Short Story

Kurzgeschichten mit Links

Von des Teufels List

Von AdrianeFranz am 20. Oktober 2011 veröffentlicht

Der Herr sei gepriese, jubelte es in ihm. Er war extra nach Tirol gefahren, um den berühmten amerikenischen Evangelisten zu hören. Für eine Woche tauchte er ein in den Heiligen Geist, der sein Werk offenbaren wollte in Heilungen und massenhaften, neuen Bekehrungen. Der Evangelist hatte schon tausende weltweit bewegt, in ganzen Gruppen fielen sie beim heftigen Bewegen seiner Arme nach hinten um und fingen an zu weinen, weil Gott ihre Herzen berührte. Und waren nicht Krüppel aus ihren Rollstühlen aufgestanden oder hatten ihre Krücken weggeworfen? Hatten nicht etliche wieder sehen können oder hören?

Der mitgebrachte Chor versetzte die grosse Halle in wohlige Stimmung. Ein grosser Projektor zeigte die einzelnen Strophen an einer grossen, weissen Wand, die alle vorn sehen konnten Unglaublich bewegend auch die Predigt des Evangelisten. Der Teufel brüllt wie ein Löwe, auf dass er etliche verschlinge, und das besonders heute, drang es tief in die Köpfe ein, und lauter Beifall erfüllte die Halle und ein vielstimmiges und buntes Halleluja. Ja, Christus hat den Teufel besiegt durch sein Blut am Kreuz, aber, so der Evangelist, seid auf der Hut, der Böse liege in den letzten Zügen und sei heute besonders aggressiv, hungrig und bösartig.

Voller Freude erfüllt, machte er sich auf, zurüch in sein Hotel. Auf dem Weg nach oben wollte er des Teufels List überprüfen und fand zu seiner Überraschung, dass es die Zimmernummer 13 im Hotel nicht gab. Wusste ich es doch, sprach er zu sich selbst und fuhr auf zum letzten Gang. Und er fing an zu überlegen:

Hm, 265 Zimmer hat das Tirol Hotel, und 85 Busse fahren für bei Wien Städtereisen. 10 Finger sind an meinen Händen und 10 Zehen an meinen Füssen. Und Satan hat 5 Buchstaben. Herr, hilf mir! Alle Zahlen haben mit 5 zu tun! Der Teufel ist hier, der brüllende Löwe hat mich in diese Herberge gelockt!

Und aus lauter Unwohlsein zog er aus am nächsten Tag und erachtete es als Gottes Werk, in einer kleinen Pension unterzukommen und so gerettet zu werden von der List des Teufels. So rettet Jesus offensichtlich auch in letzter Minute, war er überzeugt. Die 5 ist überall zu finden, und er hatte es sehen dürfen! Und erst die schreckliche 13!

Drei Jahre später hat er seinen Verstand wiedergefunden, und der Evangelist war offenbar geworden als Steuerhinterzieher und sexsüchtiger Bordellbesucher. Offensichtlich war des Teufels List so richtig nach hinten losgegangen.

Philosophie in den Bergen

Von AdrianeFranz am 20. Oktober 2011 veröffentlicht

Hermann war alt geworden. Letztes Jahr hatte er die siebzig überschritten und mit seiner Familie und Freunden eine schöne Feier gahabt.
Nie hätte er gedacht, dass sein Leben so schnell vorbeiziehen würde, während es Spuren auf und in ihm eingegraben hatte.
Er stsnd immer in vorderer Reihe. Beliebt war er gewesen, weil er fleissig und pünktlich war und sich selbst am allerwenigsten schonte. Ja, sie liebten ihn alle. Nur seine Kinder – drei an der Zahl – hatten Schwierigkeiten mit ihm, weil sie anders tickten als er. Und mit den Jahren waren sie alle geschieden. Das hat Hermann nie verstehen können.
Hermann hatte eine Schwester, mit der er nie recht warm wurde. Sie litt an Depressionen und zeigte ihre Seele. Hermann wollte immer hart und standhaft erscheinen.
Im achtundzwanzigsten Jahr seiner Ehe verstarb sien Frau an Krebs, und Hermann regelte tapfer seine Pflichten.
Drei Jahre später ging seine Mutter, dann sein Vater, zuletzt die Schwester. Zu der Zeit hatte er eine Freundin gefunden, die ihm gut tat. Sie las und forderte ihn heraus. Und seine Kinder lebten zerstreut und wunderten sich über solch einen Vater. Nicht aus Zorn, aber aus Traurigkeit, weil er so unglücklich – geradlinig war und kaum Gefühle zugab.
Tirol Hotel bei Wien Städtereisen, las Hermann eines Tages am Fenster eines Reisebüros und beschloss die Reise. In den Bergen traf er einen Philosophen.
Hermann fragte ihn, was Ewigkeit sei. Da habe der Philosoph ein wenig geschwiegen und dann gesagt:
Siehst du die Berge vor dir? Einmal in hundert Jahren kommt ein Vogel und reibt seinen Schnabel an einem der Felsen. Nun hör gut zu. Dann, wenn die ganzen Alpen durch dieses Reiben verschwunden sein werden, dann ist die erste Sekunde der Ewigkeit vorbei!
Und Hermann hat nachdenklich zum Horizont geblickt und diese Geschichte nie mehr vergessen. Wir sind so klein, hatte er noch gemurmelt.

Die verwunderte Kneipenrunde

Von AdrianeFranz am 22. August 2011 veröffentlicht

Einmal in der Woche treffen sie sich in der Kneipe und treten ein in die grosse Arena des Weltgeschehens. Von Fussball bis Politik und allerlei Ereignissen erörtern sie zum Teil erhitzt die Lage und finden die Freiheit, mit nichts zurück zu halten.
Einmal erzählte ein passionierter Angler die Geschichte vom grossen Fang seines Lebens. Sooo gross sei sein Fang gewesen, sagte er und streckte seine Arme weit aus. Die Zuhörer wollten ihm so recht nicht glauben, weil er, ihrer Meinung nach, immer so masslos übertreiben würde.
Also hielten sie ihn fest und banden einen Strick um seine Armgelenke, damit der seine Arme nicht mehr ausstrecken konnte.
Den Angler jedoch konnte das nicht beeindrucken. Mit verbundenen Armen formte er mit beiden Händen einen grossen Kreis und meinte, der von ihm gefangene Fisch hätte sooo grosse Augen.
Ein anderes mal erzählte einer, er hätte an einem Wüstenrennen teilgenommen. Auf dem Weg sei er irgendwo in der Wüste auf einen Porsche mit einer halbverdursteten Frau gestossen. Die Frau läge nur mit Slip bekleidet neben dem Wagen und bat inständig um Wasser und Hilfe, wobei er haben könne, was er wollte.
Ja, sagte der, da habe ich nicht lange überlegt. Ich habe den Porsche genommen. Logisch, sagte da ein anderer Kneipenfreund, kann ich verstehen. Der Slip hätte dir sowieso nicht gepasst.
Nun, solch illusteres Geschehen verlieh einem anderen Mut zu seiner Geschichte. Er erzählte, er sei letztens in Australien gewesen, Ja, und da hätte er in einem Hotel Austria geschlafen, mitten in der Bergen, und es hätten da Indianer sogar eine Herberge mit dem für Australien seltsamen namen Tirol Hotel in Besitz.
Da verging der Kneipenrunde das Lachen. Solcherlei Witz, meinten sie, sei doch zu sehr an den Haaren herbei gezogen. Sie seien doch eine ernste Runde, nicht wahr?