Short Story

Kurzgeschichten mit Links

Wenn Kinder die Welt erklären…

Von Lyra81 am 25. August 2010 veröffentlicht

Wenn Max die Welt erklärt

Da saß er nun, der 5 Jährige Max im Auto auf der langen Fahrt zur Oma und sagte voller Überzeugung „Mama, weißt du was, die Indianer essen manchmal ihre Töpfe mit“ – mit einem Fragezeichen im Gesicht sah ich ihn an und erwiderte skeptisch „wie kommst du den da drauf?“ – „ na Mensch Mama die machen ihre Töpfe aus Bissonhaut, und die kann man dann mit essen wenn das essen darin warm ist, – „woher weißt du das den?“ frage ich verblüfft. „Na von meinen ‚Was ist Was’ -Geschichten“.

Danach bekam ich eine Schulung zum Thema Universum; jetzt weiß ich wie Sterne sterben,das die Milchstraße immer größer wird und wie die Planeten heißen-beeindruckt stelle ich fest das er ganz schön Allgemeinwissen anhäuft. Schon peinlich wenn sich Mama vom Sohnemann was erklären lassen muss, doch irgendwie erfüllt es mich mit stolz.
Inzwischen ist er Sieben Jahre alt- seit fast einem Jahr in der Schule- und ließt alles was Buchstaben hat. Folglich darf ich keine Bücher oder Zeitschriften mehr unbedacht herum liegen lassen, die nicht für Kinderaugen gedacht sind. Ich glaube nicht dass sich die Lehrerin davon beeindrucken lässt wenn er voller Inbrunst allen Gleichaltrigen erklärt wie Frauen ticken. Das hätte zur Folge dass ich mich dafür rechtfertigen müsste ihm zu ermöglichen solch verwerfliches Zeug zu lesen, und dabei fühl ich mich dann als wäre ich selbst noch Schüler- ein demütigendes Gefühl. Daher liegen die Zeitschriften schön verstaut auf einem Stapel der für ihn zu uninteressant aussieht, als das man da ein Blick rein wirft.

Schon seit er redet, versetzt er mich ständig in Erstaunen.
Sein drittes Wort teilte er uns eindrucksvoll in der Kirche mit – seine Taufe- ein feierlicher Anlass. Er war gerade 1 Jahr und 3 Monate alt. Der Pfarrer schwang seine etwas ermüdende Predig und lies den Satz „ Die Kinder sind das Spiegelbild der Eltern“ verlauten als Max in voller Inbrunst und sehr laut in das Kirchenschiff „Scheiße“ rief. Vor Scham glich mein Kopf einer Tomate und ich wäre am liebsten im Boden versunken. Langsam rutsche ich immer weiter Richtung Schuhheizung (ja so was gibt es in unserer Kirche, obwohl es wohl er dafür gedacht ist kalte Füße zu vermeiden, hat aber den nicht so ganz angenehmen Nebeneffekt das
die Kirche oft nach angekokeltem Gummi riecht) und versuchte Max durch leises
verstohlenes ‚Psssttt’ zum schweigen zu bringen. Er fand es allerdings weniger
Erstrebenswert auf mich zu hören. Daher blieb mir nichts weiter übrig als für alle gut Sichtbar durch den Mittelgang zurück in den Vorraum der Kirche zu gehen, Max grinsend auf meinem Arm. Ich versuchte die Blicke zu ignorieren – erfolglos.

Sicherlich habe ich mir das selbst zuzuschreiben, hab ich doch bis dato nicht wirklich darauf geachtet, was mir beim Autofahren über vor mir dahin kriechende Autofahrer so über die Lippen rutscht.
Vor zwei Wochen stellte ich geschockt fest dass mein Sohn sich auf meinem Auto verewigt hat. Völlig begeistert von seinem neuen ‚Papa’ hat er für alle Welt sichtbar auf der Motorhaube eine Gravur hinterlassen – wie wir früher in der Schule auf jedem Tisch und jedem Schulheft. Mein Gesicht zeigte eine lachende und weinende Seite, den die Geste an sich war super schön – aber das die Mama die Hände über dem Kopf zusammen schlägt und schockiert an die Kosten der Bereinigung des ‚Tattoos’ denkt war ihm wohl nicht klar.
Kleinlaut gab er zu das dass keine gute Aktion war, und er sowas nie wieder tut. Sogar die Strafe wurde ohne murren akzeptiert. Hier hab ich jetzt ein gemischtes Gefühl von Stolz und Enttäuschung.
Aber vor kurzem gab es wieder einer dieser Glanzmomente in denen ich vor Stolz fasst überlief wie eine Randvolle Gießkanne; Spät Abends, wir saßen auf dem Sofa, eigentlich sollte er schon schlafen, die Zimmertüre ging, es klopfte zaghaft an der Tür, er lugte herein, und sagte ganz stolz „Mama weißt du was? ich hab gerade eine ganze Geschichte Pickeldy und Frederrick gelesen“ 3 Seiten, und er habe alles verstanden. Genial – da fand ich ihn unglaublich toll!