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Totgesagte leben länger

Von barb am 24. Mai 2011 veröffentlicht
Thema: Gruseliges

Weltweit gibt es etliche Katastrophen, bei denen nicht alle Tote geborgen und identifiziert werden können. Dabei kommt es immer wieder vor, dass tot geglaubte, überlebende Personen die Gunst der Stunde nutzen, um ein neues Leben zu beginnen.

Bruno P. (52) räkelte sich auf seiner Strandmatte. Das Leben war schön: Blauer Himmel, strahlende Sonne und ein Sandstrand, von dem man normalerweise nur träumen konnte.

P. lebte nun schon seit 2 Jahren hier, wobei er sich jetzt Mike nannte. Für seinen Nachnamen interessierte sich kaum jemand. In seiner Surfschule sprachen sich alle beim Vornamen an.

Bruno vermisste sein altes Leben nicht: Eine quengelige Frau zu Hause, die jeden Tag beim Shoppen sein sauer verdientes Geld ausgab, dass er als Versicherungsagent verdient hatte. Dazu der immer gleiche Trott und das schlechte Wetter in Deutschland.

Bei einem Schiffsunglück wäre er fast ums Leben gekommen, wenn er nicht im letzten Moment die Rettungsinsel zu fassen bekommen hätte. Über eine Woche lang war er auf dem Meer unterwegs gewesen. Während dieser Zeit reifte sein Entschluss: Er würde, wenn alles gut ginge, nicht mehr nach Hause zurückkehren. Dann hatten ihn Einheimische an Land gezogen.

Bruno hatte Glück. Er konnte bei einem reichen Mann als Hausbetreuer arbeiten. Nach eineinhalb Jahren hatte er so viel Geld mit kleinen Nebengeschäften verdient, dass er seinen Traum von einer eigenen Surfschule verwirklichen konnte.

Bruno nahm ein Stück Melone aus der eisgekühlten Schale neben sich und biss hinein, als ein großer Schatten über ihm aufragte. Bruno drehte sich um und sah einen Mann in einem grauen Anzug und einem Strohhut vor sich. „Guten Tag, mein Name ist Berti Hahn von der Sonnenberg Detektei in Bottrop. Und das ist wohl Ihre Ehefrau?“

Bruno blieb der Bissen im Halse stecken. Einige Meter weiter stand unverkennbar seine Frau. Sie hatte noch ein paar Kilo zugenommen. Ihr Haar war grell gefärbt und sie hatte sich es offensichtlich mit seiner Versicherungsprämie gut gehen lassen. Ihre Kleidung war teuer, aber geschmacklos.

„Haben wir dich endlich geschnappt, du gemeiner Betrüger. Die ganzen Observationen haben zum Glück gefruchtet. Ich wusste doch, dass du nicht tot bist,“ keifte jetzt seine Frau.

Bruno schreckte hoch, schnappte nach Luft und öffnete die Augen. Es war nur das Meeresrauschen zu hören. Kein Mensch weit und breit zu sehen.

Wann würden diese Albträume endlich aufhören?