Von Guanche am
3. Januar 2012 veröffentlicht
Marias Füße baumeln im kristallklaren Salzwasser, ihr Blick ist auf den blassblauen Horizont gerichtet. Nach der zweiten Woche ihres Teneriffaurlaubs ist ihre Haut braun gebrannt, das dünne weiße Leinenhemd, welches sie sich von Caspar geborgt hat, umspielt ihre Taille und flattert leicht in der sanften Brise. Neben ihr liegt ein zerfledderter Reiseführer mit dem Titel “Kanarische Inseln”, der bereits mehrfach notdürftig mit Klebeband zusammengeflickt wurde, wenige Meter entfernt sonnt sich eine große, grüne Eidechse.
Die Strandpromenade Candelarias ist um die Mittagszeit nahezu menschenleer, wie die meisten Strandpromenaden und Strände um diese Zeit, weshalb sich Maria auch sofort umdreht, als endlich Caspars Schritte auf den Steinplatten ertönen.

“Wo warst du denn? Ich warte schon seit einer halben Stunde!”, ruft sie ihm entgegen, während sie sich gleichzeitig mit einer gereizten Handbewegung eine kastanienbraune Haarsträhne aus der Stirn streicht.
Caspar schüttelt nur leicht den Kopf und beißt in einen Apfel. “Mietwagen abholen”, murmelt er und lässt sich neben Maria nieder. “Ja dann los! Wir haben nicht den ganzen Tag Zeit. Ich will heute noch am Pico del Teide ankommen!”.
Wenige Minuten später fahren die beiden in dem kleinen geliehenen VW-Polo Richtung Innenland. Caspar hat die Fenster heruntergelassen und sitzt summend am Steuer, Maria zitiert aus dem abgegriffenen Reiseführer:
“Die Guanchen waren die prähispanischen Ureinwohner der kanarischen Inseln. Sie begannen bereits 3000 vor Christus, das Gebiet der Kanaren zu bevölkern. Einige Legenden besagen, dass Gran Canaria einst das versunkene Reich Atlantis war, diese Theorien sind jedoch nicht nachgewiesen. Viel wahrscheinlicher handelte es sich bei den ersten Siedlern um Bewohner der Wüste Sahara, die mit ihren kleinen Binsenbooten auf die fruchtbare Inselgruppe übersetzten.
Die Hellhäutigkeit der Kanarier und archäologische Funde weisen darauf hin, das zu einem späteren Zeitpunkt auch aus Europa stammende Volksstämme auf die Inselgruppe der Kanaren übergesetzt haben. Geheimnisvolle Zeichen, die in Felsen und Höhlen geritzt wurden, zeugen heute noch von ihrer Geschichte.
Die meisten Ureinwohner lebten mit ihrer Familie in schattigen Berghöhlen und strohgedeckten Steinhäusern. Sie ernährten sich von Viehzucht und Ackerbau. Archäologische Funde, zeugen davon, dass sie Gefäße aus Ton und steinerne Messer fertigten, Möglichkeiten zur Waffenherstellung aus Metall waren ihnen jedoch unbekannt. Auf Teneriffa wurde zudem der sogenannte Banot, ein aus Holz gefertigter Wurfspeer verwendet. Als Schmuck dienten Muscheln, Knochen und Tonkugeln, Kleidung und Schuhe bestanden aus Tierfellen.”
„Ist ja spannend. Aber warum liest du mir das jetzt alles vor?“ Caspars schlanke Finger trommeln im Rhythmus seines Pfeifens auf dem schwarzen Lenkrad, mit der anderen Hand bedient er geschickt die Gangschaltung. „Ich finde das alles wahnsinnig aufregend“, erklärt Marie. “Seit ich diesen Reiseführer als kleines Kind auf den Flohmarkt bekommen habe, wollte ich schon immer mehr über die Sagen Teneriffas erfahren. Und jetzt wo wir endlich hier sind…” “Na dann bin ich ja mal gespannt”, lächelt Caspar und streicht Marie sanft über die Wange. “In einer halben Stunde sind wir da.”
