und frisch.
Im Sommer finde ich mich schön. Meine blonden Haare sehen sommerblond aus, meine weiße Haut sommerweiß und meine dunklen Augen sind sommerdunkel. Dann lauf ich durch die Straßen, wann immer ich kann, ohne jedes Ziel.

Die Zeit, in der Studieren als gemütliche Lebensphase galt, ist leider vorbei. Als Studentin muss ich nebenher arbeiten, um überhaupt meine Gebühren bezahlen zu können. Ich bin von morgens bis abends unterwegs, hab keine Zeit für mich, das find ich schrecklich.
Nächsten Monat habe ich frei. Ich weiß, wie mein Tagesablauf sein wird. Ich werde am frühen Nachmittag aufstehen, duschen, mich anziehen. Auf die Straße gehen und in irgendeinem Straßencafé einige Freunde zufällig treffen. Mit denen esse ich was und kiff ein bisschen und wir lassen gemeinsam die Zeit an uns vorbeirauschen. Vielleicht sitzen wir da bis spät in die Nacht, vielleicht gehen wir baden im Fluss, vielleicht ziehen wir abends noch los, vielleicht treffe ich einen Typen, vielleicht nicht – scheißegal. Ich gebe alle Kontrolle ab und lasse mein Leben vor sich hinwuchern. Ich lebe meine eigene Welt in der von uns allen. Das ist mein Traum, der von keinem Funkwecker dieser Welt zerhackt werden wird.