Urlaub in Dänemark
Von Chantal Graeber am 4. Juni 2010 veröffentlichtLetztes Jahr im August war es endlich soweit. Mit mehreren Freunden hatte ich ein großes Ferienhaus in den Dünen des beinahe nördlichsten Strandes von Dänemark gemietet. Zwei ganze Wochen lang sollte der Alltag vergessen werden. Statt dessen wollte ich mich ans Meer legen, von der Sonne bräunen lassen und hin und wieder einen Ausflug ins Innere des Landes machen. Was ich allerdings total vergessen hatte, war mich über die Wetterverhältnisse in Dänemark zu informieren. Oder besser gesagt, bin ich einfach davon ausgegangen, dass die Sonne scheinen würde, denn immerhin war August und damit Hochsommer.
In der Realität sah das Ganze nun aber etwas anders aus, denn bereits bei der ersten Erkundungstour durch die Dünen hinunter an den erstaunlich breiten Strand, den man sogar mit dem Auto befahren konnte, zeigte sich Dänemark von seiner besonders windigen Seite. Mir fiel es sozusagen wie Schuppen von den Augen, dass ich nicht daran gedacht hatte, dass Dänemark fast komplett vom Meer umgeben ist und eben diesem damit stark ausgeliefert ist . Da stand ich nur in Shorts und T-Shirts am Strand un dließ mir den Wind ins Gesicht wehen. Am folgenden Tag stellte sich zudem heraus, dass der Wind nicht nur für kalte Luft sorgt, sondern ununterbrochen Wolken ins Land bläst. Die Chancen auf einen zwar windigen Tag nur mit Sonnenschein stehen offensichtlich nicht besonders gut im Land mit den über 1000 Inseln. Was wiederum nicht bedeutet, dass man sich nicht trotzdem einen Sonnenbrand zuziehen kann, wenn man ohne Sonnen-Creme einen wolkigen Tag zum Strandspaziergang nutzt. So saß ich also bereits am zweiten Urlaubstag in Dänemark in unserem schön geräumigen Ferienhaus, hatte kaum Kleidung dabei, die mich – besonders am Strand – warm genug gehalten hat und hatte einen Sonnenbrand. Das waren keine besonders guten Voraussetzungen für einen entspannten Urlaub und es machte sich ein wenig Frustration in mir breit. Aber zu meiner Ehrenrettung und zu der von Dänemark sei gesagt, dass es doch warme Tage gab. Der Sonnenbrand verzog sich fast so schnell wie er gekommen war und zwei Tage später lagen wir dann doch tatsächlich am Strand und ließen es uns gut gehen. Natürlich blieb uns auch da nichts anderes übrig, als einen Windschutz um uns herum aufzubauen, denn der Wind war wirklich unser ständiger Begleiter.
Der Höhepunkt war denn auch eine Strandwanderung von ungefähr 30 Kilometern zu einem Leuchtturm, der mit der Zeit von den ihn umgebenen Dünen verschluckt wird. Schon mehrere Häuse sind den Sandmassen zum Opfer geworden. Der Tag begann wirklich schön und ich trug eine Jeans, einen Longsleeve Pullover und ein Tuch um den Hals. Zuerst war dieses Outfit auch ausreichend, aber der Wind frischte immer wieder auf und je länger die Wanderung dauerte (dass es am Ende wirklich 30 Kilometer werden würden, hatten wir nicht geahnt), umso unangenehmer wurde der ständige Wind. Schließlich lieh mir meine Schwester das Innenleben ihrer Windjacke, die sie vorrausschauender Weise mit in den Urlaub genommen hatte. Damit war mein Problem zunächst gelöst und ich vermochte mich nun auch besser auf die Umgebung konzentrieren. Wir konnten tatsächlich eine kleine Robbe vom Strand aus beobachten oder kletterten in den Ruinen der noch zuhauf existierenden Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg herum. Als der Hunger zu stark wurde, machten wir einen kleinen Abstecher in eine schöne Stadt und aßen dort zu, wenn auch etwas verspätet, zu Mittag. Beim Weiterwandern flogen Gleitsegler über unsere Köpfen am Steilüfer entlang und die Sonne ließ sich doch nochmal blicken, so dass wir sogar unsere Schuhe ausziehen, die Jeans hochkrempeln und im Wasser laufen konnten.
Je näher wir allerdings dem Ziel unserer Wanderung – dem Leuchtturm – kamen, umso unangenehmer wurde auch wieder der Wind, denn ungefähr zwei Kilometer vor dem Turm mussten wir auf einer Treppe die Steilküste hinaufklettern und oben auf den Dünen weiterwandern. Diese derartige exponierte Stelle, ist natürlich dafür prädestiniert besonders gut vom Wind erreicht zu werden. Da die Dünen zu diesem Zeitpunkt nur noch aus Sand bestanden, war zum Einem das Fortkommen sehr schwer und zum Anderen gab es kaum eine Möglichkeit, sich davor zu schützen, dass der Wind den Sand auch in die letzten Falten des Outfits wehte. Nach endlich vollbrachter Ankunft am Zielort, an dem wir uns abholen ließen, konnten wir es dann gar nicht fassen, dass wir tatsächlich 30 Kilometer zu Fuß hinter uns gebrachtz hatte.
Wieder angekommen im Ferienhaus war eine ausgiebige Dusche fällig, um auch wirklich das letzte bißchen Sand vom Kopf und dem restlichen Körper zu spülen. Den gesamten restlichen Abend lief die Dusche auf Hochtouren, denn insgesamt hatten wir diese Tour zu sechst unternommen und keiner konnte es erwarten, das Gefühl von Schmiergelpapier auf der Haut loszuwerden. Ganz abgesehen davon, dass wir natürlich sofort all unsere Kleider in die Waschmaschine gestopft haben, um den Sand nicht im ganzen Haus zu verteilen. Die Freunde, die nicht mit auf die Wanderung gekommen waren, konnten es gar nicht fassen, dass wir eine derartige Strecke hinter uns gebracht hatten. Wenn ich jetzt im Nachhinein daran denke, kommt es mir auch schon so vor, als ob ich gar nicht dabei gewesen wäre. Aber es gibt Beweisfotos für meine Teilnahme und auch dafür, dass Dänemark zwar ein sehr schönes, aber vor allem sehr windiges Land ist.