Tatsächlich erreichen die beiden nach einer weiteren halben Stunde das Besucherzentrum des Nationalparks „Parque Nacional de las Cañadas del Teide”, El Portillo. Umgeben von grünen Wäldern erhebt sich hier der schneebedeckte Vulkan aus schroffem grauem Felsgestein. „El Pico del Teide – der schneebedeckte Gipfel“, flüstert Maria ehrfürchtig. „Die Angehörigen der Guanche nannten ihn auch ‚Echeyde‘.“
Mit warmen Fleecejacken und Sonnenbrillen im Gepäck steigen Maria und Caspar in die Seilbahn el Teleférico, die sie bis zur Spitze des 3550 Meter hohen Vulkanberges bringt. Unter ihnen erstreckt sich das schroffe, kaum bewachsene Kraterlandschaft, mit ihrem ganz eigenen rauen Charme. Lässt man den Blick schweifen, hat man eine herrliche Aussicht über die Landschaft Teneriffas und bei guter Sicht kann man sogar die Küste Afrikas erspähen.
Nach einem atemberaubenden Rundgang kehren Sie zurück zur Seilbahnplattform und wollen gerade in die nächste Gondel steigen, als Maria einen alten Mann erblickt, der bettelnd in der Ecke sitzt. Sein Gesicht ist tiefbraun vom Wetter gegerbt, seine Kleidung abgetragen und fadenscheinig, vor ihm liegt ein schlichter grauer Hut, der ein paar wenige Münzen enthält. Seine Augen sind von einem dichten Fältchennetz umgeben und wirken resigniert und müde. „Warte mal“, flüstert Maria Caspar zu. Seine Hand loslassend, eilt Sie zielstrebig auf den alten Mann zu und drückt ihm einen Geldschein in die Hand. „Wissen Sie etwas über die Legende der Guanche?“, fragt sie in gebrochenem Spanisch. Die Augen des Alten beginnen zu leuchten. Er lässt den Geldschein schnell in seiner Tasche verschwinden und leckt sich über die aufgesprungenen Lippen.
“¡Sí, sí, claro que si!”, verkündet er eifrig nickend und zieht Marie zu sich herab auf den staubigen Boden.
„Einst vor langer Zeit, als die Guanche noch auf der Insel lebten…“ hebt er mit raunender Stimme an „…bewohnte der grausame Dämon ‚Guayota‘ diesen Berg und rächte die schlechten Taten der Menschen mit Vulkanausbrüchen. Er versetzte den ganzen Stamm in Angst und Schrecken. Zusätzlich hielt er in seinem Vulkan, hier im Echeyde, den Sonnengott ‚Magec‘ gefangen, weshalb die Insel in Finsternis getaucht war. Die Ureinwohner hatten schreckliche Angst vor der Dunkelheit und flehten ihren höchsten Gott ‚Achamán‘ um Hilfe an. Schließlich erhörte dieser ihre Gebete und befreite Achamán aus den grausamen Fängen des Dämons Guayota. Er verjagte diesen von der Insel und verschloss den Vulkan mit einem Stopfen aus Zuckerbrot, dem Pan de Azúcar. Von da an ward der böse Dämon nicht mehr gesehen und das Guanchenvolk lebte in Ruhe und Frieden auf der Insel.“
Über seine Lippen huscht ein verstohlenes Lächeln. “Manche Stimmen behaupten, der Dämon sei zurückgekehrt und der Vulkan würde bald wieder ausbrechen. Die Menschen sind böse, es geschieht so viel Schlechtes auf der Welt.” Er packt Marias Arm und flüstert: “Nehmen Sie sich in Acht señorita, nehmen Sie sich in Acht.” Sein warmer Atem riecht stark nach Tabak und er krallt seine gelblichen Fingernägel in Marias Arm: “Die Welt ist ein gefährlicher Ort, ein gefährlicher Ort…”
Unangenehm berührt von seiner Eindringlichkeit macht Maria sich los und drückt dem Alten noch einen Geldschein in die Hand. “Gracias señor! Muchas gracias!”, ruft sie hastig und läuft mit schnellen Schritten zu der Gondel wo Caspar bereits auf sie wartet. Nach der düsteren Botschaft des Alten erscheint ihr der warme Sommertag plötzlich surreal, die vom Himmel brennende Sonne lässt sie schwindeln.
Vor ihren Augen dreht sich alles und als sie wieder erwacht, liegt sie auf den warmen Steinplatten der Strandpromenade. Neben ihr sonnt sich eine grüne Eidechse und Caspar steht breitbeinig über ihr und wedelt mit dem zerfledderten Reiseführer: “Wolltest du nicht sofort nach El Pico del Teide fahren? Ich habe den Mietwagen schon vor einen halben Stunde geholt!”
Von Valle Gran Rey am
19. Dezember 2011 veröffentlicht
Wie jedes Jahr zur Weihnachtszeit steht bei Familie Salvenmoser, der lang erwartete Winterurlaub an. Auch dieses Jahr soll es wieder nach Österreich zum Skigebiet Wilder Kaiser gehen. Dort befindet sich ein kleines, aber feines Bergdorf, das sich Ellmau nennt und schon seit Jahren das Haupturlaubsziel der Familie Salvenmoser ist.
Einen Tag
vor Heilig Abend soll es nun soweit sein. Lilli, die Tochter der Salvenmosers ist mittlerweile sechzehn Jahre alt und hatte eigentlich besseres vor, als mit ihren Eltern gemeinsam in den Skiurlaub zu fahren. Viel lieber wäre sie mit Freundin Sarah nach New York geflogen, um dort mit einer riesigen Party ins neue Jahr zu feiern. Dabei hat sie allerdings nicht mit ihrem Vater gerechnet. Für Martin Salvenmoser ist es unverzichtbar, dass die ganze Familie an Weihnachten zusammen ist.
Völlig unmotiviert und mit schlechter Laune packt Lilli ihren Koffer ins Auto. Die gesamte Fahrt redet sie kein Wort mit ihrem Vater. Auch auf ihre Mutter Elisabeth ist sie nicht gut zu sprechen. Wenigstens von ihr hätte sie sich mehr Unterstützung erhofft, aber auch Elisabeth Salvenmoser hat es nicht geschafft ihren Mann umzustimmen.
In Ellmau angekommen wurden erst einmal die Hotelzimmer bezogen. Zum Glück hatte Lilli ein Einzelzimmer und konnte zumindest in der Nacht ihre Privatsphäre genießen. Gleich in der ersten Nacht, nahm sie ihr Handy zur Hand und rief Freundin Sarah an und klagte ihr ihr Leid. Lilli hatte keinen blassen Schimmer, wie sie diese verflixten zehn Tage in diesem Dorf überstehen sollte….
Der erste Tag war angebrochen und Lilli saß gemeinsam mit ihren Eltern am Frühstückstisch. Draußen schneite es und Ellmau verwandelte sich nach und nach in das reinste Winterparadies. Ganz leise schneite es vor sich hin und Lilli wollte am liebsten den Tag auf ihrem Zimmer verbringen. Martin Salvenmoser dagegen hatte etwas Besseres vor und schlug vor, mit der Familie eine Winterwanderung zu unternehmen. Elisabeth Salvenmoser fand das eine super Idee und so musste eben auch Lilli mit.
Wohl oder übel fügte sich Lilli, zog ihre Schneehose, ihre Moonboots, Schal, Mütze und Handschuhe an und los konnte es gehen. Der Weg ging um den Hintersteiner See. Martin Salvenmoser war der Meinung, dass sich der Rundgang um maximal eine Stunde handeln sollte. Für Lilli dauerte es allerdings schon geschätzte drei Stunden und ein Ende war noch lange nicht in Sicht. Im Gegenteil: Es schneite immer heftiger und man sah beinahe die Hand vor seinen Augen nicht mehr. Noch dazu fegte mittlerweile ein eisiger Wind, der Lilli die Schneeflocken nur so ins Gesicht blies. Das schlimmste war jedoch, das weit und breit kein Mensch außer ihrem Vater und ihrer Mutter zu sehen war.
Es sollte noch schlimmer kommen, als Lilli auf der Wandertour plötzlich ihren menschlichen Bedürfnissen nachgehen musste. Da keine Toilette zu sehen war, blieb ihr nichts anderes übrig, als in den Wald zu gehen. Langsam und vorsichtig tastete sie sich von Baum zu Baum und fand irgendwann das passende Plätzchen. Als sie das so saß, entdeckte sie hinter einem Baum einen kleinen Hundewelpen, der vor lauter Kälte zitterte. Sie nahm ihn zu sich, unter ihre Daunenjacke, um ihn zu wärmen und suchte links und recht nach seinem Herrchen ab. Jedoch konnte Lilli niemanden finden. Auch ihre Rufe wurden nicht erwidert. Also entschied sie sich, den kleinen Welpen erst einmal mitzunehmen. Hätte sie das nicht getan, wäre er sicherlich innerhalb kürzester Zeit im Wald erfroren.
Lillis Vater war über ihr Mitbringsel nicht begeistert. Er fragte sie, wie sie sich das vorstellen würde. Im Hotel seien keine Hunde erlaubt und ihn einfach einzuschmuggeln erlaubte er auch nicht. Martin Salvenmoser schlug vor, den Hund auf dem nächsten Bauernhof abzugeben. Lilli schossen die Tränen in die Augen, denn sie konnte nicht verstehen, dass ihr Vater so herzlos gegenüber diesem kleinen Welpen sein konnte. Auch Elisabeth Salvenmoser konnte sich das nicht länger mit ansehen. Sie erlaubte Lilli, den Welpen vorerst, auch ohne Einwilligung des Hotels, mit auf ihr Zimmer zu nehmen. Lilli strahlte über beide Ohren, während ihre Eltern einen heftigen Streit wegen dieser Sache hatten.
Von diesem Tag an, war für Lilli der Urlaub gerettet. Täglich ging sie mehrmals mit dem Kleinen raus, damit er sein Geschäft erledigen konnte. Hier in der schönen Umgebung Tirols konnte Sie Ihren Urlaub mit Hund so richtig genießen. Insgeheim hoffte sie, dass niemand den kleinen Mann vermissen würde, denn dann würde sie ihn selbstverständlich mit nach Hause nehmen. Diese Rechnung hatte sie jedoch ohne ihren Vater gemacht. Martin Salvenmoser bestand darauf, dass sie sein Herrchen ausfindig machen sollte oder ihn an jemanden abgeben würde, der gut für ihn sorgen kann. Lilli wurde ein weiteres Mal von ihrem Vater enttäuscht.
Es war Samstagabend, als Lilli ihre Mutter bat, abends auf den Kleinen aufzupassen. Inzwischen waren drei Tage vergangen und niemand hatte sich gemeldet, dass er einen Hundewelpen vermissen würde. An diesem Abend wollte Lilli mit einigen Mädchen, die sie im Hotel kennen lernte, auf eine Party gehen. Die Party fand in einer kleinen, beschaulichen Kneipe statt. Die Kneipe war mit vielen Kerzen, romantisch aufgemacht und Lilli fühlte sich gleich pudelwohl. Es war ein lustiger Abend. Sie unterhielt sich über Gott und die Welt mit ihren Mädels und merkte dabei gar nicht, wie die Stunden vergingen. Immer wieder fiel ihr dabei ein Junge auf, der auch mit ein paar Freunden unterwegs war und eine ziemlich traurige Miene machte.
Lilli ging auf ihn zu und fragte ihn nach seinem Namen und weshalb er denn so traurig sei. Er sagte er hieße Mario und sein Hund sei vor drei Tagen weggelaufen. Des Weiteren glaubte er nicht mehr daran, dass dieser noch leben würde, bei diesem harten Winter. Lilli konnte nicht glauben, was sie da zu hören bekam. Sie erzählte Mario davon, dass sie seinen Hund am See gefunden hatte und er bei ihrer Mutter, im warmen Hotelzimmer lag. Mario war überglücklich und umarmte Lilli.
Von diesem Tag an waren Lilli und Mario unzertrennlich. Sie verbrachten den gesamten Urlaub gemeinsam und verliebten sich unsterblich ineinander. Für Lilli war der kleine Welpe ein Zeichen. Ein Zeichen dafür, dass es einen Sinn haben sollte, in diesem Urlaub dabei zu sein. Der Sinn war es, in diesem Bergdorf die ganz große Liebe zu finden.
Von Tina Wagner am
18. Januar 2011 veröffentlicht
m letzten Jahr habe ich das erste Mal Urlaub auf einer Nordseeinsel gemacht und meine Leidenschaft fürs Kitesurfen entdeckt. Wer nach meiner verrückten Geschichte feststellt, dass das auch mal eine Reise wert ist, sollte dringend vorher eine Unfallversicherung abschließen. Denn der Trip stellte sich als nicht ganz ungefährlich heraus.
Bereist die Anreise gestaltete sich abenteuerlich. Meine Freundin und ich sind, natürlich wie immer, erst so spät angereist, dass nur noch eine Fähre vom Festland auf die Insel übersetzt hat. Das bedeutete, eine Hinfahrt ohne Rückfahrschein. Diese Tatsache allein hätte uns auch nicht weiter beunruhigt, wenn wir bereist eine Unterkunft gebucht hätten. Da wir aber beide immer besonders spontan sein wollen, wollten wir uns auch dieses Mal überraschen lassen. Am Bestimmungsort angekommen, hatte sodann auch nicht einmal mehr die Kurverwaltung geöffnet. Zufällig trafen wir ein paar Einheimische, die uns ungläubig ansahen als wir ihnen mitteilten, dass wir auf der Suche nach einer Unterkunft seien. Dazu muss man wissen, es waren gerade Schulferien und die Ferienwohnung, Hotels und sonstige Möglichkeiten restlos ausgelastet. Glücklicherweise nahmen sie uns mit zu sich nach Hause, um von dort das örtlich Telefonbuch abzutelefonieren und so doch noch eine Übernachtungsmöglichkeit finden zu können. Es ergab sich tatsächlich noch eine Möglichkeit, die uns beiden aber einen gehörigen Schrecken einjagte. Ein Hotel auf der Insel hatte noch eine Suite frei, die uns allerdings unser gesamtes Reisegeld von 350 Euro gekostet hätte. Als Studentinnen war es uns beim besten Willen nicht möglich dieses Angebot anzunehmen. Entschlossen, die netten Leute nicht länger zu belästigen, begaben wir uns auf eigene Faust auf die Suche. Allerdings war die Insel nicht besonders groß und es wurde bereits dunkel, zusätzlich regnete es auch noch in Strömen, sodass wir in eine Tanzbar einkehrten und uns dort mit einem Grog aufwärmten. Es blieb dann auch nicht bei einem Grog, sondern die Anzahl der Getränke mehrte sich. Als ich am nächsten Tag erwachte befand ich mich noch immer in besagter Tanzbar, allerdings zugedeckt auf einer Bank. Nachdem wir uns bei einem Frühstück gestärkt hatten, machten wir uns auf den Weg zur inzwischen geöffneten Kurverwaltung, die uns dann tatsächlich auch noch eine Ferienwohnung vermitteln konnte.
Nachdem wir dort angekommen waren, ausgepackt und geduscht hatten, wollten wir uns auch sogleich unserem neuen Hobby widmen, dem Kitesurfen. Das stelle sich Anfangs recht schwierig dar, da die Lenkseile heillos durcheinander waren und wir fürs Entwirren bereits einen halben Tag benötigte. Nachdem dies getan und der Drachen aufgebaut war, war es dann wiederum schwierig ihn die Luft zu bekommen. Aber ich habe es geschafft: Im ersten Moment befand ich mich in einem Hoch der Gefühle, welches dann fast augenblicklich in pures Entsetzen umschlug. So muss man wissen, dass die Windstärken auf einer Nordseeinsel schon enorm werden können, dies hatte ich etwas unterschätzt. Jedenfalls riss mich der Drachen vom Boden hoch und flog mit mir Richtung Meer. Ehrlich gesagt, weiß ich nicht mehr, wie ich wieder den Boden unter meinen Füßen erreichte, jedenfalls war der Aufprall recht heftig, sodass ich mir sofort den Knöchel verstauchte. Der Schmerz war schon enorm aber sobald ich Wochen später wieder genesen war, habe ich mein Training wieder aufgenommen.
Tina Wagner
Von Artikelpro am
11. Oktober 2010 veröffentlicht
Kurz entschlossen hatten wir uns, meine Frau und ich, für einen Kurztrip nach Wernigerode entschieden. Die Stadt die am Nordrand des Harzes liegt. Sie wird auch die “Bunte Stadt am Harz” genannt. Schon bei der Anreise konnten wir das auf einem Hügel liegende neugotische Wernigeröder Schloss, dass erhaben über der Stadt thront, bewundern.
Im Stadtkern faszinierte uns vom ersten Augenblick an, die Vielfalt der prachtvollen Fachwerkhäuser, die sicher auf alle Besucher einen besonderen Reiz ausüben. Aus dem umfangreichen Übernachtungsangebot hatten wir uns für das KW Hotel Wernigerode entschieden.
Für unseren ersten Rundgang hatten wir uns für das Gelände, auf dem 2006 die Landesgartenschau stattfand, entschieden. Hier ist der Wernigeröder Bürgerpark entstanden. Im Jahr 2009 wurde hier der “Kleine Harz” eröffnet. Sehenswerte Gebäude, Kirchen und sonstige Bauwerke aus dem gesamten Harz sind hier im Maßstab 1:25 nachgebildet worden.
Im Umfeld des Kongresszentrums beginnt der Planetenweg, hier wird dem interessierten Gast unser Planetensystem leicht und verständlich dargestellt. Ein lohnenswertes Ziel liegt am Ende dieses Erlebnispfades, das Harzplanetarium. Astronomieinteressierte Besucher werden begeistert sein. Ein besonderes Erlebnis für uns war die Fahrt mit der Harzer Schmalspurbahn zum Brocken.
Aus dem guten und reichhaltigen Restaurantangebot fanden wir täglich etwas Passendes für uns.
Unser Fazit: In Wernigerode findet, ob Einzelreisender oder Familien, jeder etwas für ihn passendes. Wir werden bestimmt wieder kommen.
Von ghostwriter am
27. September 2010 veröffentlicht
Vor eineinhalb Jahren habe ich mit vier Freunden einen wunderschönen Road Trip entlang der Ostküste der philippinischen Insel Mindanao gemacht. Unterwegs waren wir mit einem roten Jeep. Da die Ostküste von Mindanao alles andere als touristisch gut erschlossen ist, übernachteten wir meist in unseren mitgebrachten Zelten oder in offenen Bambushütten. So waren wir oft ein “gefundenes Fressen” für viele umherschwirrende philippinische Mücken. Den ganzen Beitrag lesen »
Von bigboy am
16. September 2010 veröffentlicht
Zwischen Kastilien-La Mancha und der Extremadura liegt Andalusien und lockte mich mit den rhythmischen Klängen des Flamenco, in andalusischen Hinterhöfen, charmanten spanischen Gärten und tanzenden Schönheiten, die mit ihrem langen rotschwarzen Kleidern ihre Reize betonen und einem nackten Rücken entzücken. War es einst das Klang der vielen Kulturen, der Flamenco und heute als spanische Musik weltweit bekannt, der sich in Spanien fand und mein Interesse weckte, mündete ich in einem billigen stummen Hotel, einer spartanisch-modernen Mainstream-Ausstattung ohne spanischen Flair. Die Zimmer waren klein, dunkel und stickig. Erwartete ich doch, dass in Sevilla das Klima heiß und trocken ist, drückte das Zimmer doch meine Stimmung. Es fühlte sich an wie Liebeskummer, ein Stechen im Körper wenn die Liebe nicht erwidert wird, wenn Wünsche und Hoffnungen nicht erfüllt werden. Noch am gleichen Abend der Ankunft versuchte ich mich nach dem langen Flug auf dem harten Bett des blaugelben Möbelausstatters zu entspannen und meine Gefühle über die Enttäuschung des ersten Eindrucks einzudämmen, als klappernde Kastagnetten meine Aufmerksamkeit weckten.
Als die akustische Gitarre anfing den Hinterhof des Hotels zu beschallen und eine schöne weibliche Stimme die die Gassen beschallte, zog es mich aus meinem Zimmer. Selbst durch die kleinsten Gänge, alten Treppenhäuser und hölzerne Türen geschmückt mit echten Rosen, schallte der Flamenco mir den Weg zu den Wurzeln des spanischen Lebens. Der Mentalität und des Traums, dem man sich hingibt, wenn spanische Gitarre ihre Töne durch die Luft schwingt und längst nicht nur im Gehör mündet, sondern die Eroberung des Herzen als Ziel halt. Mag es ein romantischer Moment gewesen sein, da ich nicht erwartet hätte dass eine Unterkunft in Sevilla dieser Qualität die historischen Türen mit echten Rosen beschmückt. Wohl war es der Duft der Rosen, der meine Nase erreichte und plötzlich mein Empfinden veränderte. Als die weibliche Stimme in mein Herz schallte, bestürmte mich ein Gefühl, das ich nicht beschreiben konnte. Einen Sangria wollte ich mir erst im Laufe des Abends gönnen, doch die Gitarrenklänge und der schnelle Takt der Kastagnetten lösten ein Gefühl der Euphorie aus, die Stimme der Flamencosängerin ein Gefühl der Verliebtheit und die Rosen eine Stimmung der Sorglosigkeit. Kurz in Gedanken verlaufen, öffnete ich die mit Rosen beschmückte Tür, um die spanischen Musiker auch mit meinen Augen zu sehen und was ich sah, war mein Nachttisch.
Doch das Gefühl der Leidenschaft und Begeisterung war nicht vergangen, so machte ich mich auf aus dem Zimmer in die Gassen Sevillas. Weit müsste ich nicht gehen, lange dürfte es nicht dauern, um eine spanische Flamencogruppe anzutreffen und meinen Traum wahr zu machen.
Von Lo-Com am
7. Mai 2010 veröffentlicht
Es ist sehr schwer zu beschreiben, weshalb Kenia auf so viele Menschen diese unglaubliche Faszination ausübt.
Die meisten Kenia-Reisenden sagen: Entweder man liebt Kenia und kommt immer wieder oder man hasst es.
Die erste Reise nach Kenia, wir wissen über dieses Land recht wenig. Wilde Tiere wie der Löwe, Gnu’s, Giraffen und Zebra’s kennen wir nur vom Fernsehen.
Beim Landeanflug auf Mombasa sieht man eine grüne Hügellandschaft, einen Fluss und kleinere Dörfer. Es regnet, sanfter Nieselregen. Die Stewardess teilt mit, dass die Außentemperatur am frühen Morgen 28° C beträgt und die Luftfeuchtigkeit sehr hoch ist. Regen und Hitze – kaum vorstellbar – kurz verschlägt es beim Aussteigen aus dem Flugzeug einem den Atem. Die Kleidung beginnt am Körper zu kleben –es riecht sehr intensiv nach nassem Gras, Blüten und Kerosin der Maschinen.
Zollkontrolle – der erste kenianische Stempel im Reisepass.
Die Fahrt zum Hotel führt vorbei an den Hütten der Kenianer durch Mombasa. Dort herrscht bereits geschäftiges Treiben, überall Afrikaner, die zur Arbeit eilen. Dann führt die Fahrt durch ein Villenviertel – traumhaft schöne Häuser in wundervollen Gärten mit Palmen und Bougainville in allen Farben.
Ankunft im Hotel – ein Willkommensdrink wird gereicht – frischer Saft, gekühlt, das Glas mit Blüten verziert. Bezug des Zimmers, Frühstück, Koffer auspacken. Man ist müde, fühlt sich schmutzig und ausgelaugt nach dem langen Flug. Und trotzdem, nach einer Dusche spürt man die Neugier in sich aufsteigen, man geht los, die Umgebung erkunden.
Wunderschön die Grünanlage der Hotels. Der Weg führt über Natursteinplatten hinunter zum Strand – überwältigend der Anblick vom Indischen Ozean. Diese Farben, alle Variationen von Blau und das fast an Schnee grenzende Weiß des feinkörnigen Sandstrandes. Dann das Grün der Palmen, die fast bis ans Meer reichen.
Abends ist man erstaunt, wie schnell es dunkel wird. Es gibt keine richtige Dämmerung, die Sonne versinkt sehr rasch am Horizont. Aber auch der Sonnenuntergang ist ein Traum. Je nach Jahreszeit in den Farben völlig unterschiedlich – von tiefem Rot bis zu sanftem Blau.
Nachts die unbekannten Geräusche – laut zirpende Grillen, es raschelt im Gebüsch, die Palmblätter bewegen sich raschelnd im Wind, Nachtvögel rufen. Die Sterne scheinen näher und vielzähliger zu sein als in der schönsten Sternennacht im europäischen Sommer. Der Vollmond ist größer und nimmt in liegender Lage – umgekehrt als zuhause – zu. Fledermäuse fliegen lautlos umher.
Es entwickelt sich ein neues Bewusstsein für die Umgebung. Man beginnt eher auf die verschiedenen Geräusche zu hören, die Gerüche der Pflanzen, der Luft überhaupt scheint sich zu intensivieren. Die Sonne wird als wohltuender und wärmender empfunden, der Wind scheint sanfter zu wehen. Der Himmel ist blauer und niemals zuvor gesehene riesige, wunderschöne Wolkenformationen türmen sich am Horizont.
Dann die Safari. Wir sehen zum ersten Mal frei in der Natur lebende Löwen, Giraffen, Zebra’s, Gnu’s, Büffel – es scheint irreal und ist doch absolut überwältigend. Auch die grünen Weiten des Buschlandes – als ob dieses einen aufsaugt, man verliert sich – fühlt sich so unendlich frei – und erstaunlicherweise unsagbar geborgen.
Die Kenianer – man ist sich fremd, die andere Hautfarbe scheint eine Barrière aufzubauen. Wir werden anfangs gemustert, beobachtet und irgendwie auf Distanz gehalten. Doch dann kommt man ins Gespräch. Interessante Gespräche über das Leben, Gott und auch aktuelle Politik. Einladungen werden ausgesprochen, wir besuchen die Menschen in ihren Häusern. Sie leben ganz anders als wir, es entsteht der Eindruck ärmlicher. Nein, sie sind zufrieden mit dem, was sie haben – der Herr gibt und nimmt. Ist das nicht das, was sich jeder wünscht – das Leben bewusst zu leben?
Es ist, als ob man in Kenia endlich zur Ruhe kommt – das Eigentliche gefunden hat und dies, obwohl wir mit Laptop im Gepäck reisen um unseren
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Hydraulikzylinder auch vom Urlaub aus weiterführen können, d. h. trotz Arbeit finden wir zu innerer Ruhe und Ausgeglichenheit. Auch treffen wir oft bekannte Gesichter am Flughafen – alles Menschen, auf die Kenia eine tiefe Faszination ausübt – und die, wie wir, immer wieder dorthin zurück gehen –
in die zweite Heimat, nach Afrika, die Wiege der Menschheit.
All dies übt eben die Faszination Kenias aus.
Von giovannipo am
21. November 2008 veröffentlicht
Der junge Elefant Giacomo war glücklich: er lebte zufrieden in einem großen italienischen Wildpark, der ganz anders war als die üblichen Zoos. Die Gehege bestanden nicht aus eisernen Gitterstäben und asphaltiertem Boden, vielmehr war das Areal weitläufig und bot zahlreichen Tieren der Savannen und Wüsten Afrikas ein Zuhause. Hier war es möglich, sich in dem kilometerlangen Gebiet auszutoben, sich am Boden zu wälzen, in Lacken und Tümpeln herumzuplantschen und das Leben zu genießen.
Giacomo war nicht alleine hier, er war umgeben von seinen Freunden, den Zebras, Gnus, Antilopen und vielen anderen Lebewesen, die ihm Gesellschaft leisteten und ebenfalls hier wohnten. Er genoss den Kontakt zu den anderen Tieren, allen voran zu den Giraffen, mit denen er viel Zeit verbrachte. In der jungen Giraffe Pucci hat er einen guten Freund gefunden; die beiden waren unzertrennlich und verbrachten nahezu den ganzen Tag gemeinsam beim Spielen.
So gut die beiden aber auch befreundet waren, so hatten sie doch ein großes Problem, das wie eine Barriere zwischen ihnen stand: sie sprachen nicht die gleiche Sprache. Giacomo hatte von seinen Eltern nur Elefantisch gelernt und Pucci seinerseits beherrschte nur Girafanisch. So konnten sie zwar die Freude am Leben miteinander teilen und waren glücklich, den jeweils anderen an ihrer Seite zu haben, doch verständigen konnten sie sich leider nahezu ausschließlich über Gesten und Gebärden.
Eines Tages hatte Pucci eine fantastische Idee. Er meinte zu Giacomo, dass dieser doch einen Sprachkurs besuchen sollte, um Girafanisch zu erlenen, so dass sich die beiden in Zukunft besser verständigen könnten.
Gesagt, getan. Giacomo fragte also den Parkleiter, ob er nicht eine Sprachreise unternehmen dürfte um die girafanische Sprache zu erlernen. Der Parkleiter, ein behebiger, etwas untersetzter Mann mit einem langen grauen Bart und stets einem verschmitzten Lächeln auf den Lippen, war von der Idee begeistert, zumal ihm das Wohlbefinden seiner vierbeinigen Schützlinge sehr am Herzen lag. Er stimmte dem Vorhaben zu, meinte aber, dass es wohl am besten wäre, den Sprachkurs im Ausland zu belegen, da Giacomo auf diese Weise die neue Sprache viel schneller erlernen könnte und nebenbei auch noch nützliche Informationen über die Gewohnheiten der Giraffen erhielte.
Der kleine Elefant war überglücklich und flog noch am selben Tag mit einer vom Tierpark bereitgestellten Sondermaschine zu seinem mehrwöchigen Girafanischkurs an einer Sprachschule im tiefsten afrikanischen Busch. Dort war er vollständig in die Kultur der Giraffen eingebettet und lernte wahrlich schnell seinen Wortschatz zu erweitern, was ihm viel Freude bereitete, da er nicht nur über seine eigenen Fortschritte positiv überrascht war sondern auch einige neue Freundschaften schloss.
Lediglich vier Wochen später kehrte er wieder zurück in den Tierpark und konnte seine Nervosität kaum beherrschen, als er seinen lieben Freund Pucci nach all dieser Zeit endlich wieder sah. Und siehe da, er bedurfte keiner ungeschickten Gebärden um der Wiedersehensfreude Ausdruck zu verleihen; Giacomo fiel der kleinen Giraffe glücklich um den Hals, dann setzten sie sich gemütlich unter einen ausladenden Baum bei einem der Teiche und berichteten einander in fließendem Girafanisch von all den Erlebnissen des letzten Monats. Ihre Freundschaft war nun noch stärker zusammengewachsen, da sie die einzige Barriere, die es zwischen ihnen gab, die Kommunikationsschwierigkeiten, überwunden hatten.